Sergej Barbarez

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Sergej Barbarez

Sergej Barbarez, 2014

Spielerinformationen
Geburtstag 17. September 1971
Geburtsort MostarSFR Jugoslawien
Größe 188 cm
Position Mittelfeld, Sturm
Vereine in der Jugend
1984–1989 FK Velež Mostar
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1989–1991
1992–1993
1993–1996
1996–1998
1998–2000
2000–2006
2006–2008
FK Velež Mostar
Hannover 96
1. FC Union Berlin
Hansa Rostock
Borussia Dortmund
Hamburger SV
Bayer 04 Leverkusen

18 0(2)
88 (46)
59 (13)
36 0(6)
174 (65)
61 (11)
Nationalmannschaft
1998–2006 Bosnien-Herzegowina 47 (17)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Sergej Barbarez (* 17. September 1971 in Mostar, SFR Jugoslawien, Spitzname Barba) ist ein ehemaliger bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler.

Spielerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sergej Barbarez, der Vorfahren in allen drei Ethnien Bosnien-Herzegowinas - Bosniaken, Serben und Kroaten - hat,[1] spielte von seinem 19. Lebensjahr bis 1991 im Profikader des bosnisch-herzegowinischen Vereins Velež Mostar und auch als Basketballer in der obersten Liga seines Landes.

Seine Fußballkarriere in Deutschland begann eher zufällig 1992 bei Hannover 96. Als Barbarez sich in den Ferien bei seinem Onkel in Deutschland aufhielt, begannen die Jugoslawienkriege. Sein Vater verbot ihm eine Rückkehr[2] und sein Onkel ließ ihn aus diesem Grund nicht zurück in die Heimat reisen. Stattdessen bemühte er sich um ein Probetraining bei Hannover 96, wo er gleich einen Vertrag erhielt. Dort gewann er auch mit seiner Mannschaft im Sommer 1992 den DFB-Pokal.

Nach einem Jahr folgte er dem damaligen Trainer Frank Pagelsdorf zum 1. FC Union Berlin, doch wegen Lizenzverweigerung kam es dort nicht zu einem Aufstieg. Daraufhin wechselte Barbarez zu Hansa Rostock, wo er nach anfänglichen Schwierigkeiten seinen endgültigen Durchbruch schaffte. Durch den Erfolg wurden auch viele Clubs auf ihn aufmerksam und so wechselte Barbarez zur Saison 1998/99 zu Borussia Dortmund.

In Dortmund machte er auch die schwerste Zeit seiner Karriere durch, er kam unter Trainer Michael Skibbe fast gar nicht mehr zum Einsatz. Im Sommer 2000 suchte Barbarez einen Neuanfang und wechselte zum Hamburger SV.

In Hamburg avancierte er zu einem Star in der Bundesliga. 2001 wurde er Torschützenkönig (gemeinsam mit Ebbe Sand, je 22 Tore) und trug so zum Klassenerhalt des HSV bei. In der Saison 2005/06 wurde der HSV Dritter in der Bundesliga, nicht zuletzt auf Grund von Barbarez' Toren und Vorlagen.

Nachdem Barbarez' Vertrag zum Ende der Saison 2005/06 auslaufen sollte, wurden vor Saisonende langwierige Verhandlungen geführt, um die Bedingungen für einen Verbleib beim HSV in der Folgesaison zu klären. Bis Ende 2005 deutete alles auf eine Weiterverpflichtung Barbarez' hin, allerdings bot der HSV ihm im Frühjahr des Folgejahres lediglich einen stark leistungsbezogenen Vertrag mit einer drastischen Gehaltskürzung an. Die Summe, die Präsident Hoffmann und Manager Beiersdorfer mit der Gehaltskürzung von 2,4 auf 1,6 Millionen Euro einsparen wollten, sollte aufgewandt werden, um das Gehalt in Höhe von 2,4 Millionen Euro des neu verpflichteten Niederländers Nigel de Jong aufbringen zu können.

Die Mannschaft um Trainer Thomas Doll wollte Barbarez beim HSV halten, und sowohl Doll als auch viele Spieler sprachen sich für den Verbleib des Bosniers aus.

Kurz vor Saisonende führte Barbarez ein weiteres Gespräch mit der Klubführung, doch spätestens von diesem Zeitpunkt an hatte er den Eindruck, dass der Vorstand des HSV ihn nicht mehr weiterverpflichten wollte. Später sagte er in einem Interview dazu: „Es waren von vornherein nur Scheinverhandlungen, ein Schauspiel für die Öffentlichkeit. Der HSV hatte nie ernsthaft im Sinn, mich zu halten.“[3]

Anschließend verpflichtete Bayer 04 Leverkusen Barbarez für zwei Jahre. Dort konnte er nochmals 61 Spiele absolvieren, erzielte elf Treffer und gab zwölf Torvorlagen. Der HSV hatte in der Folgesaison ohne Barbarez gravierende Probleme im Sturm. Nach der Saison 2007/08 verließ Barbarez Bayer Leverkusen. Nach kurzer Suche nach einem neuen Verein zog er sich vom aktiven Fußball zurück.[4]

Spielstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Offensiv-Allrounder wurde sowohl als Sturmspitze als auch hinter den Spitzen eingesetzt. Er spielte jedoch auch erfolgreich als Spielmacher und, unter Klaus Toppmöller wie auch in der Nationalmannschaft, in der Abwehr bzw. als Libero – mit allerdings nur mäßigem Erfolg in der Defensive. Beim HSV war Barbarez wegen seiner konstruktiven Spielweise, durch die viele Tore vorbereitet wurden, aber auch wegen seiner Rolle als Führungsfigur und Vorbild einer der wichtigsten Spieler.

Kritiker warfen ihm jedoch vor, dass er wegen seiner Launenhaftigkeit eine ganze Mannschaft in ihrer Moral beeinträchtigen könne. Sein spielerischer Wert war jedoch unbestritten; so sagte Zlatan Bajramović, dass Barbarez in der Lage sei, alleine ein Spiel zu entscheiden. Barbarez war in jedem seiner HSV-Jahre in der Scorerwertung ganz vorne.

Nach dem Karriereende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn gab Barbarez im August 2008 bekannt, dass er den B-Trainerschein in einer Akademie in Bosnien machen werde. Bereits vorher hatte er Angebote, vor allem aus Bosnien, unter anderem als Trainer der Nationalelf Bosnien-Herzegowinas zu arbeiten, schlug diese aber wegen seiner Ablehnung der Verbandsleitung bislang aus.

Am 25. Januar 2009 wurde er in den Aufsichtsrat des HSV gewählt, den er jedoch bereits im Mai 2010 wieder verließ.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbarez ist Vater von zwei Kindern. Er engagiert sich auch für Kinder ohne Eltern. Seine Stiftung Centar hilft Waisenkindern, ein normales Leben aufzubauen. Seit 2009 nimmt er außerdem regelmäßig am Benefizspiel Kicken mit Herz im Team der Hamburg Allstars teil.[5] Seit 2010 nimmt Barbarez gelegentlich an renommierten Pokerturnieren teil und kam bisher zweimal bei der World Series of Poker in Las Vegas ins Geld.[6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hamburger Sänger Lotto King Karl widmete ihm das Lied Zvijezda Bosne (Stern von Bosnien).

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kapitän der bosnisch-herzegowinischen Nationalmannschaft hat Barbarez 49 Spiele absolviert und im Jahr 2006 aufgrund von Skandalen um den bosnischen Verband seinen Rücktritt erklärt. Dort erhielt er – auch Dank seines sozialen Engagements – folgende Auszeichnungen:

  • Fußballer des Jahres 2001 in Bosnien und Herzegowina
  • Fußballer des Jahres 2003 in Bosnien und Herzegowina
  • Mann des Jahres 2005 in Bosnien und Herzegowina
  • Sportler des Jahres 2005 in Bosnien und Herzegowina

In Mostar wurde 2005 eine Straße nach ihm benannt.

In 330 Bundesligaspielen erzielte der offensive Mittelfeldspieler und Stürmer 95 Tore, aber bekam auch 85 gelbe Karten, 3 gelb-rote Karten und 4 rote Karten. In der Saison 2000/01 wurde er gemeinsam mit dem Dänen Ebbe Sand Torschützenkönig der 1. Bundesliga.

Mit seinem 324. Bundesligaspiel am 13. April 2008 überbot er den Rekord von Ole Bjørnmose, der zuvor die meisten Spiele als Ausländer in der Bundesliga bestritten hatte. Am 19. März 2011 wurde dieser Rekord im Spiel des Hamburger SV gegen den 1. FC Köln durch den Brasilianer Zé Roberto gebrochen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sergej Barbarez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/print-welt/article477154/Impulsiver_Gefuehlsmensch.html
  2. Hinweis in: "Hamburg ist seine Perle", in Borussia - Das Mitgliedermagazin, Heft 80 vom 4. Oktober 2014, S. 25
  3. kicker Interview vom 18. Mai 2006
  4. Bayer-Star beendet die Karriere
  5. kickenmitherz.de
  6. Sergej Barbarez in der Hendon Mob Poker Database, abgerufen am 20. Juni 2016 (englisch)