Twistringen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Twistringen
Twistringen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Twistringen hervorgehoben
Koordinaten: 52° 48′ N, 8° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Diepholz
Höhe: 49 m ü. NHN
Fläche: 114,23 km2
Einwohner: 12.449 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km2
Postleitzahl: 27239
Vorwahlen: 04243, 04246
Kfz-Kennzeichen: DH, SY
Gemeindeschlüssel: 03 2 51 042
Stadtgliederung: 8 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Lindenstraße 14
27239 Twistringen
Website: www.twistringen.de
Bürgermeister: Jens Bley
Lage der Stadt Twistringen im Landkreis Diepholz
Landkreis DiepholzNiedersachsenNordrhein-WestfalenNordrhein-WestfalenLandkreis OsnabrückLandkreis Nienburg/WeserBremenDelmenhorstLandkreis VerdenLandkreis VechtaLandkreis OldenburgLandkreis CloppenburgStemshornLemfördeQuernheimBrockumMarlQuernheimHüdeLembruchDümmerDiepholzDrebberBarnstorfWetschenDickelRehdenHemslohBarverFreistattWehrbleckBahrenborstelVarrelKirchdorfWagenfeldBarenburgBarenburgEydelstedtSulingenDrentwedeScholenEhrenburgNeuenkirchenMaasenBorstelSiedenburgMellinghausenStaffhorstSchwafördenAsendorfAffinghausenSudwaldeSchwarmeMartfeldBruchhausen-VilsenTwistringenBassumSykeWeyheStuhrKarte
Über dieses Bild

Twistringen (Plattdeutsch Twustern) ist eine Stadt im Landkreis Diepholz in Niedersachsen. Sie liegt rund 30 Kilometer südwestlich von Bremen am Südostrand des Naherholungsgebietes Wildeshauser Geest. In Twistringen entspringt die Delme.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kernstadt und die Ortschaften von Twistringen
Twistringen

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twistringen liegt 30 Kilometer südwestlich von Bremen, 25 Kilometer nordöstlich von Diepholz und 40 Kilometer westlich von Nienburg. Durch das Stadtgebiet nach Norden fließt die Delme und in westlicher Richtung durch Heiligenloh fließt die in die Hunte mündende Heiligenloher Beeke.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Twistringen besteht aus acht Ortschaften die jeweils einen Ortsrat haben.

Name Einwohner Orte Ortsbürgermeister
Abbenhausen 738 Abbenhausen, Binghausen, Brümsen, Hinterm Holze, Köbbinghausen, Üssinghausen Bernhard Kunst
Altenmarhorst 769 Altenmarhorst, Neuenmarhorst und Horst Manfred Rickers
Heiligenloh 1.051 Bissenhausen, Borwede, Ellinghausen, Heiligenloh, Ridderade, Stophel Anke von der Lage-Borchers
Mörsen 1.052 Jens Bley
Natenstedt 358 Abbentheren, Duveneck, Ellerchenhausen, Lerchenhausen, Natenstedt, Rüssen Werner Schütte
Scharrendorf 1.253 Scharrendorf, Stöttinghausen Rolf Meyer
Stelle 319 Albert Rasche
Twistringen (Zentrum) 6.922 Frank Hömer

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stahlskulptur „Goldregen“ über der Hunte südlich der „Goldenen Brücke“, die die Grenze des Ortsteils Rüssen zu Goldenstedt bildet

Nachbargemeinden der gesamten Stadt Twistringen sind innerhalb des Landkreises Diepholz im Nordosten die Stadt Bassum, im Südosten die Samtgemeinde Schwaförden und im Süden die Samtgemeinde Barnstorf. Im Westen sind die Gemeinden Colnrade (Landkreis Oldenburg) und Goldenstedt (Landkreis Vechta) Nachbarn.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregionale Bedeutung hat Twistringen in geologischer Hinsicht erlangt. Bis in die 1990er Jahre wurden am Ortsrand in den Gruben der Ziegelei Sunder Tonsteine abgebaut. Es handelt sich um Sedimente der Ur-Nordsee, die im Miozän, einer Stufe des Tertiärzeitalters, zur Ablagerung kamen. Diese Fundstelle ist Typlokalität der Twistringer Schichten, einem Abschnitt der Reinbek-Dingdener-Stufe. Das Alter dieser Ablagerungen aus dem Mittel-Miozän beträgt in etwa 15 Millionen Jahre.

