Schmölln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schmölln (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schmölln
Schmölln
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schmölln hervorgehoben
50.89512.356388888889220Koordinaten: 50° 54′ N, 12° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 41,6 km²
Einwohner: 11.457 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 275 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04626
Vorwahl: 034491
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 043
Stadtgliederung: Kernstadt, 13 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
04626 Schmölln
Webpräsenz: www.schmoelln.de
Bürgermeisterin: Kathrin Lorenz (CDU)
Lage der Stadt Schmölln im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild

Schmölln ist eine Stadt im thüringischen Landkreis Altenburger Land und liegt an der Sprotte. Bekannt geworden ist sie vor allem durch die Knopfindustrie im 19. Jahrhundert.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ausläufer des Ronneburger Acker- und Bergbaugebietes liegen im südwestlichen Stadtgebiet um Selka und Weißbach. Die Stadt selbst liegt im Tal der Sprotte. Die höchste Erhebung Schmöllns ist der Schafberg in Sommeritz mit 293 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Landkreis Altenburger Land:

Drogen Altkirchen Nobitz
Nöbdenitz Nachbargemeinden Gößnitz
Vollmershain Thonhausen Heyersdorf, Ponitz
Blick vom Ernst-Agnes-Turm über Schmölln

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kirche in Sommeritz

Zu Schmölln gehören neben der Kernstadt noch folgende Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten]

Im heutigen Bohra bei Schmölln bestand in der Bronzezeit eine größere Siedlung. Sie wurde im Jahr 2008 gefunden und archäologisch ausgewertet.[2]

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Marktbrunnen stellt die knapp 1000jährige Geschichte dar
Reste der Stadtmauer an der Schulstraße

1066 wurde der Name abbatia zmulna erstmals urkundlich erwähnt, als das damals bereits bestehende Benediktinerkloster mit Markt-, Münz- und Zollrechten dem Bistum Naumburg überwiesen wurde. Es wird vermutet, dass der Name vom sorbischen smola für Pech, Teer abgeleitet wird und so auf das Pechsieden mit Kiefernholz in Schmöllner Frühzeit hinweist. 1127 veranlasste Bruno, der „Graf in Pleißen“, den Bau eines zweiten, dem Zisterzienserorden zugehörigen, Klosters auf dem Pfefferberg, das 1138/40 nach Pforta verlegt wurde. Seine weiter bestehende Marienkirche erlangte vom 13. bis zum 16. Jahrhundert Bedeutung als deutscher Marienwallfahrtsort. Die Marienkirche auf dem Pfefferberg wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört, vier Jahre später wurde die Reformation eingeführt.

Im Mittelalter wurde auch die im Nordosten der Stadt in günstiger Lage über dem Sprottetal liegende Wallanlage angelegt. 1847 fand man Mauerreste, Eisen- und Knochengeräte und menschliche Skelettteile.[3]

Schmölln erhielt zwischen 1324 und 1329 das Stadtrecht. In jener Zeit unterstanden das Kloster und die Ländereien Heinrich Reuß von Plauen. Unter den Vögten von Weida, Gera und Plauen, die als „die Reußen“ bekannt sind, entstanden in Schmölln ein feudales Schloss, eine trutzige Wasserburg, und eine acht Meter hohe Stadtringmauer um die Stadtkirche, den Markt und die ganze mittelalterliche Stadt. Da die Vögte im 14. Jahrhundert aber an Einfluss verloren, fiel Schmölln von 1398 bis 1410 erstmals und 1419 dann endgültig an die Wettiner.

