Kirchderne

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Kirchderne
Stadt Dortmund
Koordinaten: 51° 33′ N, 7° 30′ OKoordinaten: 51° 33′ 19″ N, 7° 30′ 28″ O
Höhe: ca. 65 m ü. NHN
Fläche: 2,45 km²
Einwohner: 4018 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.640 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1928
Postleitzahl: 44329
Vorwahl: 0231
Statistischer Bezirk: 23
KarteStadtbezirk AplerbeckStadtbezirk BrackelStadtbezirk EvingStadtbezirk HombruchStadtbezirk HördeStadtbezirk HuckardeStadtbezirk Innenstadt-NordStadtbezirk Innenstadt-OstStadtbezirk Innenstadt-WestStadtbezirk LütgendortmundStadtbezirk MengedeStadtbezirk Scharnhorst
Karte
Lage von Kirchderne in Dortmund
Dionysiuskirche Kirchderne
Dionysiuskirche Kirchderne

Kirchderne ist der Statistische Bezirk 23 und zugleich ein nordöstlicher Stadtteil der kreisfreien Großstadt Dortmund. Er liegt im Stadtbezirk Scharnhorst.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa sechs Kilometer nordöstlich der Dortmunder Innenstadt. Heute wird der Ort durch die Bundesstraße 236 in zwei Siedlungsbereiche geteilt.

Im größeren westlichen Siedlungsbereich befinden sich überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser, sowie die zwischen der Derner Straße und dem Bahndamm der Linie U42 gelegene Hochhaussiedlung.

Im kleineren östlichen Siedlungsbereich befinden sich hingegen überwiegend kleinere Mehrfamilienhäuser, sowie Zechenhäuser.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchderne wurde erstmals 1147 mit in Therne ecclesiam im Urkundenbuch St. Severin erwähnt. 1161 wurde der Ort de ecclesia Derne, 1189 parrochia Derne und 1270 curtim Cumpe apud Derne scitam urkundlich genannt. 1346 wird der Ort im Volmarsteiner Lehnsregister geführt und 1355 im Urkundenbuch des Klosters Clarenberg erwähnt. Ab 1705 erscheint erstmals der heutige Ortsname Kirchderne.

Kirchderne gehörte im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit mit eigener Bauerschaft (Kerckdern) und Kirchspiel im Amt Lünen (historisch) zur Grafschaft Mark. Laut dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 hatten die 15 Steuerpflichtigen Hofbesitzer in der Bauerschaft zwischen 2 oirt und 6 Goldgulden an Abgabe zu leisten. Darunter bemerkenswert viele große Höfe mit Abgaben von 5 und 6 Goldgulden.[2] Im Jahr 1705 waren in der Bauerschaft 8 Steuerpflichtige und im Dorf 19 Steuerpflichtige mit Abgaben an die Rentei Lünen im Kataster verzeichnet.[3]

Die Deutung des Ortsnamens kann mit versteckte Stelle’ umschrieben werden. Es kann sich um Vegetation, etwa einen Baumbestand gehandelt haben, oder aber das leicht wellige Gelände um Kirchderne, das je nach Blickrichtung von außen den Ort verborgen haben mag.[4]

Im 19. Jahrhundert war Kirchderne eine Landgemeinde im Landkreis Dortmund und Amt Lünen. 1885 hatte die Gemeinde (plus 6 Wohnplätze) eine Fläche von 5,40 km², davon 351 ha Ackerland, 36 ha Wiesen und 32 ha Holzungen. Es gab 82 Wohngebäude mit 109 Haushaltungen und 638 Einwohner.[5]

Bis zur Industrialisierung war Kirchderne wie der Nachbarort Derne landwirtschaftlich geprägt. Nach dem Aufkommen der Montanindustrie lag Kirchderne im Schatten der südlich gelegenen Westfalenhütte und wurde im Norden durch die Zeche Gneisenau begrenzt. Ein Ehrenmal erinnert in Kirchderne an eine der größten Katastrophen im deutschen Bergbau. Bei einer Schlagwetterexplosion auf der Zeche Minister Stein starben am 11. Februar 1925 136 Bergleute.

