Harburg (Schwaben)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Harburg (Schwaben)
Harburg (Schwaben)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Harburg (Schwaben) hervorgehoben

Koordinaten: 48° 47′ N, 10° 42′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Donau-Ries
Höhe: 413 m ü. NHN
Fläche: 73,16 km2
Einwohner: 5575 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km2
Postleitzahl: 86655
Vorwahlen: 09080, 09085
Kfz-Kennzeichen: DON, NÖ
Gemeindeschlüssel: 09 7 79 155
Stadtgliederung: 25 Gemeindeteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schloßstraße 1
86655 Harburg (Schwaben)
Website: www.stadt-harburg-schwaben.de
Erster Bürgermeister: Christoph Schmidt (Unabhängig für Harburg)
Lage der Stadt Harburg (Schwaben) im Landkreis Donau-Ries
Dornstadt-LinkersbaindtDornstadt-LinkersbaindtEsterholz (gemeindefreies Gebiet)Rain (Lech)Münster (Lech)Holzheim (Landkreis Donau-Ries)Oberndorf am LechMertingenDonauwörthAsbach-BäumenheimGenderkingenNiederschönenfeldMarxheimTagmersheimRöglingMonheim (Schwaben)KaisheimBuchdorfDaitingFremdingenAuhausenOettingen in BayernHainsfarthEhingen am RiesTapfheimMarktoffingenMaihingenMegesheimMunningenWolferstadtWallersteinNördlingenReimlingenEderheimForheimAmerdingenWemdingWechingenHarburg (Schwaben)HohenaltheimDeiningenAlerheimOttingFünfstettenHuisheimMönchsdeggingenMöttingenBaden-WürttembergLandkreis AnsbachLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis EichstättLandkreis Neuburg-SchrobenhausenLandkreis Aichach-FriedbergLandkreis AugsburgLandkreis Dillingen an der DonauKarte
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Harburg

Harburg (Schwaben) (Zum Anhören bitte klicken!Abspielen ['harbʊrk]) ist eine Stadt im Landkreis Donau-Ries in Schwaben (Bayern). Diese liegt im Tal der Wörnitz an der Romantischen Straße zwischen Nördlingen und Donauwörth. Historisch bedeutend ist die gleichnamige Burg Harburg oberhalb der Stadt gelegen. Deshalb trägt Harburg auch den Beinamen „Burgstadt“.

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Urkunden sprechen von Harburc, Horeburch und Horburc. Im Althochdeutschen heißt „horo“ Sumpf oder Moor, die Harburg wäre damit eine Burg über dem Sumpf. Dagegen spricht allerdings die Bodenbeschaffenheit in Harburg. Umgangssprachlich wird in Harburg bis heute das Wort „Hore“ für „Horn“ verwendet, welches eher auf die Form des Berges hindeutet. Die Harburg wäre damit eine Burg auf einem Berghorn.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partie an der Wörnitz

Die Stadt liegt am südöstlichen Rand des durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Ries-Kraters im Geopark Ries und bildet gleichzeitig den geografischen Mittelpunkt des Landkreises Donau-Ries. Harburg befindet sich zwischen der schwäbischen und fränkischen Alb und weist einen Höhenunterschied fast 160 Metern auf, von der Stadt bei 413 m ü. NHN bis zum Bock, der höchsten Erhebung, bei 572 m ü. NHN.[2]

Geodätischer Referenzpunkt auf der alten Steinernen Brücke

Auf der alten Steinernen Brücke befindet sich ein geodätischer Referenzpunkt, ein Kontrollpunkt zum Überprüfen von GNSS-Empfängern.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Die Gemeinde besteht aus 10 Gemarkungen, die deckungsgleich sind mit den ehemaligen Gemeinden:[4]

  • Brünsee mit Marbach
  • Ebermergen mit Untere Reismühle
  • Großsorheim mit Egermühle und Möggingen
  • Harburg mit Birkenhof*, Bühlhof, Harthof, Kratzhof, Listhof, Salchhof und Stadelhof*
  • Heroldingen mit Brennhof und Tiefenmühle*
  • Hoppingen
  • Mauren mit Obere Reismühle und Spielberg
  • Mündling mit Mündling Bahnhof* und Olachmühle
  • Ronheim mit Katzenstein und Sonderhof
  • Schrattenhofen
* Die Orte sind keine amtlich benannten Gemeindeteile

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flächenaufteilung des 7.316 ha großen Stadtgebietes zeigt folgendes Schema:

Nach Daten des bayerischen Landesamtes für Statistik, Stand 2018.[5]

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist seit Jahrhunderten durch die Wörnitz in mehrere Viertel aufgeteilt. Den Kern bildet dabei die Altstadt, mit ihren historischen Gassen und ehemaligen Stadttoren. Östlich der Wörnitz entstand im Laufe der Zeit ein Neubaugebiet, welches heute ebenfalls zum Stadtkern zählt, und an dessen Enden heute noch weitere Neubausiedlungen entstehen. In den 90er Jahren waren die westlich, auf dem Berg gelegenen Wohnbezirke, Heide und Stadelhof sehr beliebt.

Planungsregion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harburg ist ein Kleinzentrum der bayerischen Planungsregion Augsburg.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Huisheim, Fünfstetten, Kaisheim, Donauwörth, Mönchsdeggingen, Möttingen und Alerheim. Außerdem grenzt das Gemeindegebiet noch an Bissingen im Landkreis Dillingen.

Alerheim Huisheim Fünfstetten
Möttingen Compass card (de).svg Kaisheim
Mönchsdeggingen und Bissingen Donauwörth Donauwörth

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harburg liegt am Südostrand des Nördlinger Rieses. Zwischen 1920 und 1950 machte Joachim Schröder geologische Aufnahmen von Harburg.

Hydrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fließgewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wörnitz im Bereich der alten Steinernen Brücke

Das Tal in dem sich Harburg befindet, ist geprägt durch die Wörnitz, einem Fließgewässer erster Ordnung. Diese fließt vom Ries her kommend in zahlreichen Mäandern und teilt sich in Harburg in zwei Arme, die für die Nutzung der ehemaligen Bruck- und Stadtmühle im Bereich der alten Steinernen Brücke mit mehreren Wehren versehen sind, um die Wasserkraft der Wörnitz besser nutzen zu können.[6]

Aufgrund dieser Wehre können die Fische nicht vom untern in den oberen Bereich der Wörnitz gelangen. Deshalb soll ab Juni 2021 bei der alten Stadtmühle auf Höhe der Geopark Infostelle eine 45 m lange Fischtreppe mit 13 Becken gebaut werden.[7]

Hochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

historische Hochwasserstände der Wörnitz

Die Pegelmessstelle in Harburg befindet sich bei der Tennisanlage neben der neuen Wörnitzbrücke auf Höhe des Flusskilometers 19,28.[8] Die historischen extremen Hochwasserstände der Wörnitz sind in Harburg auf dem Mauerwerk der ehemalige Fleischbank auf der alten Steinerne Brücke sowie im Egelsee festgehalten. Die höchsten Pegelstände verzeichnete der Hochwassernachrichtendienst Bayern an folgenden Tagen:

Höchste Wasserstände und Abflüsse der Wörnitz bei Harburg (Schwaben)[9]
Rang Datum Wert am Pegel Wiederkehrzeit
in cm in m³/s
1. 14.04.1994 586 444 50- bis 100-jährlich
2. 21.12.1993 585 435 50- bis 100-jährlich
3. 23.02.1970 528 367 20- bis 30-jährlich
4. 17.03.1988 526 319 20-jährlich
5. 30.10.1998 524 269 10-jährlich

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konfessionsstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Zensus 2011 waren 54,4 % der Einwohner evangelisch, 36,1 % römisch-katholisch und 9,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch-lutherisch Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Reformation wurde Harburg und fast alle heutigen Stadtteile evangelisch, da diese zur protestantischen Grafschaft Oettingen-Oettingen gehörten. Harburg selbst war von 1564 bis 1806 Sitz eines anfangs gräflichen dann fürstlichen Spezialsuperintendenten. In der Zeit des Königreich Bayerns von 1806 bis 1851 nannten sich diese kgl. bayerische Dekane. Danach wurde der Sitz des Dekanats erst nach Ebermergen und in den 1970er dann nach Donauwörth verlegt.[10]

Siehe auch: Geschichte des evangelisch lutherisches Dekanats Donauwörth

Römisch-katholisch Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst in der bayerischen Zeit ab 1806/1848 kamen auch Katholiken nach Harburg, so dass 1903 die Herz-Jesu Kirche erbaut wurde und 1957 diese schließlich zur Pfarrei erhoben wurde. Zuvor waren von den Stadtteilen nur Hoppingen, das zur Zeit der Reformation zur katholischen Grafschaft Oettingen-Wallerstein gehörte und Mündling, das zum Fürstentum Pfalz-Neuburg gehörte, katholisch.

Die Wörnitz welche mitten durch Harburg fließt, bildet die Bistumsgrenze. Das Gebiet rechts/westlich der Wörnitz gehört zum Bistum Augsburg und das Gebiet links/östlich der Wörnitz gehört zum Bistum Eichstätt.

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemalige Synagoge im Egelsee

Bereits vor 1349 sollen sich in Harburg Juden angesiedelt haben, die aber während der Pestpogrome von 1349 vertrieben bzw. ermordet wurden. In den folgenden Jahrhunderten lassen sich keine sicheren Angaben über jüdisches Leben in Harburg machen.[11]

Erst im Jahr 1671 siedelten sich jüdische Familien, welche aus dem Raum Höchstädt an der Donau im damaligen Fürstentum Pfalz-Neuburg stammten und dort vertrieben wurden, unter dem Schutz Graf Albrecht Ernst I. von Oettingen-Oettingen in Harburg an. Daraus entwickelte sich eine bedeutende jüdische Landgemeinden des 18. und 19. Jahrhunderts im süddeutschen Raum. Bereits 1739 lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung bei rund 30 %.[12]

Die Angehörigen dieser jüdischen Kultusgemeinde standen bis 1731 unter dem Schutz der Grafen und Fürsten zu Oettingen-Oettingen bzw. bis 1806 derer zu Oettingen-Wallerstein, die das Judenregal seit „ewigen Zeiten“ besaßen. Ab 1750 wurde der gesamten hiesigen Judenschaft zeitlich befristeter Schutz (mitsamt Privilegien) gewährt. Bis dahin waren einzelnen Familien Schutzbriefe ausgestellt und -gelder individuell auferlegt worden.[11]

Ein streng abgetrenntes Ghetto gab es nicht und so finden sich viele Häuser mit jüdischer Tradition in Harburger Altstadt wieder. Hierzu zählt beispielsweise das Wohnhaus von Moses Weil, Begründer der jüdischen Gemeinde und das um 1800 erbaute klassizistische Haus mit Mansardendach am oberen Marktplatz in dem der letzte fürstliche Hoffaktor Jakob Lippmann Hechinger residierte. Besonders das „Egelsee“ mit der im Jahr 1754 erbauten Synagoge, der jüdischen Schule aus dem 19. Jahrhundert und die Häuser des kaiserlichen Proviantfaktors Simon Oppenheimer aus der Zeit um 1700 sowie der Familie Nebel zeugen heute noch von eine langen jüdischen Geschichte.[12]

Auf Grund von Abwanderung, hauptsächlich der jüngeren Juden, in die großen Städte hatte Harburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung als jüdische Landgemeinde verloren. Um 1930 fanden sich die letzten Bürger jüdischen Glaubens hauptsächlich noch in der weit verzweigten Familie Nebel.[12] Von den nach 1933 noch in Harburg lebenden Juden wurden vier Opfer des Holocaust, zudem elf weitere gebürtige Harburger Juden, die zum Zeitpunkt ihrer Deportation in anderen Orten Deutschlands lebten.[11]

Auf der Anhöhe des Hühnerberges am Waldrand gelegen, befindet sich seit 1671 der jüdische Friedhof. Dieser umfasst ca. 250 Grabdenkmäler und eine Taharahaus. Neben dem jüdischen Friedhof in Wallerstein ist er wohl der älteste im Landkreis Donau-Ries.[12]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Burg auf die Stadt Harburg und die Wörnitz / Panorama

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1093 erscheint der Name Harburg erstmals bei Mathilde de Horeburc, der Gemahlin des Grafen Kuno von Lechsgünd. Es ist aber nicht belegt, ob es sich hierbei um Harburg (Schwaben) handelt. In alten Dokument wird auch ein Dienstmannengeschlecht von Gosheim und Horibuch sowie ein Dominus Otto de Gosheim sive Horburch genannt.[13] Die Burg Harburg gehörte in staufischer Zeit ab dem Jahr 1150 zusammen mit der Siedlung zum Reichsgut. Bereits 1250 erhielt der Ort Marktrechte, wurde aber im Jahr darauf (noch ohne die Burg) von König Konrad IV. an Graf Ludwig III. von Oettingen verpfändet. Eine weitere Verpfändung von Burg und Markt erfolgte 1299 durch König Albrecht I. an Graf Ludwig V. von Oettingen. Erstmals erschien 1290 der Reichsadler im Wappen der Gemeinde.[14] 1418 kamen Stadt und Burg endgültig in den Besitz der Grafen von Oettingen, die sie unter Graf Wolfgang I. (1455–1522) und dessen Sohn Karl Wolfgang (1484–1549) von 1493 bis 1549 als Residenz nutzten.

Ab 1591 ist in Harburg nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Leprosenhaus bezeichnet wurde und der „Siechenpflege“ diente. Das Gebäude war später ein Armen- und Krankenhaus, 1903 wurde es aufgelöst.[15] Bis heute existiert noch die Siechenpflegestiftung.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Karl Wolfgang zu Oettingen begeisterte sich früh für die Lehre Martin Luthers. Da er zusammen mit seinem Bruder Ludwig XV. über die Grafschaft Oettingen regierte, führte Karl Wolfgang in seinen Gebieten südlich der Eger die Reformation durch. An seine Residenz, der Burg Harburg, holte Karl Wolfgang 1524 als Hofprediger Paul Warbeck. Die Schlosskirche St. Michael war somit die erste evangelische Predigtstätte im Ries. Erst 1539, nach dem Bauernkrieg, berief Karl Wolfgang eine Synode in Harburg ein, auf der alle Pfarrer seiner Grafschaft über den evangelischen Glaube diskutierten und schließlich wurde die Augsburger Konfession eingeführt. Sein Bruder Ludwig XV. tat dies ihm in Alerheim gleich.[16]

Während des Schmalkaldischen Krieges blieb Karl Wolfgang neutral und trat dem Schmalkaldischen Bund nicht bei. Jedoch wurde die Burg Harburg im September 1546 von Truppen des Schmalkaldischen Bundes besetzt. Nach deren Kapitulation plünderten kaiserliche Truppen den damaligen Markt und besetzten die Burg. Die Folge des Schmalkaldischen Krieges war, dass Karl Wolfgang, trotz seiner Neutralität, im Dezember 1546 abgesetzt wurde. Er starb kinderlos 1549 auf Burg Harburg, wo heute noch ein Epitaph in der Schlosskirche an ihn erinnert. Sein Bruder Ludwig XV., der aktiv auf der Seite des Schmalkaldischen Bundes tätig war, wurde mit der Reichsacht versehen und verbannt. Dieser setzte aber das reformatorische Werk Karl Wolfgangs nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 mit dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ fort, indem alle Gebiete, somit auch Harburg, wieder evangelisch wurden.[16]

Unter den Söhnen Ludwigs XV. kam es zur konfessionellen Teilung des Hauses Oettingen. Die Burg und Stadt blieb bei der evangelischen Linie Oettingen-Oettingen und weist deshalb bis heute eine evangelische Bevölkerungsmehrheit auf. 1612 wurde unter Graf Gottfried von Oettingen-Oettingen mit dem Bau der heutigen evangelischen Stadtpfarrkirche St. Barbara am Fuße des Burgberges begonnen.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Besetzung des Schellenbergs bei Donauwörth erreichten im April 1632 schwedische Truppen Harburg. Nach einem Jahr war das Umland von kleinen Gruppen auf der Suche nach Nahrung, ohne Rücksichtnahme der Religionszugehörigkeit, ausgeraubt und zerstört worden.[16] Sogar der Schwedenkönig Gustav Adolf selbst speiste 1632 in Harburg, forderte hohe Abgaben und zog mit seinem Heer durch den Markt.[17][13]

Die Folgen der Schlacht bei Nördlingen am 5. und 6. September 1634 sowie der Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645 verschärften auch die unmittelbare Situation in Harburg. Es gab einen großen Mangel an Nahrungsmittel und Futter. Durch die Kriegseinwirkungen und den Ausbruch der Pest verzeichnete Harburg 1634 einen Bevölkerungsverlust um mehr als die Hälfte.[13] Deshalb wurde nach Ende des Dreißigjährigen Krieges unter der Regentschaft des späteren Fürst Albrecht Ernst I. zu Oettingen-Oettingen im Jahr 1671 mit der Ansiedelung einer jüdischen Gemeinde in Harburg begonnen.[18]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die evangelische Linie Oettingen-Oettingen mit dem Tod des Fürsten Albrecht Ernst II. im Jahr 1731 erlosch, regierten über Burg und Markt Harburg die Grafen und Fürsten zu Oettingen-Wallerstein. Diese richteten auf der Burg ein Oberamt sowie eine Fronfeste ein. Die Grafen und Fürsten zu Oettingen waren Gerichtsherren in Harburg und übten auf ihrem Herrschaftsgebiet die niedere und hohe Gerichtsbarkeit aus. Für die Vollstreckung der Todesstrafe gab es in Harburg zwei Hinrichtungsplätze: die Richtstatt, auch Rabenstein genannt, für die Hinrichtung mit dem Schwert und das Hochgericht, den Galgen, für die Hinrichtung mit dem Strang. Dieser Galgen befand sich neben dem heutigen Fahrradweg an der B25 Richtung Nördlingen am Fuße des Hühnerberges. Die Richtstatt befand sich zuerst am Ortsrand außerhalb des Tiefen bzw. Nördlinger Tores. Im Jahr 1785 wurde diese zum Hochgericht am Galgenberg verlegt.[19] Dort erfolgte die letzte Hinrichtung mit dem Schwert am 9. Dezember 1809.[20]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtansicht von Schloss und Stadt Harburg, Stahlstich von Joseph Maximilian Kolb nach einer Zeichnung von Eduard Gerhardt, um 1870

Erst mit der Mediatisierung 1806 kam Harburg zum Königreich Bayern und wurde eine königlich-bayerische Landgemeinde. Die Stadterhebung erfolgte 1848 und im gleichen Jahr wurde Harburg mit der Ludwig-Süd-Nord-Bahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

1858 besuchte der Maler Carl Spitzweg während seiner Sommerreisen Harburg und ließ sich dort für das Setting seines Gemäldes „Wäscherinnen am Brunnen“ inspirieren.[21] Daneben fertigte er noch weitere Skizzen von Burg und Stadt an.

August Märker gründete 1889 das Stein- und Zementwerk, das in den folgenden Jahrzehnten um eine Dampfziegelei und eine Portlandzement-Fabrik erweitert wurde. Daraus entwickelte sich die heutige Märker-Gruppe, der größte Arbeitgeber der Stadt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Mai 1903 wurde die katholische Herz-Jesu-Kirche, die im neugotischen Stil von Jakob Angermair errichtet wurde, eingeweiht. Der Bauträger war der „Gesellige Verein der Katholiken Harburgs“, der eigens zum Zweck des Kirchenbaus gegründet worden war. Seit der Reformation bis zur Fertigstellung der Kirche gehörte die katholischen Harburger zur Nachbargemeinde Hoppingen.[22]

In den Jahren 1955 bis 1957 wurde der Straßentunnel unter der Burg Harburg erbaut. Zuvor musste der gesamte Durchgangsverkehr die engen Straßen der Altstadt passieren.

1992 gründete sich die Initiative „Harburg Project“, die sich mit der Erforschung und Dokumentation der Geschichte der jüdischen Familien in Nordschwaben ausgehend von den reichen Archivbeständen der Fürstlichen Archive auf der Burg Harburg befasst.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden die Gemeinden Brünsee und Mündling am 1. Juli 1971 eingegliedert. Ronheim kam am 1. Juli 1972 hinzu.[23] Hoppingen wurde am 1. Januar 1974 eingemeindet. Ebermergen und Großsorheim folgten am 1. Januar 1976. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Heroldingen und Mauren am 1. Mai 1978 abgeschlossen.[24]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 5674 auf 5535 um 139 Einwohner bzw. um 2,5 %.

Bevölkerungsentwicklung[5]
Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Einwohner 4474 4238 4186 4532 4422 6864 5849 5857 5711 5495 5424 5439 5465 5475 5435 5463 5508 5496 5535 5561

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat setzt sich aus 20 Stadträten und dem Ersten Bürgermeister zusammen. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2020 lag bei 77,8 %.[25]

Sitzverteilung seit 2020 im Stadtrat[26]
       
Insgesamt 20 Sitze
  • CSU: 5
  • Grüne: 1
  • SPD: 4
  • PWG-BG-FW: 5
  • WG Mündling: 2
  • WG Mauren: 2
  • WG Großsorheim Möggingen: 1
* SPD und Grüne bilden zusammen eine Fraktionsgemeinschaft.
Wahlergebnisse des Stadtrats seit 2008 in Prozent
Jahr CSU Grüne SPD PWG-BG-FW WG Mündling WG Mauren WG Großsorheim Möggingen Junge Bürger
2008[27] 31,5 20,7 19,7 10,6 9,2 8,3
2014 34,0 19,0 47,0
2020[25] 24,3 7,5 18,2 24,1 10,5 7,8 7,5
Sitzverteilung im Stadtrat seit 2008
2008[27] 7 4 4 2 2 1
2014 8 4 8
2020[25] 5 1 4 5 2 2 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1972 ist der Bürgermeister in Harburg hauptamtlich tätig:

Adolf Härtl SPD 1972–1976
Hans Schneider CSU 1976–1984
Anton Fischer SPD 1984–2002
Wolfgang Kilian CSU 2002–2020
Christoph Schmidt parteilos seit 2020

Christoph Schmidt (Unabhängig für Harburg) wurde in der Stichwahl am 29. März 2020 zum Ersten Bürgermeister gewählt und ist seit 1. Mai 2020 im Amt.[28]

Bürgerentscheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bayern gestattet Artikel 18a der Gemeindeordnung im Rahmen der direkten Einflussnahme auf kommunaler Ebene den Gemeindebürgern das Recht, Bürgerbegehren zu initiieren.[29] Über erfolgreiche Unterschriftensammlungen kommt es zur Abstimmung im Wege des Bürgerentscheids. Hierzu regelt die Satzung zu Bürgerbegehren und Bürgerentscheid vom 11. Januar 2006 der Stadt Harburg (Schwaben) die nähere Durchführung.[30] In Harburg wurden die Bürger in folgenden Angelegenheiten zur Wahlurne gerufen:

  • Am 19. März 2006 stand den Bürgern im Rahmen eines Bürgerbegehrens zur Abstimmung, ob das Hallenbad aufgrund der hohen Unterhaltskosten geschlossen oder weiterhin betrieben werden soll. Eine breite Mehrheit sprach sich für den Erhalt des Bades aus.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Harburg (Schwaben)
Blasonierung: „Im Schild auf goldenem Grund ein rotbewehrter, schwarzer Adler ohne Krone.“[31]

Wappengeschichte: Die Staufer erhoben den Markt Harburg zwischen 1150 und 1250, wohl um 1215/40 zur Stadt. Nach der Verpfändung 1251 an die Grafen von Oettingen ging das Stadtrecht in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verloren. Harburg blieb bis 1806 im Besitz der Grafen und späteren Fürsten von Oettingen-Oettingen, seit 1731 von Oettingen-Wallerstein. 1849 wurde Harburg ohne Änderung der Verfassung wieder zur Stadt erhoben. Städtische Verfassung erhielt Harburg dann 1912. Der schwarze Adler im Wappen weist darauf hin, dass Harburg Reichsgut war. Das Siegel von 1290 mit der Umschrift S. CIVIVM DE HORBVRH führte den Adler, obwohl die Stadt bereits 1250 von König Konrad IV. an die Grafen von Oettingen verpfändet worden war. Die Stadt diente den deutschen Königen oft als Pfandobjekt, bis sie 1407 nicht mehr eingelöst wurde. Seitdem gehören Burg und Markt zur Grafschaft Oettingen. Harburg wird bereits 1250 Stadt genannt, darf aber erst seit der Ministerialentschließung von 1849 die Bezeichnung Stadt führen. Siegel und Urkunden gingen bei einem Brand verloren. Vom 14. Jahrhundert bis 1894 wird der Adler frei dargestellt, ohne Schild. Der Schild wurde seinerzeit hinzugefügt, um eine Verwechslung mit dem preußischen Adler auszuschließen.[32] Bereits ein erstmals 1290 n. Chr. bezeugtes Siegel zeigt den Adler als Hinweis auf den frühen Charakter des Ortes als Reichsgut.[14]

Stadtflagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtfarben sind Grün und Weiß. Die Harburger Stadtflagge zeigt diese beiden Farben längsgestreift. Sie stehen für Hoffnung und Reinheit. Gelegentlich ist das Stadtwappen in der Mitte der Flagge abgebildet.[33]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Harburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhalb der Stadt steht die gleichnamige Burg, eine umfangreiche mittelalterliche Anlage aus dem 11./12. Jahrhundert. Der Zustand des 18. Jahrhunderts ist in wesentlichen Teilen erhalten. Die Burg gehört der Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung. Diese bietet von Mitte März bis Ende Oktober täglich Burgführungen an. Außerdem finden im Saisonverlauf auch verschiedene Sonderführungen und Veranstaltungen auf Burg Harburg statt. Zu Fuß kann man die Burg von der Altstadt aus über verschiedene ausgeschilderte Weg um den Burgberg entlang erreichen.

Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Harburger Altstadt entstand auf einem mittelalterlichen Grundriss einer staufischen Siedlung, welcher durch die Topografie von Wörnitz und Burgberg geprägt ist. Die Bebauung der Altstadt stammt hauptsächliche aus dem 18. Jahrhundert und unterliegt dem Ensembleschutz.[35] Alle historisch bedeutenden Gebäude sind mit einer Tafel ausgestattet auf der eine Chronik festhalten ist.

Das Brucktor nach einer Zeichnung von Carl Spitzweg (1858)

Ehemalige Stadttore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harburg hatte bereits um 1500 fünf hölzerne Stadttore: das Brucktor (an der Brücke), das Egelseetor (führt zum Egelsee), das Nördlinger Tor bzw. Tiefe Tor, das Vesttor (führt zur Veste bzw. Burg) und das Griestor bzw. Donauwörther Tor. Damit keine unerwünschten Personen wie etwa Diebe, Räuber, Bettler und Wegelagerer in die Stadt kommen konnten, wurden die Tore jeden Abend geschlossen. Eine Stadtmauer war größtenteils unnötig, da die Stadt von Hausmauern fast ganz umschlossen war. Zwischen 1861 und 1863 wurden alle Tore – offiziell wegen Baufälligkeit, zu hoher Unterhaltskosten und gesundheitlicher Risiken für die Bewohner – abgerissen. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass sie den Menschen schlichtweg nicht mehr gefielen. An den ehemaligen Standorten der Tore sind heute Gedenktafeln angebracht.

Marktplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den fünf ehemaligen Stadttoren führen die Straßen sternförmig zum Marktplatz, der den Mittelpunkt der Altstadt bildet und zur Wörnitz hin leicht abfällt. Dominiert wird der Marktplatz am östlichen Ende von einem dreigeschossigen Mansardwalmdachbau mit Vortreppe und klassizistischer Fassade.

Direkt davor befindet sich der bronzene Marktplatzbrunnen, der durch Bildhauer Fred Jansen aus Oettingen gestaltet und im Rahmen der Altstadtsanierung 1996 errichtet wurde. In der Nacht zum 26. September 2019 rammte ein Lkw den Brunnen am Marktplatz und zerstörte ihn. Seit Juni 2020 steht er nach einer Wiederstellung durch Fred Jansen wieder an seinem alten Platz.

Marktplatzbrunnen, 2020

Der ca. drei Meter hohe Brunnen besteht aus einem Ablaufbecken aus Wachenzeller Dolomit und gliedert sich in drei Bestandteile:

  • Das untere Becken symbolisiert durch die Zunftzeichen von Hufschmiede, Flachsbrecher, Fassbinder, Korbflechter, Schlosser, Wörnitzfischer, Hafner und Schuhmacher die Handwerksberufe, die in der Stadt früher üblich waren.
  • Danach folgt das mittlere Becken. Dieses steht für die Stadtgeschichte. Zu sehen ist ein Mühlrad, welches für die Brückmühle und das Wasser der Wörnitz steht. Außerdem ist die St. Barbarakirche und die 1754 erbaute Synagoge zu sehen. Eine Figur stellt den Bürgermeister dar, der mit der Urkunde an die Stadterhebung im Jahr 1849 erinnert. Für die Zeit des 30-jährigen Krieges steht der schwedische König Gustav Adolf, der in Harburg speiste und Abgaben forderte. Die französischen Belagerung gegen die in der Burg verschanzten Österreicher wird ebenso dargestellt wie an der Außenseite des Beckens die Figuren aus der Harburger Sagenwelt. Hierzu zählen der Schäfer vom Hüllenloch, der feurige Hund von Eisbrunn und die letzte Harburger Hinrichtung. Als vollplastische Figuren sind der Nachtwächter mit Hellebarde, eine Marktfrau, ein Polizeidiener und Graf Ludwig III. von Oettingen, welcher 1251 von König Konrad IV. die Stadt Harburg als Pfand übertragen bekam, zu sehen.
  • Das obere Becken zeigt die Silhouette der Burg und wichtige historische Daten der Burg- und Stadtgeschichte. Der Brunnen schließt mit „Blutglocke“ ab, welche sich im Original auf dem Rathausdach befindet. Durch das Läuten der Glocke wurden gesprochene Todesurteil bekanntgegeben.[36]

Neben dem Marktplatz schließt sich Richtung Osten das Rathaus an. Der dreigeschossige Satteldachbau mit der sogenannten „Blutglocke“ besitzt ein massives Erdgeschoss. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde der alte Bau mit wiederverwendeten Fachwerkteilen des 15. Jahrhunderts umgestaltet und um einen Anbau erweitert. Es zählt zu einer der ältesten Gebäude im Stadtbild.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die seit der Reformation evangelische Schlosskirche St. Michael auf der Burg Harburg, dient bis heute der evangelischen Kirchengemeinde als Gotteshaus u. a. in den Sommermonaten. Sie ist die älteste Kirche in Harburg und geht zurück auf die Romanik. Unter Fürst Albrecht Ernst II. zu Oettingen-Oettingen wurde St. Michael 1720 im barocken Stil umgebaut.
  • Die evangelische Stadtpfarrkirche St. Barbara wurde 1612 von Graf Gottfried zu Oettingen-Oettingen erbaut und sollte im Gegensatz zu ihrem Vorgängerbau der Bevölkerung mehr Platz bieten. Sie befindet sich am Fuße des Burgberges neben dem Rathaus.
  • Die katholische Stadtpfarrkirche Herz Jesu wurde 1901–1903 im neugotischen Stil von Jakob Angermair errichtet. Sie befindet sich auf dem Kirchenberg.[37]

Steinerne Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinerne Brücke und Wörnitzstrand

Die Steinerne Brücke, umgangssprachlich auch „alte Bruck“ oder nur „Bruck“ genannt, bildete lange Zeit die einzige Möglichkeit trockenen Fußes von einem Wörnitzufer zum anderen zu gelangen. Sie zählt neben der markanten Burganlage zu den Wahrzeichen der Stadt. Die Rundbogenkonstruktion wurde 1729 nach einem verheerenden Hochwasser bestehend aus Steinquadern mit sieben Jochen und gedeckten Brecherpfeilern erbaut. Hierbei wurden als Baumaterial auch Suevit verwendet. Im Jahr 1784 wurde sie in Teilen erneuert, da die Brücke durch ein Hochwasser Schäden davon trug.

Um den Unterhalt der Brücke finanzieren zu können, hatte die Gemeinde seit je her das Recht einen Brücken- und Pflasterzoll zu erheben. Hierbei musste ein beladener Wagen der in den Markt hineinfahren wollte 4 Kreuzer entrichten. Für einen beladenen zweirädrigen Karren wurde nur die Hälfte verlangt. Die Gebühr wurde nur einmal am Tag fällig, dass galt auch wenn man mehrmals mit dem Fuhrwerk durch den Markt fuhr. Einheimische Bürger waren von dem Zoll befreit. Bis zum Anschluss an das Eisenbahnnetz war der Brücken- und Pflasterzoll eine wichtige Einnahmequelle für Harburg, der einen Anteil von rund 20 % an den Gesamteinnahmen hatte.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 wurden Mitteljoche durch Sprengungen zerstörte. Die Schäden wurden nach Kriegsende vollständig durch eine geringfügig Verbreiterung der Brücke behoben.[38] Steintafeln, eingepasst in den Ausbuchtungen der Pfeiler, halten die geschichtlichen Daten rund um die Brücke fest.[39]

Seit dem Jahr 1985 findet auf und um die Wörnitzbrücke das Harburger Brückenfest statt.

Märchenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Märchenweg beginnt am Wörnitzstrand und geht dann über die Alte Steinerne Brücke in die Altstadt zum Marktplatz. An St. Barbara beginnt der Rundweg um die Burg Harburg, der ab 2021 durch einen Märchenwald vom oberen Burgparkplatz bis zur „Schönen Aussicht“ auf dem Wendlbuck führt. Von Mai bis Oktober ist der Märchenweg geöffnet und wird von Ehrenamtlichen vorbereitet, errichtet und gepflegt. Infotafeln zum Märchenweg gibt es auf der Steinernen Brücke und am oberen Burgparkplatz.[40][41]

Infostelle des Geopark Ries[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infostelle des Geopark Ries

Seit Sommer 2020 befindet sich eine Infostelle des Geopark Ries in der Donauwörther Straße. Diese gibt Auskunft über die Entstehung des Rieskraters, die dadurch zustande gekommene Geologie sowie einen Überblick über die Stadtgeschichte und Sehenswürdigkeiten von Harburg.