In den Tonsteinen fand sich eine sehr arten- und individuenreiche Fauna an Schnecken, Muscheln, Grabfüßern (Scaphopoden) und Korallen. Seltener kamen Seeigel, Wirbeltierknochen und -zähne sowie Cephalopodenreste vor. Die Fauna war insgesamt kleinwüchsig und wenig spektakulär. Aber aufgrund der Artenvielfalt (es sind alleine über 250 Schneckenarten aus den Twistringer Schichten bekannt und beschrieben) ergibt sich ein solch exaktes Bild der Tierwelt jener Epoche, dass Twistringen heute zu den klassischen Fundstellen der Paläontologie gezählt wird. Funde aus Twistringen befinden sich in zahlreichen Museen und Privatsammlungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twistringen wurde erstmals um 1250 als Thuisteringe in einer Urkunde erwähnt. In diesem Schriftstück sind alle Orte genannt, die jährliche Beiträge zum Unterhalt der Weserbrücke in Bremen leisten mussten.

Eine Pfarrei bestand in Twistringen bereits seit etwa 825. Nachdem die Christen im Niederstift Münster, dem Twistringen im 16. Jahrhundert angehörte, durch lutherische Prediger im Gefolge der Reformation stark im Sinne der evangelischen Konfession beeinflusst worden waren, wurde das Kirchspiel Twistringen ab 1668[2] erfolgreich rekatholisiert. Im evangelisch geprägten zunächst hannoverschen (bis 1866), danach preußischen (bis 1946) und schließlich niedersächsischen (seit 1946) Umland ist das Kirchspiel Twistringen seit Jahrhunderten eine katholische Enklave und Sitz eines Dekanates.

Bis 1811 gehörte Twistringen zur Herrschaft Vechta im Niederstift Münster. 1811 wurde der Ort Teil des von Napoleon I errichteten „Départements de l’Ems-Supérieur“. Während der Franzosenzeit (1811–1813) erhielt der Ort mit der Napoleon-Straße (heute Bundesstraße 51) eine modernere Straßenanbindung.

Im Zuge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress und nach Grenzverhandlungen zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover wurde 1817 die politische Gemeinde Twistringen Hannover zugeordnet. Die katholische Kirchengemeinde wurde 1824 Teil des Bistums Osnabrück. Erst mit dem Bau der Eisenbahnlinie Bremen-Osnabrück (Eröffnung am 15. Mai 1873) siedelten sich wieder Lutheraner in Twistringen an. Diese gründeten 1891 eine evangelisch-lutherische Gemeinde und weihten 1894 ihre eigene Kirche ein.

In Twistringen gab es auch eine kleine jüdische Gemeinschaft und bis 1938 eine Synagoge, an die heute eine Gedenktafel erinnert. Außerhalb des Ortskerns gibt es noch einen jüdischen Friedhof.

1964 erhielt die Gemeinde Twistringen die Stadtrechte. Am 1. März 1974 entstand die Einheitsgemeinde Stadt Twistringen mit den Ortschaften Abbenhausen, Altenmarhorst, Heiligenloh, Mörsen, Natenstedt, Rüssen, Scharrendorf, Stelle und Twistringen.[3]

Küche aus den 1950er Jahren im Museum der Strohverarbeitung: Trinkhalmfertigung in Heimarbeit

Bedeutung der Strohverarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahrhunderte spielte in Twistringen die Strohverarbeitung eine bedeutende Rolle. Zeitweise war ein Drittel der Einwohner (in Fabriken und in Heimarbeit) in diesem Industriezweig beschäftigt. Hergestellt wurden u. a. Strohhüte, Ummantelungen für Weinflaschen (so genannte Malotten) und Trinkhalme. Die Artikel wurden in zahlreiche Länder exportiert. Das Museum der Strohverarbeitung dokumentiert die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.

