Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

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Filmdaten
Deutscher Titel Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss
Originaltitel Holocaust
Produktionsland USA,
Deutschland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1978
Länge 419 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Marvin J. Chomsky
Drehbuch Gerald Green
Produktion Robert Berger
Herbert Brodkin
Musik Morton Gould
Kamera Brian West
Schnitt Alan Heim
Craig McKay
Robert M. Reitano
Stephen A. Rotter
Brian Smedley-Aston
Besetzung

Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist ein vierteiliger amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 1978 von Marvin J. Chomsky. Er erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus lebt. Die Serie wurde auch in Deutschland gesehen und führte zu vielen Diskussionen über die nationalsozialistische Vergangenheit.

Gliederung[Bearbeiten]

Die vier Teile tragen folgende Titel und behandeln folgende Jahre:

Nr. Titel Jahre Länge deutsche Erstausstrahlung
1. Die hereinbrechende Dunkelheit 1935–1940 135 Minuten 22. Januar 1979
2. Die Straße nach Babi Yar 1941–1942 94 Minuten 23. Januar 1979
3. Die Endlösung 1942–1944 89 Minuten 25. Januar 1979
4. Die Überlebenden 1944–1945 101 Minuten 26. Januar 1979

Handlung[Bearbeiten]

Teil 1: Die hereinbrechende Dunkelheit[Bearbeiten]

Berlin im Jahr 1935: Kunstmaler Karl Weiss und Inga Helms heiraten. Beide sind deutsche Staatsbürger, doch gilt die Verbindung den Nationalsozialisten nach Inkrafttreten der Nürnberger Rassegesetze als „Mischehe“, da Karls Eltern – Josef und Berta – jüdischen Glaubens sind. Bei der Hochzeit anwesend sind auch Bertas Eltern, Herr und Frau Palitz. Bertas Vater Heinrich begegnet dort Heinz Müller, einem gelernten Schlosser und NSDAP-Mitglied.

Der Jurist Erik Dorf ist der Sohn eines Bäckers und Sozialdemokraten, der sich, durch die Inflation verarmt, das Leben genommen hat. Nicht aus Überzeugung, sondern wegen seiner Arbeitslosigkeit und auf Drängen seiner Frau, tritt Erik Dorf 1935 der SS bei, wo er 1938 zum persönlichen Referenten Heydrichs aufsteigt, den er auch politisch berät. Auch auf Anraten Dorfs werden die Novemberpogrome eingeleitet und die Juden nun systematischer Verfolgung ausgesetzt. Zuvor sucht Dorf Josef Weiss, der ihn und seine Familie oft unentgeltlich ärztlich behandelt hat, auf und rät ihm dringend, Deutschland zu verlassen. Josef will jedoch seine jüdischen Patienten nicht im Stich lassen, und meint, es könne für die Juden in Deutschland nicht schlimmer kommen. Dennoch erörtert er die Frage mit seiner Frau Berta, die sich dafür ausspricht, in Deutschland zu bleiben.

Dorf verwarnt mehrere Male Pater Bernhard Lichtenberg – Priester von St. Hedwig – für seine kritischen Predigten und erinnert ihn an das Reichskonkordat mit Papst Pius XII., wonach der Vatikan das Deutsche Reich als „letzte Bastion zwischen christlichen Abendland und dem Bolschewismus“ betrachte. Der Pater verstirbt auf dem Transport zum KZ Dachau. In der „Reichskristallnacht“ wird auch die Buchhandlung von Bertas Vater demoliert. Danach ziehen Bertas Eltern zu ihrer Tochter, weil sie alles verloren haben.

Karl Weiss wird in das KZ Buchenwald deportiert. Ihm wird unterstellt, dass er „jüdischer Kommunist“ sei und als „jüdischer Schmierant“ für die bolschewistische Propaganda Karikaturen zeichne. Weil er auch Stoffmuster entworfen hat, bringt man ihn zunächst in der Schneiderei unter. Als er sich mit dem jüdischen Kapo Melnick um ein Stück Roggenbrot prügelt, wird er zusammen mit dem Mithäftling Weinberg an den Marterpfahl gehängt. Weinberg sieht bei der Folter den Sinn zu überleben darin, „ein heiliger Zeuge“ zu sein.

