Erkner
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Brandenburg | |
| Landkreis: | Oder-Spree | |
| Höhe: | 40 m ü. NN | |
| Fläche: | 16,6 km² | |
| Einwohner: |
11.613 (31. Dez. 2011)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 700 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 15537 | |
| Vorwahl: | 03362 | |
| Kfz-Kennzeichen: | LOS | |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 67 124 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Friedrichstraße 6–8 15537 Erkner |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Jochen Kirsch (SPD) | |
| Lage der Stadt Erkner im Landkreis Oder-Spree | ||
Erkner ist eine südöstlich von Berlin im Verdichtungsraum der Bundeshauptstadt gelegene Kleinstadt im Land Brandenburg, Landkreis Oder-Spree.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Erkner liegt in waldreicher Umgebung zwischen dem Dämeritzsee, einer Ausweitung der Spree, und dem Flakensee, in dem im Stadtbereich die Löcknitz mündet. Nachbarorte sind Woltersdorf, Grünheide (Mark), Gosen-Neu Zittau und Berlin.
Geschichte [Bearbeiten]
Erkner wurde im Jahre 1579 erstmals unter dem Namen „Arckenow“ im Rüdersdorfer Kirchenbuch als Wohnstätte eines Fischers urkundlich erwähnt („Mittwoch s post Convers, Pauli hat Hans der Fischer im Arckenow taufen lassen Und ist genant Maria.“). Aus diesem Flurnamen entwickelte sich die Namensgebung Erkenau – Erkener – Erkner. Bis zum Jahre 1701 wuchs die Fischersiedlung Arckenow lediglich auf sieben Häuser an.
Dies änderte sich, als 1712 in Erkner eine Posthalterei für die neue Postlinie von Berlin nach Frankfurt (Oder) eingerichtet wurde.
Ab 1748 siedelten sich im Zuge der friderizianischen Binnenkolonisierung drei Pfälzer Bauernfamilien auf dem Buchhorst im heutigen Ortsteil Neuseeland an. Später verlegten sie ihre Höfe an den östlichen Teil der heutigen Buchhorster Straße. Einer dieser Höfe mit dem ältesten Haus Erkners beherbergt heute das „Heimatmuseum Erkner“.
Des Weiteren ließ der preußische König Friedrich II. 1752 in Erkner eine aus 1.500 Bäumen bestehende Maulbeerplantage anlegen, von der heute nur noch ein Baum in der Friedrichstraße erhalten ist.
1805 lebten im „I. Heidedistrikt der Rüdersdorfer Heide“ (er umfasste etwa das heutige Stadtgebiet Erkners südlich des Flakenfließes einschließlich der Woltersdorfer Schleuse) 260 Menschen. Erkner war zu dieser Zeit ein Schifferdorf mit mehreren Wohnplätzen: „Der Erkner“, Neu Buchhorst, Schönschornstein, Alte Hausstelle, Hohenbinde, Jägerbude und bis 1884 Woltersdorfer Schleuse. Günstig gelegen an den Wasserwegen zwischen Oder, Spree, Havel und Elbe bestimmten insbesondere die Massentransporte von Kalk, Kohle und anderen Rohstoffen zwischen den Kalklagerstätten von Rüdersdorf/Kalkberge und Berlin („Berlin ist aus dem Kahn gebaut“) bzw. dem sich rasant entwickelnden Industriegebiet Schlesiens und Berlin die Fahrten der Schiffer Erkners, aber auch der Nachbarorte, wie Gosen-Neu Zittau oder Woltersdorf.
Von 1818 bis 1952 gehörte Erkner zum Landkreis Niederbarnim.
1822 gaben in einer Einwohnerliste zwei Drittel der Familien „Schiffer“ als Stand des Familienoberhauptes an. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb dieses Gewerbe – gestützt auch durch bis zu fünf Werften – von Bedeutung für Erkner.
1842 wurde die Berlin-Frankfurter Eisenbahn mit dem Haltepunkt Erkner eröffnet, der aber schon im folgenden Jahr wegen des großen Zuspruchs von Berliner Ausflüglern zum Bahnhof erweitert wurde. Diese Eisenbahnlinie verbindet ab 1846 mit der Niederschlesischen – jetzt als Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn – Berlin über Erkner mit Breslau, und damit die beiden neben dem Ruhrgebiet wichtigsten Industriegebiete Preußens.
Die Industrialisierung von Erkner wurde durch die Gründung der ersten großen kontinentaleuropäischen Teerdestillation durch Julius Rütgers im Jahr 1860 eingeleitet. Ab 1909 begann auf dem Firmengelände in Zusammenarbeit mit Leo Baekeland die weltweit erstmalige industriemäßige Produktion von Kunststoffen (Bakelite). Am 25. Mai 1910 wurde hier die Bakelite Gesellschaft m.b.H. Berlin-Erkner gegründet. Erst Ende des Jahres entstand Baekelands Firma in den USA.
Die damals für gesundheitsförderlich gehaltenen Abgase der Teerfabrikation führten dazu, dass sich Erkner von etwa 1880 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Luftkurort bezeichnete und so den Fremdenverkehr zu steigern suchte.[2] Als prominentester Dauer-Kurgast lebte Gerhart Hauptmann von 1885 bis 1889 in Erkner, dem dieser Luftwechsel von seinen Ärzten empfohlen worden war.
Ab 1888 trägt der I. Heidedistrikt auch amtlich den Namen Erkner.
1910 wurde die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Erkner gegründet.
Im Rahmen der Aufrüstung der deutschen Wirtschaft durch die Nationalsozialisten wurde 1938 ein Zweigwerk der SKF-Kugellagerwerke Schweinfurt eröffnet, das bis 1944 (laut einem US-Flugblatt nach dem Bombenangriff 1944) zum „wichtigsten Kugellagerwerk der deutschen Rüstungsindustrie geworden“ sein soll. Von den im Krieg ca. 2000 Arbeitskräften waren viele Zwangsarbeiter.
Am 8. März 1944 wurde Erkner durch Verbände der 8. USAAF mit 320 B-17 und 150 B-24 Bombern angegriffen. Insgesamt fielen 291,5 t Spreng- und 609 t Brandmunition auf den Ort nieder. Rund 230 Tote waren zu beklagen, 1.007 von 1.333 Häusern wurden restlos zerstört oder waren nahezu unbewohnbar. Erkner wurde am 21. April 1945 kampflos der Roten Armee übergeben.
Auf dem Gelände der im Krieg beschädigten und anschließend demontierten Bakelite GmbH entstand ab 1946 der „VEB Plasta, Kunstharz- und Preßmassenfabrik Erkner“, der zu einem der größten Betriebe der Stadt wurde. Das Werk spezialisierte sich auf hochfeste, faserverstärkte Formmassen und technische Phenolharze. 1977 kam außerdem ein Forschungszentrum für Duroplaststoffe hinzu. Auf Modernisierungen des Werks wurde auf Kosten der Umwelt jedoch weitestgehend verzichtet, was zu einer starken Geruchs- und Grundwasserbelastung führte. Das Gelände wurde nach der Wende saniert, die Schadstoffemissionen um 94 % gesenkt. Die Verringerung der Schadstoffe im Grundwasser dauert bis heute an. Seit 2002 gehört dieser Betrieb zur finnischen Dynea.
Ein zweiter großer Arbeitgeber im Ort war der Nachfolger der 1945 enteigneten Rütgerswerke „VEB Teerdestillation und Chemische Fabrik Erkner“, später Erkneraner Betriebsteil des PCK Schwedt. Viele Erkneraner Schulklassen hatten Patenbrigaden in diesen Betrieben. Nach ca. 135 Jahren endete die Geschichte dieses Erkner stark prägenden Betriebs 1995 mit dem Komplettabriss. Das ehemalige Firmengelände am Bahnhof Erkner beherbergt heute unter anderem die Stadthalle und den Busbahnhof.
Als erster Ort Ostdeutschlands nach der Deutschen Wiedervereinigung erhielt Erkner am 6. Juni 1998 das Stadtrecht.
