Dan Shechtman

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Dan Shechtman am Technion (2010)
Quasiperiodischer Kristall, wie sie Dan Shechtman untersuchte.
Interview mit Dan Shechtman nach seiner Nobelvorlesung

Daniel „Dan“ Shechtman (auch Schechtman; hebräisch ‏דן שכטמן‎; * 24. Januar 1941 in Tel Aviv, damals Völkerbundsmandat für Palästina) ist ein israelischer Physiker. 2011 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Quasikristalle verliehen.[1]

Leben[Bearbeiten]

Dan Shechtman wurde 1941 in Tel Aviv geboren und wuchs zunächst in Ramat Gan, dann in Petach Tikwa, einige Kilometer östlich von Tel Aviv auf.

Seine Großeltern waren während der Zweiten Alija (1903 – 1914) nach Palästina eingewandert und hatten dort eine Druckerei gegründet. Der Wirkung eines Buches ist es zu verdanken, dass Dan Shechtman sich der Wissenschaft zuwandte und nicht dem Druckgewerbe. Als Kind verschlang er Jules Vernes Werk „Die geheimnisvolle Insel“ ungezählte Male und sein Kindheitstraum war Ingenieur zu werden wie Cyrus Smith, der Held des Romans. „I thought that was the best thing a person could do. The engineer in the book knows mechanics and physics, and he creates a whole way of life on the island out of nothing. I wanted to be like that." („Ich glaubte, das wäre das Beste, was jemand überhaupt tun konnte. Der Ingenieur in diesem Buch kennt sich aus mit Mechanik und Physik und er schaft aus dem Nichts auf der Insel einen vollständigen Lebensraum. So wie er wollte [auch] ich sein.“)[2]

Er nahm am Technion (Israel Institute of Technology - Israelisches Institut für Technologie) in Haifa ein Studium der Ingenieur- und Materialwissenschaften auf.[3] Am Technion machte Shechtman seinen B.Sc (Bachelor of Science) und M.Sc (Master of Science) und wurde im Jahre 1972 dort promoviert. Unmittelbar nach seiner Promotion ging er mit Frau und seinen drei Töchtern als NRC-Fellow in die USA, um in den Forschungslaboren der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio für die US-Luftwaffe zu forschen.

Während seines dreijährigen Forschungsaufenthaltes beschäftigte er sich mit der Mikrostruktur und den physikalisch-metallurgischen Eigenschaften von Titan-Aluminiden. Ab 1975 arbeitete er am Institut für Materialwissenschaften der Technischen Universität Technion in Haifa.

Dan Shechtman ist Professor am Technion und forscht am Louis Edelstein Center und am Wolfson Centre, dem er vorsteht. Seit vielen Jahren fördert er Unternehmensgründungen von Absolventen des Technion, indem er Unternehmer zu Vorträgen dort einlädt.[4]

Arbeit an Quasikristallen[Bearbeiten]

Von 1981 bis 1983 arbeitete er im Rahmen eines Sabbaticals an der Johns Hopkins University mit sich rasch verfestigenden Aluminium-Metall-Legierungen und entdeckte dort die sogenannte ikosaedrische Phase, die das neue Forschungsgebiet der quasiperiodischen Kristalle eröffnete.

Diese Entdeckung wurde lange kritisiert: „Es gibt keine Quasikristalle, nur Quasi-Wissenschaftler“ sagte der 1994 verstorbene Chemie-Nobelpreisträger Linus Carl Pauling.[5] Der Leiter von Shechtmans Forschungsgruppe empfahl ihm, noch einmal die Lehrbücher zu lesen, und drängte ihn daraufhin, die Gruppe zu verlassen, um sie nicht zu blamieren.[6] Später wurden Quasikristalle auch von anderen Forschern gefunden.[7][2] Im Jahr 2011 erhielt Shechtman den mit zehn Millionen Schwedische Kronen (ca. 1,1 Millionen Euro) dotierten Chemie-Nobelpreis.[6]

Privates[Bearbeiten]

Dan Shechtman ist verheiratet mit (T)zipora Shechtman, Leiterin des Department of Counseling and Human Development an der Universität Haifa und Autorin mehrerer Bücher und zahlreicher Artikel in Fachzeitschriften zum Thema Psychotherapie.[8][9] Das Paar hat einen Sohn und drei Töchter.[10][11][12]

Preise[Bearbeiten]

Ausgewählte Publikationen[Bearbeiten]

  • D. Shechtman, I. Blech, D. Gratias, J. W. Cahn: Metallic phase with long-range orientational order and no translational symmetry. In: Physical Review Letters. Band 53, 1984, S. 1951–1953, doi:10.1103/PhysRevLett.53.1951. (Dies ist die grundlegende Arbeit für den Nobelpreis).
  • D. Shechtman, I. Blech: The microstructure of rapidly solidified Al6Mn. In: Metallurgical Transactions. Band 16A, 1985, S. 1005–1012, doi:10.1007/BF02811670
  • D. Shechtman: Twin-determined growth of diamond films. In: Materials Science and Engineering. Band A184, 1994, S. 113–118, doi:10.1016/0921-5093(94)91025-1.
  • D. van Heerden, E. Zolotoyabko, D. Shechtman: Microstructure and strain in electrodeposited Cu/Ni multilayers. In: Journal of Materials Research. Band 11, Nr. 11, 1996, S. 2825–2833, doi:10.1557/JMR.1996.0357.
  • I. Goldfarb, E. Zolotoyabko, A. Berner, D. Shechtman: Novel sample preparation technique for the study of multicomponent phase diagrams. In: Materials Letters. Band 21, 1994, S. 149–154, doi:10.1016/0167-577X(94)90209-7.
  • D. Josell, D. Shechtman, D. van Heerden: fcc Titanium in Ti/Ni Multilayers. In: Materials Letters. Band 22, 1995, S. 275–279, doi:10.1016/0167-577X(94)90039-6.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dan Shechtman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Nobel Prize in Chemistry 2011 bei nobelprize.org, 5. Oktober 2011 (englisch; abgerufen am 5. Oktober 2011).
  2. a b Clear as crystal. Haaretz. 1. April 2011. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  3. Der Standard 5. Oktober 2011: „Quasiforscher“ wird doch noch Nobelpreisträger
  4. Video des Technion auf YouTube (6:11; engl.), abgerufen am 5. Oktober 2011
  5. Hartmut Wewetzer: Revolution in der Kristallwelt. Der Tagesspiegel, 5. Oktober 2011, abgerufen am 7. April 2012.
  6. a b Patrick Lannin: Ridiculed crystal work wins Nobel for Israeli. In: Reuters, 5. Oktober 2011. Abgerufen am 22. Oktober 2011. 
  7. David Bradley: Dan Shechtman discusses quasicrystals. ScienceBase. 5. Oktober 2011. Abgerufen am 5. Oktober 2011. Shechtman video interview.
  8. Professor Zipora Shechtman
  9. He deserves it, wife of 2011 Nobel Chemistry laureate says
  10. LinkedIn: Profil Yoav Shechtman
  11. Shechtman Wins Chemistry Nobel for Crystal Find
  12. Genealogy of the Shechtman family