Neuzeit[Bearbeiten]

Nordseite des Markts
Alte Brücke über die Sprotte

Schmölln wechselte im Laufe der Jahrhunderte oft seine administrative Zugehörigkeit. Durch die Leipziger Teilung im Jahre 1485 wurde die Stadt den Ernestinischen Herzogtümern zugeschlagen. Eine Erbteilung von 1603 führte dazu, dass die Stadt Teil des Herzogtums Sachsen-Altenburg wurde. Nach dem Erlöschen dieser Linie ging sie 1672 an Sachsen-Gotha und 1680 wiederum an Sachsen-Gotha-Altenburg über. Durch die Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahre 1826 kam die Stadt an das neu gegründete Herzogtum Sachsen-Altenburg, wo sie bis 1918 verblieb. Von 1918 bis 1920 gehörte Schmölln dann zum Freistaat Sachsen-Altenburg, bevor dieser im neu gebildeten Land Thüringen aufging.

Dem zu Anfang des 15. Jahrhunderts bezeugten Rat wurden 1484 die Nieder- und Obergerichte überlassen, seit 1698 übte ein herzoglicher Schultheiß die volle Stadtverwaltung aus.

Evangelische Stadtkirche
Hospitalkirche
Fachwerk am Kirchplatz

Eine Zäsur in der Stadtgeschichte bildet der verheerende Stadtbrand vom 19. Oktober 1772, bei dem binnen 12 Stunden ein Großteil der damaligen Stadt (228 Häuser, ca. 70 Scheunen und weitere Stadtgebäude, darunter auch das Rathaus) zerstört wurde. Vermutlich war Brandstiftung in der Scheune in dem Garten auf dem heutigen Goetheplatz die Ursache des Feuers. Die „Brandstraße“ unterhalb des Marktes verweist noch auf das Ereignis, das sonst kaum mehr Spuren hinterlassen hat, da in dessen Folge die heute vorzufindende Bausubstanz - auch viele Fachwerkbauten - errichtet wurde. Die Stadtkirche Sankt Nicolai, im 15. Jahrhundert erbaut, wurde beim großen Stadtbrand ebenfalls weitgehend zerstört – lediglich der nach Süden weisende Gebäudeteil, welcher das Stadtarchiv enthielt, blieb dank der Löschbemühungen unversehrt. Nach dem Brand wurde das Bauwerk in heutiger Form als dreischiffige, spätgotische Hallenkirche mit verändertem Turm neu errichtet. Daneben gibt es noch eine Katholische Kirche sowie die Hospitalkirche am Friedhof.

In der städtischen Wirtschaft herrschten Tuchmacher, Zeug- und Leinenweber vor, doch konnte sich Schmölln innerhalb der „Bannmeile“ von Altenburg nur langsam entfalten. Seit 1830 wurde die Bürstenfabrikation betrieben. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Steinnussknopfindustrie von Hermann Donath begründet. Seit 1866 entstand in Schmölln eine große Zahl von Knopffabriken, begünstigt auch dadurch, dass Schmölln 1865 eine Bahnanbindung nach Gera im Westen und nach Gößnitz im Osten erhielt, was einen optimalen Transport von Rohmaterial und Knöpfen ermöglichte. Immerhin wurden um 1900 jährlich 100.000 Zentner Steinnüsse ein- und etwa drei Millionen Knöpfe ausgeführt. Zudem wurden auch Spielwaren, Schmuck und Füllfederhalter hergestellt.

Schmölln wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Stadt mit den meisten Fabrikschloten im Herzogtum. Die Knopfindustrie brachte für die Stadt einen phänomenalen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Einwohnerzahl stieg von 1860 bis 1900 von ehemals 4200 rasch an: Schmölln wurde 1900 mit 10.691 registrierten Einwohnern zur zweitgrößten Stadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg. 1500 Menschen waren in Knopffabriken tätig. Darüber hinaus nähten Frauen und viele Kinder in Heimarbeit Knöpfe auf Kartons oder „putzten“ Knöpfe. Auf diese Weise war etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung in der Knopfindustrie beschäftigt.[4]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Gedenkstein an die amerikanische Besatzung 1945