Am 1. April 1928 wurde Kirchderne nach Dortmund eingemeindet.[6]

Im Juni 1989 reiste Michail Gorbatschow nach Kirchderne, um die Westfalenhütte zu besuchen.[7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur der Kirchderner Bevölkerung:

  • Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 19,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)][9]
  • Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 20,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)][10]
  • Ausländeranteil: 17,9 % [Dortmunder Durchschnitt: 21,3 % (2022)][11]
  • Arbeitslosenquote: 9,6 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)][12]

Das durchschnittliche Einkommen in Kirchderne liegt etwa 20 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1987 2003 2008 2010 2013 2016 2018 2020 2022
Einwohner 4011 4070 3893 3953 3994 4088 4074 4124 4018

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche St. Bonifatius

Im Ortskern des Stadtteils findet sich die historische Dionysiuskirche, die erstmals am 6. August 1032 urkundlich erwähnt wurde.

Heute gibt es in Kirchderne drei Kirchengemeinden:

  • Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius
  • Evangelische Kirchengemeinde St. Dionysius Kirchderne
  • Neuapostolische Kirche Kirchderne

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Dortmund-Kirchderne
U-Bahnhof Kirchderne

An das Netz der Bahn ist Kirchderne über den Haltepunkt Dortmund-Kirchderne[13] an der Westmünsterland-Bahn (Dortmund–Enschede) und mit der Verbindung Der Lüner (Dortmund–Münster) angebunden. Mit der Stadtbahnlinie U42 der DSW21 erreicht man in wenigen Minuten die Dortmunder Innenstadt. Eisenbahn und Stadtbahn kreuzen sich zwar im östlichen Teil Kirchdernes in der Karmschen Heide, besitzen dort aber keine Verknüpfung.

Linie Verlauf / Anmerkungen Takt (Mo–Fr)
RB 51 Westmünsterland-Bahn:
Dortmund Hbf – Dortmund-Kirchderne – Dortmund-Derne – Lünen-Preußen – Lünen Hbf – Bork (Westf) – Selm-Beifang – Selm – Lüdinghausen – Dülmen – Lette (Kr Coesfeld) – Coesfeld (Westf) – Rosendahl-Holtwick – Legden – Ahaus – Epe (Westf) – Gronau (Westf) – Glanerbrug – Enschede De Eschmarke – Enschede
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2023
60 min
20/40 min (Dortmund–Lünen , nicht sonntags)
U 42 DO-Grevel Droote – Scharnhorst Zentrum Flughafenstraße – Gleiwitzstraße – Kirchderne Franz-Zimmer-Siedlung – Schulte Rödding – Bauernkamp – An den Teichen – Burgholz – Eisenstraße – Glückaufstraße – U Brunnenstraße – U Brügmannplatz – U Reinoldikirche Stadtbahn U Stadtgarten Stadtbahn U Städtische Kliniken U DO-Möllerbrücke S-Bahn U Kreuzstraße – Theodor-Fliedner-Heim – An der Palmweide – Am Beilstück – Barop Parkhaus Eierkampstraße – Harkortstraße – Hombruch Hallenbad – Dortmund, Grotenbachstraße
Diese Linie verkehrt auf der Stammstrecke II
10 min

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Team des Integrationssportclub Viktoria Dortmund-Kirchderne ist Gründungsmitglied der Blindenfußball-Bundesliga sowie Vize-Europacup Sieger 2007 im Torball.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dortmund-Kirchderne – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen in den statistischen Bezirken am 31.12.2022 (PDF; 76 kB)
  2. Aloys Meister: Die Grafschaft Mark, Festschrift zum Gedächtnis der 300-jährigen Vereinigung mit Brandenburg-Preußen. 2. Band, Dortmund 1909, S. 35 – Auszug aus dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Bauerschaft Kirchderne)
  3. Westfälisches Schatzungs- und Steuerregister, Band 6, Münster 1980. Darin: Kataster der Kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark 1705, Bearb. von Willy Timm, S. 116/117
  4. Michael Flöer: Die Ortsnamen der Stadt Dortmund und der Stadt Hagen, in: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 16, Bielefeld 2021, S. 62/65
  5. Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Berlin 1887, S. 82/83, Online-Ausgabe Münster, Universitäts- und Landesbibliothek 2014
  6. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 253.
  7. Vor 30 Jahren: Der Tag, an dem Michail Gorbatschow nach Kirchderne kam. Abgerufen am 20. Oktober 2021.
  8. Gorbatschow besuchte Hoesch-Arbeiter. Abgerufen am 20. Oktober 2021.
  9. Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen Statistikatlas 2019 (PDF; 9,1 MB)
  10. Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen Statistikatlas 2019 (PDF; 9,1 MB)
  11. Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2022 (PDF; 76 kB)
  12. Arbeitslosenquoten nach statistischen Bezirken am 30. Juni 2017 (Memento vom 25. Juni 2018 im Internet Archive) (PDF-Datei)
  13. Dortmund-Kirchderne auf bahnhof.de