Meuselwitz

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Meuselwitz in Thüringen, für den gleichnamigen Ortsteil der Stadt Reichenbach/O.L. in Sachsen, siehe dort.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Meuselwitz
Meuselwitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Meuselwitz hervorgehoben
51.04277777777812.299166666667170Koordinaten: 51° 3′ N, 12° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 53,47 km²
Einwohner: 10.690 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04610
Vorwahl: 03448
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 032
Stadtgliederung: Kernstadt und 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstr. 1
04610 Meuselwitz
Webpräsenz: www.meuselwitz.de
Bürgermeisterin: Barbara Golder (CDU)
Lage der Stadt Meuselwitz im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild
Meuselwitz und seine Hauptgebäude um 1800

Meuselwitz ist nach Altenburg und Schmölln die drittgrößte Stadt im thüringischen Landkreis Altenburger Land sowie die flächenmäßig zweitgrößte Kommune des Landkreises. Die Kleinstadt liegt im Dreiländereck mit Sachsen und Sachsen-Anhalt am Südrand der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Altenburg im Südosten und Zeitz im Nordwesten sowie Gera im Südwesten und Leipzig im Nordosten.

War der Ort seit dem 17. Jahrhundert zunächst durch das Wirken des Adelsgeschlechts von Seckendorff geprägt, wandelte sich Meuselwitz ab 1860 zur Industriestadt der Braunkohle. Aus beiden Zeiten sind verschiedene sehenswerte Gebäude erhalten, zur ersten gehören die Orangerie und der Park sowie die Stadtkirche im barocken Stil und zur letzteren das neugotische Rathaus von 1874. Seit jenem Jahr verfügt Meuselwitz auch über die Stadtrechte.

Durch Bombenangriffe 1944 und 1945 wurde ein großer Teil der Stadt zerstört und 250 Menschen verloren ihr Leben.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn die Stadt Lucka, Haselbach, Treben, Gerstenberg, die Kreisstadt Altenburg, Rositz und Kriebitzsch im Landkreis Altenburger Land, außerdem im Norden Regis-Breitingen im sächsischen Landkreis Leipzig sowie im Westen Elsteraue und die Stadt Zeitz im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Meuselwitz gehören neben der Kernstadt mit dem historischen Stadtteil Zipsendorf folgende Ortsteile im Uhrzeigersinn von Norden beginnend:

*Die Ortsteile Mumsdorf, Schnauderhainichen und Wintersdorf haben eigene Ortsbürgermeister

Geschichte[Bearbeiten]

Martinskirche
Rathaus
Bahnhofstraße mit der für das Stadtzentrum typischen Architektur

Als „Muzelbuze“ wurde das heutige Meuselwitz als Rittergut im Jahre 1139 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich das Gut im Besitz der Herren von Bünau, seit 1578 der niederländischen Emigrantenfamilie (Cramer) von Clauspruch, die hier eine Zeugmanufaktur mit Wirkerhaus, Walkmühle und Färberei einrichteten.

Meuselwitz war 1648–1672 von Hexenverfolgung betroffen. Sechs Menschen gerieten in Hexenprozesse, vier wurden hingerichtet, zwei starben unter der Folter. Ihnen wurde der Vorwurf gemacht, sie hätten Hexerei betrieben und einen Drachen gehalten.[3]

1676 wurde das Gut von Veit Ludwig von Seckendorff erworben, der damals im Dienst des Herzogs Moritz von Sachsen-Zeitz stand. Er ließ 1677 das Schloss neu erbauen, wurde ab 1681 in Meuselwitz sesshaft und wirkte im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg als Landschafts- und Obersteuerdirektor. Zwischen 1724 und 1727 wurde das Schloss unter dem Reichsgrafen Friedrich Heinrich von Seckendorff grundlegend umgestaltet. Das bestehende Schloss wurde von dem Leipziger Baumeister David Schatz zu einer Vierflügelanlage umgebaut, mit ausgerückten Mittelrisaliten zur Stadt und zum Park hin. Das Schloss hatte einen bastionartigen Grundriss, der Festsaal zeichnete sich durch reiche gemalte und plastische Dekoration aus. Das Schlosstor zur Stadt hin war prächtig mit Trophäen ausgestattet. Rechts und links des Tores befanden sich zweigeschossige Wirtschaftsbauten im Stil der damaligen Zeit. Die Orangerie im 1709 angelegten Schlossgarten, die 1724 errichtet wurde, ist nach der Zerstörung des Schlosses durch Bombardierung 1945 und folgende Abrisse der einzige erhaltene Bau des Schlosskomplexes. 1740 wurde die Martinskirche von einem ungarischen Ingenieur im Stil seiner Heimat umgebaut.