  • Größter Strohhut der Welt

Zur Feier des 750-jährigen Jubiläums der Stadt Twistringen im Jahr 2000 wurde vor dem Rathaus ein riesiger Strohhut angefertigt, der einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde brachte. Mit einem Durchmesser von etwa 5,5 Metern stellt der Hut eine 20-fache Vergrößerung eines Kreissäge-Hutes aus den 1920er Jahren dar. Zur Feier kam auch der aus Twistringen stammende Fernsehmoderator Reinhold Beckmann. Der Hut ist heute im Museum der Strohverarbeitung zu sehen.

Frühgeschichtlicher Ringwall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangstor zur „Hünenburg“

Im Ortsteil Stöttinghausen befindet sich die so genannte Hünenburg. Es ist ein frühgeschichtlicher Ringwall mit einem Durchmesser von etwa 80 m. Dabei handelt es sich um die Reste einer frühgeschichtlichen Wehranlage aus dem 5. bis 9. Jahrhundert. Im Jahr 1932 ergab eine Untersuchung des Wallinneren, dass sich ehemals mehrere Gebäude darin befanden. Der örtliche Heimatverein Scharrendorf-Stöttinghausen zur Hünenburg hat sich 2001 gegründet, um die Hünenburg zu rekonstruieren und hierfür öffentliche Fördergelder zu akquirieren. 2005 wurde das hölzerne Eingangstor zur Hünenburg rekonstruiert. 2008 folgte das erste Gebäude im Innenbereich der Anlage. Den Abschluss bildete 2014 die Errichtung eines Backhauses. Hierdurch erhielt die Ringwallanlage wieder einen annähernd burgähnlichen Charakter. Die Pflege und Instandhaltung der Anlage hat der Heimatverein übernommen.[4]

Flugzeugunglück von 1973[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. November 1973 stürzte ein belgischer Starfighter im Ortsteil Mörsen auf ein Wohnhaus. Der Pilot, ein Feuerwehrmann, der Vater, die Mutter und zwei Mädchen der Familie kamen ums Leben. Ein Junge der Familie konnte sich aus einer Luke heraus retten, bevor das Feuer auf das Wohnhaus übergriff. Das Unglück hinterließ drei junge Waisen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2016[5]
Wahlbeteiligung: 54,48 %
 %
50
40
30
20
10
0
47,92 %
16,87 %
14,00 %
11,77 %
7,13 %
2,28 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
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-12
-11,96 %p
+16,87 %p
+0,04 %p
-5,98 %p
+0,66 %p
+0,35 %p

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat der Stadt Twistringen besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern sind laut Niedersächsischem Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) normalerweise 30 Ratsmitglieder vorgesehen.[6] Der Rat der Stadt Twistringen hat von der Möglichkeit einer Verringerung der zu wählenden Ratsmitglieder Gebrauch gemacht und hat die Zahl per Ratsbeschluss um vier auf 26 Ratsmitglieder verringert.[7] Die 26 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die Amtszeit begann am 1. November 2016 und endete am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Jens Bley.

Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Ergebnisse:

CDU SPD FDP Grüne FWG Die Linke Gesamt
2001 22 Sitze 6 Sitze 0 Sitze 2 Sitze 0 Sitze 0 Sitze 30 Sitze
2006 17 Sitze 5 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 0 Sitze 0 Sitze 26 Sitze
2011 15 Sitze 5 Sitze 2 Sitze 4 Sitze 0 Sitze 0 Sitze 26 Sitze
2016 12 Sitze 3 Sitze 2 Sitze 4 Sitze 4 Sitze 1 Sitz 26 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juni 2019 ist Jens Bley hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Twistringen. Als parteiunabhängiger Bewerber setzte er sich mit 78,39 % der Stimmen gegen seinen Mitbewerber durch.[8]

Bisherige Bürgermeister der Stadt:

  • 2000–2014: Karl Meyer (parteilos)
  • 2014–2018: Martin Schlake (parteilos)
  • Mai 2018–Juni 2019: Horst Wiesch, Interims-Bürgermeister[9]
  • seit Juni 2019: Jens Bley (CDU)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Twistringen

Blasonierung: „Das Wappen der Stadt zeigt auf einem Schild im oberen roten Feld ein weißes Niedersachsenross. Im unteren gelben Feld sind auf einem roten Querbalken drei gelbe Zahnräder - als Zeichen der Industrie - angebracht.“

Beschreibung: Das Twistringer Wappen wurde 1935/36 von Gustav Völker, einem Oberschullehrer aus Hannover, entworfen. Es zeigt im oberen Feld auf rotem Grund das weiße Niedersachsenross. Das untere Feld, bestehend aus einem breiten roten Balken auf goldenem Grund, zeigt das Wappen des Bischofs von Münster. Im roten Balken sind drei Zahnräder eingearbeitet worden. Im Wappen wird dargestellt und aus ihm lässt sich ablesen, dass Twistringen jahrhundertelang ein willkommenes Streitobjekt der Grafen und der Bischöfe war. Am häufigsten wechselte der Besitz Twistringens zwischen den Grafen von Hoya und den Bischöfen von Münster. In der Aufteilung in zwei Felder spiegelt sich diese Mehrherrigkeit wider: Im oberen Bereich ist das Niedersachsenross der Provinz Hannover zu sehen, während der untere Bereich das Wappen des Bistums Münster zeigt. Die Selbständigkeit Twistringens wird durch die drei Zahnräder – als Zeichen für die damals größte Industriegemeinde im damaligen Landkreis Grafschaft Hoya – dargestellt.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Anna

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch Liste der Baudenkmale in Twistringen

  • Die katholische neugotische Kirche St. Anna von 1870 ist mit ihrem mächtigen, 56 Meter hohen Turm Wahrzeichen der Stadt. In ihrem Inneren sind unter anderem ein 800 Jahre alter Taufbrunnen und ein aus dem Spätbarock stammendes Ölbergbild zu sehen.
  • Evangelische Martin-Luther-Kirche in Twistringen von 1894
  • Evangelische Kirche in Heiligenloh, Am Pfarrgarten
  • Speicher von 1851 in Lerchenhausen
  • Ringwall (Hühnenburg) in Scharrendorf
  • Schule Am Markt in Twistringen

Kunst im öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Innenstadt und im Ortsteil Heiligenloh befinden sich zwei Skulpturen von Künstlern aus Syke. Die beiden zusammengehörenden Objekte verweisen auf die über 200-jährige, in dieser Form im norddeutschen Raum einmalige Strohverarbeitung im Kirchspiel Twistringen:
  • Aus der Enge befreit: Sandsteinfigur von 2004 im Eingangsbereich des St.-Annen-Stiftes vom Osnabrücker Bildhauer Dominikus Witte. Es soll das Ziel der dort untergebrachten Psychiatrie verdeutlichen, dass der Einzelne aus seinen Verstrickungen ans Licht treten kann.
  • Goldregen: Stahlskulptur von 2013 über die Hunte südlich der „Goldenen Brücke“ an der Grenze des Ortsteils Rüssen zu Goldenstedt, angefertigt von dem Schmiedekünstler Alfred Bullermann aus Friesoythe[11]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jährlich finden im Rahmen des Twistringer Orgelherbstes Konzerte in der St.-Anna-Kirche statt. Namhafte Interpreten aus dem In- und Ausland gastieren in drei bis vier Konzerten.
  • Der Dekanats-Chor Twistringen und die Choralschola St. Anna gestalten die zentralen liturgischen Feiern des Kirchenjahres.
  • Das Collegium St. Annae ist ein Kammermusik-Ensemble, die teils eigenständig, teils begleitend Gottesdienste und Konzerte gestalten.
  • Das Blockflöten-Ensemble Asperasilva hat zum Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Flötenspiel zu vervollkommnen.
  • Das Twistringer Blasorchester mit knapp 50 aktiven Mitgliedern spielt klassische und moderne Musik und veranstaltet jedes Jahr drei Konzerte.
  • Der Twistringer Spielmannszug mit vielen Jungen Mitgliedern sorgt jährlich zur Schützenfest-Saison bei vielen Umzügen für musikalische Unterstützung. Aber auch auf Karnevals- und Laternenumzügen ist der Twistringer Spielmannszug vertreten.
  • Die Freunde der alten Ziegelei veranstalten seit 2011 jährlich ein dreitägiges Open-Air-Konzert mit internationalen, nationalen und lokalen Bands. Das Programm besteht hauptsächlich aus Hard-Rock und Blues-Rock Bands.[12] Zusätzlich werden jährlich zwei bis drei Hallen-Konzerte veranstaltet. Das Programm dieser Konzerte besteht hauptsächlich aus Cover-Bands aus den Bereichen Rock, Blues und Soul.[13]

Stadtarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtarchiv Twistringen im Rathaus, Lindenstr. 14, ist das Verwaltungsarchiv der Stadt Twistringen. Hier stehen Akten, Karten, Urkunden, Nachlässe und alte Ausgaben der regionalen Zeitungen zur Verfügung.[14]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jüdische Friedhof in Twistringen ist ein Kulturdenkmal. Er ist einer von acht gut erhaltenen jüdischen Friedhöfen im Landkreis Diepholz. Auf dem Friedhof an der Straße Zur Poggenmühle befinden sich 46 Grabsteine aus den Jahren 1839 bis 1945 für jüdische Verstorbene.

Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waldgebiet Dehmse, liegt im nördlichen Stadtgebiet von Twistringen, ca. 1 km westlich des Twistringer Ortsteils Köbbinghausen, an der Grenze zur Samtgemeinde Harpstedt
  • Steller-Moor im östlichen Stadtgebiet von Twistringen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Twistringen gibt es Unternehmen zur Versorgung der Landwirtschaft (z. B. Raiffeisen-Warengenossenschaft Niedersachsen eG, Best 3 Geflügelernährung GmbH (letztere mit 113 Beschäftigten), Kraftfutter-Meyer GmbH, aber auch andere Branchen wie z. B. den Kosmetik 2016).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schule Am Markt
Gymnasium Twistringen

In Twistringen gibt es zwei Grundschulen und ein Schulzentrum. Im Schulzentrum sind Hauptschule und Realschule untergebracht. Auf demselben Gelände befand sich auch die Stadtbücherei. Das Gymnasium gibt es seit 2004 und war zunächst ebenfalls im Schulzentrum untergebracht. Im August 2007 konnte das Gymnasium dann ein neues Gebäude an der Vechtaer Straße beziehen. Seit 2011 trägt es den Namen Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen. Außerdem geben die Volkshochschule Diepholz und die Kreismusikschule des Landkreises Diepholz in Twistringen Unterricht. Twistringen verfügt zudem über mehrere Kindergärten.

Sozialeinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klinikverbund Landkreis Diepholz gGmbH: Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in den Räumen der ehemaligen Klinik Twistringen.
  • Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Kinderhospitalverein zu Osnabrück in den Räumen der ehemaligen Klinik Twistringen mit Psychiatrischer Institutsambulanz (PIA) für Kinder- und Jugendliche.
  • Christliche Pfadfinder - Stamm Mauritius (Heiliger): Schulungen für Kinder und Jugendliche sowie Leiter[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twistringer Bahnhof

Bahn Der Bahnhof Twistringen liegt an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg. Die Verbindung nach Bremen erfolgt halbstündlich (RE 9 und Regio-S-Bahn RS 2, Fahrtzeit 29 bw. 35 Minuten); Osnabrück ist stündlich angebunden (RE 9, Fahrtzeit 48 Minuten).

Straße Die B 51 durchschneidet das Stadtgebiet in Nordost-Südwest-Richtung und schafft Verbindung zum Norden nach Bremen und nach Süden zur Kreisstadt Diepholz und nach Osnabrück. Die nordöstlich in 18 ;Kilometer Entfernung verlaufende Bundesautobahn 1 schafft nach Norden hin Verbindung bis nach Hamburg und zum Süden hin bis nach Münster und ins Ruhrgebiet.

