Naturfreunde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Naturfreunde Internationale
(NFI)
Internationales Logo der Naturfreunde
Zweck: Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur
Vorsitz: Manfred Pils
Gründungsdatum: 1895
Mitgliederzahl: 500.000 (50 Mitglieds- und Partnerorganisationen)
Sitz: Wien (Internationale)
Website: www.nf-int.org (Internationale)
Früheres Logo der Naturfreunde

Die Naturfreunde oder genauer die Naturfreunde Internationale, kurz NFI, ist eine international tätige, sozialistische Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation. Die Wurzeln der Naturfreunde liegen in der Arbeiterbewegung im späten 19. Jahrhundert. Sie verstehen sich als „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“. In ihrer Satzung bekennen sie sich zum demokratischen Sozialismus und sind somit von überwiegend bürgerlichen Gebirgs- und Wandervereinen oder den kurze Zeit später entstandenen jugendlichen Wandervögeln abzugrenzen.

Bekannt sind sie vor allem durch ihr europaweites Netz von fast 1000 Naturfreundehäusern: preisgünstigen, naturnah gelegenen öffentlichen Gast- und Übernachtungsstätten, die für Einzelgäste und Gruppen zur Verfügung stehen. Naturfreunde-Organisationen bestehen in 48 Ländern, hauptsächlich in Europa. Mit einer halben Million Einzelmitgliedern gehören die Naturfreunde zu den weltweit größten NGOs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild über dem Eingang Naturfreundehaus Boßler

Der Verein wurde im September 1895 von dem sozialistischen Lehrer Georg Schmiedl in Wien ins Leben gerufen. Die Idee entstand bei einer Wanderung Gleichgesinnter am Anninger im Wienerwald. Von Österreich aus wurde 1905 die Naturfreunde-Internationale gegründet. 1933 hatten die Naturfreunde rund 200.000 Mitglieder in 22 Ländern. Während der nationalsozialistischen Herrschaft war die Organisation in Deutschland verboten. Mitglieder wurden verfolgt, die Naturfreundehäuser beschlagnahmt. Heute zählen die Naturfreunde unter dem Dachverband Naturfreunde Internationale (NFI) 500.000 Mitglieder in 48 Ländern, darunter fast 100.000 in Deutschland. Die Jugendorganisationen sind in den International Young Naturefriends (IYNF) organisiert.

Der Verband setzt sich seit seiner Gründung für gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen und gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur ein. Auf dem internationalen Naturfreunde-Kongress 1972 in Genf hieß es in den Leitsätzen zum Umweltschutz: „Alle ökonomischen Maßnahmen sind ökologischen Notwendigkeiten unterzuordnen.“ Die Naturfreunde nahmen früh an, dass das Ökosystem des Planeten aus dem natürlichen Gleichgewicht zu geraten drohe. Diese rot-grünen Ur-Ideen tauchten zum Beispiel im UN-Leitbild der nachhaltigen Entwicklung wieder auf.

Das Signet der Naturfreunde ist ein Handschlag samt drei Alpenrosen, entworfen von Karl Renner, dem späteren Staatskanzler und Bundespräsidenten Österreichs. Der Gruß der Naturfreunde lautet „Berg frei!“, im Gegensatz zum „Berg Heil!“ der Alpenvereine.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder sind verschiedene Naturfreunde-Organisationen in folgenden 43 Ländern:[1]

Europa Afrika Asien Nordamerika Südamerika Australien-Ozeanien
  1. Albanien
  2. Belgien
  3. Dänemark
  4. Deutschland
  5. Finnland
  6. Frankreich
  7. Griechenland
  8. Italien
  9. Kroatien
  10. Litauen
  11. Mazedonien
  12. Niederlande
  13. Österreich
  14. Madeira (Portugal)
  15. Rumänien
  16. Schweden
  17. Schweiz
  18. Slowakei
  19. Spanien
  20. Tschechien
  21. Vereinigtes Königreich
  1. Ägypten
  2. Algerien
  3. Benin
  4. Burkina Faso
  5. Gambia
  6. Guinea
  7. Kongo (Demokratische Republik)
  8. Kongo (Republik)
  9. Madagaskar
  10. Mali
  11. Marokko
  12. Niger
  13. Senegal
  14. Togo
  1. Georgien
  2. Iran
  3. Israel
  4. Nepal
  5. Pakistan
  1. Kanada
  2. USA
  1. Chile

Naturfreunde Deutschlands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturfreunde auf der Wir-haben-es-satt!-Demonstration 2013.