Josef setzt sich bei Erik Dorf für Karls Freilassung ein, doch Dorf weist ihn ab. Bereits am nächsten Tag erhält Josef Besuch von der Fremdenpolizei, er wird nach Polen abgeschoben. Am Bahnhof verabschiedet er sich von seiner Frau Berta und beschwört sie, dass ihre gemeinsame Liebe alle Widrigkeiten überstehen wird – „amor vincit omnia“. Nachdem Josefs Praxis und die Wohnung der Familie Weiss aufgelöst worden ist, nehmen sich Bertas Eltern mit Gift das Leben. Josefs Frau Berta zieht mit den gemeinsamen Kindern Rudi und Anna bei der Familie Helms ein. Nachdem Rudi die Familie verlassen hat, wird seine 16-jährige Schwester Anna auf der Straße von drei Nazis vergewaltigt. Sie erleidet einen schweren Schock und wird in die NS-Tötungsanstalt Hadamar gebracht, wo sie in der Gaskammer Opfer der „Euthanasie“ wird.

Rudi kommt in die Tschechoslowakei, wo er in Prag Helena Slomová trifft und sich in sie verliebt. Weil Helenas Vater nach Palästina auswandern wollte, galt er als „zionistischer Agent“ und wurde zusammen mit seiner Frau nach Polen deportiert. Obwohl Helena zuerst nach Palästina auswandern will, entschließt sie sich schließlich nach dem Vorbild der biblischen Ruth ihrem Geliebten zu folgen – „wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“

Teil 2: Die Straße nach Babi Yar[Bearbeiten]

Im Jahr 1941 haben die deutschen Truppen weite Teile Osteuropas besetzt und dort Konzentrationslager errichtet. Karl, der immer noch im KZ Buchenwald gefangen ist, wird nach der Prügelei zur Strafe in den Steinbruch verlegt. Inga möchte Briefkontakt zu ihrem Mann aufnehmen. Dies geht jedoch nur, wenn sie vorher mit Heinz Müller schläft, der sich als „Postbote“ angeboten hat. Müller prahlt gegenüber Karl, mit dessen Frau geschlafen zu haben. Als Karl daraufhin den Briefkontakt zu Inga einstellen möchte, droht Müller ihm damit, dass er einer der Lustknaben des Kommandanten Engelmann werden soll, der sich einen „Privatharem junger Männer“ hält. Schließlich wird Karl als Kunstmaler in die „Künstlerabteilung“ des Lagers verlegt und vergleicht auch dies mit Prostitution – „was die für Huren aus uns machen“.

Josef, Mitglied des Judenrates, ist auf den chassidischen Rabbi Korsch angewiesen, der im Sinne der Sozialfürsorge sich um eine verzweifelte junge Mutter kümmert, die im Zug nach Warschau deportiert wurde. Sie möchte ihren Säugling nicht weggeben, obwohl das Kind unterwegs verstorben ist. Als Arzt arbeitet er auf der Kinderstation des jüdischen Krankenhauses im Warschauer Ghetto, die er zusammen mit der Krankenschwester Sarah Olnich betreut. Olnich wird von der jüdischen Ghettopolizei exekutiert, weil sie für die kranken Kinder Lebensmittel in das Ghetto geschmuggelt hat. Während der Hinrichtung beten die Juden für sie das Kaddisch. Josef holt seine Frau Berta am Warschauer Bahnhof ab; dabei erzählt Berta ihm vom Tod der Tochter Anna. Die Wahrheit verschweigend berichtet sie, dass Anna in der Wohnung plötzlich erkrankt sei und mangels Medizin im Schlaf an Pneumonie gestorben sei. Berta wird Musiklehrerin in der Schule des Ghettos und unterrichtet hier unter anderem den 13-jährigen Aaron Feldmann, der im Ghetto lebt und sich wie Olnich auch als Schmuggler betätigt.