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
Politik [Bearbeiten]
Stadtverordnetenversammlung [Bearbeiten]
Die Stadtverordnetenversammlung (SVV) der Stadt Erkner besteht aus 22 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Sitzverteilung sieht seit der Kommunalwahl am 28. September 2008 folgendermaßen aus (im Vergleich die Ergebnisse Kommunalwahl von 2003):
| SPD | LINKE | CDU | Fraktionslos | Junge Liste Erkner | Gesamt | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2008 | 11 | 7 | 2 | 2 | — | 22 |
| 2003 | 9 | 7 | 4 | — | 2 | 22 |
Bürgermeister [Bearbeiten]
Jochen Kirsch (SPD)
Wappen [Bearbeiten]
Das Wappen wurde am 15. Dezember 1992 genehmigt.
Blasonierung: „Im blauen Schild ein goldener Schrägrechtsbalken überdeckt von einem schwarzen bewurzelten Maulbeerbaum mit grünen Blättern und zwei silbernen Maulbeeren.“[3]
Städtepartnerschaft [Bearbeiten]
Eine Partnerschaft besteht mit der polnischen Gemeinde Gołuchów (Goluchow) in der Woiwodschaft Großpolen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Museen [Bearbeiten]
In der Villa Lassen (Gerhart-Hauptmann-Straße 1–2), in der der spätere Literaturnobelpreisträger 1885–1889 gelebt hatte, ist das Gerhart-Hauptmann-Museum mit einer ständigen Ausstellung zum Leben, Werk und Wirken des Dichters sowie einer Forschungsbibliothek untergebracht.
Das Heimatmuseum ist der zentrale Standort des Museumshofes am Sonnenluch.
Sakralbauten [Bearbeiten]
In Erkner befinden sich drei Kirchen
- die evangelische Genezerathkirche (1896, neugotisch, nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut),
- die katholische Bonifatiuskirche (1932, frühmodern, Wiederaufbau 1949) und
- die neuapostolische Kirche aus der Mitte der 1990er Jahre.
Geschichtsdenkmale [Bearbeiten]
- Ehrenmal von 1994 für alle Opfer des Faschismus, des Krieges und der Gewaltherrschaft an der Neu-Zittauer Straße/Ecke Hohenbinderstraße
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Verkehr [Bearbeiten]
Aus Erkner heraus führen vier Hauptstraßen in die entsprechenden umliegenden Orte: die Berliner Straße gen Westen, die Woltersdorfer Landstraße gen Norden, die Fangschleusenstraße gen Osten und die Neu Zittauer Straße gen Süden. Weiterhin besteht eine Anschlussstelle an der östlichen Stadtgrenze, die Erkner mit dem Berliner Ring verbindet.
Der Bahnhof Erkner liegt an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn und ist einer der Haltepunkte des Regional-Express RE 1, der von Magdeburg nach Eisenhüttenstadt über Potsdam, Berlin und Frankfurt (Oder) verkehrt. Weiterhin ist der Bahnhof der Endpunkt der Berliner S-Bahn-Linie 3, die von hier bis zum Berliner Ostkreuz fährt.
Im Jahr 2009 wurden im Zuge des Projekts Ausbaustrecke (ABS) Berlin – Frankfurt (Oder) die Gleisanlagen im Bahnhof umgestaltet und die beiden Regionalbahnsteige komplett neu errichtet. Von 2010 bis 2011 erfolgte die energetische Sanierung des Empfangsgebäudes, daran anschließend wurden die S-Bahnsteige erneuert. Insgesamt wurden über acht Millionen Euro in die Maßnahmen investiert.[4][5]
Wissenschaft [Bearbeiten]
In Erkner befindet sich das sozialwissenschaftliche Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS). Dieses international vernetzte Institut widmet sich der angewandten Grundlagenforschung zur Zukunftsfähigkeit von Städten und Regionen. Untersuchungsräume sind zurzeit die neuen Bundesländer, die Bundesrepublik Deutschland und ausgewählte Regionen in Europa.