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) kämpfte man nach dem Zweiten Weltkrieg um Wiederzulassung der Naturfreunde-Organisation. Man hatte sich den Namen „Antifaschistische Touristenbewegung (ATB)“ gegeben, jedoch erfolglos. Nach der Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED nannte man sich in „Einheitstouristenbewegung (ETB)“ um.[2][3] Auch nach einer weiteren Umbenennung in „Natur- und Heimatfreunde“ wurde eine Neuzulassung von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) nach wie vor verwehrt, da sie für den Bereich Kultur und Sport eine andere Organisationsstruktur vorsah: Es kam zu Gründungen der Freie Deutsche Jugend, der Betriebssportgemeinschaften (BSG) und des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Die Naturfreunde mussten sich auf diese Organisationen verteilen.

Am 21. Dezember 1989 nutzten Mitglieder des „Fachausschusses Touristik und Wandern des Kulturbundes“ die Zeitung Neues Deutschland für einen Aufruf zur Neugründung der „Naturfreunde der DDR“. 150 Menschen folgten diesem Aufruf und gründeten am 3. März 1990 in Königstein/Sächsische Schweiz unter Anwesenheit des Generalsekretärs der Naturfreunde-Internationale Frieder Stede und des Bundesvorsitzenden der Naturfreunde (West) Claus Woyrosta den Touristenverband „Naturfreunde der DDR“.[3] Am 29. September 1990 kam es schließlich zum formellen Zusammenschluss mit dem Touristenverein „Die Naturfreunde – Bundesgruppe Deutschland“.

Die Naturfreunde Deutschlands (NFD) (eigene Schreibweise „NaturFreunde“) bezeichnen sich heute als politischen Freizeitverband und sind den Idealen des demokratischen Sozialismus sowie der Nachhaltigkeit verpflichtet. Im Untertitel nennen sie sich „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“. Sie haben nach eigenen Angaben in Deutschland 70.000 Mitglieder in 630 Ortsgruppen, die mehr als 400 Naturfreundehäuser bewirtschaften.[4] Als Nichtregierungsorganisation engagieren sie sich schwerpunktmäßig für eine Umwelt- und Klimaschutzpolitik, die soziale und ökologische Fragen verknüpft. Sie waren eine der Gründungsorganisationen der Ostermarschbewegung. Vorsitzender ist Michael Müller.

Die Naturfreundejugend Deutschlands ist die Jugendorganisation des Vereines. Die Landesverbände sind in ihrer Arbeit recht unterschiedlich. Die Naturfreundejugend Berlin zum Beispiel arbeitet zu den Themen Antirassismus, Geschlechterverhältnis und Antimilitarismus. Zu den Arbeitsfeldern der Naturfreundejugend NRW gehören Antifaschismus und progressive Pädagogik. Auf Bundesebene sind die Themen Politische Partizipation von Kindern und Jugendlichen, (interkulturelle) nachhaltige Kinder- und Jugendreisen aktuell.

Naturfreunde Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Naturfreunden mitorganisiert: Der Boulder Worldcup Wien 2010
100 Jahre NaturFreunde Deutschlands: deutsche Sonderbriefmarke von 2005

Die Naturfreunde Österreich, früher „Touristenverein die Naturfreunde“ (TVN), wurden 1895 in Wien als Arbeiterorganisation zur Pflege des Wanderns und der Touristik gegründet. Von Österreich aus wurde 1905 die Naturfreunde Internationale gegründet, deren 1. Sekretär der Österreicher Leopold Happisch war. 1934 wurden die Naturfreunde in Österreich verboten, nach Kriegsende 1945 wiedergegründet. Die Naturfreunde Österreich verstehen sich heute sowohl als Freizeit-, Alpin- und Umweltorganisation. Der Verein zählt (Stand 2017) 153.000 Mitglieder, die sich auf 9 Landes- und 460 Ortsgruppen verteilen und 150 Hütten betreuen.[5] Die Naturfreunde Österreich nehmen am österreichischen Gegenrecht auf Hütten teil.

