Paul J. Crutzen

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Paul Crutzen im Mai 2010

Paul Josef Crutzen [ˈkrutsə] (* 3. Dezember 1933 in Amsterdam)[1] ist ein niederländischer Meteorologe. Er war von 1980 bis 2000 Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und erhielt 1995 für seine Arbeiten im Gebiet der Atmosphärenchemie den Nobelpreis für Chemie.[2]

Werdegang[Bearbeiten]

Nach verschiedenen Anstellungen im Baubereich ging er nach Schweden, promovierte und lehrte an der Universität Stockholm an der Fakultät für Meteorologie. 1970 veröffentlichte Crutzen eine grundlegende Arbeit zur Fähigkeit von Stickoxiden, Ozon abzubauen und beschrieb die dabei ablaufenden Reaktionen. Zwischen 1974 und 1980 forschte Crutzen an verschiedenen Einrichtungen in Boulder (Colorado). 1980 wurde er an das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz berufen und leitete dort die Abteilung Atmosphärenchemie. 1982 veröffentlichte er dort zusammen mit John Birks die erste Publikation zum Thema Nuklearer Winter.[3]

Zusammen mit Mario J. Molina und Frank Sherwood Rowland erhielt er als einer der Pioniere der Erforschung des Ozonlochs 1995 den Nobelpreis für Chemie, da er den Einfluss der Polaren Stratosphärenwolken dabei klärte.[4]

In einem 2000 veröffentlichten Artikel schlägt er zusammen mit Eugene F. Stoermer den Namen Anthropozän für die Benennung einer neuen geochronologische irdischen Epoche vor. Dieser Name soll verdeutlichen, wie stark der Mensch Einfluss auf die geologischen Verhältnisse genommen hat. 2002 wurde er als weltweit meistzitierter Autor in den Geowissenschaften mit 2911 Zitierungen aus 110 Veröffentlichungen im Verlauf des Jahrzehnts 1991 bis 2001 vom Institute for Scientific Information geehrt.

2006 veröffentlichte er einen Aufsatz in der Zeitschrift Climatic Change, in dem er eine Idee zur Lösung des Problems der Erderwärmung vorschlug. Demnach sollten 1,5 Millionen Tonnen Schwefeldioxidpartikel in die Luft geschossen werden, die als Reflektor für die Sonne dienen [5][6][7]. In seiner 2007 vorveröffentlichten Studie N2O release from agro-biofuel production negates global warming reduction by replacing fossil fuels weist Crutzen auf klimaschädliche Folgen des Anbaus von Agrarenergiepflanzen hin.[8]

Preise[Bearbeiten]

Ehrentitel[Bearbeiten]

Ehrenmitgliedschaften[Bearbeiten]

  • Ehrenmitglied der World Innovation Foundation
  • Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814
  • Ehrenmitglied der Swedish Meteorological Society
  • Ehrenmitglied der Commission on Atmospheric Chemistry and Global Pollution (CACGP)
  • Ehrenmitglied der European Geophysical Society (EGS)
  • Ehrenmitglied der American Meteorological Society
  • Ehrenmitglied der European Geophysical Society (EGS)
  • Ehrenmitglied der International Ozone Commission
  • Ehrenmitglied der „Climate Conference 2001“, 20. bis 24. August, Utrecht, Niederlande (Ehrenvorsitz)
  • Ausländisches Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences, Cambridge, U.S.A.

Ehrendoktorate[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • On some photochemical and meteorological factors determining the distribution of ozone in the stratosphere ; effects of contamination by NO[subscript x] emitted from aircraft. Institute of Meteorology, University of Stockholm, Stockholm 1971, OCLC 38883363.
  • Globale Aspekte der atmosphärischen Chemie. Natürliche und anthropogene Einflüsse. Westdeutscher Verlag, Opladen 1986, ISBN 3-531-08347-3.
  • Atmosphäre, Klima, Umwelt. 2. Auflage. Spektrum, Akademie Verlag, Heidelberg 1996, ISBN 3-8274-0122-4.
  • Hauptthema der Tagung. Physikalische Chemie der Atmosphäre. Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, Frankfurt am Main 1999.
  • Das Raumschiff Erde hat keinen Notausgang. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-06176-3.
  • mit Jürgen Hahn: Schwarzer Himmel. Auswirkungen eines Atomkrieges auf Klima und globale Umwelt. (Kurzfassung des SCOPE-Berichts „Environmental Consequences of Nuclear War“) S. Fischer, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-10-013103-7.
  • mit Christoph Brühl: Analyse und Bewertung der Modellsysteme zur Vorhersage von Veränderungen des Ozongehalts der Atmosphäre. In: Umweltforschungsplan des Bundesministers des Innern. 2 Bände. Max-Planck-Institut für Chemie, Abt. Luftchemie, Mainz 1989/1990, OCLC 180571796.
  • mit Michael Müller: Das Ende des blauen Planeten?. 3. Auflage. Beck, München 1991, ISBN 3-406-33140-8.
  • mit Veerabhadran Ramanathan: Clouds, chemistry and climate. Springer, Berlin 1995, ISBN 3-540-60433-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebenslauf auf Curriculum Vitae auf nobelprize.org (abgerufen am 14. Mai 2014)
  2. Biografie – Nobelpreis für Chemie in 1995 auf der Website des Max-Planck-Institutes (abgerufen am 14. Mai 2014)
  3. Paul J. Crutzen, John W. Birks: The atmosphere after a nuclear war: Twilight at noon. In: Ambio. Band 11, 1982, S. 114–125.
  4. GEO kompakt Nr, 9, Die Grundlagen des Wissens: Rätsel über dem Südpol. Text: Jürgen Bischoff.
  5. P. J. Crutzen: Albedo Enhancement by Stratospheric Sulfur Injections: A Contribution to Resolve a Policy Dilemma? Climatic Change (2006), 77, pp 211–220
  6. Artikel über Geo-Engineering gegen Klimawandel auf Spiel ohne Grenzen auf sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010 (abgerufen am 14. Mai 2014)
  7. Interview mit Paul Crutzen über seine Idee auf Mit saurem Regen gegen die Klimaerwärmung auf deutschlandfunk.de (abgerufen am 14. Mai 2014)
  8. Studie: N2O release from agro-biofuel production negates global warming reduction by replacing fossil fuels endgültige Fassung der Studie 2008:  P. J. Crutzen, A. R. Mosier, K. A. Smith und W. Winiwarter: In: Atmos. Chem. Phys.. 2008, S. 1389–1395. Abstract

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Crutzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien