BMW R nineT Urban G/S

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BMW
R nineT Urban G/S
Hersteller: BMW
Produktionszeitraum ab 2017
Klasse Motorrad
Bauart Enduro
Motordaten
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor
Hubraum (cm³) 1170 cm³
Leistung (kW/PS) 81 / 110 bei 7750 min−1
Drehmoment (N m) 116 Nm bei 6000 min−1
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 220 km/h[1]
Getriebe 6-Gang
Antrieb Kardanantrieb
Bremsen 4-Kolben-Radialsattel-Doppelscheibenbremse vorn Ø 320 mm, schwimmend gelagert. Doppelkolben-Einscheibenbremse hinten Ø 265 mm
Radstand (mm) 1527
Maße (L × B × H, mm): 2175 × 870 × 1105
Sitzhöhe (cm) 85
Leergewicht (kg) 221 kg (fahrfertig und vollgetankt)

Die BMW R nineT Urban G/S ist ein Motorrad des Fahrzeugherstellers BMW. Der bis auf die Lampenmaske unverkleidete, höhergelegte Roadster „mit bewussten Offroad-Anmutungen“[2] wurde am 10. November 2016 auf der Motorradmesse EICMA in Mailand vorgestellt. Das Motorrad basiert maßgeblich auf der BMW R nineT Scrambler und wird wie alle Modelle der R-Baureihe mit Boxermotor im BMW-Werk Berlin in Spandau endmontiert. Verkaufsstart war Anfang 2017. BMW vermarktet das Motorrad innerhalb seiner Heritage-Produktreihe und bezeichnet es als „Hommage an die Anfänge der G/S“. Nach Pure (K22), Scrambler (K23) und Racer (K32) ist die Urban G/S (K33) das vierte Derivat der 2013 vorgestellten BMW R nineT (K21).[3]

Konzeptstudie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Juni 2016 präsentierte BMW die Designstudie Concept Lac Rose auf dem Motorradfestival „Wheels & Waves“ im französischen Seebad Biarritz.[4] Das Concept Lac Rose war die Konzeptstudie eines geländegängigen Motorrads mit Boxermotor. Die Reiseenduro basierte technisch auf dem Roadster BMW R nineT und ist eine Hommage an die Reiseenduro BMW R 80 G/S (1980–1987) und dem von ihr abgeleiteten Rallyewerksmotorrad HPN GS1000 Paris-Dakar,[5][6] das von 1983 bis 1985 dreimal in Folge die Wüstenrallye Paris-Dakar gewann.[7]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BMW auf der Gaston Rahier 1985 die Rallye Paris-Dakar gewann (im Zweirad-Museum Neckarsulm)

Nach Aussage von Edgar Heinrich, dem Design-Chef von BMW Motorrad, ist das Concept Lac Rose eine „bewusst lockere und eigenständige Interpretation des Siegerbikes der Rallye Paris-Dakar von 1985.“[8] Heinrich kategorisiert das Motorrad als „Roadster mit einigen typischen Off-Road-Qualitäten“. Der Name der Studie bezieht sich auf den rosafarbenen Salzsee Retba (französisch Lac Rose lak ʀoz), dem ehemaligen Zielort der Rallye Paris-Dakar, 35 km nördlich der Hauptstadt Dakar nahe der Atlantikküste.