Die Naturfreundejugend Österreich arbeitet unter dem Namen Friends und dem Motto Das Leben fängt draußen an. Das Freizeitangebot der Jugendorganisation richtet sich an Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien. Die Bundesgeschäftsführung befindet sich in Wels in Oberösterreich. Die Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den drei Bereichen Klettern+Bergsport, Wintersport und Natur+Umwelt. Von besonderer Bedeutung sind die erlebnispädagogisch orientierten Aus- und Weiterbildungsangebote der friends Outdoor-Akademie für ehrenamtlich tätige Mitglieder.

Naturfreunde Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Naturfreunde Schweiz (NFS) sind einer der rund 50 Mitglieder- und Partnerverbände innerhalb der internationalen Naturfreundebewegung. Es waren einige Dutzend junger Arbeiter und Handwerker, die in der Schweiz ab 1905 erste Naturfreundesektionen gründeten. Bereits im Jahr 1912 bauten diese am Säntis eine erste Naturfreunde-Hütte; ab 1920 wurde der Hüttenbau intensiviert und es entstanden die Naturfreundehäuser Flühli, Gorneren (Kiental), Reutsperre (Rosenlaui) und Cristolais (Engadin). In der Zeit zwischen 1920 und 1950 profilierten sich die Schweizer Naturfreunde vor allem als sozialistische Kulturbewegung. Zu ihren ideellen Werten gehörten die Selbsthilfe, das Lernen von der Natur und die Stärkung von Körper und Geist. Konkret sah die Bewegung ihre Aufgabe darin, all jenen Zugang zu Freizeit, Sport und Tourismus zu verschaffen, die dies allein nicht vermochten. In diesem Kontext zu verstehen ist der traditionelle Gruß, den Naturfreunde untereinander austauschten: „Berg frei!“ Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 und des faschistischen Dollfußregimes in Österreich 1934 wurden die dortigen Naturfreundeorganisationen verboten, ihr Vermögen konfisziert und die Naturfreundehäuser beschlagnahmt. Als Reaktion darauf wurde der Hauptsitz der Naturfreunde Internationale von Wien nach Zürich verlegt, wo er bis 1988 blieb.

Ab den 1950er Jahren öffnete sich die in der Schweiz bis dahin sozialistisch ausgerichtete Organisation und erreichte mit ihren Freizeitangeboten breitere gesellschaftliche Schichten. In der Folge der zunehmend spür- und sichtbar werdenden negativen Folgen des wirtschaftlichen Wachstums positionierten sich die Naturfreunde Schweiz ab den 1980er Jahren zudem verstärkt auch als Umweltverband. Mit ihren Freizeit-Angeboten im Natursportbereich, ihrem Engagement für zwischenmenschliche Kontakte und nachhaltige Entwicklung, den Leiter-Ausbildungskursen und den für alle offen stehenden Naturfreundehäusern gelten die NFS heute als ein Verband für einen sozial gerechten, erschwinglichen und ökologisch vertretbaren Tourismus. Als Beitrag für einen nachhaltigen Tourismus haben die Naturfreunde Schweiz 1999 den Kulturweg Alpen lanciert. Es handelt sich dabei um ein Weitwanderprojekt quer durch die Schweiz, vom Lac Léman ins Val Müstair, detailliert dokumentiert im Buch Kulturweg Alpen. Einen weiteren Beitrag zum Weitwandern und zu regionaler Entwicklung in der Schweiz leisteten die NFS zuvor mit dem Projekt Pässespaziergang – Wandern auf alten Wegen zwischen Uri und Piemont. Das gleichnamige Buch erschien 1996. Die Naturfreunde Schweiz sind zudem Herausgeber der Zeitschrift Naturfreund.

Naturfreundehäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Naturfreundehäuser

Die Naturfreunde haben im Verlauf von fast hundert Jahren mehr als 1000 Häuser errichtet. In Deutschland gibt es über 400 Naturfreundehäuser.[6] Die Breite des Angebotes reicht von der einfachen Berghütte bis hin zum hotelartigen Naturfreundehaus, von Selbstversorgung bis zu ausgearbeiteten Ferienangeboten und Arrangements.

Bekannte Naturfreunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von den Wiener Naturfreunden wurde von 1896 bis 1934 die Monatszeitschrift Der Naturfreund herausgegeben. Titelzusatz des Blattes war Mittheilungen des Touristen-Vereines "Die Naturfreunde" in Wien.[16]
  • Bruno Klaus Lampasiak, Leo Gruber, Manfred Pils: Berg frei – Mensch frei – Welt frei! Eine Chronik der internationalen Naturfreundebewegung von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis zum Zeitalter der Globalisierung (1895–2005). Hrsg. Naturfreunde Internationale, Wien 2005, ISBN 978-3-950206-00-5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Bensel: Soziale Bewegungen im Spannungsfeld zwischen Industriearbeit und Naturbedürfnis dargestellt am Beispiel des Touristenvereins „Die Naturfreunde“. [Berlin] 1985, DNB 860658694 (Dissertation TU Berlin 1985, 384 Blätter, 30 Seiten)
  • Viola Denecke: Die Arbeitersportgemeinschaft: eine kulturhistorische Studie über die Braunschweiger Arbeitersportbewegung in den zwanziger Jahren (= Schriftenreihe des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte Hoya e.V., Band 8). Mecke, Duderstadt 1990 ISBN 978-3-932423-26-0.
  • Dagmar Günther: Wandern und Sozialismus. Zur Geschichte des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (= Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 30), Kovač, Hamburg 2003, ISBN 978-3-8300-0841-5 (keine Hochschulschrift).
  • Oliver Kersten: Die Naturfreundebewegung in der Region Berlin-Brandenburg 1908 – 1989/90: Kontinuitäten und Brüche. Naturfreunde-Verlag Freizeit und Wandern, Berlin 2007, ISBN 978-3-925311-31-4 (Dissertation Freie Universität Berlin 2004, XIII, 399 Seiten, Illustration, 21 cm), S. 1–21.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Naturfreund – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitglieder der Naturfreunde Internationale. In: nfi.at, abgerufen am 9. Juli 2017.
  2. Quelle für die Geschichte der Naturfreunde der DDR sind Infotafeln im Erdgeschoss des ehemaligen „Naturfreundehauses Königstein“, heute „Familienoase Königstein“.
  3. a b Geschichte. In: die-naturfreunde-sachsen.de
  4. Die NaturFreunde Deutschlands – Über uns
  5. Naturfreunde Österreich – Bundesorganisation. In: naturfreunde.at. Abgerufen am 12. Juli 2017.
  6. Naturfreunde.de - Über uns
  7. http://www.kulturland.rlp.de/einrichtungen/e/naturfreunde-landesverband-rheinland-pfalz-ev/
  8. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Die Bundestagsfraktion der NaturFreunde. NaturFreundIn 4-2009 (PDF; 266 kB).
  9. Bruno Klaus Lampasiak / Oliver Kersten: Auch der Hitler-Attentäter Georg Elser war ein NaturFreund! (PDF-Datei; 103 kB)
  10. Peter Koblank: War Georg Elser Mitglied bei den Naturfreunden? Online-Edition Mythos Elser 2010 (mit ausführlicher Widerlegung von Lampasiak/Kersten)
  11. http://www.linksfraktion.de/abgeordnete/inge-hoeger/bezuege/
  12. http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/K/kramme_anette.html
  13. http://www.verdi.de/ueber-uns/idee-tradition/gruendungsgewerkschaften/++co++cda86124-99d2-11e1-42fa-0019b9e321cd
  14. http://www.spd.de/partei/Personen/1114/joachim_poss.html
  15. http://www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de/selectmaske.html?pnd=130071978&recherche=ja
  16. Von der Österreichischen Nationalbibliothek digitalisierte AusgabenDer Naturfreund (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dna