Bus Von Twistringen aus verkehren die Buslinien 125 über Barnstorf nach Diepholz und 158 über Ehrenburg nach Sulingen. Außerdem verkehren mehrere Schulbuslinien zum Schulzentrum Twistringen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Bach (1924–2010) war ein Heimatforscher, Autor und Pädagoge, der in Heiligenloh gelebt und gearbeitet hat. Von 1963 bis 1986 war Bach an der Grundschule in Heiligenloh als Pädagoge tätig, deren Leiter er ab 1970 war. 1978 gründete er – zusammen mit Friedrich Kratzsch – das Stadtarchiv in Twistringen, das beide bis 2010 zusammen ehrenamtlich leiteten. Seit 1986 war Bach verstärkt als Heimatforscher tätig und hat zahlr. Bücher und Broschüren zur Regionalgeschichte des Twistringer Raumes verfasst.
  • Friedrich Kratzsch (* 1946), Pädagoge und Autor, arbeitet seit 1978 als Realschullehrer an der hiesigen Realschule. Seit 1978 leitet er - zusammen mit Otto Bach - das Stadtarchiv in Twistringen. Kratzsch hat mehrere Bücher zu verschiedenen Twistringer Themen veröffentlicht.

Das Twistringer Lied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Twistringer Lied ist eine lokale Hymne, die 1935 von Franz Berger (Text) zusammen mit Heinrich Hammann sen. (Musik) komponiert wurde. Der in Hannover geborene Franz Berger war Lehrer und Politiker in Twistringen. Die vierte Strophe des Liedes entstand 1937 zum zehnjährigen Bestehen des Twistringer Schützenvereins.[16]

„Zwischen Weserland und Hunte
Zwischen Bergland und dem Meer
Wo in weiter, breiter Runde
Korn auf Feldern ährenschwer,
Wo die Väter erdverbunden
Schaffen mit der Söhne Kraft,
Wo der Fremde hergefunden,
Gern sich eine Heimat schafft.

(Refrain:) Perle, du in Niedersachsen,
Stätte schönster Fröhlichkeit,
Twistringen ans Herz gewachsen
Bist du mir in aller Zeit.

Arbeit, Handel, Wandel, Streben
Zeichnen uns im Heimatland.
Frau'n und Töchter unser Leben
Schmücken Sie mit lieber Hand,
Frohsein, Munterkeit und Freude,
Starker Mut und Tüchtigsein,
Hilfsbereit in allem Leide,
Dafür stehen wir gern ein.

(Refrain)

Bin ich einst im fremden Lande,
Jugendleicht von hier entschlüpft,
Reißen sollen nicht die Bande,
Die, die Heimat mir geknüpft,
Unter ferner Himmel Bläue,
Hätte man mich noch so gern,
Immer schwöre ich aufs neue:
Twistringen mein Lebensstern.

(Refrain)

Grüne Röcke, grüne Hüte
Federschmuck als bunte Zier
Und ein Trunk in alter Güte,
Solches lobt ein Schütze hier.
An der Preis- und Königsscheibe,
Klares Aug' und feste Hand,
Dass es immer noch so bleibe
Hier in unserm Vaterland.