Rudi und Helena passieren die Grenze nach Ungarn und gelangen nach Russland. Bei einem sowjetischen Kommandanten geben sie vor, jüdische Kommunisten zu sein. Nachdem Helena dem Kommandanten zum Beweis sogar den sozialistischen Bruderkuss gibt, erlaubt er dem Paar, nach Kiew zu gehen. Doch nach dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion sind sie auch dort nicht mehr sicher. In Kiew retten sie Hans Helms das Leben, der nach einer Detonation unter Schutt begraben liegt, graben ihn aus und bringen ihn zu seinen Kameraden. Hans gibt die jüdische Herkunft des Paares preis. Sie werden darauf mit den anderen Juden Kiews in die Schlucht von Babyn Jar gebracht, können jedoch unterwegs fliehen. Sie werden Zeugen des Massakers von Babyn Jar. Dorf unterdessen beaufsichtigt zusammen mit dem SS-Führer Paul Blobel das Massaker. Der mangelnde Widerstand der Juden Kiews bei dem Massaker gilt bei Blobel als Beweis dafür, dass sie „kein Recht haben zu leben.“ Dorf widerspricht nicht. Rudi ist überzeugt, dass später niemand den Berichten über das Massaker glauben wird: „Lüge … weil Menschen so etwas mit Menschen nicht tun.“ Während das Paar später in einem Versteck über die Probleme einer künftigen Staatsgründung Israels diskutiert, wird es von Mitgliedern der jüdischen Partisanengruppe von Shitomir gefunden.

Erik Dorf ist unterdessen an der Ostfront, um den Massenmord zu dokumentieren. Er ist an der Planung der Massenermordung der europäischen Juden beteiligt und erarbeitet Methoden, wie die Ermordung systematisch umgesetzt werden kann. Auf der Wannseekonferenz wird die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen und Dorfs Bedeutung als Berater Heydrichs, aber auch Heinrich Himmlers wächst.

Teil 3: Die Endlösung[Bearbeiten]

Es erfolgt der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Karl Weiss wird aus dem KZ Buchenwald in das KZ Theresienstadt deportiert und hält die dortigen Verhältnisse in Zeichnungen fest. Inga bittet Müller, in das KZ gebracht zu werden. Karl verachtet Inga für ihr Verhältnis mit Müller. Sie erklärt, dass er „anders [sei] als die anderen“ und dass nur die Liebe ihm die Kraft gebe, zu überleben. Er verzeiht seiner Frau und gesteht, dass er das KZ ohne ein Zeichen seiner Frau nicht überlebt hätte – der Weg der Übermittlung sei unwichtig. Sie erzählt von Josefs Überzeugung, dass gemeinsame Liebe alle Widrigkeiten überstehen könne – „amor vincit omnia“. Als seine Bilder entdeckt werden, wird Karl gefoltert – ihm werden beide Hände gebrochen.

Rudi und Helena gelangen zu dem jüdischen Partisanenlager, in dem die überlebenden Juden aus Shitomir, Berditschew und Koritz leben und wo das Paar heiratet. Die Partisanen sind wie eine Familie für das Paar; während Nadja der Braut den Trauring ihrer ermordeten Schwester schenkt, berät Onkel Sascha wie ein Vater den Bräutigam in Fragen der Familienplanung. Der säkulare Rabbi Samuel ruft auch zum bewaffneten Widerstand auf und zitiert dazu eine Stelle aus Samuel 1, in dem David seinen Leuten gebietet, sich mit ihren Schwertern zu gürten. Rudi nimmt mit anderen Partisanen an Überfällen unter anderem auf die ukrainische Miliz teil, zweifelt aber nach dem Überfall an dem Sinn des Tötens. Helena sieht den Sinn in einem späteren gemeinsamen Leben in Palästina und glaubt, dass ihre gemeinsame Liebe vom Schicksal vorbestimmt und ihr Überleben daher gesichert sei: „Wir werden nicht sterben.“ Bei einem Angriff auf das deutsche SS-Hauptquartier im Reichskommissariat Ukraine, bei dem die Partisanen das Munitionsdepot plündern, wird Rudi angeschossen. Helena spricht sich gegen weitere Aktionen der Partisanen aus, da sie um Rudis Leben fürchtet. Da sie jedoch inzwischen den Glauben an das Überleben verloren hat, entscheidet sie sich schließlich, ihren Mann künftig bei Überfällen zu begleiten.