Wiederkehrende Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Veranstaltungen finden regelmäßig statt:[42]

  • Vatertagsstadl (jährlich an Christi Himmelfahrt)
  • Bockfest (jährlich Ende Juni)
  • Brückenfest (alle zwei Jahre, Anfang August)
  • Sunfield Festival in Großsorheim (jährlich Ende August)

Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreimal im Jahr findet ein Markt in Harburg statt:[42]

  • Kunst im Park, Kunsthandwerkermarkt (jährlich am Muttertag)
  • Herbstmarkt mit dem Selber g'macht Markt (jährlich am letzten Sonntag im September)
  • Weihnachtsmarkt

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Serenade im Schlosshof der Burg Harburg, jährlich im Juli
  • Harburger Kunstsommer mit Märchenweg um die Burg
  • Harburger Kulturherbst bietet von September bis Oktober Konzerte, Kabarett, Theater und eine Kunstausstellung an.
  • Berufswegekompass, Ausbildungsmesse mit 125 Ausstellern zu 285 Berufsbildern seit 2002, jährlich im Oktober[43]
  • Landfrauentag (jährlich im Februar)

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtgebiet gibt es mit der Priel bei Brünsee ein Naturschutzgebiet. Dieses beherbergt die größte Jura-Karstquelle Schwabens. Hinzu kommen verschiedene FFH-Gebiete wie beispielsweise die Harburger Karab, der Heroldinger Burgberg und das Wörnitztal. Das bayerische Landesamt für Umwelt hat außerdem fünf Geotope im Stadtgebiet ausgewiesen: die Malmscholle Rauhe Birk bei Ebermergen die Karstquelle in Brünsee, die Felskuppe Wöllwart, der Felshang am Fischerholz und der Wendlbuck bei Harburg.

Zu den Landschaftsschutzgebieten zählen der Bereich zwischen Harburg und Großsorheim mit dem Bock und das Gebiet zwischen Katzenstein und dem Sonderhof. Des Weiteren befinden sich diverse Naturdenkmäler im Stadtgebiet wie beispielsweise der Rollenberg bei Hoppingen, die Lindenallee beim oberen Burgparkplatz und der gesamte Burgberg in Harburg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Auto ist Harburg über die Bundesstraße 25 zu erreichen, die bei Harburg in einem Tunnel die Burganlage unterquert. Harburg liegt zentral im Landkreis Donau-Ries und ist mit den wichtigsten anderen Städten im Landkreis durch Landesstraßen verbunden.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokomotive während der Rieser Dampftage des bayerischen Eisenbahnmuseums Nördlingen

In Hoppingen, Harburg und Ebermergen existieren Stationen an der Bahnstrecke Augsburg–Nördlingen.

In Harburg soll ab November 2022 ein neuer barrierefreier Haltepunkt im Stadtzentrum gebaut werden. Der bestehende Bahnhof wird dann nur noch als Betriebsbahnhof genutzt.[44] Während der Rieser Dampftage des bayerischen Eisenbahnmuseums Nördlingen ist der Bahnhof Harburg End- bzw. Startpunkt des historischen Lokomotivenzuges. Dieser verkehrt als Pendlerzug an einem Wochenende im Mai, August und Oktober auf der Teilstrecke Nördlingen–Harburg.

Mündling liegt an der Bahnstrecke Donauwörth–Treuchtlingen, wird jedoch nicht mehr im Personenverkehr bedient.

Fahrradverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Fernradweg Romantische Straße ist Harburg auch für Radler zu erreichen. Zahlreiche weitere Radwege kreuzen sich in und bei Harburg.

Fernwanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Fernwanderwegen ist Harburg Endpunkt des Frankenweges und Etappenort des Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweges sowie des Pilgerweges Via Romea. Außerdem endet der Hauptwanderweg 1 des Schwäbischen Albverein mit der Plutodarstellung bei Harburg auf dem Bockberg.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2018 gab es im Stadtgebiet 1018 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 2382 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 1364 Personen größer als die der Einpendler. 44 Einwohner waren 2018 arbeitslos.[5]

Beschäftigungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftszweig Sozialversicherungspflichtig

Beschäftigte (2018)

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 12
Produzierendes Gewerbe 544
Handel, Verkehr und Gastgewerbe 96
Erbringung von Unternehmensdienstleistungen 164
Erbringung von privaten und öffentlichen Dienstleistungen 202
Gesamt 1018

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

Der Hauptsitz der Märker-Gruppe prägt mit seinen hohen Kalköfen und anderen Produktionsanlagen die Ansicht von Südosten. Ein weiteres großes Unternehmen ist die HPC AG, ein international agierendes Ingenieurbüro, mit Sitz in der Harburger Altstadt, welches sich auf dem Gebiet des geotechnischen Umweltschutzes und der Infrastrukturplanung spezialisiert hat. Da neben existieren vor allem kleinere Handwerksbetriebe. Ladengeschäfte verschwinden nach und nach aus dem Stadtbild.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Harburg ist die Donau Ries Medien GmbH ansässig. Diese betreibt zum einen die Nachrichtenwebsite Donau-Ries-Aktuell. Zum anderen verlegt sie sechsmal im Jahr das landkreisweite Magazin Blättle, welches regionale Reportagen, Interviews und Bericht beinhaltet.[45]

Auf dem Hühnerberg, oberhalb der Stadt Harburg (Schwaben), befindet sich der seit dem 3. November 2014 in Betrieb genommen 174 m hohe Sendeturm des Bayerischen Rundfunks. Dieser dient in dritter Generation dem Hörfunk und Fernsehen.

Öffentliche Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildungswerk der Stadt Harburg (Schwaben)[48]
  • Grund- und Mittelschule[49]

Archive und Bibliotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Satzung über die Verleihung von Ehrungen durch die Stadt Harburg setzt für das Ehrenbürgerrecht folgende Voraussetzungen fest:

„Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, welche die Stadt Harburg lebenden Personen zuteil werden lassen kann. Eine Verleihung ist nur möglich, wenn die zu ehrende Persönlichkeit durch besonders fruchtbares Wirken entscheidend die Entwicklung der Stadt beeinflusst und so das Wohl der Bürgerschaft gefördert hat oder wenn sie durch hervorragende Leistungen z.B. im Bereich der Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft oder des Sozialwesens das Ansehen der Stadt außergewöhnlich gemehrt hat.“

Folgende Personen wurde das Ehrenbürgerrecht verliehen:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Jakob Schäblen (1743–1802), evangelischer Theologe und Volkspädagoge
  • Karl Martin Graß (* 1937), Politiker und Historiker

In Harburg wirkende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harburger Hefte. Bände 1–15.[52]
  • Joachim Schröder, Richard Dehm: Geologische Untersuchungen im Ries – Das Gebiet des Blattes Harburg. Hrsg.: Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben e.V. Band V. Augsburg 1950 (online (PDF) auf ZOBODAT).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Harburg – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Harburg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Zahlen und Daten - Stadt Harburg. Abgerufen am 27. Februar 2021.
  3. Stadt Harburg in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 4. November 2020.
  4. Stadt Harburg (Schwaben): Stadt Harburg (Schwaben) – Stadtteile. In: www.stadt-harburg-schwaben.de. Abgerufen am 2. September 2019.
  5. a b c Statistik kommunal 2019. In: Bayerisches Landesamt für Statistik. März 2020, abgerufen am 21. Februar 2021.
  6. Gewässerporträt Wörnitz. In: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Abgerufen am 21. Februar 2021.
  7. Susanne Klöpfer: Fischtreppe in Harburg soll 2021 gebaut werden. In: Donauwörther Zeitung. Abgerufen am 21. Februar 2021.
  8. Stammdaten Harburg / Wörnitz. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  9. Statistik Harburg / Wörnitz. In: Hochwassernachrichtendienst Bayern. Abgerufen am 16. Februar 2021.
  10. Meilensteine der Stadtgeschichte - Stadt Harburg. Abgerufen am 4. Juni 2021.
  11. a b c Geschichte der jüdischen Gemeinde Harburg/Wörnitz. Abgerufen am 21. Juli 2021.
  12. a b c d Judentum in Harburg. Abgerufen am 4. Juni 2021.
  13. a b c Zeittafel - Stadt Harburg. Abgerufen am 1. März 2021.
  14. a b Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 40.
  15. Dokumentation: Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Bayern (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), zuerst in der Zeitschrift „Die Klapper“, auf muenster.org, abgerufen am 18. März 2018
  16. a b c Meilensteine der Stadtgeschichte - Stadt Harburg. Abgerufen am 28. Februar 2021.
  17. Marktplatzbrunnnen - Stadt Harburg. Abgerufen am 1. März 2021.
  18. Judentum in Harburg. Abgerufen am 1. März 2021.
  19. Zeittafel der Stadt Harburg (Schwaben). In: Stadt Harburg (Schwaben). Abgerufen am 13. März 2021.
  20. Thomas Hilgendorf: Die letzte Hinrichtung mit dem Schwert. Abgerufen am 13. März 2021.
  21. Alexandra Matzner: Carl Spitzweg Biografie - Lebenslauf des deutschen Romantikers. In: Art in Words. 16. Dezember 2017, abgerufen am 5. April 2021 (deutsch).
  22. Katholische Herz-Jesu Kirche - Stadt Harburg. Abgerufen am 13. März 2021.
  23. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 450.
  24. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 792 f.
  25. a b c Ergebnisse der Stadtratswahl 2020. Stadt Harburg Schwaben, 17. März 2020, abgerufen am 11. Februar 2021.
  26. [1] (17. März 2020)
  27. a b Ergebnisse der Kommunalwahl 2008. In: Mitteilungsblatt der Stadt Harburg (Schwaben). Nr. 10, 7. März 2008, S. 2.
  28. Stadtrat (Ratsinformation). Gemeinde Harburg (Schwaben), abgerufen am 13. August 2020.
  29. Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern (Gemeindeordnung – GO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. August 1998: Art. 18a Bürgerbegehren und Bürgerentscheid. Abgerufen am 25. Januar 2011.
  30. Satzung zu Bürgerbegehren und Bürgerentscheid in der Stadt Harburg (Schwaben). Stadt Harburg (Schwaben), 11. Januar 2006, abgerufen am 13. Februar 2021.
  31. Eintrag zum Wappen von Harburg (Schwaben) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  32. Zitat Eintrag zum Wappen von Harburg (Schwaben) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  33. Zahlen und Daten - Stadt Harburg (Schwaben). Abgerufen am 9. Februar 2021.
  34. Partnerstadt Gouville sur Mer - Stadt Harburg (Schwaben). Abgerufen am 9. Februar 2021.
  35. Denkmalliste Harburg (Schwaben). Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, S. 2, abgerufen am 14. Februar 2021.
  36. Mara Kuntzner: Dieser Brunnen erzählt Stadtgeschichte. In: Donau-Ries-Aktuell. 24. Oktober 2020, abgerufen am 14. Februar 2021.
  37. Denkmalliste Harburg (Schwaben). In: Bayerisches Landesamt für Denkmalschutz. S. 7, abgerufen am 14. Februar 2021.
  38. Denkmalliste der Stadt Harburg (Schwaben). In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. S. 3, abgerufen am 14. Februar 2021.
  39. Alte steinerne Brücke. Stadt Harburg, abgerufen am 14. Februar 2021.
  40. Harburger Märchenweg und Märchenwald. In: Harburger Kunstsommer. Abgerufen am 9. April 2021 (deutsch).
  41. Harburger Märchenweg. Abgerufen am 9. April 2021.
  42. a b Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben e.V: Veranstaltungen Harburg. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  43. BWK. Abgerufen am 28. Februar 2021.
  44. Aktuelle Infrastrukturprojekte - Die BEG. Abgerufen am 26. November 2020.
  45. Das Blättle. In: Donau-Ries-Aktuell. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  46. Deutsches Rotes Kreuz: Rettungswachen im Landkreis Donau-Ries. 6. August 2019, abgerufen am 11. Februar 2021.
  47. Willkommen bei der Freiwilligen Feuerwehr Harburg/Schwaben
  48. Herzlich willkommen beim Bildungswerk Harburg!, auf bw-harburg.info
  49. Grund- und Mittelschule Harburg, auf gms-harburg.de
  50. Stadtbücherei im Strölinhaus, auf webopac.winbiap.de
  51. a b Ellen Märker ist Ehrenbürgerin. Augsburger Allgemeine, abgerufen am 14. Februar 2021.
  52. Harburger Hefte. In: Stadt Harburg (Schwaben). Abgerufen am 13. März 2021.