(Refrain)“

Das Twistringer Lied

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde in Twistringen in großem Ausmaß illegal [Schnaps] gebrannt und auch in umliegende Orte vertrieben. Die Schnapsbrennerei brachte Twistringen im Volksmund den Beinamen Brenndorf ein. Dieser Name ist in der näheren Umgebung Twistringens zum Teil heute noch gebräuchlich. In den 60er Jahren gewann Twistringen bundesweite Aufmerksamkeit (selbst die Bild berichtete), weil drei ortsansässige Pastoren ein Kino absperren wollten, das Bergmanns "das Schweigen" aufführen wollte.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift zur 700-Jahrfeier Twistringens. 1250 - 1950. (Hrsg.: Gemeinde Twistringen), Twistringen 1950, 54+31 S. m. zahlr. Abb.
  • Otto Bach, Friedrich Kratzsch u. a.: Twistringen – Eine Heimatkunde. 1986, 436 Seiten.
  • Otto Bach u. Friedrich Kratzsch: Twistringen in alten Ansichten. Zaltbommel (NL) 1984 (3. A.), 80 S. m. 76 Abb.
  • Stadtarchiv Twistringen (Hrsg.): 750 Jahre Twistringen – Beiträge zur Geschichte einer Kleinstadt zwischen Delme und Hunte. 2000, 304 Seiten.
  • Museum der Strohverarbeitung Twistringen (Hrsg.): Strohverarbeitung in Twistringen. 2005, 141 Seiten
  • Lydia Funke-Westermann u. Friedrich Kratzsch: Geachtet und Geächtet. Twistringen und seine Juden 1933–1943. Harpstedt 1985; 2., überarbeitete Auflage 1990, 62 Seiten
  • Twistringen. In: Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen Niedersachsen. München / Berlin 1992, S. 1276 f.
  • Friedrich Kratzsch: Zwischen Kriegen, Kreuz und Hakenkreuz. Twistringen und sein Umland 1919–1939. Bassum-Ringmar 1997, 397 Seiten
  • Friedrich Kratzsch u. Ulrich Kathmann: Twistringen und seine Ortsteile vom 2. Weltkrieg bis zur Gegenwart. Ein Fotoband mit Archivbildern. Twistringen 2002, 147 Seiten
  • Heinz-Hermann Böttcher: Der Jüdische Friedhof in Twistringen – Dokumentation. (Typoskriptdruck im Eigenverlag), Syke 2003, 120 Seiten
  • Nancy Kratochwill-Gertich und Antje C. Naujoks: Twistringen. In: Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2 (1668 S.), Göttingen 2005, Seite 1475–1482.
  • [Autorenkollektiv:] Von Alwine bis Ziska. Frauenprofile aus Twistringen. (Hrsg.: LandFrauenverein Twistringen e. V. und Stadt Twistringen, Gleichstellungsbeauftragte), Twistringen 2007, 111 S. m. zahlr. Abb.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Twistringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Twistringen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. Franz Josef Scheeben: Seit 350 Jahren gehört Oldenburg zum Bistum Münster – Warum „Bomben-Bernd“ die geistliche Gewalt in Südoldenburg kaufte. kirche-und-leben.de. 14. September 2018
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 191.
  4. Heimatverein Scharrendorf: Geschichte
  5. Ergebnisse der Kommunalwahl 2016
  6. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 7. Dezember 2014
  7. Satzung über die Zahl der zu wählenden Ratsfrauen und Ratsherren der Stadt Twistringen, abgerufen am 7. Dezember 2014
  8. https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/twistringen-ort47316/buergermeister-wahl-twistringen-auszaehlung-beendet-12336584.html
  9. https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/twistringen-ort47316/horst-wiesch-vertritt-schlake-9754305.html
  10. Eintrag über die Partnerstädte auf der Homepage der Stadt Twistringen Abgerufen am 13. April 2019, 19:07
  11. Gemeinde Goldenstedt: „Goldregen“ spannt sich über Hunte. Neue Stahlskulptur bei der Goldenen Brücke eingeweiht (Memento des Originals vom 12. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.goldenstedt.de. 8. Oktober 2013
  12. kreiszeitung.de: Festival für alle Generationen – Ziegelei-Open-Air in Twistringen, abgerufen am 7. Dezember 2014
  13. kreiszeitung.de: Familientreffen mit Herz und viel Seele, abgerufen am 7. Dezember 2014
  14. Stadtarchiv Twistringen auf der Website der Stadt Twistringen
  15. Bauherren suchen den „Sandmann“. kreiszeitung.de, 1. Oktober 2010, abgerufen am 13. Juni 2013.
  16. kreiszeitung.de: Lokale Hymne gehört zum guten Ton, abgerufen am 7. Dezember 2014
  17. https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/erbitterte-kaempfe-kirche-481341.html