Ohrenbär

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Ohrenbär – Radiogeschichten für kleine Leute ist eine in Deutschland ausgestrahlte literarische Hörfunksendung für Kinder zwischen vier und acht Jahren.

Sender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ohrenbär ist eine Produktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg, der mit NDR Info und WDR 5 kooperiert. Die Sendung wird täglich vor 20 Uhr ausgestrahlt, bei den drei Sendern jedoch zu jeweils unterschiedlichen Zeiten.

Auf der Homepage des RBB gibt es verpasste Folgen zum Nachhören als Podcast, seit April 2014 sogar mit einem Feed.[1]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sendung beginnt mit dem Peter-Motiv aus dem musikalischen Märchen Peter und der Wolf von Sergej Prokofjew. Die Gutenachtgeschichten werden eigens für die Sendereihe geschrieben und von professionellen Sprechern gelesen. Die meisten Geschichten werden als Fortsetzungsgeschichten in mehreren Teilen erzählt, die sich so über eine ganze Woche entwickeln. Früher sagte am Ende der Sendung eine Kinderstimme: „Der Ohrenbär, der geht jetzt schlafen. Aber morgen ist er wieder da, mit neuen Radiogeschichten für kleine Leute. Gute Nacht für heute.“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ohrenbär-Sendung wurde am 1. Oktober 1987 vom Sender Freies Berlin (SFB) ausgestrahlt. Entwickelt und bis Ende 2000 betreut wurde diese Reihe von der SFB-Redakteurin Marianne Wagner. 1997 erhielt die Sendung zwei Auszeichnungen der Stiftung Lesen. 2001 rief der Ohrenbär zum ersten Mal zur Teilnahme an einem Malwettbewerb auf. Der erste Wettbewerb hatte das Thema „Ohrenbär bekommt ein Gesicht“. Die Malwettbewerbe werden seither jährlich veranstaltet. Seit 2003 gibt es den Schreibwettbewerb für Kinder. Am ersten Schreibwettbewerb beteiligten sich Kinder aus 30 Klassen des dritten Jahrgangs. Der NDR, der den Ohrenbären bis 2002 kurz nach 19 Uhr begonnen hatte, verschob die Ausstrahlung 2003 um eine Dreiviertelstunde nach hinten.[2] Der WDR strahlt die Sendung seit 2004 im Rahmen der Sendung Bärenbude aus,[3] zuvor lief seit 1989 die Sendung im Musikprogramm des Schlagerradios WDR 4. Im Oktober 2007 wurde der 20. Geburtstag der Sendung mit einem Kinderfest in Berlin gefeiert. Als „Gäste“ nahmen die Bären „Johannes“ und „Stachel“ aus der WDR-Bärenbude teil.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Grammophon sind von 1998 bis 2003 mehr als 35 Tonträger mit Geschichten aus den Ohrenbär-Sendungen erschienen. Nach 2003 wurden in loser Folge Erzählungen von den Hörbuchverlagen DAV und edelkids veröffentlicht. Zusätzlich erschien im Jahr 2008 ein Ohrenbär-Vorlesebuch.

Kooperierende Sender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produzierender Sender war und ist seit 1987 der Sender Freies Berlin bzw., nach dem Verbund von SFB und ORB, der Rundfunk Berlin-Brandenburg (kurz rbb), der diese Reihe bis heute auf der seit Sendebeginn angestammten Berliner UKW-Hörfunkfrequenz 88,8 ausstrahlt (zuerst auf SFB 1, derzeit auf Radio Berlin 88,8). Damit die Reichweite erhöht und die Produktionskosten gesenkt werden konnten, wurden jedoch schon sehr bald Kooperationen mit anderen ARD-Hörfunksendern angestrebt, deren Anzahl zwischen einem und drei Partnern schwankte und sich seit 1997 auf zwei stabilisiert hat.

Nahezu von Anfang dabei war der Westdeutsche Rundfunk Köln – bis 2003 auf dem Hörfunksender des WDR 4, seit 2004 auf WDR 5. Ihm folgt als zweitlängster Kooperationspartner der Norddeutsche Rundfunk, der seit 1993 anfangs auf NDR 4, derzeit auf NDR Info die Sendung ausstrahlt. Lediglich für ein Jahr waren der Hessische Rundfunk (1989) sowie das später im Mitteldeutschen Rundfunk aufgehende Sachsen Radio (1991) dabei. Der MDR beteiligte sich dann noch von 1992 bis 1996 an dieser Kooperation. Die nachfolgend noch einmal tabellarisch aufgeführten Sender strahlten die jeweiligen Ohrenbär-Folgen meist nur um wenige Minuten versetzt aus.

