Gyhum

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gyhum
Gyhum
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gyhum hervorgehoben
Koordinaten: 53° 13′ N, 9° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Rotenburg (Wümme)
Samtgemeinde: Zeven
Höhe: 28 m ü. NHN
Fläche: 48,54 km2
Einwohner: 2250 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km2
Postleitzahl: 27404
Vorwahlen: 04286, 04288
Kfz-Kennzeichen: ROW, BRV
Gemeindeschlüssel: 03 3 57 018
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Markt 4
27404 Zeven
Webpräsenz: www.gyhum.de
Bürgermeister: Lars Rosebrock (SPD)
Lage der Gemeinde Gyhum im Landkreis Rotenburg (Wümme)
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Gyhum (Plattdeutsch: Jeem) ist eine Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme) in der Samtgemeinde Zeven mit rund 2400 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gyhum befindet sich zwischen der Kreisstadt Rotenburg (Wümme) und der nördlich gelegenen Stadt Zeven in der Zevener Geest.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Bockel, Hesedorf, Gyhum, Nartum und Wehldorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1219 Geihem, ohne Datierung Gygoem und im 18. Jh. Camp de Gihum.
Der Name Gyhum deutet auf die Gründung des Ortes in altsächsischer Zeit hin. In dem Namen steckt vielleicht der altsächsige Personenname Gye oder Guy und das Wort hem = heim. Ein Altsachse namens Gye oder Guy könnte den Ort gegründet haben. Andererseits fehlt vor dem hem ein n oder s, wie es bei männlichen Personennamen zu erwarten ist. Auch ein altisländisch ghei-gh, oder geiga für seitwärts abschwenken oder gaigr für Schaden sowie das norwegische geiga für eine schiefe Richtung nehmen könnte für die Silbe Gyh interpretiert werden, vielleicht wegen der markante Lage des Ortes am Fuße eines Hügels, der mit ca. 50 m Höhe in diesem flachen Gebiet auffällt. [2]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Gyhum war schon in urgeschichtlicher Zeit bewohnt. Funde stammen aus der mittleren Steinzeit (800–4000 v. Chr.) sowie aus der Bronze- und Eisenzeit. Die um 1000 Jahre alte Gyhumer Kirche ist eine der ältesten Kirchen zwischen Weser und Elbe. Sie wurde erst 1420 im Stader Kopiar erwähnt. Das um 1200 erwähnte Rittergeschlecht von Geihem benannte sich nach dem Ort und war vermutlich ein früher Inhaber des Gerichtes zu Gyhum. Später fiel der Besitz von Geihem an die stiftsbremische Ministerialen- und Adelsfamilie von Borch. Nach Iwan von Borch († 1502) erbte seine Nichte Ilse Margarethe die Güter. Ihr Mann Otto von Düring errichtete in Bokel einen selbstständigen Großhof. Die Reformation erfolgte im Ort um ca. 1525.

Gyhum gehörte im Mittelalter zum Erzbistum Bremen, seit 1648 zum schwedischen Herzogtum Bremen und seit 1715 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (kurz Kurhannover) bzw. seit 1814/15 Königreich Hannover.

17. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurden in Gyhum viele Gebäude zerstört. Die folgende Armut konnte erst Anfang des 19. Jahrhunderts überwunden werden. Französische Truppen unter Marschall Richelieu lagerten im Siebenjährigen Krieg um 1757/58 im Camp de Gihum.

Im Jahr 1848 brannte das Pfarrhaus ab; alle Dokumente, Aufzeichnungen und die Dorfchronik wurden dabei vernichtet. 1908 zählte Gyhum 376 Einwohner, 1947 waren es 734 Einwohner.

Schäden an Gebäuden mussten im April 1945 im Zweiten Weltkrieg hingenommen werden, als englische Truppen den Ort befreiten. Nach dem Krieg wurde Gyhum eine eigenständige Gemeinde.

Eingemeindungen, Samtgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden im Rahmen der Kreisreform die Gemeinden Bockel, Hesedorf bei Gyhum, Nartum und Wehldorf eingegliedert.[3] Diese wurde 1974 zur Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte mit drei weiteren Gemeinden zur Samtgemeinde Zeven zusammengeschlossen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Gyhum besteht aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 2001 und 3000 Einwohnern.[4] Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:[5]

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze
SPD 54,18 % 7
CDU 45,81 % 6

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2016 lag mit 70,62 %[5] über dem niedersächsischen Durchschnitt von 55,5 %.[6]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Lars Rosebrock (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Im grünen Feld, über schwarzem Schildfuß, wachsend die Gestalt der heiligen Margaretha in Silber mit goldenem Haar, goldener Krone und goldenem Heiligenschein in einer Kreislinie. In beiden Händen ein goldenes Stabkreuz haltend. Im schwarzen Schildfuß querrechtshin ein liegender Drache.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Margarethenkirche zu Gyhum

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Margarethenkirche ist eine etwa 1000 Jahre alte romanische, einschiffige Feldsteinkirche, die 1793 verlängert wurde. Im 17. Jahrhundert entstand der Westturm als Fachwerkbau mit einem Zeltdach. Die umlaufende, südliche Empore wurde am Anfang des 17. Jh. eingebaut. Die erste Orgel stammt von 1894. In der Kirche befinden sich Wappen der Familien von Marschalk und von Hammerstein.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr findet am ersten Wochenende im Juli das dreitägige Gyhumer Schützenfest statt. Daneben veranstalten der Sportverein, die Freiwillige Feuerwehr und der Schützenverein jährlich jeweils einen abendlichen Ball. Im Ortsteil Wehldorf gibt es die Diskothek Meyers Tanzpalast.

Die Kempowski-Stiftung Haus Kreienhoop führt im ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers Walter Kempowski in Nartum regelmäßig Konzerte und Literaturnachmittage durch.

Wirtschaft, Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Bockel befindet sich an der Autobahn-Anschlussstelle seit Mitte der 1990er Jahre ein Gewerbepark. Er ist Standort einiger namhafter Unternehmen geworden:

Im Ortsteil Gyhum befindet sich das Median Reha-Zentrum Gyhum[8].

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gyhum liegt in Nachbarschaft der Bundesstraße 71, der Bundesautobahn 1 und an der heute nur noch im Güterverkehr bedienten Bahnstrecke Bremervörde-Rotenburg (Wümme)

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Kempowski (1929–2007); der Schriftsteller lebte seit 1965 im Gyhumer Ortsteil Nartum.
  • Sara-Ruth Schumann (* 1938), nach 1992 stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, wuchs in Bockel als Hedwig Abraham auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 241.
  4. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 13. März 2017.
  5. a b Gemeinde Gyhum – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2016, abgerufen am 13. März 2017.
  6. Die CDU holt landesweit die meisten Stimmen. 12. September 2016, abgerufen am 13. März 2017.
  7. Gemeinderat Gyhum, abgerufen am 13. März 2017.
  8. Rehabilitationszentrum Gyhum/Internetseite

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gyhum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien