Niederaula

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Marktgemeinde Niederaula. Zu deren gleichnamigem Hauptort siehe Niederaula (Ortsteil).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Niederaula
Niederaula
Deutschlandkarte, Position des Marktes Niederaula hervorgehoben
50.8005555555569.605214Koordinaten: 50° 48′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Hersfeld-Rotenburg
Höhe: 214 m ü. NHN
Fläche: 64,17 km²
Einwohner: 5457 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36272
Vorwahl: 06625
Kfz-Kennzeichen: HEF, ROF
Gemeindeschlüssel: 06 6 32 015
Adresse der
Marktverwaltung:
Schlitzer Straße 3
36272 Niederaula
Webpräsenz: www.niederaula.de
Bürgermeister: Thomas Rohrbach (parteilos)
Lage des Marktes Niederaula im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Thüringen Vogelsbergkreis Landkreis Fulda Schwalm-Eder-Kreis Werra-Meißner-Kreis Alheim Rotenburg an der Fulda Cornberg Nentershausen (Hessen) Bebra Bebra Wildeck Heringen (Werra) Philippsthal (Werra) Friedewald (Hessen) Ludwigsau Neuenstein (Hessen) Hohenroda Schenklengsfeld Schenklengsfeld Hauneck Haunetal Niederaula Kirchheim (Hessen) Breitenbach am Herzberg Ronshausen Bad HersfeldKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Niederaula ist ein Markt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen in Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde liegt an der Fulda, zwischen den Ausläufern der Rhön und des Knüllgebirges. Innerhalb der Gemeindegemarkung fließen die Flüsse Aula, Jossa und Hattenbach in die Fulda.

Die nächstgrößeren Städte sind Bad Hersfeld 10 km nordöstlich, Alsfeld 24 km westlich und Fulda 29 km südlich gelegen.

Panorama von Niederaula von der Mengshäuser Kuppe aus fotografiert.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Niederaula grenzt im Norden an die Gemeinde Kirchheim und die Stadt Bad Hersfeld, im Osten an die Gemeinde Hauneck, im Süden an die Gemeinde Haunetal (alle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und die Stadt Schlitz (im Vogelsbergkreis) sowie im Westen an die Gemeinde Breitenbach am Herzberg (im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde besteht aus den acht Ortsteilen Niederaula, Mengshausen, Solms, Niederjossa, Hattenbach, Kleba, Kerspenhausen und Hilperhausen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurde der bis dahin selbständige Ort Mengshausen eingegliedert.[2] Am 31. Dezember 1971 kamen Hattenbach, Kleba, Niederjossa, und Solms hinzu. Am 1. August 1972 folgte Kerspenhausen mit Roßbach und dem am 31. Dezember 1970 eingegliederten Hilperhausen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Karolingische Schenkung[Bearbeiten]

Niederaula wurde erstmals im Jahr 779 in einer Schenkungsurkunde von Karl dem Großen an das Kloster Hersfeld erwähnt. Die Urkunde selber ist verloren gegangen, aber im Kopialbuch des Klosters Hersfeld existiert eine Abschrift aus dem Jahr 779.

Im Wesentlichen beinhaltet die Urkunde folgenden Text (auf den Fotos rot markiert):
Über Aula
Karl, König der Franken, vermacht dem Kloster der Apostel Simon und Thaddäus eine Schenkung, an der Fulda im Hessengau, an einem Ort namens Aula, wo der Fluß in die Fulda mündet. Früher gehörte es Huwart.“ Es handelte sich um ein „Herrenmansus“ (Herrengut) an der Mündung der Aula in die Fulda, das früher „Huwart, der Sohn des Gerhard“ besaß und „Oulaho“ genannt war. [4] Als erster Adliger trat Ortho de Ovilaha auf, der Name wandelte sich in den folgenden Generationen in Ovla, Owla und schließlich Aula. Das Geschlecht derer von Aula starb aus, ab 1480 war der Freihof zu Niederaula im Besitz der Familie Weiffenbach. [5]

Als Folge der Vitalisnacht 1378 ging Niederaula in den Besitz des hesssichen Landgrafen über, aber 1434 übertrug Ludwig I. von Hessen (1402–1458) Niederaula wieder dem Abt von Hersfeld.