BMW R80GS, The Art of the Motorcycle, Las Vegas

Das Concept Lac Rose hat wie die R80G/S Paris-Dakar den markentypischen Zweizylinder-Boxermotor mit Einarmschwinge und Kardanantrieb, einen Rohrrahmen, ein Steinschlagschutzgitter vor dem Ölkühler und einen Unterfahrschutz, eine lenkerfeste Scheinwerfermaske mit rundem Scheinwerfer, einen großvolumigen Kraftstofftank, enduro-typisch hohe Kotflügel und Handprotektoren.[9] Eine bessere Geländegängigkeit wird durch längere Federwege und Speichenräder mit Stollenreifen erreicht. Das Konzeptfahrzeug wurde in den orange-weißen Farben des Werksmotorrads von 1985 lackiert und auf dem Kraftstofftank um die blau-roten Streifen der M GmbH ergänzt. Auch die kurze Sitzbank und der kleine Gepäckträger für eine Werkzeugtasche sind diesem Modell entlehnt. Die Oberfläche der Zylinderköpfe wurde überarbeitet und mit waagerechten Finnen verstärkt.[10]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urban G/S unterscheidet sich von der Scrambler hinsichtlich der Farbwahl und Lackierung, Lampenmaske, hoch montiertem vorderen Schmutzfänger und der tiefer liegende Endschalldämpfer sowie der Bereifung.[11] Die Urban G/S nutzt genauso wie ihre Schwestermodelle der nineT-Baureihe den 2004 eingeführten Vierventil-Boxermotor der zweiten Generation in seiner letzten Evolutionsstufe, die seit 2018 auch die Grenzwerte der Schadstoffklasse Euro-4 einhält.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der luft- und ölgekühlte Zweizylindermotor erzeugt eine Nennleistung von 81 kW (110 PS).[2] Er hat einen Hubraum von 1170 cm³; Bohrung 101 mm, Hub 73 mm, Verdichtung von 12,0 : 1. Die Ventile des Viertaktmotors werden über drehzahlfeste Schlepphebel von zwei kettengetriebenen, obenliegenden Nockenwellen gesteuert. Der Hubzapfenversatz der zwei gegenläufigen Kolben beträgt 180°. Zwei Ausgleichswellen kompensieren Motorvibrationen. Das Motorrad beschleunigt in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h[12] und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.[1]

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der schwarze, dreiteilige Stahl-Gitterrohrrahmen[13] besteht aus Vorder- und zweiteiligem Heckrahmen mit mittragender Motor-Getriebe-Einheit. Die Grundkonstruktion des Rahmens basiert dabei auf einem Rahmenvorderteil mit integriertem Steuerkopf sowie einem Rahmenhinterteil mit Schwingenaufnahme. Bei dem modularen Rahmenkonzept können die Soziusfußrastenanlage und das achtfach verschraubte Rahmenendstück demontiert und ersetzt werden. Der Radstand beträgt 1527 mm, der Nachlauf 110,6 mm und der Lenkkopfwinkel 61,5 Grad.[2] Das Hinterrad wird von einer Einarmschwinge aus Aluminiumguss mit zentralem Federbein, dem Paralever, geführt. Die Fahrwerkseinstellung kann über Federvorspannung und Zugstufendämpfung an der Hinterradschwinge verändert werden.[14]

Das klauengeschaltete Getriebe hat sechs Gänge mit kürzerer Endübersetzung und stammt vom ehemaligen Sport-Boxer BMW R 1200 S. Die Verzögerung wird von einem serienmäßigen Antiblockiersystem unterstützt. Das Motorrad hat serienmäßig vorne und hinten Gussspeichenräder mit schwarz eloxierten Flachschulterfelgen aus Leichtmetall, vorn mit 19 Zoll und hinten 17 Zoll Durchmesser. Die Bereifung ist vorne 120/70ZR19 und hinten 170/60ZR17.

Die weiße Lackierung des Kraftstofftanks in Kombination mit dem Tankdekor in zwei Blautönen und die hellrote Sitzbank orientieren sich an den Motorsportfarben von BMW.[15] Im Cockpit befindet sich mittig angeordnet ein analoger Tachometer mit einer kleine monochromen Flüssigkristallanzeige, die über Uhrzeit, Motoröltemperatur und Kilometerstand informiert.[16] Der Kraftstofftank fasst 17 Liter.[17]

Verkaufsbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Buchstabe R in der vierteiligen Verkaufsbezeichnung kennzeichnet bei BMW alle Motorräder mit Zweizylinder-Boxermotor. Das Kunstwort zur englischsprachige Zahl „nineT“ (statt orthografisch richtig „ninety“) wurde 2013 zum 90-jährigen Bestehen von BMW Motorrad eingeführt. Urban ist das Kopfwort von Urbanität. Die Buchstabenkombination G/S steht seit 1980 für „Gelände/Straße“. Der interne Entwicklungscode lautet K33, die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) 0J41.

Die sperrige Verkaufsbezeichnung wird zuweilen auch als R9T UGS abgekürzt.