Verschiedene Ereignisse geben Berta und Josef Anlass, über das Leben ihrer beiden Söhne Karl und Rudi zu diskutieren. Als sie das Flugblatt der jüdischen Widerstandskämpfer des Warschauer Ghettos lesen, vergleichen sie unbeabsichtigt die Tapferkeit der Schreiber mit der ihres Sohnes Rudi. Sie haben Vertrauen in ihn, weil er „mit wahrem Eifer“ sich weigere und Widerstand leiste. Angesichts des Hungers und der Not im Warschauer Ghetto äußert Berta wiederholt ihre Sorge um das Leben ihrer Söhne. Josef äußert dabei seine Überzeugung, dass Karl als gelernter Kunstmaler überleben könne, weil er einen Beruf erlernt habe. Berta unterstützt gegen den Willen ihres Mannes den zionistischen Widerstandskämpfer Mordechaj Anielewicz finanziell. Der Zionist, der den Opportunismus – „Höfigkeit und Mütze-Ziehen“ – des Warschauer Judenrats verurteilt und von der Endlösung spricht, soll mit Bertas Geld Waffen für den Widerstand kaufen. Das in Bertas Mantelfutter eingenähte Geld war ursprünglich den hungernden Kindern im Krankenhaus zugedacht. Berta kommt zu dieser Erkenntnis, nachdem sie von dem Kurier Kovel von der Zerstörung des Wilnaer Ghettos und der bevorstehenden Zerstörung des Warschauer Ghettos erfahren hat. Bertas Wandel, hin zu einer zionistischen Gesinnung, ist sogar an ihrem Musikunterricht zu erkennen: spielt sie am Piano zunächst das französische Kinderlied „Sur le pont d’Avignon“, ist es schließlich die israelische Nationalhymne „haTikwa“.

Am Widerstand beteiligen sich auch Bertas Schwager Moses und Aaron Feldmann, die sich als jüdische Waffenschmuggler von dem polnischen Christen Anton Waffen besorgen. Der alte Apotheker Moses vertraut sein Leben dabei dem 13-jährigen Aaron an, der als „Kanalratte“ und „König der Schmuggler“ bekannt ist – „Gibt es eine besseres Paar als Moses und Aaron … Mein Freund [Aaron] ist Spezialist“. Obwohl Anton die jüdischen Schmuggler übervorteilt, ist Moses die Zusammenarbeit mit den polnischen Widerstandskämpfern wichtiger als das Geschäft. So hätten sie denselben Feind und könnten sich gegenseitig dabei helfen, gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen.

Im Warschauer Ghetto wird bekannt, dass die Juden in das KZ Treblinka deportiert werden. Obwohl sie der BBC die Funkmeldung von der Ermordung der Juden durchgeben, wird diese von ihnen nicht gesendet. Josef eröffnet darauf zum Schein eine Krankenstation am Bahnhof und gibt vor, typhus- oder choleraverdächtige Reisende zu behandeln. In Wahrheit möchte er Alte und Kinder vor der Deportation bewahren.

Heydrich stirbt 1942 an den Folgen eines Attentats. Sein Nachfolger wird Ernst Kaltenbrunner, der nun den Massenmord an den europäischen Juden befehligt. Obwohl Erik Dorf wesentlich an der Einführung von Zyklon B in den Gaskammern von Auschwitz beteiligt ist, fällt er bei Kaltenbrunner in Ungnade. Angesichts der drohenden Niederlage und der möglichen Verbreitung „furchtbare[r] Lügen“ über die Ereignisse in Polen und Russland ist Dorf verzweifelt, weint und kritisiert die Devise „glaube und führe Befehle aus“. Er betont gegenüber seiner Frau, dass er nur Deutschland „dienen“ wollte und Befehle der obersten Führung befolgt habe.

Teil 4: Die Überlebenden[Bearbeiten]

Nachdem Martha von der Andeutung Eriks über „furchtbare Lügen“ gehört hat, findet sie bei Eriks Dokumenten den Befehl, die in Babyn Yar verscharrten Leichen auszugraben und zu verbrennen. Sie meint, aus seinem ganzen Verhalten gehe hervor, dass er sich für seine Aufgaben in Babyn Yar schäme. Erik wundert sich darüber, dass Martha nicht über die Ermordung von Frauen und Kinder erbost ist, sondern darüber, dass er „nicht besonders stolz darauf“ ist. Sie beschwört ihn, seine Pflicht bis zum Endsieg zu erfüllen. Das würde die Menschen davon überzeugen, dass er das Richtige tue. Erik befolgt den Ratschlag seiner Frau, während sie nun Angst hat, „dass wir bestraft werden. Wir alle.“

April 1943: Der Aufstand im Warschauer Ghetto beginnt; an ihm sind Aaron, Zalman, Eva und Josefs Bruder Moses beteiligt. Durch den bewaffneten Widerstand empfindet sich Moses zum ersten Mal als Jude und dass er das Blut König Davids in sich trage und belegt dies mit dem Kampf des jungen David gegen den übermächtigen Philister Goliath: „Wir haben die Philister geschlagen, aufs Haupt“. Nach 20 Tagen sind weite Teile des Ghettos verwüstet, und die verbleibenden Widerstandskämpfer, darunter Moses, verschanzen sich in den Kellern der Gebäude, ohne aufgeben zu wollen. Sie sind bereit, für etwas zu sterben, das einen Sinn hat. Erst als Gas in die Keller geleitet wird, gibt Mordechaj Anielewicz die Aufgabe des Widerstands bekannt, und die Menschen haben die Wahl zwischen Freitod mit Gift oder Flucht. Die Flüchtenden singen beim Gang durch die Keller haTikwa, werden aber auf der anderen Seite von der SS empfangen. Sie beten das Schma Jisrael, als sie erschossen werden.

Dorf wird von Kaltenbrunner mit den Sonderbehandlungen der Juden in den Lagern im Osten beauftragt. Bei einem Besuch bewundert Prof. Pfannenstiel von der Universität Marburg, Fachbereich Hygiene, die Effizienz der Gaskammern und vergleicht das Sterben der Juden mit dem Werk von DantesInferno“. Obwohl der Reichsführer den Abbruch der KZs erwägt, kann Dorf ihn davon überzeugen, diese „als Monumente des Dienstes, den sie für die Menschheit geleistet haben“, zu bewahren. Das KZ Auschwitz sollte ein „Präzedenzfall auf internationaler Ebene“ werden. Es dürfe weder Reue noch Schuldbekenntnis oder Selbstanklage wegen der Ermordung der Juden geben, sie seien aus „moralischen und rassehygienischen Gründen“ zu diesem Handeln gezwungen gewesen.

Josef und Berta Weiss werden zusammen mit Herrn und Frau Levy nach Auschwitz deportiert, nachdem sie in Warschau versucht hatten, Juden des Ghettos vor der Deportation zu bewahren. Josef vergleicht das Lager mit der Hölle und vertritt die Ansicht, der Wunsch, im Lager zu überleben, sei eine Form des Widerstands. Jetzt wird auch der Gesinnungswandel bei Josef hin zu den Wurzeln des Zionismus deutlich: Verfolgt zu werden, sei der Beweis dafür, dass es ein jüdisches Volk gebe. Auch hier wird wieder das Leben der Söhne nun im Sinne der historischen Wurzeln des Zionismus diskutiert. So soll der überlebende Teil der Eheleute die Söhne finden und unterstützen –„[n]icht nur, weil wir eine Familie sind, sondern weil wir Juden sind. “ Bis zuletzt spenden Josef und Berta anderen Mitgefangenen – wie Herrn Levy bzw. Sofia Alatri – Trost und Beistand in der Stunde des Todes. Kurt Dorf, der Onkel Eriks, der als Beauftragter für den Straßenbau in Auschwitz tätig ist, versucht Josef und andere Juden so gut wie möglich zu schützen. Doch das Dazwischentreten seines Neffen verhindert dies. Bei einem heftigen Streit in dieser Sache sagt Kurt zu Erik, dass er froh sei, dass Eriks Vater nicht mehr erleben müsse, was aus seinem Sohn geworden sei. Berta und Josef werden kurz hintereinander in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.