Bereits 1670 wurde in der Nähe von Meuselwitz Braunkohle gefunden. Um 1780 wurde ein erster Versuch gemacht, Braunkohle unter Tage abzubauen. Nach 1860 wurden mehrere große Kohlevorkommen nördlich der Stadt erschlossen, die zunächst noch im Pfeilerabbau unter Tage ausgebeutet, später jedoch großflächig als Tagebaue aufgeschlossen wurden. Eine Folge davon war, dass sich die Einwohnerzahl zwischen 1842 und 1880 mehr als verdoppelte. Das erste Rathaus wurde 1861 erbaut, eine öffentliche Wasserversorgung folgte 1874. In diesem Jahr wurde Meuselwitz von Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg das Stadtrecht verliehen. Am 18. April 1872 erhielt Meuselwitz mit der Eröffnung der Strecke Altenburg-Zeitz einen Bahnanschluss, am 7. September 1874 wurde die Strecke nach Leipzig eröffnet und 1885 nach Ronneburg erweitert. Durch den Aufschluss der Tagebaue Zwenkau und Böhlen wurde diese Strecke in den 1970er Jahren zwischen Lucka und Groitzsch unterbrochen und abgetragen. Anfang 2004 wurde der Personenverkehr zwischen Altenburg und Zeitz eingestellt. Auf dem Teilstück Zeitz (Profen) und Meuselwitz verkehren noch Kohlezüge zur Versorgung des Kraftwerkes in Mumsdorf und vereinzelte Züge zur Schotterrecyclinganlage Kriebitzsch.

Zeit des Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Das jüdische Kaufhaus Fruchtmann wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Zahlreiche Juden wurden in die Vernichtungslager deportiert, andere emigrierten nach Palästina und in andere Länder. Während des Zweiten Weltkrieges bestanden die Zwangsarbeiterlager Meuselwitz I-III und V sowie der Gasthof Lindenhof, Firma Heymer & Pilz und Firma Karl Julius Görler, in denen eine Vielzahl von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern untergebracht waren, die in der Grube „Phönix“ von Mumsdorf und im HASAG-Werk Meuselwitz, das dem KZ Buchenwald als Außenkommando unterstand, Zwangsarbeit leisten mussten. Viele verloren durch die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen ihr Leben, einige wurden bei einem Bombenangriff getötet. Die überlebenden jüdischen Frauen wurden von der SS auf einen Todesmarsch geschickt, die Männer wurden nach Theresienstadt getrieben. Auf dem Ehrenfriedhof von Mumsdorf, der unter Aufsicht der US Army angelegt wurde, wird an 290 Tote erinnert, die in Massengräbern gefunden wurden.[4]

Meuselwitz war im Zweiten Weltkrieg von schweren Luftangriffen betroffen, besonders am 30. November 1944 (US Air Force) und 19./20. Februar 1945 (British Bomber Command). Beim ersten Angriff wurden 54 Tonnen Bomben abgeworfen, beim zweiten 140 Tonnen, darunter 7 Luftminen und 550 Fünf-Zentner-Bomben. Bei diesen Angriffen starben 250 Menschen, davon 39 Häftlinge. 3.000 Meuselwitzer waren nach dem zweiten Angriff "ausgebombt". Danach machte Meuselwitz den Eindruck einer "Geisterstadt". Bis zur Besetzung durch US-Truppen im April 1945 wurden im ganzen Stadtgebiet 85 Prozent der Gebäude durch Luftangriffe total zerstört bis leicht beschädigt. [5] Häufig wird fälschlicherweise angenommen, Meuselwitz wurde zu 85 % zerstört.[6] Bei einem Bombardement am 20. März 1945 wurde das Schloss beschädigt und nach dem Krieg gesprengt und abgerissen, auch zur Gewinnung von Baumaterial. Die Orangerie brannte aus, ihre Kuppel brach 1954 zusammen. (Weiteres siehe Sehenswürdigkeiten.) Das erhaltene Schlosstor und die historischen Wirtschaftsgebäude wurden ebenfalls beseitigt.

Unter dem Vorwurf der Bildung einer „Widerstandsgruppe“ wurden 1950 zwei Lehrer und zwei Schüler der Oberschule Meuselwitz von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. 1952 folgten erneute Verhaftungen einer „antisowjetischen Gruppe“ von ehemaligen Schülern. Zwei von ihnen (und ein weiterer Mann) wurden durch ein Militärtribunal in Potsdam zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. Mehrere weitere frühere Schüler erhielten langjährige Arbeitslager-Strafen in einem sowjetischen Gulag. 1995/96 erfolgte die offizielle Rehabilitierung der Verurteilten durch die Russische Föderation. An das Geschehen erinnert ein Gedenkstein vor dem Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium mit der Inschrift: „Zum Gedenken an die Opfer der kommunistischen Diktatur und an den Widerstand an unserer Schule“ (es folgen die Namen von drei der Getöteten)". Im Gymnasium gibt es zudem eine von den Schülern gestaltete Ausstellung.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Nach Meuselwitz wurden im Jahr 1922 Schnauderhainichen, 1973 zwei Orte[8], 1993 Mumsdorf[9], 1994 Falkenhain[10] und 2007 Wintersdorf eingemeindet.[11] Ende 2008 wechselten zwei Orte nach Treben (Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue).[12]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Bosengröba Eingemeindung nach Ruppersdorf
Brossen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zipsendorf
Bünauroda 1. Juli 1950
Falkenhain 8. März 1994
Gröba 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf
Heukendorf 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf
Lehma 1. Januar 1996
30. Dezember 2008
Eingemeindung nach Wintersdorf,
Umgliederung nach Treben
Mumsdorf 16. Oktober 1993
Neubraunshain 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Waltersdorf
Neupoderschau 1. Januar 1957
1. Januar 1973
Zusammenschluss mit Altpoderschau zu Poderschau,
Umgliederung nach Meuselwitz
Pflichtendorf 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf
Ruppersdorf 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Wintersdorf
Schnauderhainichen 1922
Trebanz 1. Juli 1950
30. Dezember 2008
Eingemeindung nach Lehma,
Umgliederung nach Treben
Waltersdorf 1. Januar 1973 Eingemeindung nach Wintersdorf
Wintersdorf 1. Dezember 2007
Zipsendorf 1. Januar 1973

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1583 bis 1842

  • 1583: 440
  • 1615: 650
  • 1644: 340
  • 1690: 712
  • 1817: 1.273
  • 1831: 1.448
  • 1842: 1.646

1880 bis 1994

  • 1880: 3.402
  • 1946: 10.688 1
  • 1950: 10.529 2
  • 1960: 10.501
  • 1981: 11.997
  • 1984: 11.545
  • 1994: 10.991

1995 bis 2001

  • 1995: 11.035
  • 1996: 10.911
  • 1997: 10.795
  • 1998: 10.643
  • 1999: 10.538
  • 2000: 10.365
  • 2001: 10.134

2002 bis 2008

  • 2002: 9.949
  • 2003: 9.787
  • 2004: 9.717
  • 2005: 9.547
  • 2006: 9.410
  • 2007: 12.102 3
  • 2008: 11.594

2009 bis 2011

  • 2009: 11.385
  • 2010: 11.261
  • 2011: 11.087
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August
3 31. Dezember (nach Eingemeindungen)

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[13][14]
Wahlbeteiligung: 43,7 % (2004: 42,4 %)
 %
40
30
20
10
0
35,7 %
28,8 %
21,0 %
8,5 %
6,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-1,8 %p
-2,9 %p
+21,0 %p
-2,2 %p
-14,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 2004: PDS

Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:

  • CDU: 9 Sitze (+1)
  • DIE LINKE: 7 Sitze (+1)
  • Unabhängige Wählergemeinschaft Wintersdorf (UWW): 5 Sitze (+5)
  • SPD: 2 Sitze (±0)
  • Meuselwitzer Wählergemeinschaft (MWG): 1 Sitz (−3)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt durch eine silberne Leiste von Schwarz über Blau und zeigt oben einen silbernen Schlägel gekreuzt mit einem silbernen Hammer und unten einen goldenen Webschützen. Das Wappen ist bedeckt von einem silbernen, rot ausgeschlagenen, golden bekrönten Spangenhelm, darauf eine rote Lindenlaubschlinge mit je vier parallel stehenden roten Blättern, die Helmdecken sind goldschwarz.“

Flagge[Bearbeiten]

Die Stadt trägt mit der Verleihung des Stadtrechts 1874 die festgelegten Fahnenfarben schwarz – blau.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heimatmuseum
Katholische Kirche
Gesamtansicht des Parks
Kirche in Zipsendorf
Orangerie
  • Das Heimatmuseum befindet sich in der Neugasse 1/3, in einem der ältesten Gebäude der Stadt. Das Gebäude ist ein ehemaliges Weberhaus aus der Zeit um das Jahr 1700. Im Oktober 1993 wurde es notgesichert. Im Dezember 1994 begann der Umbau zur Unterbringung der historischen Gegenstände. Zuvor waren sie bis 1984 in der alten Mühle ausgestellt und danach untergestellt. Ab 1993 konnte man sie in der Heinrich-Heine-Straße betrachten.
  • Das Rathaus wurde in den Jahren 1861 und 1862 im neogotischen Stil errichtet. Seit 1874 ist es Sitz des Bürgermeisters, nachdem Meuselwitz am 6. Juli 1874 zur Stadt ernannt wurde. Zunächst befand sich auch die Wohnung des Bürgermeisters im Rathaus. Später benötigte man die Räumlichkeiten durch die Erweiterung der Stadt als Arbeitsräume. Für einige Zeit war auch die Sparkasse und das Archiv im Rathaus untergebracht. Im Jahr 1989 wurde die Fassade zur 850-Jahr-Feier der Ersterwähnung des Ortes erneuert. In den Jahren 1993 und 1994 erfolgte eine Innensanierung des Rathauses. Das Stadthaus, das dem Gebäude gegenüber lag, wurde im gleichen Baustil errichtet. In dessen dem Markt zugewandten Teil befindet sich heute die Sparkasse.
Hainbergsee
Interieur der Orangerie
  • Am Ende des Schlossparks, dem Von-Seckendorff-Park, befindet sich die Orangerie. Sie ist der letzte heute noch erhaltene Teil des ehemaligen Schlosskomplexes, der durch Bombardierung und folgende Abrisse schwer getroffen wurde. Die Schlossanlage gehörte der Familie von Seckendorff, die über 300 Jahre die Geschichte der Stadt geprägt hatte. Die Orangerie wurde in den Jahren 1724 bis 1727 im Rahmen der Erweiterung des Schlosses, die vermutlich von dem Ratsbaumeister Georg Hellbrunn ausging, erbaut. Die Entwürfe des spätbarocken Bauwerkes stammen von dem kursächsischen Landesbaumeister David Schatz. Vorbild kann der Dresdner Zwinger von Carl Friedrich Pöppelmann gewesen sein. Die Orangerie weist einen flachbogigen Grundriss auf, einen Torpavillon mit geschweifter Haube, Ovalnischen mit Büsten und schwere Scheitelsteinköpfe. Das Gebäude soll seinerseits als Vorlage für das 1745 erbaute Schloss Sanssouci gedient haben. Bei dem Bombenangriff auf das Schloss am 20. März 1945 brannte auch die Orangerie aus, ihre Kuppel stürzte 1954 ein. Danach begannen Sicherung und Wiederaufbau, 1963 auch der Ausbau der Innenräume. Beim Außenbau wurden die Metopenfüllungen nicht wiederhergestellt. Zwei Torhäuser aus dem 18. Jahrhundert wurden ebenfalls rekonstruiert. 1969 konnte man die Orangerie als Museum und Konzertsaal wieder eröffnen. Von 1991 bis 1998 wurde das gesamte Bauwerk wieder umfassend saniert und vor dem Verfall bewahrt. Seit dem Sommer 1998 befinden sich in der Orangerie ein Café und Restaurant sowie ein Festsaal.
  • Der Hainbergsee entstand um 1900 aus der ehemaligen Grube Vereinsglück. Der See ist etwa 800 Meter lang, 300 Meter breit und besitzt eine Wasserfläche von rund 18 Hektar. Stellenweise ist er bis zu 40 Meter tief. Die gute Wasserqualität wird vermutlich durch eine unterirdische Quelle verursacht. Der See besitzt einen großen Fischbestand sowie unter anderem mit Reihern, Schwänen und Wildgänsen, zudem wird er zum Angeln und Freizeitsport genutzt. An den See grenzt der etwa 220 Meter hohe Hainberg, der zu den höchsten Erhebungen um Meuselwitz zählt.
  • Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Kulturbahnhof Meuselwitz im ehemaligen Lokschuppen. Dort ist eine Modellausstellung untergebracht, die das Wiederentstehen der Bahnstrecke Meuselwitz – Altenburg zeigt. Außerdem gibt es eine Freilichtausstellung mit technischen Anlagen und historischen Zügen. Dort soll die über 100-jährige Geschichte des Braunkohlenbergbaus veranschaulicht werden. Der Kulturbahnhof ist auch Startpunkt der Kohlebahn, einer 900-mm-Schmalspurbahn.

Weitere sehenswerte Bauwerke sind die Martinskirche, die Zipsendorfer Kirche, die Katholische Kirche und der Wasserturm. Einen Besuch wert sind auch der Mühlteich, dessen alte Stadtmühle jedoch abgerissen wurde, und der Grottenteich mit der Muschelgrotte.

Denkmäler[Bearbeiten]

  • von-Seckendorff-Denkmal im gleichnamigen Park.
  • Gedenkstein vor dem Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium zur Erinnerung an von sowjetischen Militärtribunalen 1950 und 1952 zum Tode verurteilte und hingerichtete Lehrer und Schüler der damaligen Oberschule.

Sport[Bearbeiten]

In Meuselwitz ist der Fußball-Regionalligist ZFC Meuselwitz beheimatet. Ein weiterer Fußballverein ist der FSV Meuselwitz, dessen Herrenmannschaft in der Kreisliga spielt. Dieser Verein verfügt zudem über eine aktive Lauf- und Triathlon-Sektion. Seit 1922 gibt es in Meuselwitz eine Handballmannschaft. Die Herrenmannschaft des heutigen Handballvereins Meuselwitz, der aus der BSG Motor Meuselwitz hervorgegangen ist, trägt ihre Spiele in der Schnaudertalhalle aus. Daneben ist in der Stadt der traditionsreiche Schützenverein PSG Meuselwitz aktiv.

Bluechip
Sitz des Unternehmens Glass

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Strukturbestimmende Unternehmen des Wirtschaftstandortes Meuselwitz sind z.B:

  • bluechip Computer AG (Notebooks, PCs, Server)
  • Meuselwitz Guß Eisengießerei GmbH (Gussteile, speziell Groß- und Schwerguss)
  • Maschinenfabrik Herkules Meuselwitz GmbH (Werkzeugmaschinen)
  • Gummiwerk Meuselwitz GmbH (Profile, Schläuche usw.)
  • MSB Meuselwitzer Stahlbau GmbH (Stahlbau, Anlagenbau, Sondermaschinenbau)
  • Hans Glass GmbH & CoKG (Autoeinlegematten)

Verkehr[Bearbeiten]

Haus II des Seckendorff-Gymnasiums

Meuselwitz lag an den Bahnstrecken Zeitz–Altenburg, Gaschwitz–Meuselwitz und Meuselwitz–Ronneburg. Alle diese Strecken sind stillgelegt. Die Kohlebahn Meuselwitz–Haselbach–Regis-Breitingen wird im Museumsbetrieb befahren.

Durch eine LandesBus-Linie besteht eine Verbindung von/nach Zeitz, wo Anschluss an die Züge der Erfurter Bahn und Burgenlandbahn bestehen, sowie durch eine PlusBus-Linie von/nach Altenburg, hier besteht wiederum Anschluss zu den Zügen der S-Bahn Mitteldeutschland und des Regionalexpresses der DB.

Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 180 (Altenburg–Naumburg) sowie die Landesstraße 1361 (Schmölln–Lucka). Die Anschlussstelle 61 Schmölln der A 4 befindet sich ungefähr 24 km südlich von Meuselwitz. Die A 9-Anschlussstelle 21a Naumburg ist zirka 28 km westlich. Ungefähr genauso weit entfernt ist die nördlich liegende Anschlussstelle 31 Leipzig-Süd der A 38. Im Osten sind es zirka 24 km zur A 72-Anschlussstelle 4 Borna-Nord.

Bildung[Bearbeiten]

Regelschule

In Meuselwitz existieren eine Grundschule, eine Regelschule, das Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium (Europaschule) sowie die Schauspielschule der Medienakademie Thüringen, eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch: Seckendorf

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Christian Lange (* 2. Dezember 1585 in Naumburg; † 7. Mai 1657 in Leipzig), evangelischer Theologe, von 1614 bis 1618 Pfarrer von Meuselwitz
  • Johann Benedikt Carpzov I. (* 22. Juni 1607 in Rochlitz; † 22. Oktober 1657 in Leipzig), evangelischer Theologe, von 1632 bis 1637 Pfarrer von Meuselwitz
  • Veit Ludwig von Seckendorff (* 20. Dezember 1626 in Herzogenaurach; † 18. Dezember 1692 in Halle), Politiker und Gelehrter, lebte von 1681 bis 1691 auf seinem Gut in Meuselwitz
  • Friedrich Heinrich von Seckendorff (* 5. Juli 1673 in Königsberg (Unterfranken); † 23. November 1763 in Meuselwitz), kaiserlicher Generalfeldmarschall, verbrachte seine letzten Lebensjahre auf seinem Gut in Meuselwitz
  • Ernst Daube (* 9. Februar 1869 in Heukendorf; † 15. Juli 1956 in Meuselwitz), Schriftsteller und Mundart-Dichter

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Findeisen: Meuselwitz (Kreis Altenburg). In: Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt. Henschelverlag, Berlin 1978. Band 2, S. 368
  • Heinrich Cornelius Hecker: Nachrichten von dem Rittersitze und Marktflecken Meuselwitz, zum Andencken der fröhlichen Wiederkunft Sr. Hochgebohrnen Excellenz, Herrn Friedrich Heinrichs, des H.R. R. Grafen von Seckendorf. Leipzig 1741 (Digitalisat)
  •  Steffi Müller: Meuselwitz. In: Die Reihe. Archivbilder. (Bildband), Sutton Verlag, Erfurt 2003, ISBN 978-3-89702-475-5, S. 128.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Meuselwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Meuselwitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939-1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013. ISBN 978-3-86568-636-7
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 243f
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 21ff.
  5. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939-1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013. S. 83-88, 101-105, 182. ISBN 978-3-86568-636-7
  6. Die Bombenangriffe und die Mär von der 85-prozentigen Zerstörung (Version vom 30. April 2009 im Internet Archive)
  7. Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Ch. Links-Verlag, Berlin 2007. S. 480–481. ISBN 978-3-86153-443-3
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1993
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994
  11. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  12. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  13. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=077&gemnr=77032
  14. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=077&gemnr=77032
  15. Dieter Kalka Brache Nr. 9
  16. http://www.gbrathletics.com/nc/gdr.htm; https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Deutschen_Meister_im_Stabhochsprung