Gründerzentrum

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Gründerzentrum oder auch Existenzgründerzentrum, Technologiezentrum oder Innovationszentrum, auch englisch Business incubator genannt, ist eine, oft öffentlich durch die entsprechenden Kommunen bzw. Städte (zunehmend auch mit privatwirtschaftlicher oder Hochschulbeteiligung) getragene, Institution zur Unterstützung technologieorientierter (möglichst innovativer) Neugründungen und Jungunternehmen. Daneben sollen Technologie- und Gründerzentren vielerorts zur regionalen Wirtschaftsförderung beitragen.

Das Konzept des Business Incubation stammt aus den USA, wo Joseph Mancuso 1959 das Batavia Industrial Center in einem Warenhaus in Batavia, New York, eröffnete. In den 1980er Jahren verbreitete es sich nach England und Kontinentaleuropa und nahm unterschiedliche Formen an (Innovationszentren, pépinières d’entreprises, Technopolen, Wissenschaftsparks, Hochschulinkubatoren).

Weltweit existieren fast 10.000, europaweit über 1000 Gründerzentren, davon befinden sich circa 500 in Deutschland. Der Großteil dieser Zentren betreuen Unternehmen aller Branchen. Es gibt allerdings auch auf bestimmte Zukunftsthemen spezialisierte Zentren für Nanotechnologie, Informationstechnik, Biotechnologie, Musikwirtschaft und Umwelttechnik.[1]

Typen[Bearbeiten]

Eine spezielle Form ist der Hochschulinkubator. Unterschieden werden Non-Profit- und For-Profit-Inkubatoren. Letztere werden überwiegend von privaten Trägern kofinanziert und sind in den USA weiter verbreitet als in Europa. Ferner werden Branchen- und gemischte Gründerzentren unterschieden.

Für Vorbereitung und Erfahrungsaustausch werden auch einschlägige Tagungen und Konferenzen veranstaltet, beispielsweise das Pioneers Festival.

Ziele[Bearbeiten]

Ziele eines Gründerzentrums sind

  • Förderung von Unternehmensgründungen
  • Unterstützung junger Unternehmen
  • Verbesserung der Wachstumschancen
  • Steigerung der Überlebensrate (85+ Prozent im Schnitt)
  • Förderung des regionalen Strukturwandels
  • Entwicklung von Netzwerkstrukturen und Synergien
  • Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sowie zwischen Unternehmen
  • Schaffung von neuen qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen
  • Vermeidung des Abwanderns qualifizierter Arbeitskräfte

Vorteile eines Gründerzentrums[Bearbeiten]

Gründerzentren bieten sowohl Kosten- wie auch Entwicklungsvorteile für die Zentrumsfirmen. So etwa

  • Beratung und Coaching bei der Planung, Gründung und beim Aufbau der Firma
  • Unterstützung bei der Kapitalsuche
  • günstige und flexible Mietflächen (Büro, Labor, Produktionsstätten) an attraktiven Standorten
  • Infrastrukturausstattung und Gemeinschaftseinrichtungen (Intranet, Veranstaltungsräume, Kantine etc.)
  • Umfangreiche Service- und Dienstleistungspakete durch das Zentrumsmanagement und Netzwerkpartner, wie
    • Fördermittelmanagement
    • Sekretariatsservice
    • Networking
    • Kontaktvermittlung
    • Kooperationsberatung

Nachteile eines Gründerzentrums[Bearbeiten]

Ein Teil der Gründerzentren arbeitet nicht kostendeckend, so dass die meist öffentlichen Träger Verluste ausgleichen müssen. Dies geschieht meist aus öffentlichen Haushalten. Weiter erhalten eine Reihe der Zentren Anschubfinanzierung in Form von Zuschüssen zu Investitionen.

Diese öffentlichen Aufwendungen fließen erst zurück, wenn sich die geförderten Unternehmen am Markt etablieren können und die investierten Gelder durch positive volkswirtschaftliche Effekte - z. B. Einkommensteuern der Mitarbeiter, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer zurückgeführt werden.[2]

Technologiezentren in Deutschland[Bearbeiten]

Die deutschen Gründerzentren sind bundesweit über den ADT Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V.[3] und auf Länderebene (etwa Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Technologie- und Gründerzentren) vernetzt. Gründerzentren sind seit fast 30 Jahren in Deutschland als wirksames Wirtschaftsförderinstrument bewährt. Allerdings wird deren Effektivität und Effizienz in einigen wissenschaftlichen Publikationen angezweifelt. Andere Studien aber bestätigen durchaus, dass sich die öffentlichen Investitionen zur Errichtung und zum Betrieb der Zentren in Form von Steuerrückzahlungen der ausgesiedelten Unternehmen für die betreibende Kommune bzw. Stadt lohnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Sternberg; 1997: Bilanz eines Booms: Wirkungsanalyse von Technologie- und Gründerzentren in Deutschland; Ergebnisse aus 108 Zentren und 1021 Unternehmen. Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur: Dortmund. ISBN 978-3-92-979727-5
  • Thierstein, Alain/Wilhelm, Beate/Wolter, Stefan/Birchmeier, Urs; 1999: Der stille Boom. Das Buch analysiert das Aufkommen der Gründer-/Initiativ- und Technologiezentren in der Schweiz. Verlag: Haupt. ISBN 978-3-25-806038-5
  • Bertram Dressel, Guido Baranowski, Andrea Glaser; 2010: Innovationszentren in Deutschland 2010/2011. Statistische Angaben zu den Innovationszentren in Deutschland, Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte. Verlag: ADT Bundesverband e.V. Berlin. ISBN 978-3-00-030763-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schwartz und Hornych: Technologie- und Gründerzentren im Lichte von Diversifizierung versus Spezialisierung, Diskussionspapiere des Institutes für Wirtschaftsforschung, Halle 2008
  2. Bertram Dressel, Guido Baranowski, Andrea Glaser: Innovationszentren in Deutschland 2010/2011. Statistische Angaben zu den Innovationszentren in Deutschland, Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte. Berlin 2010
  3. ADT Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V.