Mit Schreiben des sächsischen Justizministers Otto Thierack vom 31. Juli 1933 wurde der in Schmölln wohnhafte Alwin Engelhardt (1875–1940) „bis auf weiteres“ als sächsischer Scharfrichter angestellt. Die Vollstreckung jedes Todesurteils wurde ihm mit 350 Reichsmark, bei mehreren gleichzeitigen Hinrichtungen – vorausschauend – jede weitere mit 150 Reichsmark, vergütet. Das Schmöllner Adressbuch von 1910 nannte Engelhardt als Geschäftsführer der Abdeckerei am Kemnitzgrund.[5]

Der kommunistische Widerstandskämpfer Alfred Nitzsche aus Schmölln kam nach fünf Jahren Haft im Oktober 1944 im Zuchthaus Ludwigsburg ums Leben. An ihn erinnert die Alfred-Nitzsche-Straße. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Hotel „Deutscher Kaiser“ und in der Dampfziegelei „Mehlhorn & Sohn“ über 300 Zwangsarbeiter untergebracht, die für die Rüstung arbeiten mussten.

Am 13. April 1945 übergaben die Schmöllner Bürger die Stadt an ein Vorauskommando der 76. amerikanischen Infanteriedivision und 6. Panzerdivision. Diese dienten in Schmölln als Besatzungstruppen bis zum 1. Juli 1945. Daran erinnert heute ein Gedenkstein.

Die Amerikaner übergaben im Juli 1945 die Besatzung an sowjetische Streitkräfte.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Landratsamt in Schmölln

In Selka gab es ein Schloss der Familie von Thümmler. Die Besitzer wurden 1945 entschädigungslos enteignet, die seit 1944 einquartierten Flüchtlinge des Gebäudes verwiesen und das Schloss 1948 gesprengt. Grundlage war der Befehl 209 der SMAD. Nur die Kirche und ein unscheinbarer Seitenflügel blieben erhalten.

Die Verwaltungsreform 1952 führte dazu, dass Schmölln aus dem Territorium des aufgelösten Landes Thüringen herausgetrennt und dem Bezirk Leipzig zugeschlagen wurde. Im Jahre 1990 ging die Stadt zusammen mit dem Kreis Schmölln wieder an das Land Thüringen. Durch die Verwaltungsreform 1994 verlor Schmölln den Status einer Kreisstadt und ging zusammen mit dem Kreis Altenburg in dem neuen Landkreis Altenburger Land auf. Schmölln besitzt in den Raumordnungsplänen Thüringens momentan funktionsteilig mit Gößnitz den Status des Mittelzentrums. Die Stadt erfuhr seit der Wende eine recht positive Entwicklung. So entstanden am Stadtrand mehrere Gewerbegebiete (Nitzschka, Kemnitzgrund, Ronneburger Straße), während die Innenstadt eine hohe Einkaufskultur bewahren konnte, da Supermärkte, anders als beispielsweise in Crimmitschau oder Meerane, nicht auf die Grüne Wiese gesetzt wurden. Die Ansiedlung neuer Firmen wie beispielsweise der Autozuliefererindustrie in den neuentstandenen Gewerbegebieten an der Crimmitschauer Straße und in Nitzschka wurde begünstigt durch die Inbetriebnahme der Autobahnanschlussstelle 61 Schmölln der A 4. Durch zwei wesentliche Straßenbauarbeiten verbesserte sich die Infrastruktur der Stadt enorm. So wurden die Straßen Coßwitzanger und Bachstraße komplett neu als Bahnunterführung errichtet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Seitenflügel des Selkaer Schlosses
  • 1854 Steinsdorf nach Schloßig[6]
  • 1. Juli 1950 Bohra und Kummer
  • 1. Juli 1950 Kleinmückern nach Großstöbnitz
  • 1. Juli 1950 Nödenitzsch nach Schloßig
  • 1. Juli 1950 Brandrübel nach Weißbach
  • 1. November 1973 Selka nach Weißbach
  • 1. Januar 1974 Schloßig mit dem Ortsteil Nödenitzsch
  • 8. März 1994 Weißbach mit den Ortsteilen Brandrübel und Selka
  • 1. Januar 1996 Großstöbnitz mit den Ortsteilen Kleinmückern und Papiermühle