In der Ukraine plant die Partisanengruppe einen Anschlag auf einen deutschen Mannschaftstransport. Neben Rudi ist auch Helena beteiligt. Der Anschlag misslingt. Helena wird auf der Flucht erschossen und Rudi gefangengenommen. Er wird in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo ihm schließlich mit einer Gruppe Rotarmisten von der 51. Division unter Leitung des Russen Barski die Flucht aus dem Lager gelingt. Rudi erreicht schließlich das nun befreite Ghetto Theresienstadt, wo er Inga mit ihrem kleinen Sohn trifft, den sie nach dem Großvater „Josef“ nennt. Inga hatte sich in das Ghetto Theresienstadt verlegen lassen, wo sie von Karl schwanger wurde. Rudi erfährt, dass Karl im Ghetto Theresienstadt wegen kritischer Zeichnungen gefoltert und schließlich in das KZ Auschwitz deportiert wurde, wo er starb. Inga fragt ihn, ob er von dem Schicksal seiner Eltern in Auschwitz erfahren habe. Ihm sei das bekannt und er erwähnt „… The murder of people like that, and millions of others.“ Inga antwortet: „You can hate me … for being one of them.“ Rudi wird von einem Mitarbeiter der Jewish Agency for Palestine angeworben, um überlebende jüdische Kinder aus Thessaloniki nach Palästina zu schmuggeln, und wird so einer der Helfer der Staatsgründung Israels.[1]

Bei Kriegsende klagt Captain John Cassidy den als Kriegsverbrecher inhaftierten Erik Dorf an. Er sei der Oberaufseher bei Vergasungen in Auschwitz und anderen Lagern gewesen und sei verantwortlich für Massenerschießungen von Russen und Polen. Beide Staaten verlangten nun seine Auslieferung. Er selbst würde es vorziehen, ihn den Juden auszuliefern, vor allem den Eltern der ermordeten Kinder. Erik Dorf begeht daraufhin mit Gift Selbstmord. Kurt Dorf spricht gegenüber Frau Dorf mit ihren Kindern Peter und Laura von einer Kollektivschuld – sie hätten sich alle mitschuldig gemacht, weil sie alle mitangesehen, geschwiegen und nichts getan hätten. Doch Frau und Kinder bleiben uneinsichtig, in der nationalsozialistischen Gesinnung verhaftet und sehen den toten Erik Dorf als Helden.

Die US-amerikanische Fassung bietet noch 8 weitere Minuten. Diese spielen einige Jahre nach Ende des Krieges. Rudi besucht Inga, die die Zeichnungen ihres toten Ehemannes veröffentlicht hat und inzwischen Mutter eines Sohnes, Josef (nach seinem Großvater), ist. Rudi lernt somit seinen Neffen kennen und spielt anschließend mit Kindern Fußball. - Wie zu Beginn des Filmes.[2]

Hintergrund[Bearbeiten]

Die US-Serie stellte Ende der 1970er Jahre sowie in den 1980er Jahren einen bedeutenden Schritt der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit dar: Zum ersten Mal sahen große Teile der Deutschen und Österreicher (wie auch anderer Nationen) freiwillig das Leid, das die Nationalsozialisten den Juden angetan hatten. Obwohl die Hauptfiguren fiktiv sind, steht ihr Schicksal stellvertretend für die realen Opfer.

Gedreht wurde in Deutschland und Österreich. Das KZ Mauthausen in Österreich bildete beispielsweise die Kulisse des KZ Auschwitz-Birkenau, obwohl die beiden Lager in ihrem Grundriss wenig gemein haben. Die Szene in Hadamar allerdings entstand am Originalschauplatz. Die Szenen, die im Ghetto Theresienstadt spielen, wurden in der oberösterreichischen Kleinstadt Freistadt aufgenommen.

Für die damals wenig bekannten Charakterdarsteller wie James Woods und Meryl Streep bedeutete die Serie den Durchbruch zu internationaler Bekanntheit. Auch weitere Darsteller (Rosemary Harris von Spider-Man und Ian Holm von Der Herr der Ringe) wurden später ein Begriff.