Amt Niederaula nach 1700[Bearbeiten]

Nachdem 1686 der hessische Landgraf Karl die Dörfer Holzheim und Stärklos von den Herren von Romrod abgekauft hatte, wurden 1787 die Ämter Niederaula und Holzheim vereinigt und der Amtssitz nach Holzheim verlegt. Während der napoleonischen Zeit waren das Kurfürstentum Hessen und das Fürstentum Hersfeld Teile des Königreichs Westphalen [6]. Durch die Einführung der Kreisverfassung in Hessen (1821) verlor Niederaula verschiedene Zuständigkeiten, so auch die eigenständige Gerichtsbarkeit. Bereits 1831 wurde aber ein „Justizamt Niederaula“ gebildet, 1878 umbenannt in „Amtsgericht Niederaula“, bis 1968 blieb es als Außenstelle des Amtsgerichts Hersfeld bestehen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis (im Vergleich zu vorangegangenen Wahlen):

Wahl 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,3 %
35,1 %
6,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,8 %p
+1,6 %p
+3,2 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 58,3 18 63,1 20 66,1 20
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,1 11 33,5 10 31,5 10
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 6,6 2 3,4 1 2,4 1
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 52,2 55,6 64,8

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister Helmut Opfer (SPD) wurde am 22. September 2002 mit einem Stimmenanteil von 88,0 % gewählt. Am 14. September 2008 wurde Thomas Rohrbach (parteilos) mit einem Stimmenanteil von 54,29 % zum Bürgermeister gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung Das Wappen zeigt in rot, rechts eine silberne und goldenbewehrte linksgewendete Eule, deren Kopf sich dem Betrachter zuwendet. Im linken Obereck ein silberner achtstrahliger Stern und im unteren Bereich waagrecht ein silberner vierfach gewellter, schwarz gestreifter Wellenbalken.

Das Wappen wurde der Gemeinde am 28. Februar 1978 verliehen.

Bedeutung Die Eule leitet sich aus dem Flussnamen Aula ab, der Eulenbach bedeutet. Die vier Wellen stehen für die vier Flüsse, die durch Niederaula fließen und der achtstrahlige Stern steht für die acht Ortsteile der Gemeinde. Der Stern wurde gewählt, weil die Grafen von Ziegenhain, die ein Stern in ihrem Wappen führten, hier über Jahrhunderte viel Einfluss hatten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Die heutige Kirche Niederaulas schließt sich mindestens an zwei Vorgängerbauten an. Das heutige Haus wurde 1775 erbaut und an den älteren Kirchturm angelehnt, bei dem romanische Spuren darauf hindeuten, dass der frühere Turm in diesem Stil erbaut wurde, zudem finden sich an der heutigen Kirche Überreste eines vorangegangenen Gebäudes im Stil der Gotik, so befindet sich am östlichen Turm im unteren Stockwerk ein gotisches Fenster und Ansätze eines Spitzbogengewölbes. Auf der zweiten Etage befinden sich an jede der vier Seiten ein Schießloch, während im obersten Stockwerk an den Wänden jeweils eine Rundbogenblende mit Doppelfenstern eingelassen wurde.[7] Abgeschlossen wurde der Turm einst mit einem hölzernen Helm, der heute, im Zuge von Renovierungsarbeiten, ausgebessert und ersetzt wurde.

Sport[Bearbeiten]

Der Skatverein Aulataler Asse errang im Jahr 2007 in Duisburg in einer Spielgemeinschaft mit dem Verein Alter Markt aus Borken den deutschen Pokalsieg des Verbandes der International Skat Players Association.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Niederaula hat sich aufgrund seiner geografischen Lage und seiner günstigen Verkehrsanbindung zu einem logistischen Zentrum in Deutschland entwickelt, da es nach der innerdeutschen Grenzöffnung recht zentral in Deutschland liegt. Mehrere Logistikdienstleistungsunternehmen haben in Niederaula einen zentralen Standort für den Umschlag ihrer Transporte errichtet.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Güterzug auf dem manuellen Bahnübergang in Niederaula

