Niederwerth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niederwerth
Niederwerth
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederwerth hervorgehoben
Koordinaten: 50° 24′ N, 7° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Vallendar
Höhe: 68 m ü. NHN
Fläche: 3,03 km2
Einwohner: 1324 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 437 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56179
Vorwahl: 0261
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 218
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausplatz 13
56179 Vallendar
Webpräsenz: www.niederwerth.de
Ortsbürgermeister: Josef Gans (SPD)
Lage der Gemeinde Niederwerth im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte
Niederwerth, Luftaufnahme (2016)
Blick auf Niederwerth vom Parkplatz „Auf der Zeg“ der A 48

Niederwerth ist eine Ortsgemeinde und eine Binneninsel im Rhein drei Kilometer nördlich von Koblenz. Sie liegt im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz und gehört der Verbandsgemeinde Vallendar an.

Niederwerth ist – in Deutschland einzigartig – eine selbständige Flussinselgemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Niederwerth besteht aus den Rheininseln Niederwerth und Graswerth. Während Niederwerth bewohnt ist, ist Graswerth ein unbewohntes Naturschutzgebiet. Beide Inseln liegen gegenüber der rechtsrheinischen Stadt Vallendar, mit der die Insel Niederwerth über den rechten Rheinarm seit 1958 über eine Brücke verbunden ist. Da das Gemeindegebiet intensiv durch Obst- und Gemüseanbau landwirtschaftlich genutzt wird (Spargel und Erdbeeren), wurde die Brücke zu den übrigen Ackerflächen der Bauern um Vallendar aus Mitteln des Grünen Planes finanziert.[2] Zuvor wurde die Insel durch eine Fähre angeschlossen. Auch eine Personenschifffahrtslinie verbindet mit Koblenz.

Auf der Südspitze der Insel befindet sich ein Freileitungsmast, der Teil der Rhein-Freileitungskreuzung Koblenz-Niederwerth-Urbar ist.

Von der Gemeindefläche von 3,03 km² entfallen 1,71 km² auf die beiden Inseln (1,4 km² auf die Insel Niederwerth und 0,3 km² auf Graswerth). Der Rest ist Wasserfläche, der Anteil der Gemeinde am Rhein und seinen Seitenarmen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Gräberfunde ist belegt, dass Niederwerth schon im 8. Jahrhundert besiedelt war.

Das am südlichen Ortsrand gelegene ehemalige Kloster Niederwerth (ab dem 15. Jahrhundert Augustiner-Chorherren, ab dem 16. Jahrhundert Zisterzienserinnen) ging aus einer Beginenniederlassung (erste urkundliche Erwähnung 13. Jahrhundert) hervor und wurde 1811 aufgehoben. Die erhaltene einschiffige spätgotische Kloster- und heutige katholische Filialkirche St. Georg (Weihe 1474) bewahrt neben bemerkenswerten Wandmalereien eine reiche Ausstattung aus Gotik, Barock und Neugotik.

Im Ersten Koalitionskrieg (1792–1797) kam der Insel Niederwerth durch ihre strategische Lage in Bezug auf die Belagerung der Festung Ehrenbreitstein eine wichtige Rolle zu, die Franzosen unterhielten auf der Insel ein Waffen und Munitionsdepot für Ihre Belagerungstruppen. Abwechselnd wurde die Insel von k.u.k Truppen und Franzosen besetzt; die zahllosen Gräben, Wälle und Erdschanzen hat die Landwirtschaft längst wieder eingeebnet. Am 30. Oktober 1795 nahm Ferdinand Prinz von Württemberg den Franzosen „das Niederwerth“, das mit 800 Franzosen besetzt war.[3]

Am 29. November 1795 wurde durch Geschützbatterien unter dem Befehl von Generalmajor Adam Boros de Rakos (1739–1809) aus der Festung Ehrenbreitstein die Kommunikationsbrücke zur Insel Niederwerth „in Grund und Boden geschossen“. In der Nacht zum 30. November 1795 landeten an der unteren Spitze der Insel die Divisionen Württemberg und Murray, diese stürmten gleich das verschanzte Kloster und ihre vormaligen Schanzen, trieben die gesamte französische Inselbesatzung zur oberen Spitze, wo sie sich auf sechs Nachen zurückziehen wollten. Aber die dahin gerichteten Geschützbatterien verhinderten diesen Rückzug und so mussten alle, die nicht in die Fluten des Rheins gedrängt wurden, sich in die Gefangenschaft ergeben. Diese bestanden aus einem Oberst, 20 Offizieren und 650 Gemeinen.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Niederwerth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[5]

Jahr Einwohner
1815 586
1835 745
1871 806
1905 727
1939 852
Jahr Einwohner
1950 841
1961 943
1970 1.115
1987 1.230
2005 1.378

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1977 ist die Ortsgemeinde mit Pontaumur in der Auvergne verbunden. Die Partnerschaft entstand durch persönliche Erfahrungen eines Kriegsgefangenen aus der Gemeinde und hat sich aus Vereinsaktivitäten entwickelt.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Niederwerth besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 8 3 5 16 Sitze
2009 8 3 5 16 Sitze
2004 6 5 5 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Niederwerth e.V.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederwerth besitzt einen Kindergarten und eine Grundschule und eine Feuerwehrleitstelle. Das Gemeindegebäude bietet Platz für eine Gemeindebücherei und Aktivitäten der Vereine.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niederwerth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Niederwerth beim Partnerschaftsverein
  3. Leopold Bleibtreu: Denkwürdigkeiten aus den Kriegsbegebenheiten bei Neuwied von 1792 bis 1797, Bonn 1834, gedruckt bei Carl Georgi, Seite 72
  4. besondere Bylage zur Wiener Zeitung No 88 Freytag den 6.November 1795
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen