Düsseldorf-Gerresheim
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| Wappen | Düsseldorf Gerresheim |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen |
| Regierungsbezirk: | Düsseldorf |
| Stadt: | Düsseldorf |
| Ortsteil: | Gerresheim |
| Geographische Lage: | 51° 14′ 22″ N, 06° 51′ 58″ O Koordinaten: 51° 14′ 22″ N, 06° 51′ 58″ O |
| Fläche: | 6,74 km² |
| Einwohner: | 28.209 (Stand 30. November 2007) |
Gerresheim ist ein Stadtteil von Düsseldorf und liegt im Stadtbezirk 07 im Osten der Stadt an den Hängen des Niederbergischen Landes. Die ehemals eigenständige Stadt wurde 1909 nach Düsseldorf eingemeindet. Gerresheim hat 27.881 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2005) und eine Fläche von 6,74 km² [1].
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Das erste überlieferte Ereignis ist die Gründung eines Frauenstifts im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts durch den Adeligen Gerricus. In einem Dokument des Pfarrarchivs wird bereits für das Jahr 670 eine Pfarrkirche erwähnt. Sicher ist, dass vor der Gründung der Frauengemeinschaft eine adlige Eigenkirche in Gerresheim bestanden haben muss.
Zu Beginn des 10. Jahrhundert überfielen die Normannen und die Ungarn den Großraum Düsseldorf. Letztere zerstörten 919 dabei Gerresheim und das Stift fast vollständig. Der Konvent mitsamt Äbtissin flüchteten in das Kölner St.-Ursula-Stift. Der Wiederaufbau erfolgte in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Im Jahre 970 weihte der Kölner Erzbischof Gero eine neue Kirche ein.
1368 wurde das Dorf Gerresheim, welches sich um das Stift angesiedelt hatte, durch die Grafen von Berg zur Stadt erhoben. Im 17./18. Jahrhundert verarmte jedoch die Stadt Gerresheim durch den Weggang einiger adliger Stiftsdamen und durch einige verheerende Stadtbrände. Auch einige Soldatenheere des Truchsessischen Krieges und des Dreißigjährigen Krieges überfielen die kleine Stadt. In der Folge wurde sie bedeutungslos. 1803 hob man im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses das Kanonissenstift auf.
Als Erich Philipp Ploennies im Jahre 1715 seine Topographia Ducatus Montani des Herzogtums Berg verfasste, stellte er bei der Beschreibung von Gerresheim fest: "Dieser Orth ist vormals sehr groß gewesen, gleich als man noch aus desselben Ringmauer absehen kann, vor izo ab sind an stadt der Häuser mehrenteils Gärten innerhalb gedachter Mauer" und er bezeichnete Gerresheim als "sehr gering und klein"
Die endgültige Schließung erfolgte jedoch erst 1806. Die Stiftskirche wurde im Jahre 1810 der Gemeinde für die Abhaltung des Pfarrgottesdienstes geschenkt, da die südlich der Stiftskirche gelegene Pfarrkirche baufällig geworden war. Diesem Umstand und den Bemühungen der letzten Äbtissin Gräfin von Schönau hat Gerresheim die Erhaltung seines Wahrzeichens zu verdanken. Der Hochaltar des Stifts steht heute in der katholischen Pfarrkirche St. Peter in Essen-Kettwig.
Ab 1815 gehörte die Stadt Gerresheim zum Königreich Preußen. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Gerresheim vom kleinen Landstädtchen mit ca. 800 Einwohnern zur kleinen Industriestadt mit ca. 15.000 Einwohnern. Eingemeindet nach Düsseldorf wurde Gerresheim erst 1909. Düsseldorf hatte vor allem Interesse an der wirtschaftlich erfolgreichen Glashütte, während die Stadt Gerresheim selbst finanziell zu schwach war, um weiterhin unabhängig von Düsseldorf zu existieren. So wurde Gerresheim bereits seit den 1880er Jahren aus Düsseldorf mit Wasser und Elektrizität versorgt. Auch die Anbindung im ÖPNV war erst durch Unterstützung Düsseldorfs möglich geworden.
Weltbekannt wurde Gerresheim durch die 1864 von dem Bremer Unternehmer Ferdinand Heye gegründete Gerresheimer Glashütte, die bereits 1890 mit 1.200 Beschäftigten die größte Glashütte der Welt war. 1960 hatte die Glashütte mit 10.000 Mitarbeitern und üppigen Dividenden ihren wirtschaftlichen Höhepunkt. Nach Fehlern im Management, Überproduktion und Preisverfall wurden im August 2005 nach dem Verkauf an den weltgrößten Glasverpackungs-Hersteller Owens-Illinois die letzten Öfen stillgelegt und die Glashütte geschlossen.
In der Weimarer Republik war Gerresheim, hier vor allem das Hüttenviertel, eine Hochburg der KPD, die hier z.T. Wahlresultate zwischen 64,5 und 77,5 % erreichte. Die Nazis rächten sich am 5. März 1933 mit der „Razzia von Gerresheim“, als mehr als 3.000 Mann von SA, SS, Polizei, Stahlhelm, Feuerwehr und Baubehörde das sog. untere Gerresheim überfielen. NS-Gegner wurden misshandelt, zwischen 50 bis 280 Gefangene ins Polizeipräsidium Mühlenstraße verschleppt. Dennoch war Gerresheim noch lange ein Zentrum des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten.
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
- Katholische Basilika St. Margareta, früher St. Hippolytos. Die romanisch-gotische Stiftskirche des Kanonissenstifts erhielt bei der Weihe 1236 den Hl. Hippolyt als Patron und trug den Namen „Monasterium Santi Hippolyti“. Sie befindet sich an der Stelle eines staufischen Vorgängerbaus und besitzt eine reiche Innenausstattung. Der Bau ist farblich gefasst, wie es häufig in der Rheinischen Romanik anzutreffen ist. Seit 1598 findet alljährlich die Blutprozession zur Verehrung einer Blutsreliquie, die die mit Christi Blut vermischte Erde vom Berg Golgatha enthalten soll, statt.
- Kirchenschatz der Stiftskirche; von besonderer Bedeutung ist der Hidda-Codex, ein ottonisches Evangeliar aus dem 11. Jahrhundert, aber auch weitere Exponate sakraler Kunst. Hier ist vor allem noch das Kruzifix aus dem 10. Jahrhundert zu nennen. Dieses wurde vermutlich im Jahre 970 der Gemeinde zur Einweihung der neuen Kirche vom Kölner Erzbischof geschenkt. Es ist damit neben dem Kölner Gerokreuz wohl das älteste erhaltene Hochkreuz Europas.
- Stiftsgebäude aus dem 13. Jahrhundert mit dem romanischen Kreuzgang
- Quadenhof, burgartiges Steinhaus aus dem 15. Jahrhundert, Wohnsitz der adeligen Familie Quad von Raede
- Evangelische Gustav-Adolf-Kirche, 1878 in neoromanischen Formen erbaut, spendiert wurde die Kirche von Ferdinand Heye, da in der Glashütte in deren Gründerjahren zunächst viele evangelische Arbeiter aus anderen Teilen Deutschlands beschäftigt waren.
- Fachwerkhaus am Neusser Tor. Das 300 Jahre alte, vom Architekten Aloys Odenthal original restaurierte Fachwerkhaus beherbergte bis April 2007 ein Feinschmeckerlokal.
- Hexenstein, an der Dreherstr. / Ecke Schönaustr. steht der Gedenkstein von Gabriele Tefke in Gedenken an Helene M. Curtens und Agnes Olmanns, die in Gerresheim am 19. August 1738 nach dem letzten Hexenprozess am Niederrhein verbrannt wurden.
- Gerresheimer Waldfriedhof
[Bearbeiten] Vereine
In Gerresheim gibt es ein vielfältiges Vereinsleben.
Die DJK Sportfreunde Gerresheim 1923 e.V., der TV Grafenberg 1888 e.V., der TuS Gerresheim, der Düsseldorfer Sport-Club 1899 e.V., der Gerresheimer Turnverien sowie der Tennisclub Gerresheim sorgen für ein breites Sportangebot. Zwischenzeitlich gab es auch noch den FC Gerresheim, der sich aber Mitte des Jahres 2006 auflöste.
Der Bürger- und Heimatverein Gerresheim 1950 erforscht die lokale Geschichte und Kultur und gestaltet die Entwicklung Gerresheims durch Bürgerforen mit.
Die Bürgerhilfe Gerresheim kümmert sich um Jugend- und Altenhilfe sowie soziale Probleme im Stadtteil.
Die Gerresheimer Mädchen sind ein 1973 gegründeter Heimatverein, der sich um Brauchtumspflege und soziales Engagement kümmert und für seinen jährlichen Tanz in den Mai über Gerresheim hinaus bekannt ist.
Die Schachfreunde Gerresheim wurden 1986 gegründet und entwickelten sich im Laufe der Zeit zum aktuell erfolgreichsten Schachverein der Landeshauptstadt. Mit ca. 120 Mitgliedern gehören die Schachfreunde zu den mitgliederstärksten Schachvereinen Deutschlands. Der sportlich größte Erfolg war bislang der Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahre 2005.
Die KG Gerresheimer Bürgerwehr 1956 e.V. ist eine große Karnevalsgesellschaft in Düsseldorf. Eingetragen im Bund Deutscher Karneval als Corps, aufgrund der historischen Uniformen und Fahrzeuge wie z.B. Planwagen, „Feldt“-Apotheke und Kanone.
Die St.Sebastianus-Schützenbruderschaft Gerresheim 1427 e.V. eine Gemeinschaft Gerresheimer Schützengesellschaften mit vielen traditionellen Vereinen u. a. die Gesellschaft Kaiser Friedrich 1898 und die 1. Hohenzollern-Kompanie 1907 Gerresheim mit ihrem 1. Hauptmann Heinz Thomas
Im Januar 2008 wurde der Förderkreis „Industriepfad Gerresheim e.V.“ unter dem Vorsitz von Prof. Niklaus Fritschi gegründet. Dieser Verein setzt sich für den Erhalt historischer Industriedenkmäler (z.B. Ringofen und Glashütte) ein. Kernprojekt ist die Errichtung eines Industriepfades vom Ringofen an der Bergischen Landstraße bis zur Glashütte und zum Bahnhof. An den Stationen sollen Informationstafeln errichtet werden.
[Bearbeiten] Verkehr
Gerresheim besitzt seit 1838 einen Bahnhof an der historischen Strecke der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn-Gesellschaft. Dort verkehren S-Bahnzüge der Linie S8 (Mönchengladbach–Hagen) und S11 sowie die Regiobahn S28 (Mettmann Stadtwald–Kaarster See).
Ferner ist Gerresheim durch die Straßenbahn 703 der Rheinbahn AG angebunden, die Straßenbahnlinie 709 und 713 binden den Teil Gerresheims rund um das Gerresheimer Krankenhaus an die Innenstadt an. Dadurch ist eine sehr schnelle öffentliche Anbindung zur Innenstadt gegeben. Des Weiteren fahren weitere Buslinien Gerresheim an bzw. durchqueren es auf ihrer Route (724, 725, 733, 737, 738, 781).
[Bearbeiten] Bildung
In Gerresheim befinden sich folgende Schulen:
- Gymnasium Gerresheim (mit Französisch-Klasse, NW-Profilklasse, Rudern als Schulfach und eigenem Schullandheim)
- Marie-Curie-Gymnasium (sprachlich-künstlerisch ausgerichtet)
- Hanna-Zürndorfer-Grundschule (EGS Benderstraße / KGS Unter den Eichen)
- Aloys-Odenthal-Schule
- Ferdinand-Heye-Schule
- Kurt-Schwitters-Schule (Rheinische Schule für Sprachbehinderte)
- Gerricus-Schule (Rheinische Förderschule, Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation)
- Martin-Luther-King-Schule (Städt. Förderschule)
- Fachschulen des Sozial- und Gesundheitswesens
- Rudolf-Steiner-Schule (Waldorfschule)
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Bürgermeister
- 1806–Oktober 1813: Josef Dominik Freiherr von Reiner
- Januar 1814–Juni 1814: Franz Josef Kempgens
- Juni 1814–März 1817: Franz Löhr
- März 1817–Dezember 1822: Mathias Weißenfels
- Dezember 1822–September 1849: Hermann Leven
- Januar 1850–November 1850: Rottländer, Bürgermeistereiverwalter
- Dezember 1850–Januar 1852: Ludwig Clasen, Bürgermeistereiverwalter
- Januar 1852–April 1855: Felix Freiherr von Pelser-Berensberg
- Juni 1855–Januar 1865: Edmund von der Straeten
- Juli 1865–Mai 1869: Jacob Doetsch
- Dezember 1869–Mai 1873: Franz Josef Wirtz
- Juli 1873–Oktober 1877: Louis Ernst
- Februar 1878–Mai 1904: Otto Bender
- Oktober 1904–März 1909: Willy Henninghausen
[Bearbeiten] Ehrenbürger
- 1895 Fürst Otto von Bismarck, Reichskanzler
[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
- Der Architekt Aloys Odenthal, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und Ehrenbürger von Düsseldorf, lebte in Gerresheim und hatte auf der Lakronstraße sein Architektenbüro.
- Die Fußballspieler Klaus und Thomas Allofs starteten ihre Karriere in der Fußballmannschaft der Katholischen Volksschule Unter den Eichen und im TuS Gerresheim.
- Der Musiker Marius Müller-Westernhagen ist in Gerresheim aufgewachsen. Seine Mutter starb im Jahre 1998 im Krankenhaus Gerresheim.
- Günter Gruschwitz, Kirchenmusikdirektor der ev. Apostelkirche
- Der Kirchenmusiker Bernd Liffers wirkte von 1982 bis zu seiner Kündigung 1986 an der Basilika St. Margareta.
[Bearbeiten] Wanderwege
Folgende Wanderwege beginnen in oder führen durch Gerresheim
- Residenzenweg, Markierung „X7“ Gerresheim Bahnhof–Arnsberg
- Düsseldorfweg, Markierung "D" Düsseldorf-Benrath–Düsseldorf-Kaiserswerth
[Bearbeiten] Einzelnachweise
[Bearbeiten] Weblinks
- Bilder und Termine aus Gerresheim Fotos aus und um Gerresheim, Portal für weitere Gerresheim-spezifische Seiten
- Hochmittelalterliche Klosterbaustelle in Gerresheim
- Förderkreis „Industriepfad Gerresheim e.V.“
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