Glockenblumen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Glockenblume)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Glockenblumen
Wiesen-Glockenblume(Campanula patula)

Wiesen-Glockenblume
(Campanula patula)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)
Unterfamilie: Campanuloideae
Gattung: Glockenblumen
Wissenschaftlicher Name
Campanula
L.

Die Glockenblumen (Campanula) sind die größte Pflanzengattung in der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Glockenblumen-Arten sind meist ausdauernde krautige Pflanzen, nur wenige Arten sind ein- oder zweijährig. In der großen Gattung gibt es sowohl polsterbildende, als auch bodendeckende Arten. Die Laubblätter der meisten Glockenblumen-Arten weisen am Blattrand kleine weiße Drüsen auf. Nebenblätter fehlen.

Die Blüten stehen meist in traubigen oder zymösen Blütenständen. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind an ihrer Basis verwachsen. Die fünf Kronblätter sind röhrig oder glockenförmig, zu den typischen „Glocken“, verwachsen, meist sind die Spitzen frei, diese werden traditionsgemäß als „Kronzipfel“ bezeichnet. Die vorherrschenden Farben der Blütenkronblätter sind verschiedene Blautöne, lila oder weiß, seltener blühen sie hellgelb. Bei allen Arten kommen gelegentlich Individuen mit weißer (statt blauer) Krone vor. Es ist nur ein Kreis mit fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Drei bis fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.[1]

Sie sind meist protandrisch. Zuerst wird der Pollen an den Griffelhaaren abgelagert, danach verwelken die Staubbeutel und die Insekten können den Pollen vom Griffel absammeln.

Es werden Porenkapseln ausgebildet, eine auf nur wenige Gattungen beschränkte Unterform der Kapselfrüchte. Die vielen Samen werden durch Löcher ausgestreut. Glockenblumen sind dabei Wind- und Tierstreuer (Semachorie, einer speziellen Ausbreitungsstrategie von Pflanzen).

Vorkommen[Bearbeiten]

Glockenblumen sind kosmopolitisch verbreitet und besiedeln verschiedenste Standorte. Sie kommen auf Wiesen, an Waldrändern, Wegrändern, oder an Felsstandorten vor. Auch im Hochgebirge in Höhenlagen oberhalb von 2000 Meter sind zahlreiche Glockenblumen-Arten zu finden. In europäischen Hochgebirgen (Alpen, Kaukasus) kommen besonders viele Arten vor, die nur dort zu finden sind. Campanula ist weiterhin die Gattung mit den meisten kleinräumig verbreiteten Arten in Europa [2].

Systematik[Bearbeiten]

Der Gattungsname Campanula wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum[3] erstveröffentlicht. Der botanische Gattungsname Campanula bedeutet Glocke, Glöckchen und ist auf die Blütenform bezogen. Als Lectotypus wurde 1913 Campanula latifolia L. festgelegt. Im Umfang der Gattung nach C. Roquet et al. 2008 sind Synonyme für Campanula: Annaea Kolak., Brachycodon Fed., Campanulastrum Small, Diosphaera Buser, Echinocodon Kolak., Fedorovia Kolak., Gadellia Schulkina, Hyssaria Kolak., Mzymtella Kolak., Neocodon Kolak. & Serdyuk., Pseudocampanula Kolak., Rapuntia Chevall., Rapuntium Post & Kuntze, orth. var., Rotantha Small, Sachokiella Kolak., Symphiandra Steud., orth. var., Symphyandra A.DC., Tracheliopsis Buser [4].

Mehrere phylogenetische Studien haben unabhängig voneinander gezeigt, dass Campanula paraphyletisch oder polyphyletisch, also keine natürliche Gruppe ist. [5] [6] [7] Eine neue Klassifikation, die die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung berücksichtigt, gibt es noch nicht. Da bisher etwa 90 Arten in phylogenetischen Studien untersucht worden sind, müssen weitere Studien mit einer sehr viel größeren Anzahl von Arten abgewartet werden. Siehe hierzu die ausführliche Diskussion in Roquet et al. (2008)[6] sowie Borsch et al. 2009 [7] Die Paraphylie oder Polyphylie von Campanula legt weiterhin nahe, dass die Ähnlichkeiten im Blütenbau durch konvergente Anpassungen an Bestäuber entstanden sind.

Bestand von Campanula andrewsii
Blütenstand der Borstigen Glockenblume (Campanula cervicaria).
Zwerg-Glockenblume
(Campanula cochleariifolia).
Bestand von Campanula garganica
Campanula hofmannii. Gut zu erkennen sind hier die grünen Kelchblätter
Bestand von Campanula myrtifolia.
Habitus und Blüten von Campanula oreadum
Pfirsichblättrige Glockenblume
(Campanula persicifolia)
Ausschnitt eines Blütenstandes von Campanula punctata
Bestand von Campanula rapunculoides in Kultur
Blüte der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia) mit Kelch- und Kronblättern
Bestand von Campanula sarmatica im Habitat.
Die Blüte von Campanula sibirica.
Die gelben Blüten von Campanula sulphurea.
Blütenstand und Laubblätter von Campanula takesimana.
Blütenstand der Gewöhnlichen Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides subsp. thyrsoides).
Blütenstand der Nesselblättrigen Glockenblume (Campanula trachelium).
Einzeln stehende Blüten bei Campanula uniflora.
Habitus und Blüten von Campanula wilkinsiana.

Es gibt etwa 300 bis 500 Campanula-Arten, hier alle 473 Arten nach GRIN [4]:

Nicht mehr in diese Gattung gehört:

  • Becherglocke oder Lilienglöckchen (Adenophora liliifolia (L.) Besser. Syn.: Campanula liliifolia L.) [6]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zartheit der meisten Blüten der Glockenblumen und die blaue Farbe haben Dichter und Erzähler sicherlich inspiriert, sich so viele Gedanken über diese Pflanze zu machen.

Schon im 16. Jahrhundert wurden die Pflanzen mit den Glockenblüten erwähnt.

Feen und Elfen werden oftmals mit den Blütenglocken als Kopfbedeckung dargestellt.

Im Februar 2001 wurde die Glockenblume zur Staude des Jahres gekürt.

Nutzung als Zierpflanze[Bearbeiten]

Einige Arten werden als Zierpflanzen für Beete, Pflanzgefäße und einige Arten sogar für kühle Räume als Zimmerpflanzen verwendet. Die meisten Glockenblumen werden gärtnerisch den Steingartenstauden zugeordnet, da ihre Blätter die Wärmeabstrahlung der Gesteine gut vertragen.

Im Gartenbau ist eine große Anzahl Hybriden entstanden.

Sorten (Auswahl):

  • Samenvermehrbare Sorten: 'Blaue Clips', 'Weiße Clips'. Weitere Sorten: 'Karpatenkrone' (hellblau), 'Karpatenglocke' (dunkelviolett, 20 bis 30 cm).
    • Sorten von C. portenschlagiana (bedeckend): 'Birch Hybrid' (dunkelviolett, wüchsig), 'Resholt' (tiefviolett, nachblühend).
    • Sorten von C. poscharskyana (starkwüchsig): 'Blauranke' (hellblau), 'E. H. Frost' (weiß), 'Stella' (dunkelviolett).

Literatur[Bearbeiten]

  • Cristina Roquet, Llorenç Sáez, Juan José Aldasoro, Alfonso Susanna, María Luisa Alarcón & Núria García-Jacas: Natural delineation, molecular phylogeny and floral evolution in Campanula, In: Systematic Botany, 33, 2008, S. 203–217, doi:10.1600/036364408783887465
  • T. G. Lammers: World Checklist and Bibliography of Campanulaceae, Kew Publishing, Richmond, Surrey, 2007, ISBN 978-1-8424-6186-0 (fortgeschriebene Checkliste online).
  • Bernd Hertle, Peter Kiermeier, Marion Nickig: Gartenblumen – Porträts und Pflegeanleitungen beliebter Gartenblumen und attraktiver Grünpflanzen, Gräfe und Unzer, München 1993, ISBN 3-7742-1796-3.
  • Sonja Kovačić: The genus Campanula L. (Campanulaceae) in Croatia, circum-Adriatic and west Balkan region. In: Acta Botanica Croatica 63 (2), 2004, 171–202. (PDF)
  • E. Nasir: Campanula. In E. Nasir: Flora of Pakistan, 155: Campanulaceae, Karachi, 1984, S. 6–20 (online) (engl.)
  • A. Fedorov: Campanulaceae. In: B. K. Schischkin & E. G. Bobrov (Hrsg.): Flora of the U.S.S.R. (Flora SSSR), Vol. 24: Dipsacaceae, Cucurbitaceae, Campanulaceae. Moscow, Leningrad: Soviet Academy of Sciences, 1957, englische Übersetzung: Jerusalem, Israel Program for Scientific Translations, 1972. ISBN 0-7065-1254-5, S. 92–321 (bzw. S. 126–450 im russischen Original) (online).
  • A. Fedorov & M. Kovanda: Campanulaceae. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae), Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 74–93 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • T. Borsch, N. Korotkova, T. Raus, W. Lobin & C. Löhne: The petD group II intron as a genus and species level marker: Utility for tree inference and species identification in the diverse genus Campanula (Campanulaceae). In: Willdenowia, 39, 2009, S. 7–33, doi:10.3372/wi.39.39101.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Cullen et al: The European Garden Flora: a Manual for the Identification of Plants Cultivated in Europe, Both Out-of-doors and under Glass. Vol. 6, Dicotyledons (Part IV): Loganiaceae to Compositae. Cambridge: Cambridge University Press, 2000. ISBN 0-521-42097-0. S. 466. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. A. Fedorov & M. Kovanda: Campanulaceae. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae), Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 74–93 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Carl von Linné: Species Plantarum 1, 1753, S. 163 (Erstveröffentlichung)
  4. a b Eintrag bei GRIN. eingesehen im November 2010
  5. W. M. M. Eddie, T. Shulkina, J. Gaskin, R. C. Haberle & R. K. Jansen: Phylogeny of Campanulaceae s. str. inferred from ITS sequences of nuclear ribosomal DNA, In: Annals of the Missouri Botanical Garden, 90 (4), 2003, S. 554–575 (online).
  6. a b c C. Roquet, L. Sáez, J. J. Aldasoro, A. Susanna, M.L. Alarcón & N. García-Jacas: Natural Delineation, Molecular Phylogeny and Floral Evolution in Campanula, In: Systematic Botany, 33 (1), 2008, S. 203–217 doi:10.1600/036364408783887465 Abstract bei BioOne.
  7. a b T. Borsch, N. Korotkova, T. Raus, W. Lobin, C. Löhne: The petD group II intron as a species level marker: utility for tree inference and species identification in the diverse genus Campanula (Campanulaceae). In: Willdenowia 39(1), 2009, S. 7–33, doi:10.3372/wi.39.39101

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glockenblumen (Campanula) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien