BMW R 50

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Dieser Artikel erläutert die Motorrad-Baureihe vom BMW; für eine Erläuterung des populären Autos siehe Mini (BMW)
Dominikanisches Blau R50/2
Drei BMWs: rote R60/2 - blaue R50/2 - schwarze R60/2
R60/2 im traditionellen BMW-Schwarz mit Craven Golden Arrow Satteltaschen
Dover-weiße R60/2 mit Craven County Satteltaschen
Granada-Rot R60/2 mit Craven Golden Arrow Satteltaschen
BMW R 60/2 Bj.1968, Boxermotor
Antriebseinheit eines Tourenmodells R 50

Das Modell R 50 ist ein von BMW in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre hergestelltes Motorrad mit 2-Zylinder-Viertakt-OHV-Boxermotor. Sie ist das Basismodell einer ganzen Baureihe von weitenteils baugleichen Touren- und Sportmotorrädern mit unterschiedlich starken Motoren, die der Artikel mit den technischen Daten insgesamt darstellt. Für die „Sportmaschinen“ R 50 S, R 69 und R 69 S siehe den gesonderten Artikel BMW R 50 S.

Der Vorgänger der R 50 war das Modell BMW R 51/3 mit 18 kW Nennleistung, mit Teleskopgabel und Geradwegfederung. Von dieser unterscheidet sich die ab 1955 gebaute R 50 durch das ganz neue Vollschwingen-Fahrwerk mit geschobener Langschwinge und Hinterradschwinge sowie komplett gekapselter Federung und die leicht auf 19 kW gesteigerte Motorleistung.

Konstruktionsmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Doppelrohr-Rahmen ist aus Stahlrohr geschweißt mit seitlich angebrachten Kugelköpfen für den Seitenwagen-Betrieb. Der TR 500 von Steib war ein angemessener Seitenwagen, der jedoch eine spezielle Zahnradübersetzung des Kardanantriebes erfordert. Die Schutzbleche und der Tank sind aus Stahlblech. Die Felgen und die Vollnaben sind aus Aluminium.

Der Motorblock ist wie das Getriebe und der Hinterachsantrieb aus Aluminiumguss. Motor und Auspuffanlage sind direkt mit dem Rahmen verschraubt. Nur die obere Befestigung des Motors am Rahmen ist mit Gummischeiben ausgeführt. Das Getriebegehäuse ist am Motorblock angeschraubt.

Motor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor ist wie beim Vorgängermodell ein längs eingebauter Zweizylinder Viertakt-Boxer-Motor mit einer mittig, über der Kurbelwelle gelagerten Nockenwelle und außen, über den Grauguss-Zylindern in verchromten Stahlrohren geführten Stoßstangen. Diese betätigen die in den Aluminium-Zylinderköpfen befindlichen Kipphebel, die ihrerseits die hängenden Ventile betätigen (OHV). Die Kipphebel sind wie das obere Pleuellager in Bronzebuchsen gelagert. Die Nockenwelle wird über ein Zahnradgefüge von der Kurbelwelle aus angetrieben. Die Ölpumpe befindet sich vorne unterhalb der Kurbelwelle. Sie wird als eine einfache Zahnradpumpe (mit entsprechender Untersetzung) von der Kurbelwelle mittels Zahnrädern angetrieben. Auf dem vorderen Kurbelwellenstumpf sitzt hinter dem Aluminiumdeckel die wasserdicht gekapselte Gleichstrom-Lichtmaschine. Der Laderegler für den Bleiakkumulator sitzt unter dem Deckel der Lichtmaschine. Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf sitzt die schwere Schwungscheibe (mit – im Schauloch einsehbarer – Zündeinstellmarkierung), welche die Einscheibentrockenkupplung aufnimmt. Die Kupplung wird mittels eines Axiallagers über eine durch die hohle Getriebehauptwelle verlaufende Druckstange betätigt.

Die Vergaser sind 24er Bing-Schwimmerkammervergaser (Modell: 1/22/45 bzw. -46, 1/22/131 bzw. -132 ) mit konischer Nadel im Rundschieber. Das Nass-Luftfilterelement befindet sich auf dem Getriebe. Der Ansaugfilter ist ein Stahlnetz, welches mit Öl benetzt wird, an dem der Staub sich festsetzt. Er dient der groben Filterung der Ansaugluft. Der Luftfilter wird zur Wartung nicht gewechselt, sondern gereinigt und mit Öl neu benetzt.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die R 50 hat ein fußgeschaltetes Vierganggetriebe mit Klauenschaltung, Leerlaufanzeige und Kickstarter. Ein bei den früheren BMW-Motorrädern oft zu findender zusätzlicher Handschalthebel fehlt bei diesem Modell. Der Antriebsstrang erfordert am Getriebeausgang wegen der beweglichen Schwinge ein winkelbewegliches und längentolerantes Drehmomentübertragungselement. Dazu befindet sich am Getriebeausgang ein kardanisches Gelenk, und am Eingang der Hinterradübersetzung ein Längenausgleich. Eine Hardyscheibe ist, wie bei den Vorgängermodellen noch üblich, nicht verwendet worden. Die Kardanwelle zum Hinterrad läuft im Stahlrohr der Hinterradschwinge, die am Ende das Aluminium-Winkelgetriebe mit Spiralkegelradverzahnung (90°-Umlenkung) aufnimmt. Der gesamte Antriebsstrang ist gegen Verschmutzungen und Feuchtigkeit gekapselt und bis auf den alle 12.000 km erforderlichen Ölwechsel wartungsfrei.[1]

