Wilhelmsdorf (Mittelfranken)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wilhelmsdorf
Wilhelmsdorf (Mittelfranken)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wilhelmsdorf hervorgehoben
Koordinaten: 49° 34′ N, 10° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
Verwaltungs­gemeinschaft: Hagenbüchach-Wilhelmsdorf
Höhe: 348 m ü. NHN
Fläche: 7,8 km2
Einwohner: 1482 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 190 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91489
Vorwahl: 09104
Kfz-Kennzeichen: NEA, SEF, UFF
Gemeindeschlüssel: 09 5 75 181
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hugenottenplatz 8
91489 Wilhelmsdorf
Webpräsenz: www.wilhelmsdorf.de
Erster Bürgermeister: Werner Friedrich (CSU)
Lage der Gemeinde Wilhelmsdorf im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
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Über dieses Bild

Wilhelmsdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hagenbüchach-Wilhelmsdorf.

Der Ort wird zuweilen mit dem in Luftlinie 9 Kilometer weit entfernt im Westsüdwesten liegenden Markt Wilhermsdorf im Landkreis Fürth verwechselt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wilhelmsdorf nimmt den größten Teil des Einzugsgebietes der Albach ein, die das Gemeindegebiet südsüdostwärts durchfließt und an seinem Südrand in die Mittlere Aurach mündet. Der Hauptort Wilhelmsfeld mit der bei weitem größten Bevölkerung liegt unmittelbar vor dem Eintritt der Albach ins Aurachtal in deren Talmulde und an den beiderseitigen Hängen. Im Norden hat die Gemeinde Anteil am Höhenwaldgebiet zwischen dem Mittleren-Aurach- und dem Aisch-Tal, sonst ist die Landschaft überwiegend offen. An den Wasserläufen gibt es etliche Teiche.[2]

Die Entfernung zur Kreisstadt Neustadt an der Aisch im Westnordwesten beträgt etwas unter 10 km, zu den nächsten Großstädten Erlangen im Ostnordosten und Fürth im Südosten um 20 km, jeweils in Luftlinie.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmsdorf hat sechs amtlich benannte Ortsteile[3]:

Bis 1875 wurde der Ziegelhof als Ortsteil geführt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordosten grenzt Wilhelmsdorf an die Gemeinde Oberreichenbach im Nachbar-Landkreis Erlangen-Höchstadt, überall sonst ist sie vom Gebiet des Marktes Emskirchen im eigenen Kreis umgeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird 1361/64 im burggräflichen Salbuch als Nidern Albach erstmals namentlich erwähnt. Der Ortsname bezieht sich auf den Gewässernamen Albach. Das Bestimmungswort ist mhd. âl (=„Aal“). Das Präfix Nidern dient zur Unterscheidung von dem bachaufwärts gelegenen Oberalbach.[4] 1632 wurde der Ort infolge des Dreißigjährigen Krieges zur Wüstung. 1680 wurden auf Einladung von Markgraf Christian Ernst Brandenburg-Kulmbach 15 Hugenottenfamilien angesiedelt, um den Ort wieder aufzubauen.[5] 1690 wird der Ort als Vilemstorf erwähnt. Benannt wurde er nach dem 1678 geborenen Bayreuther Erbprinzen Georg Wilhelm.[4] Nach dem Bankrott der ersten Siedlern fiel das Gut an das Markgrafentum zurück. 1692 wurden frankoschweizer Calvinisten angesiedelt. 1694 erwarb die hugenottische Adelsfamilie Buirette von Oehlefeld für 1000 rheinische Gulden den Ort, das den Status eines voigländischen Rittergut mit erweiterter Vogtei erhielt. Es entstand eine reformierte Gemeinde, die es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab.[6]

Im 18. Jahrhundert war der Ort bekannt für seine Strumpfwirkereien. Später gründeten der Kaufmann Edmund Boden und der Techniker Johann Christian Lotter die erste Reißzeugfabrik. Die Fertigung von Reißzeug spielte im 20. Jahrhundert in Wilhelmsdorf eine bedeutende Rolle. In den 1970er Jahren war ein Drittel der Reißzeugindustrie der Bundesrepublik Deutschland in Wilhelmsdorf angesiedelt.[7] Mehr über die Geschichte der Reißzeugfabriken ist im Wilhelmsdorfer Zirkelmuseum zu erfahren.

Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wilhelmsdorf 62 Haushalte, die alle dem Rittergut Wilhelmsdorf unterstanden. Die Dorfs- und Gemeindeherrschaft hatte ebenfalls das Rittergut Wilhelmsdorf inne.[8]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 das Steuerdistrikt Wilhelmsdorf gebildet, zu dem Stadelhof, Unteralbachermühle und Ziegelhof[9] gehörten. 1813 wurde die Ruralgemeinde Wilhelmsdorf gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Markt-Erlbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch. Die freiwillige Gerichtsbarkeit und Ortspolizei hatte bis 1848 das Patrimonialgericht Wilhemsdorf inne.[10] Ab 1862 wurde Wilhelmsdorf von dem Bezirksamt Neustadt an der Aisch (ab 1938: Landkreis Neustadt an der Aisch) und ab 1856 von dem Rentamt Markt-Erlbach (1920–1929: Finanzamt Markt-Erlbach, ab 1929: Finanzamt Neustadt an der Aisch) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt-Erlbach, von 1880 bis in die 1950er Jahre Amtsgericht Markt-Erlbach, ab den 1950er Jahren Amtsgericht Fürth. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 2,394 km².[11]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ebersbach eingegliedert.[12]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Wilhelmsdorf

Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2005 2010 2015
Einwohner 456 682 629 607 621 638 642 607 555 514 526 497 490 517 494 505 489 472 658 690 742 857 1002 1300 1319 1482
Häuser[13] 64 66 68 74 75 82 96 139 257
Quelle [14] [15] [16] [17] [16] [18] [16] [16] [19] [16] [16] [20] [16] [16] [16] [21] [16] [16] [16] [22] [11] [23] [24]

Ort Wilhelmsdorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 435 666 574 621 543 486 491 662 730 842 876
Häuser[13] 61 63 72 73 80 94 137 231
Quelle [14] [15] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [11] [23] [24]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Gemeinderat hat zwölf Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Geviert von Silber und Schwarz, belegt mit einem goldenen Hugenottenkreuz mit rotem Herzschild, darin ein silberner Sparren, beseitet von drei zwei zu eins gestellten silbernen Kannen.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 31. Dezember 2006 gehörte die Gemeinde mit den Gemeinden Emskirchen und Hagenbüchach der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Emskirchen an – einer der ersten Verwaltungsgemeinschaften nach der bayerischen Gebietsreform 1972. Der Bayerische Landtag stimmte dem Austritt der Marktgemeinde Emskirchen aus der VG zum Jahreswechsel 2006/07 am 28. November 2006 (Drucksache 15/6960) zu. Der Sitz der neuen Verwaltungsgemeinschaft Hagenbüchach-Wilhelmsdorf ist in Wilhelmsdorf.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsstraße 2244 führt an der Schneemühle vorbei zu einer Anschlussstelle der Bundesstraße 8 bzw. nach Oberniederndorf. Die Kreisstraße NEA 21 führt nach Ebersbach zur NEA 11. Die NEA 22 führt nach Brunn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelmsdorf (Mittelfranken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wilhelmsdorf im BayernAtlas
  3. Wilhelmsdorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek
  4. a b W.-A. Reitzenstein, S. 244.
  5. H. H. Hofmann, S. 31.
  6. H. H. Hofmann, S. 31; H. Sponholz, S. 134.
  7. H. Sponholz, S. 134.
  8. H. H. Hofmann, S. 141.
  9. Wird nach 1875 nicht mehr als Ortsteil geführt.
  10. H. H. Hofmann, S. 206 u. 226. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 34 (Digitalisat).
  11. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 808 (Digitalisat).
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  13. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann meherer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 103 (Digitalisat). Für die Gemeinde Wilhelmsdorf zuzüglich der Einwohner von Stadelhof (S. 87), Unteralbachermühle (S. 93) und Ziegelhof (S. 106).
  15. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 102 (Digitalisat).
  16. a b c d e f g h i j k l Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  17. a b Joseph Heyberger (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabethischem Ortslexikon. Literar.-artist. Anst. der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1062, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  18. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. ... mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt, Sp. 1228–1229, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, ... sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1162 (Digitalisat).
  20. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1236 (Digitalisat).
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1274 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern - Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1102 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 177 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 343 (Digitalisat).