Lediglich die Tatsache, dass jedes relevante Ereignis des Holocausts innerhalb einer Familie erlebt wird, mag bezweifelt werden. So erleben Josef und Moses Weiss den Aufstand im Warschauer Ghetto, Karl und Inga die Doppelfunktion des Ghetto Theresienstadt (sowohl Durchgangslager als auch Vortäuschung der „humanen“ Behandlung der Juden durch die Nationalsozialisten) und Rudi und Helena sowohl die Massenexekution in Babyn Jar als auch die Kämpfe der Partisanen in der ukrainischen Widerstandsbewegung.

Vorbild für die Romanfigur des Malers Karl Weiss war der deutsche Zeichner Leo Haas.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss löste besonders in Deutschland die Diskussion aus, ob es legitim sei, die undarstellbaren Schrecken des industriellen Mordes an den Juden fiktional zu inszenieren. Eine fiktionale Darstellung des Holocaust führe zu einer Trivialisierung der Geschichte, hieß es.

Der Schriftsteller Elie Wiesel bemängelte, der Film sei eine aus kommerziellem Kalkül produzierte Seifenoper und eine „Beleidigung für die, die umkamen, und für die, die überlebten“.[4] In der Bundesrepublik überwogen anfänglich in den Veröffentlichungen ästhetische und antikommerzielle Vorbehalte. Bedenken gab es gegen die unrealistisch konstruierte Handlung, die historische Fakten mit erfundenen Versatzstücken verknüpfte und auf Emotionen setzte. Einigen Figuren wurde ein aktives Widerstandsverhalten zugeschrieben, das der Gefühlslage und dem Wunschdenken jüdischer Zuschauer entgegenkam. Im Film wird ausgespart, dass auch Österreicher Täter und Opfer des Jahrhundertverbrechens waren.

Nach der Ausstrahlung der Serie überwogen die positiven Stimmen zu dieser „Geschichtsvermittlung“, die ohne prinzipielle Verfälschung und ohne Kollektivschuldvorwurf gegen alle Deutschen ausgekommen sei.[5]

Zu den Sachfehlern gehören:

  • (Teil 1): In der Szene, in der Erik Dorf und Heydrich die Reichspogromnacht (1938) besprechen, trägt Heydrich Abzeichen am Kragen, die es vor 1942 noch nicht gegeben hatte.
  • (Teil 3): Arthur Nebe wird sowohl im Film als auch im amerikanischen Abspann mit dem Armeedienstgrad Oberst (entspricht dem SS-Standartenführer) betitelt, obwohl er in der SS war. 1941, als die Einsatzgruppen in Russland operierten, war Nebe SS-Gruppenführer (entspricht Generalleutnant).

Wirkung[Bearbeiten]

Die Folgen wurden innerhalb von fünf Tagen im Dritten Fernsehprogramm ausgestrahlt. An den einzelnen Tagen sahen zwischen zehn bis fünfzehn Millionen die Sendung. „Holocaust“ wurde, anders als viele Dokumentationen über das nationalsozialistische Deutschland, zu einem Medienereignis, das eine ungemein heftige öffentliche Diskussion über die dargestellten Ereignisse initiierte. Die Fernsehserie wird als „medien- und erinnerungsgeschichtliche Zäsur“ bezeichnet und ihr sogar als Wirkung zugeschrieben, dass der Bundestag 1979 die Verjährungsfrist für Mord aufhob.[6]

Der Politologe Peter Reichel bezeichnet die Ausstrahlung der Fernsehserie als einen Meilenstein in der Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik; sie markiere „den Beginn der Bereitschaft nun auch eines Massenpublikums, sich mit der NS-Vergangenheit überhaupt auseinanderzusetzen.“[7]

Erst mit der Ausstrahlung von „Holocaust“ etablierte sich in Deutschland die Nutzung des von vielen als unpassend erachteten Begriffs Holocaust für die von den Nazis als Endlösung bezeichnete Vernichtung der Juden. Davor sprach man vom „Völkermord an den Juden“. Der Begriff Holocaust aus der christlichen Tradition bedeutet „Brandopfer“.