Bildung [Bearbeiten]
Die Stadt Erkner hat eine Grundschule, die Löcknitz-Grundschule, sowie zwei weiterführende Schulen: die Oberschule „Johannes R. Becher“ und das Carl Bechstein Gymnasium Erkner. Weiterhin existieren zwei Förderschulen: die Schule am Rund und die Förderschule für geistig Behinderte. Außerdem gibt es noch das Bildungszentrum Erkner, eine Einrichtung des BKK Bundesverbandes und der Deutschen Rentenversicherung, an dem hauptsächlich Sozialversicherungsrecht unterrichtet wird.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter [Bearbeiten]
- Ivo Hauptmann (1886–1973), deutscher Maler, ältester Sohn von Gerhart Hauptmann
- Jürgen Kieser (* 1921), deutscher Comic-Zeichner (Fix und Fax), Werbegrafiker und Karikaturist
- Horst Seeger (1926–1999), deutscher Musikwissenschaftler, Musikkritiker, Dramaturg, Autor, Herausgeber und Intendant
Mit Erkner verbunden [Bearbeiten]
- Von 1885 bis 1889 wohnte der spätere Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann in Erkner. Hauptmann litt an Atemwegserkrankungen und damals ging man noch davon aus, dass Teerluft gut für die Lunge sei. Seine drei Söhne wurden in Erkner geboren. Zahlreiche Werke Hauptmanns spielen in oder um Erkner, viele Einwohner wurden Vorbilder seiner Figuren, so unter anderem die Mutter Wolffen im „Biberpelz“, der „Bahnwärter Thiel“ oder die Familie Kielblock in „Fasching“.
- Der zweifache Steher-Weltmeister Walter Sawall lebte und starb (1953) in Erkner, dort ist auch seit 1932 eine Straße nach ihm benannt.
- Der Maler und Graphiker Michael Otto ist in Erkner aufgewachsen und legte dort 1957 an der damaligen Fontane-Oberschule sein Abitur ab.
Ehrenbürger [Bearbeiten]
1893 wurde der Klavier- und Flügelbauer Carl Bechstein Ehrenbürger von Erkner. Seine damalige Villa dient heute als Rathaus.
Literatur [Bearbeiten]
- Heimatverein Erkner (Hrsg.): Erkner. Wie haste Dich verändert. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2010, ISBN 978-3-86595-373-5.
- Edda Gutsche: Ich musste auf’s Land, das war mir klar ... Schriftstellerorte in Brandenburg. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2012, ISBN 978-3-942476-26-3, Kapitel 6, S. 62–73.
- Friedrich Wolff: Gartenstädte in und um Berlin. Bäßler-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-930388-44-8, Kapitel 18, S. 74–78.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerung im Land Brandenburg am 31. Dezember 2011 nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden (PDF; 31,71 KB), Stand 31. Dezember 2011. (Hilfe dazu)
- ↑ http://deutschland-im-internet.de/Erkner/ortschronist.html
- ↑ Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
- ↑ Modernisierung des Bahnhofs Erkner, abgerufen am 19. Juli 2012
- ↑ Bahnhof Erkner nach Umbau reisefreundlich. DB Mobility Logistics AG, 19. Dezember 2012, abgerufen am 24. Dezember 2012.
Weblinks [Bearbeiten]
- Stadt Erkner
- Gerhart-Hauptmann-Museen
- Stadtinfo-Seite Erkner-Netz.de
- Links zum Thema Erkner im Open Directory Project
Bad Saarow | Beeskow | Berkenbrück | Briesen (Mark) | Brieskow-Finkenheerd | Diensdorf-Radlow | Eisenhüttenstadt | Erkner | Friedland | Fürstenwalde/Spree | Gosen-Neu Zittau | Groß Lindow | Grünheide (Mark) | Grunow-Dammendorf | Jacobsdorf | Langewahl | Lawitz | Madlitz-Wilmersdorf | Mixdorf | Müllrose | Neißemünde | Neuzelle | Ragow-Merz | Rauen | Reichenwalde | Rietz-Neuendorf | Schlaubetal | Schöneiche bei Berlin | Siehdichum | Spreenhagen | Steinhöfel | Storkow (Mark) | Tauche | Vogelsang | Wendisch Rietz | Wiesenau | Woltersdorf | Ziltendorf