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1831 lebten in Schmölln 3467 Einwohner. Bis 1910 stieg die Einwohnerzahl auf 11.345 an.[7] Die höchste Bevölkerungszahl wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges erreicht.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: 31. Dezember):

1925 bis 1984

  • 1925: 13.475
  • 1933: 13.398
  • 1939: 13.036
  • 1946: 15.084 a
  • 1950: 14.964 b
  • 1960: 13.827
  • 1981: 12.421
  • 1984: 12.164

1994 bis 2003

  • 1994: 12.618
  • 1996: 13.218
  • 1998: 13.210
  • 1999: 13.275
  • 2000: 13.193
  • 2001: 13.031
  • 2002: 12.967
  • 2003: 12.786

2004 bis 2011

  • 2004: 12.770
  • 2005: 12.576
  • 2006: 12.395
  • 2007: 12.275
  • 2008: 12.224
  • 2009: 12.068
  • 2010: 11.879
  • 2011: 11.706

seit 2012

  • 2012: 11.457

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

a Volkszählungsergebnis vom 29. Oktober
b Volkszählungsergebnis vom 31. August

Entwicklung der Einwohner nach Altersgruppen:

Altersstruktur der Schmöllner Bevölkerung 2000 und 2010
Bevölkerung im Alter von Jahr Anteil Veränderung
unter 6 2000
  
3,9 % +0,1 %
2010
  
4,0 %
6 – 15 2000
  
8,7 % –2,5 %
2010
  
6,2 %
15 – 65 2000
  
67,6 % –3,8 %
2010
  
63,8 %
über 65 2000
  
19,8 % +6,2 %
2010
  
26,0 %
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[8][9]
Wahlbeteiligung: 51,4 % (2004: 48,8 %)
 %
30
20
10
0
28,5 %
21,5 %
18,5 %
16,7 %
12,2 %
2,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-12,4 %p
-5,2 %p
+4,2 %p
+3,8 %p
+12,2 %p
-2,5 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Schmölln setzt sich aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU LINKE SPD Neues Forum Bürger für Schmölln FDP Gesamt
2014 7 5 4 4 3 1 24 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die Bürgermeisterin ist seit der letzten Bürgermeisterwahl am 30. August 2009 Kathrin Lorenz (CDU). Sie konnte mit einem knappen Vorsprung von 16 Stimmen den Platz des langjährigen Bürgermeisters Herbert Köhler (parteilos) einnehmen, der nach vier Amtszeiten in den Ruhestand ging.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau unter einem mit Fialen und Krabben verzierten goldenen gotischen Baldachin thronend die goldgekrönte Maria in rotem Gewand und blauem Mantel mit dem nackten Jesusknaben auf dem Schoß; darunter ein Topfhelm, besteckt mit grünen Pfauenfedern, vorn glatt, hinten gespiegelt.“[10]

Das Wappen entstammt dem ältesten Stadtsiegel von 1396, welches das gleiche Bild zeigt und die Umschrift SIGILLVM CIVIVM IN SMOLN trägt. Es stellt die Schutzpatronin der ältesten Kirche von Schmölln dar. Der Pfauenfedernhelm ist das Zeichen der Reußen, die als Vögte von Gera, Weida und Plauen auch über Schmölln herrschten.[10]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Ernst-Agnes-Turm

Besonders sehenswert in Schmölln ist die Altstadt. Der weitläufige mittelalterliche Markt mit dem Rathaus und dem Blick zur Stadtkirche ist ganzjährig sehr belebt, da zahlreiche Geschäfte wie beispielsweise Kaufland in sanierten historischen Gebäuden anzutreffen sind. Lange Öffnungszeiten begünstigen dies zusätzlich. Viele Fachwerkhäuser sind zudem um die spätgotische Stadtkirche angeordnet. Weiterhin ist ein Teil der Stadtmauer mit begehbarem Turm zu besichtigen.

Ein Beispiel für die industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts in Schmölln ist die Knopfindustrie. Im Jahre 1863 wurden erstmals Knöpfe hergestellt. Von dem Ernst-Agnes-Turm, der 1893 auf dem Pfefferberg errichtet wurde, bietet sich ein guter Blick in das Umland und auf die ehemalige Fabrik sowie das 1997 eröffnete Knopf- und Regionalmuseum, welches direkt am idyllischen Stadtpark liegt. Eine Zweigstelle des Museums ist in einem anderen Industriebetrieb unweit des Hauptgebäudes untergebracht.

Sport[Bearbeiten]

Seit 1999 findet jährlich die Etappe „Rund um Schmölln“ der Internationalen Thüringen-Rundfahrt der Frauen sowie das bei der Rundfahrt einzigartige „Jedermann-Rennen“, zu dem auch Amateure zur Teilnahme zugelassen sind, statt.

Mutzbratenzubereitung

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Eine bekannte Spezialität im Gebiet zwischen Schmölln und Altenburg ist der Mutzbraten, meist serviert mit Brot und Sauerkraut. Er wird über Birkenholz zubereitet.

Eine in den 1960er und 1970er Jahren geläufige Art der Kinderverköstigung in Gaststätten war die Lebensmittelkombination „Ä Sießchen und ä Blondchen“. Dabei handelt es sich um eine kleine Wiener Wurst und eine gelbe Limonade. Die Bezeichnung „Sießchen“ kann zum einen vom Englischen „sausage“ abgeleitet werden. Ein anderer Ansatz ist der Bezug auf die Wurstgröße, die man als „süß“ (niedlich) bezeichnen kann. Der Schmöllner Dialekt machte daraus dann „Sießchen“. Die Ableitung des „Blondchens“ ist wohl allein auf die Farbe des Getränks zurückzuführen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Schmölln liegt an der A 4 (Anschlussstelle 61: Schmölln) und der B 7 (Gera–Altenburg). An der Bahnstrecke Gößnitz–Gera gibt es in Schmölln einen Bahnhof, der vom Regional-Express GlauchauErfurtGöttingen sowie vom Regional-Express auf der Strecke Altenburg–Erfurt bedient wird. Der Haltepunkt im Ortsteil Großstöbnitz wurde seit dem Wegfall der Regionalbahnen im Dezember 2008 anfangs noch früh morgens und spät abends, inzwischen jedoch gar nicht mehr bedient.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Steinnuss-Plastik vor dem Knopfmuseum

Wie in den meisten Städten Ostthüringens und Westsachsens war die Wirtschaftsstruktur Schmöllns stark von der Textilindustrie geprägt. In der 1861 eingeführten Knopffabrikation war bis zum Ersten Weltkrieg die Hälfte aller Arbeiter beschäftigt. Korrespondierend dazu entwickelte sich die Bürsten- und Zahnbürstenfabrikation sowie der Maschinenbau.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten der Werkzeugmaschinenbau (VEB PWS, VEB KnoHoMa) sowie die Kunststoffindustrie (VEB Galfütex) einen Aufschwung. Nach der Wende von 1990 gelang es, nach großen Arbeitsplatzverlusten die Industrie zu stabilisieren. Zudem erfolgten zahlreiche Neuansiedlungen im Bereich Automobilzulieferer (Neumayer Tekfor) und Nahrungsmittelindustrie (Burkhardt Feinkostwerke, Wolf Wurstwaren). Die traditionellen Bereiche Maschinen- und Werkzeugbau (PWS Präzisionswerkzeuge GmbH, H.O.T. Oberflächentechnik, HASCO, Midena) sowie Kunststoffverarbeitung (KTS Kunststofftechnik Schmölln, Markus Birner Kunststofftechnik GmbH) bestehen außerdem weiterhin in der Stadt.

