Deiningen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Deiningen
Deiningen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Deiningen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 52′ N, 10° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Donau-Ries
Verwaltungs­gemeinschaft: Ries
Höhe: 420 m ü. NHN
Fläche: 15,33 km2
Einwohner: 1814 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km2
Postleitzahl: 86738
Vorwahl: 09081
Kfz-Kennzeichen: DON, NÖ
Gemeindeschlüssel: 09 7 79 130
Gemeindegliederung: 4 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Alerheimer Str. 4
86738 Deiningen
Website: www.deiningen.de
Erster Bürgermeister: Wilhelm Rehklau (CSU[2])
Lage der Gemeinde Deiningen im Landkreis Donau-Ries
Dornstadt-LinkersbaindtDornstadt-LinkersbaindtEsterholz (gemeindefreies Gebiet)Rain (Lech)Münster (Lech)Holzheim (Landkreis Donau-Ries)Oberndorf am LechMertingenDonauwörthAsbach-BäumenheimGenderkingenNiederschönenfeldMarxheimTagmersheimRöglingMonheim (Schwaben)KaisheimBuchdorfDaitingFremdingenAuhausenOettingen in BayernHainsfarthEhingen am RiesTapfheimMarktoffingenMaihingenMegesheimMunningenWolferstadtWallersteinNördlingenReimlingenEderheimForheimAmerdingenWemdingWechingenHarburg (Schwaben)HohenaltheimDeiningenAlerheimOttingFünfstettenHuisheimMönchsdeggingenMöttingenBaden-WürttembergLandkreis AnsbachLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis EichstättLandkreis Neuburg-SchrobenhausenLandkreis Aichach-FriedbergLandkreis AugsburgLandkreis Dillingen an der DonauKarte
Über dieses Bild

Deiningen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Ries mit Sitz in Nördlingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Zentrum des Rieskraters, etwa 6 km östlich von Nördlingen. Zum Gemeindegebiet gehört neben dem Hauptort noch der knapp 2 km nördlich gelegene Gutshof Klosterzimmern, der an das im 16. Jahrhundert säkularisierte ehemalige Zisterzienserinnenkloster Zimmern erinnert. Im Westen grenzt das Stadtgebiet von Nördlingen an. Die Eger verläuft westlich angrenzend.

Es gibt vier amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in der Frühgeschichte sind Siedlungen aus der Zeit der Urnenfelderkultur (1300 bis 800 v. Chr.) und aus der La-Tène-Zeit (480 bis etwa 15 v. Chr.) nachweisbar. Auf der Deininger Flur „Schlafbühl“ entdeckte man ein alamannisches Reihengrab mit 21 Personen.
Mit einer vom Frankenkönig Pippin III. im Jahr 760 unterzeichneten Urkunde tritt Deiningen als eigenständige Ortschaft als Schenkung Villa Thininga im Riesgau am Egerfluss mit allen Ländereien, Leuten und Rechten an das im Auftrag des Hl. Bonifatius gegründete und dem hochheiligen Erlöser geweihte Kloster Fulda aus dem Dunkel der Geschichte.
Der Königshof aus ca. 50 Familien (Leibeigenen wie Halbfreien) hatte neben Viehbestand und Land acht Mühlen und drei Kirchen, eine dieser drei ist vermutlich die Kirche von Zimmern (Klosterzimmern im Norden von Deiningen), ganz sicher gehört die Kirche St. Martin im Ort selbst dazu; die Kirche St. Ottilien existiert nicht mehr. In einem Inventarverzeichnis des Klosters von Fulda wird 70 Jahre später die „Villa Thininga“ mit 70 Familien und dem bereits bekannten Flurbestand von 760 beschrieben, weiterhin die acht Mühlen und drei Kirchen. Bei der Siedlung handelte es sich damals um einen der drei größten Königshöfe im fränkisch-schwäbischen Raum des Frankenreiches, er hatte einen Landbesitz von ca. 304 ha bewirtschafteter Fläche.[4] Deiningen gehörte bis ins 13. Jahrhundert zum Kloster Fulda und gelangte danach in den Besitz der fränkisch-schwäbischen Grafen von Oettingen. Die Hochgerichtsbarkeit und die Dorfherrschaft teilten sich die Herrschaftshäuser Oettingen-Oettingen mit dem Oberamt Harburg und Oettingen-Wallerstein mit dem Oberamt Wallerstein. Während die Grafschaft Oettingen-Wallerstein in der Reformation katholisch blieb, wurde von den Grafen von Oettingen-Oettingen die neue Lehre eingeführt. Dies bewirkte, dass der wallersteinische (südlich gelegene) Ortsteil von Deiningen katholisch blieb und der nördliche oettingische Ortsteil sich dem evangelisch-lutherischen Bekenntnis zuwandte. Beide Konfessionen nutzten die im katholischen Teil stehende Pfarrkirche als Simultankirche. 1961 erhielt die evangelische Gemeinde eine eigene Kirche. Nördlich von Deiningen liegt an der Eger die Ortschaft Klosterzimmern mit dem 1245 gegründeten, ehemals reich begüterten Frauenkloster des Zisterzienserordens (Kloster Zimmern). Dieses Kloster wurde in der Reformationszeit säkularisiert.

Festjahr 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Latein abgefasste Schenkungsurkunde aus dem Jahr 760 weist Deiningen als die älteste Riesgemeinde aus. Der ganze Riesgau (lateinisch: pagus Riezzin) ist darin erstmals urkundlich erwähnt. Diese Schenkungsurkunde, mit der König Pippin III. den Königshof dem Kloster Fulda übereignete, gilt als älteste in Deutschland im Original erhaltene Königsurkunde.[5] Diese 1250 Jahre alte urkundliche Erwähnung wurde vom 23. bis 25. Juli 2010 mit einem großen Festwochenende gefeiert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1.506 auf 1.819 um 313 Einwohner bzw. um 20,8 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wahl am 15. März 2020 hat der Gemeinderat 12 Mitglieder, darunter sind drei Frauen. Vertreten sind die CSU (5), die SPD (3) und die PWG (4).

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mai 2014 ist Wilhelm Rehklau der Bürgermeister.[6] Er wurde am 15. März 2020 mit 96,9 % wieder gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Unter blauem Schildhaupt, darin eine siebenbogige silberne Brücke mit nach außen abfallender Bogenhöhe, gespalten von Rot und Gold, darin ein Gegenseitensparren in verwechselten Farben.“[7]

Wappenerklärung: Die Brücke im Schildhaupt ist die unter Denkmalschutz stehende, siebenbogige Egerbrücke, das seit der Römerzeit belegte Wahrzeichen des Ortes. Ihr jetziger Bauzustand ist aus dem 18. Jahrhundert. Die beiden Schildhälften enthalten das geminderte Wappen der Fürsten von Oettingen („Auf rot-goldenem Eisenhutfeh ein blauer Herzschild, alles belegt mit einem durchgehenden silbernen Schragen.“), dem auch dei Wappenfarben blau, silber, gold und rot entstammen, die verwechselten Farben symbolisieren die gleichzeitige Grund- wie Territorialherrschaft der Linien Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wahrzeichen des Ortes ist die unter Denkmalschutz stehende Brücke über die Eger. Die Martinskirche mit ihrer barocken Ausstattung ist als ehemalige gotische Wehrkirche sehenswert. Von 1616 bis 1961 diente sie als Simultankirche beiden Konfessionen. Die ehemalige Klosterkirche im nördlich von Deiningen gelegenen Ortsteil Klosterzimmern aus dem 13. Jahrhundert bildet ein Kulturdenkmal ersten Ranges, auch wenn die Ausstattung inzwischen ausgeräumt ist.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplätze und Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 463 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 803 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 340 Personen größer als die der Einpendler. 22 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es 24 landwirtschaftliche Betriebe.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deiningen liegt zwei bis drei Kilometer südöstlich der Bundesstraße 466 Heidenheim an der BrenzSchwabach. Die von Nördlingen kommende Staatsstraße St 2213 und die Kreisstraße DON 7 kreuzen im Ort.

Der Ort war Station an der 1903 eröffneten Bahnstrecke Nördlingen–Wemding, auf der bis 1981 Personenzüge fuhren. Heute ist der nächste Bahnanschluss in Nördlingen an der Riesbahn AalenDonauwörth, etwa sechs Kilometer westlich von Deiningen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der alten katholischen St. Martinskirche (Bistum Augsburg) gibt es die evangelische Erlöserkirche.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schuljahr 2018/19 gab es drei Volksschulen:[8]

  • Grundschule Deiningen mit 9 hauptamtlichen Lehrkräften und 149 Schülern
  • Mittelschule Deiningen (Jahrgangsstufen 5–9) mit 8 hauptamtlichen Lehrkräften und 85 Schülern
  • Montessori-Volksschule Deiningen (Jahrgangsstufen 1–4) der Montessori Fördergemeinschaft Nördlingen e.V. mit 7 hauptamtlichen Lehrkräften und 75 Schülern.

Am 1. März 2018 hatte die Kindertageseinrichtung Deiningen 98 genehmigte Plätzen und 101 Besucher.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deiningen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Erster Bürgermeister. Gemeinde Deiningen, abgerufen am 6. Juni 2020.
  3. Gemeinde Deiningen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 3. September 2019.
  4. https://www.deiningen.de/index.php/deiningen/gemeinde-deiningen/geschichte
  5. http://infothek.deiningen.de/index.php/de/koenig-pippin-die-urkunde
  6. http://www.wahlen.bayern.de/kommunalwahlen/
  7. Eintrag zum Wappen von Deiningen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. Schuldatenbank des Bayer. Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, abgerufen am 11. Juni 2020