Sokolac

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sokolac
Соколац

Wappen von Sokolac

Sokolac (Bosnien und Herzegowina)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Koordinaten: 43° 56′ N, 18° 48′ O43.93722222222218.798333333333870Koordinaten: 43° 56′ 14″ N, 18° 47′ 54″ O
Höhe: 870 m. i. J.
Fläche: 729 km²
Einwohner: 12.607 (2013)
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 57
Postleitzahl: 71350
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Milovan Bjelica (SDS)
Webpräsenz:

Sokolac (kyrill. Соколац) ist eine Stadt und die zugehörige Verbandsgemeinde im Osten von Bosnien und Herzegowina. Es gehört zur Republika Srpska, einer von zwei Entitäten des südosteuropäischen Staates. Die dünn besiedelte Gemeinde Sokolac gehört zum Stadtgebiet von Istočno Sarajevo.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Sokolac befindet sich auf der Glasinac-Hochebene zwischen 700 und 1450 m Höhe etwa 40 km östlich von Sarajevo. Im Westen reicht das Gemeindegebiet bis auf den Kamm des Romanija-Gebirges, im Osten begrenzt der Devetak die Gemeinde. 6 km nördlich der Stadt Sokolac entspringt bei der Siedlung Turkovići die Bioštica, der linke Quellfluss der Krivaja.

Das Gemeindegebiet wird begrenzt von den Verbandsgemeinden Han Pijesak im Nordosten, Rogatica im Südosten, Pale und Istočni Stari Grad im Süden sowie Ilijaš und Olovo (beide Föderation) im Westen. Seit dem Bosnienkrieg bildet die Entitätengrenze zur Föderation die Westgrenze der Gemeinde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören 88 Siedlungen, die den 10 Lokalgemeinschaften Bjelosavljevići, Čavarine, Kaljina, Knežina, Košutica, Podromanija, Sokolac, Sokolovići, Šahbegovići und Žljebovi zugeordnet werden.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Zur Volkszählung 1991 hatte die Gemeinde 14.883 Einwohner. Davon bezeichneten sich 10.195 (68,5 %) als Serben, 4493 (30,18 %) als Bosniaken und 195 (1,31 %) als Angehörige anderer Volksgruppen.

In der Stadt Sokolac selbst lebten damals 6092 Menschen. Davon waren 5712 (93,76 %) Serben. Dorfgemeinschaften mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit waren Kaljina (65,57 %), Knežina (72,96 %), Šahbegovići (63,5 %) und Žljebovi (60,14 %). Im Bosnienkrieg wurden fast alle muslimischen Bewohner aus der Gemeinde vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg unterhielt die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee nahe Sokolac ein strategisch wichtiges Flugfeld.

Während des Bosnienkrieges war Sokolac Standort eines Kommandobunkers der VRS und ein Einsatzzentrum des Ostbosnischen Korps (auch Sarajevo-Romanija-Korps). Die wichtigste SA-6-Flugabwehrstellung der bosnischen Serben befand sich ebenfalls in Sokolac. Sie wurde am 30. August 1995 durch ein NATO-Bombardement zerstört[1]. Sokolac selbst erlitt kaum Kriegsschäden, da es über die ganze Zeit hinweg unter Kontrolle der VRS stand. Allerdings waren mehrere muslimische Siedlungen in der Gemeinde von ethnischen Säuberungen betroffen. Von Mai bis September 1992 soll es im Ort zu organisierten Vergewaltigungen von muslimischen Frauen gekommen sein[2].

Während und nach dem Krieg war Sokolac kurzzeitig Sitz des serbisch-orthodoxen Metropoliten, bevor dieser in die Kathedrale nach Sarajevo zurückkehrte.

Heute sind italienische EUFOR-Soldaten in Sokolac stationiert.

Sport[Bearbeiten]

Der örtliche Fußballverein FK Glasinac Sokolac spielte von 1993 bis 2004 in der ersten bosnischen Liga und seitdem in der ersten Liga der Republike Srpske.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die größten Wirtschaftszweige sind Forstwirtschaft und die holzverarbeitende Industrie.

Verkehr[Bearbeiten]

Über die Magistralstraße 19 ist Sokolac mit Sarajevo (51 km) und Vlasenica (50 km) bzw. Zvornik (102 km) verbunden. Im Gemeindeteil Podromanija (4 km westlich von Sokolac) zweigt die M 19-3 ab, die über Rogatica nach Višegrad führt.

Eine Eisenbahnanbindung existiert nicht.

Quellen[Bearbeiten]

  1. James Gow: The Serbian project and it's adversaries, C. Hurst & Co., 2003, Seite 195.
  2. Alexandra Stiglmayer: Mass Rape: The War Against Women in Bosnia-Herzegovina, University of Nebraska Press 1994, Seite 131.

Weblinks[Bearbeiten]