Von ehemals über zehn Knopffabriken besteht nur noch eine, die Textilindustrie ist aus Schmölln ebenfalls bis auf ein Unternehmen verschwunden. Im Vergleich zu anderen Standorten in den Neuen Bundesländern kann Schmölln auf eine positive Wirtschaftsentwicklung zurückblicken, was sich auch positiv im Stadtbild bemerkbar macht. Neue Industriestandorte (Industriegebiet Nitzschka, Industriegebiet Crimmitschauer Straße I, II und III) wurden erschlossen. In dem Industrieverbundstandort Nitzschka-Nörditz des Städtebundes Schmölln-Gößnitz siedeln sich seit der Gründung im Jahr 2002 produzierende Gewerbe an.

Medien[Bearbeiten]

  • Kabel plus, Fernsehen für die Region Schmölln, Meerane, Waldenburg
  • Schmöllner Nachrichten (Lokalausgabe der Ostthüringer Zeitung)
Katholische Kirche

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Klinikum Altenburger Land in Schmölln

Hierbei sind die Stadtverwaltung der Stadt Schmölln, die Filiale des Arbeitsamtes Altenburger Land, die Johanniter-Rettungswache, die Freiwillige Feuerwehr Schmölln, die Außenstelle des Klinikums Altenburger Land, das Standesamt und die Stadtbibliothek zu nennen. Institutionen und Körperschaften sind das 2006 eröffnete Frei- und Hallenbad „Tatami“, das Regional- und Knopfmuseum Schmölln, die 1993 errichtete Mehrzweckhalle „Ostthüringenhalle“ und das Schülerfreizeitzentrum (SFZ).

An kirchlichen Gemeinden ist die Stadtkirche St. Nicolai mit Kantorei, die Katholische Gemeinde St. Maria Immaculata, die Neuapostolische Gemeinde und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, die ein besonderes Jugendprogramm leitet, zu nennen.

Bildung[Bearbeiten]

Gymnasium

Bildungseinrichtungen sind die Grundschule „Finkenweg“, die Regelschule „Am Eichberg“, das staatliche Roman-Herzog-Gymnasium Schmölln, das Förderzentrum und der Schulteil Schmölln des Beruflichen Schulzentrums für Gewerbe und Technik. Hinzu kommen fünf Kindertagesstätten, die Musikschule Johann Friedrich Agricola, die Geschäftsstelle der Volkshochschule Altenburger Land sowie die Stadtbibliothek auf dem Markt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Bauer und Antje Kuhnt: Schmölln. Ein Fotoalbum. Sutton Verlag, Erfurt 2002, ISBN 978-3-89702-431-1
  • Karl Höhn: Geschichtliche Entwicklung des gewerblichen Lebens der Stadt Schmölln. Schmölln 1892 (Digitalisat)
  • Antje Kuhnt und Wolfgang Bauer: Schmölln. Leben im Sprottetal. Sutton Verlag, Erfurt 2000, ISBN 978-3-89702-262-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schmölln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Schmölln – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Fundsache, Nr. 263: Bronzezeit-Siedlung. n-tv, 6. Januar 2008, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 200/201.
  4. Auf den Spuren der Geschichte. Stadt Schmölln, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  5. Ausführlich: Blazek, Matthias, Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich 1866–1945, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8382-0107-8, S. 57 ff.
  6. Bernd Kemter: Schild für nicht-existenten Ort in Schmölln. OTZ Schmölln, 20. April 2010, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  7. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 - Herzogtum Sachsen-Altenburg - Landratsamt Ronneburg. Abgerufen am 27. Oktober 2012.
  8. Gemeinderatswahl 2009 in Thüringen - endgültiges Ergebnis. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  9. Gemeinderatswahl 2004 in Thüringen - endgültiges Ergebnis. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  10. a b Wappenbeschreibung Schmölln, Stadtverwaltung Schmölln, 1993