Niederaula liegt direkt an den Autobahnknotenpunkten Kirchheimer und Hattenbacher Dreieck. Somit liegen die Autobahnen A 4, A 5 und A 7 in unmittelbarer Nähe. Auf dem Gemeindegebiet befindet sich zwischen dem Kernort Niederaula und dem Ortsteil Niederjossa die Anschlussstelle Niederaula der A 7, die Anschlussstelle Kirchheim (ebenfalls A 7) und das Kirchheimer Dreieck liegen etwa vier Kilometer nordwestlich des Kernortes auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Kirchheim. Außerdem verläuft die Bundesstraße 62 durch die Gemeinde, von der die Bundesstraße 454 abzweigt. Die Bundesstraßen haben wegen der parallelen Autobahnen hier keine überregionale Bedeutung mehr, sind jedoch als Umleitungsstrecken ausgewiesen.

Die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg verläuft westlich der Gemeinde, unter anderem auf der Aula-Talbrücke und im Hattenbergtunnel, ohne Halt. Auch die ehemals fünf in der Gemeinde gelegenen Haltepunkte der Bahnstrecken Bad Hersfeld-Treysa und Niederaula-Alsfeld werden nicht mehr von Personenzügen bedient. Güterzüge halten in Niederaula nur aus betrieblichen Gründen, wegen eines manuellen Bahnübergangs. Den nächsten Bahnanschluss bietet somit die etwa zwölf Kilometer entfernte Kreisstadt Bad Hersfeld.

Nach Bad Hersfeld verkehren die Buslinien 380, 390 sowie das Anrufsammeltaxi 389 des Nordhessischen Verkehrsverbundes.

Durch das Gemeindegebiet führen Radwanderwege:

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Durch die zentrale Lage der Gemeinde an den Autobahnen 4, 5 und 7, haben sich hier viele Unternehmen aus der Logistik angesiedelt. Die größten Unternehmen aus dieser Branche sind ein internationales Postverteilerzentrum der Deutschen Post, ein Hub der TNT Innight GmbH & Co. KG, ein Verteilerzentrum von UPS, ein Sortierzentrum von GO! Express & Logistics und ein Lager der Stappert Spezial-Stahl Handel GmbH.

Weitere kleinere Firmen aus unterschiedlichen Branchen sind der Hersteller von Kunststoffbehältern Gies GmbH & Co. Kunststoffwerk KG, der Hersteller von Isolierkannen Rotpunkt Dr. Anso Zimmermann GmbH und das Ziegelwerk und Baufachhandel Julius Zange GmbH & Co.KG.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Diese Übersicht (nach Geburtsdatum sortiert) enthält sowohl bedeutende in Niederaula geborene Persönlichkeiten, als auch Personen die in Niederaula wirkten, jedoch nicht hier geboren sind. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Christoph Heubner (* 6. Mai 1949 in Niederaula), deutscher Schriftsteller und Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.
  • Manuela Schmermund (* 30. Dezember 1971), die Sportschützin kommt aus dem Niederaulaer Ortsteil Mengshausen. Die Behindertensportlerin errang bei den Paralympischen Spielen in London 2012 die Silbermedaille und wiederholte damit ihren Erfolg von Peking 2008. Vier Jahre zuvor in Athen gewann die nach einem Verkehrsunfall querschnittgelähmte Sportlerin die Goldmedaille im Luftgewehr, im Kleinkaliber die Bronzemedaille. Zudem wurde sie im Jahr 2005 Europameisterin und ist mehrfache Deutsche Meisterin. Schmermund ist in der Oberliga aktiv und betreut den Nachwuchs ihres Heimatvereins Schützengilde Mengshausen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederaula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Erlass des Hessischen Ministers des Innern vom 5. Januar 1971 — IV A 1 — 3 k 08/05 (87) — 13/70 — Betrifft: Eingliederung der Gemeinde Mengshausen in die Gemeinde Niederaula im Landkreis Hersfeld (StAnz. 3/1971 S. 110)
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 396 und 397.
  4. Kopialbuch des Klosters Hersfeld aus der Mitte des 12. Jahrhunderts
  5. Kirchenbuch des Kirchspiels Niederaula von 1698
  6. Traugott Classen: Niederaula - Von der karolingischen Schenkung zu Großgemeinde
  7.  Heinrich von Dehn-Rotfelser u. Wilhelm Lotz: Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Döll und Schäffer, Kassel 1870, S. 192f.