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Michael Edlinger von Autofilou ist die Urban G/S ein „sehr gelungenes Lifestyle-Bike im Heritage-Stil“, dass jedoch aufgrund der Bereifung und Sitzposition „kein Gerät für weite Touren und auch nicht fürs Gelände“ ist.[13] Auch für Redakteur und Fahrzeugtester Walter Wille werden in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die großen „Erwartungen hinsichtlich der Vielseitigkeit“ nicht erfüllt, die Maschine sehe jedoch „fabelhaft aus und macht einen Heidenspaß. Beim Schaulaufen im Urbanen und beim Heißlaufen im Hinterland. BMW selbst spricht auch nur von ‚möglichen Einsätzen in leichtem Gelände‘, was ja im Grunde fast jedes Motorrad beherrscht. Der knappe Sattel ist eher ein Solositz.“[18]

„Auf so ein Motorrad haben viele BMW-Fans gewartet: Eine GS ohne überflüssigen Schnickschnack im Look der Rallye-Legende. Wer braucht Wasserkühlung, wenn der bewährte luftgekühlte Boxer immer noch genügend Druck entwickelt, um es auf der Landstraße und sogar auf Schotter richtig brennen zu lassen? Zumal die Retro-GS auch noch leichter werden dürfte, als die wassergekühlte GS.“

Florian Pillau: Heise Online[7]

„Liegt die Urban erst mal in Schräglage, läuft sie neutral. Ausgesprochen zäh beim Umlegen in schnellen Wechselkurven, bei kurzem Kurvenabstand fordert der nötige Impuls Kraft und bringt Unruhe ins Fahrwerk mit der weich abgestimmten, nicht einstellbaren Gabel. […] Die Urban ist nur eine optische Reminiszenz an die glorreiche G/S, weil nicht geländetauglich. Wen das nicht stört, darf Style und Unkompliziertheit genießen.“

Lucia Prokasky: Roadster – Motorrad pur[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BMW R nineT – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Walter Wille: Die pure Luft am Leben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. August 2017, abgerufen am 31. Juli 2018.
  2. a b c Technische Daten. In: bmw-motorrad.de. 2017.
  3. Dimitri Hüppi: Gelungene Neuinterpretation. In: Blick. 22. Juli 2017, abgerufen am 9. August 2018.
  4. Gerd Stegmaier: R80G/S-Optik mit moderner Technik. In: auto motor und sport. 10. Juni 2016, abgerufen am 31. Juli 2018.
  5. HPN-Paris-Dakar. In: hpn.de.
  6. Rallye GS (ab 1980). In: gs-enduro.de.
  7. a b Florian Pillau: Sehnsuchtsort Dakar – Enduro-Konzept BMW Lac Rose. In: Heise Online. 29. Juni 2016, abgerufen am 31. Juli 2018.
  8. Zukunftssportler mit Vergangenheit. In: Die Welt. 10. Juni 2016, abgerufen am 31. Juli 2018.
  9. BMW R nineT Lac Rose. In: Tourenfahrer. 8. Juni 2016, abgerufen am 31. Juli 2018.
  10. Sean MacDonald: The BMW Concept Lac Rose Is The R nineT Of Your Dreams. In: Cycleworld. 10. Juni 2016, abgerufen am 31. Juli 2018 (englisch).
  11. Matthias Hirsch: GS mit Strich. In: Bikerszene. Abgerufen am 27. Dezember 2018.
  12. Christoph Lentsch: BMW R nineT Urban G/S 2017. In: 1000 PS. 8. November 2016, abgerufen am 7. August 2018.
  13. a b Michael Edlinger: Die BMW R nineT Urban G/S im Test! In: Autofilou. Dezember 2017, abgerufen am 7. August 2018.
  14. Lucia Prokasky: Stadt, Land, Fluss. In: Ride On. 12. März 2018, abgerufen am 12. August 2018.
  15. Der Wiedergänger. In: Alpentourer. 8. November 2016, abgerufen am 12. August 2018.
  16. Ulf Böhringer: Zeitensprung. In: Focus. 1. August 2017, abgerufen am 12. August 2018.
  17. Guido Gluschitsch: Schönheit muss sliden. In: Der Standard. 18. Juli 2017, abgerufen am 12. August 2018.
  18. a b Lucia Prokasky: Test BMW R nineT Urban G/S – Stadt, Land, Fluss. In: Roadster – Motorrad pur. 12. März 2018, abgerufen am 31. Juli 2018.