Peter Naumann, Rechtsterrorist und heute Politiker der NPD, sprengte mit zwei Komplizen während der Ausstrahlung der einführenden Dokumentation Endlösung die beiden Sendemasten der ARD Sender Koblenz (Dieblich-Naßheck) sowie den Longinusturm am Sender Nottuln, um die Ausstrahlung zu verhindern.[8] Betroffen waren circa hunderttausend Fernsehgeräte.[9] Der Sprengstoffanschlag war eine der ersten rechtsterroristischen Aktionen Nachkriegsdeutschlands.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Serie erhielt 15 Emmy-Nominierungen und wurde mit acht Emmys ausgezeichnet.

Auszeichnungen:

  • Bestes Kostümdesign
  • Beste Regie
  • Bester Schnitt
  • Bester Hauptdarsteller: Michael Moriarty
  • Beste Hauptdarstellerin: Meryl Streep
  • Beste Serie
  • Beste Gastdarstellerin in einer Serie: Blanche Baker (Teil 1)
  • Bestes Drehbuch

Nominierungen:

Fernsehen

Der WDR wurde für die Ausstrahlung der deutschen Version mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

Eine DVD-Fassung des Films erschien 2008 bei Weltbild. Diese um circa 20 Minuten gekürzte Fassung, die identisch mit der deutschen Ausstrahlung war, ist mittlerweile vergriffen. Eine Neuveröffentlichung des Films erschien 2009 über Polyband auf insgesamt vier DVDs.[11][12][13]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudi trifft die Überlebenden seiner Familie in der englischen Originalversion In der deutschen Fassung fehlt die Schluss-Sequenz von sieben Minuten Länge. Im Original endet der Film mit Rudi Weiss als Helfer bei der Staatsgründung Israels und schließt damit mit einem hoffnungsvollen Schluss ab. Vgl. Susanne Brandt: Wenig Anschauung? Die Ausstrahlung des Film „Holocaust“ im westdeutschen Fernsehen (1978/79). In: Christoph Cornelißen u. a. (Hrsg.): Erinnerungskulturen. Deutschland, Italien und Japan seit 1945. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-596-15219-4, S. 258.
  2. US-Ende des Filmes
  3. Wolf H. Wagner: Der Hölle entronnen. Stationen eines Lebens. Eine Biografie des Malers und Graphikers Leo Haas. Henschel Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-362-00147-5, S. 81: „Als der US-amerikanische Autor Gerald Green in den siebziger Jahren für sein Buch über die Maler des Ghettos recherchierte, stieß er auf die ‚Affäre‘. Er befragte auch Leo Haas und verwandte dessen Geschichte für die Person des Karl Weiß in seinem Roman ‚Holocaust‘ sowie im Drehbuch zum gleichnamigen Film.“
  4. Zitat nach Peter Reichel: Erfundene Erinnerung – Weltkrieg und Judenmord in Film und Theater. Fi-Tb 16805, Frankfurt/M 2007, ISBN 3-596-16760-4, S. 253.
  5. Peter Reichel: Erfundene Erinnerung … S. 258/259.
  6. Frank Bösch: Film, NS-Vergangenheit und Geschichtswissenschaft. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 54(2007), S. 2.
  7. Peter Reichel: Erfundene Erinnerung… S. 261.
  8. Artikel über „Peter Naumann“ im Lexikon Rechtsextremismus von Netz gegen Nazis, abgefragt am 12. Januar 2012.
  9.  Holocaust: Die Vergangenheit kommt zurück. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1979, S. 18 (online).
  10.  Armin Pfahl-Traughber: Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Analyse zu Entwicklung, Gruppen und Vergleich. In: Einsichten und Perspektiven. Nr. 1, 2012 (Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Analyse zu Entwicklung, Gruppen und Vergleich (Version vom 26. Dezember 2012 im Webarchiv Archive.today)).
  11. Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss DVD - Kritik - Trailer - Film
  12. Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss - Details zur DVD - DVD-PALACE Home Entertainment
  13. Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss in der Online-Filmdatenbank