Räder und Bremsanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die R 50 war das erste Zweizylinder-Motorrad von BMW nach der R 51/3, welches Aluminium-Vollnabenbremsen und Alufelgen hatte. Das Vorgängermodell R 51/3 hatte noch Stahlhalbnaben-Bremsen („Dosendeckel“-Bremsen) mit Stahlfelgen, welche nicht die Verzögerungswerte erreichen wie die modernen Aluminiumnaben mit größerer Bremsfläche.

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Fahrgestell handelt es sich um einen geschweißten Doppelrohrrahmen aus Stahl. Dieses wurde, bis auf Detailänderungen im Zuge der Modellpflege, bei der gesamten Serie von der R 50 bis zur R 69 S verwendet. Am Vorderrad dient eine geschobene Langarmschwinge mit zwei Federbeinen und Öldruckstoßdämpfern der Radführung. Das Hinterrad wird an einer Langschwinge geführt, ebenfalls an zwei Federbeinen mit integrierten Öldruckstoßdämpfern gefedert und gedämpft. Die hintere Federvorspannung kann auf den Betrieb mit Sozius in zwei Stufen umgestellt werden. Eine Besonderheit ist die bis ins Detail vorbereitete Beiwagen-Betriebsmöglichkeit: Die vordere Langschwinge kann mit einer umsteckbaren Gewindestange – auf kurzen Nachlauf – zwecks leichter Lenkbarkeit im Gespannbetrieb umgestellt werden. Mittels zweier zusätzlicher Bolzenaugen unterm Lenkkopf, die das Verstellen der vorderen Stoßdämpfer erlauben, können andere obere Anlenkpunkte bezüglich der Lenkgeometrie für eine größere Bodenfreiheit genutzt werden. Allerdings ist zu beachten, dass im Seitenwagenbetrieb die Hinterradübersetzung geändert werden muss, was den Einbau eines neuen Tachometers erfordert.

Typologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BMW R 50 als Zweizylinder-Basismodell steht in der großen Tradition der Vorkriegs-Boxer-Motorräder R 5, R 6 und anderen. Das Grundkonzept des Antriebs mit längsliegender Kurbelwelle, Boxermotor und Kardanantrieb zum Hinterrad blieb immer gleich, jedoch änderte sich mit der R 50 insbesondere am Fahrwerk so viel, dass diese Maschine, ihre „Sport“-Variante BMW R 50 S, ihre hubraumstärkeren Parallelmodelle BMW R 60 und BMW R 69 zusammen eine neue Kategorie bilden. Ab der Vollschwingen-Modellreihe bzw. seit 1955 laufen die Kardanwellen der Zweizylinder-BMW-Motorräder im Ölbad (bis zur Einführung des Paralever-Systems).

Die Baureihe R 50 / R 60 wurde im Jahr 1960 als R 50/2 und R 60/2 modellgepflegt, mit gleichen Motoren und einem in Details verstärkten Fahrwerk.

Siehe auch den Artikel Vollschwingen-BMW.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  R 50 R 60 R 69 R 50/2 R 60/2 R 50 S R 69 S
Bauart Touren-/Sportmotorrad mit Kardanantrieb
Motor Zweizyl.- Boxer, OHV-Viertakt
Bauzeit 1955–1960 1960–1969
Bohrung (mm) 68 72 72 68 72 68 72
Hub (mm) 68 73 73 68 73 68 73
Hubraum (cm³) 490 590 590 490 590 490 590
Leistung (kW/PS) 19/26 21/28 26/35 19/26 22/30 26/35 31/42
Vmax (km/h) 145 150 155 145 150 / mit Seitenwagen 110 155 175
Leergewicht ca. 198 kg
Gesamtgewicht 360 kg, mit Seitenwagen 600 kg
Tankinhalt ca. 18 l

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BMW R50 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • BMW R 50. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 3. Juli 2016 (Dossier des BMW Group Archivs).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handbuch Motorräder R 50, R 69. In: BMW Geschichte. BMW AG, März 1955, abgerufen am 3. Juli 2016 (Dokument des BMW Group Archivs).