  • 1989: SFB, WDR, HR
  • 1990: SFB, WDR
  • 1991: SFB, WDR, Sachsen Radio
  • 1992: SFB, WDR, MDR
  • 1993–1996: SFB, WDR, MDR, NDR
  • 1997: SFB, WDR, NDR
  • ab 2003: rbb, WDR, NDR

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zielsetzung der Sendung Ohrenbär war, für die Kinder „mal mit heiterem, mal mit nachdenklichem Grundton“ verlässlich den Tagesausklang zu markieren.[4] So wird der Ohrenbär von vielen Hörern als Freund angesehen, auch über die Kindheit hinaus. Über ihn sagte Simon Lenartz vom Webradio „eldoradio“: „Der Ohrenbär war ein guter Freund von mir. Er hat mich mit seiner Stimme getröstet, mich mit seiner Musik sanft zugedeckt und mit seinen Geschichten ins Bett gebracht.“[5]

Im Handbuch Medienerziehung im Kindergarten von 1994 wird die Mehrheit der Beiträge jedoch als „banal unterhaltend“ kritisiert. Sie seien „manchmal erkennbar belehrend, anstatt produktiv zu irritieren“.[6]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weit mehr als 100 Autoren haben im Lauf der Jahre einzelne oder gleich mehrere Folgen für den Ohrenbär geschrieben - darunter auch einige, die nicht ausschließlich mit Kinder- und Jugendliteratur hervorgetreten sind.

Seit den Anfängen für einige Jahre als eine der Redakteurinnen des Ohrenbären tätig, hat Sabine Ludwig gleich mehrere Serien von zwei bis sieben Folgen in dieser Sendereihe veröffentlicht. Ebenfalls eine große Anzahl von mehrteiligen Folgen verfassten unter anderem Renate Ahrens-Kramer, Katrin Askan, Herbert Beckmann, Georg K. Berres, Martina Dierks, Martin Ebbertz, Günther Feustel, Mario Göpfert, Annette Herzog, Kemal Kurt, Marjaleena Lembcke, Joy Markert, Gudrun Mebs, Hermann Mensing, Heinrich Peuckmann, Nina Petrick, Charlotte Richter-Peill, Hubert Schirneck und Karla Schneider. Einzelne Serien schrieben unter anderem Petra A. Bauer, Gudrun Brug, Gisela Degler-Rummel, Elke Hermannsdörfer, Petra Kasch, Ulrich Karger und Franjo Terhart.

Sprecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ohrenbär-Beiträge wurden und werden ausschließlich von professionellen Schauspielern oder Synchronsprechern gesprochen. Zu ihnen gehören Helene Grass, Imogen Kogge, Astrid Kohrs, Regina Lemnitz, Christiane Leuchtmann, Sabine Sinjen, Brita Sommer, Jürgen Thormann, Gerd Wameling.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redaktion Ohrenbär wurde 1997 von der Stiftung Lesen mit dem „AusLese“-Jahrespreis sowie dem Monatspreis Oktober ausgezeichnet.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ohrenbär Podcast auf ohrenbaer.de, zuletzt abgerufen am 3. April 2014
  2. Ernst Hoffmann: „Gute Nacht, Ohrenbär!“ In: Die Welt, 12. Dezember 2002.
  3. Bärenbude beim WDR
  4. Sonja Gähler: Ohrenbär – Radiogeschichten für kleine Leute. In: Wolfgang Schill, Jürgen Linke, Dieter Wiedemann (Hrsg.): Kinder und Radio. kopaed, München 2004, ISBN 3-935686-78-1, S. 94.
  5. Simon Lenartz auf eldoradio.de
  6. Horst Heitmann: Hörfunk für Vorschulkinder In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Handbuch Medienerziehung im Kindergarten (Teil 1), Opladen 1994, S. 323–329 (PDF-Datei; 32 kB)
  7. ohrenbaer.de Hinweis auf Auszeichnungen der Stiftung Lesen