Italien beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Italiens
Übertragende Rundfunkanstalt
RAI
Erste Teilnahme
1956
Anzahl der Teilnahmen
40 (Stand 2014)
Höchste Platzierung
1 (1964, 1990)
Höchste Punktzahl
189 (2011)
Niedrigste Punktzahl
0 (1966)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
56,08 (Stand 2014)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
3,53 (Stand 2014)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Italiens als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme[Bearbeiten]

Italien nahm bereits an der ersten Ausgabe des Eurovision Song Contest 1956 und von da an bis einschließlich 1980 jedes Jahr am Wettbewerb teil. 1981 und 1982 blieb das Land wegen interner Querelen mit der EBU dem Wettbewerb fern, 1986 sowie in den Jahren 1994 bis 1996 fehlte das Land aus mangelndem Interesse und niedrigen Einschaltquoten, was unter anderem auf die Beliebtheit des eigenen jährlichen Musikfestivals in Sanremo zurückzuführen war. Die Teilnahme am Eurovision Song Contest 1997 kam angeblich nur zustande, weil das nationale Fernsehen RAI die Absagefrist versäumt hatte und sonst hohe Strafgebühren zu zahlen gehabt hätte. Bis 2010 hat Italien nicht mehr teilgenommen. Am 2. Dezember 2010 wurde bekannt gegeben, dass Italien ab 2011 wieder am Wettbewerb teilnehmen möchte.[1] Seitdem nahm das Land in jedem Jahr teil.

Sprachen[Bearbeiten]

Italien ist seiner Landessprache über die Jahre sehr treu geblieben, nahezu alle Beiträge wurden komplett auf Italienisch gesungen. Die erste Ausnahme gab es 1976, als der Beitrag von Romina Power und Al Bano auf Englisch und Italienisch gesungen wurde. 1984 wurden zwei Zeilen des Liedes I treni di Tozeur auf Deutsch gesungen, tatsächlich handelte es sich um einen Satz aus Mozarts Zauberflöte.[2] 1985 wurde der zweite Beitrag von Romina Power und Al Bano überwiegend auf Italienisch gesungen, allerdings mit der englischen Titelzeile Magic, oh magic. 1990 endete jeder Refrain des Liedes Insieme: 1992 mit den englischen Wörtern unite, unite, Europe.[3] Sprachlich bemerkenswert ist auch das im neapolitanischen Dialekt vorgetragene Comme è ddoce 'o mare von 1991. 2011 brachte Raphael Gualazzi ebenfalls ein zweisprachiges Lied. Madness Of Love wurde jeweils zu ca. 50 % auf Italienisch und auf Englisch gesungen, ebenso L’amore è femmina (Out Of Love) 2012. 2013 und 2014 sangen die Interpreten Marco Mengoni mit L’essenziale und ebenso Emma Marrone mit La mia città nur auf Italienisch.

Liste der Beiträge[Bearbeiten]

Farblegende:   – Siege.   – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.   – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Übersetzung Platz Punkte
1956 Tonina Torrielli Amami se vuoi
(Vittorio Mascheroni / Mario Panzeri)
Liebe mich, wenn Du willst
1956 Franca Raimondi Aprite le finestre
(Virgilio Panzuti / Pinchi)
Öffnet die Fenster
1957 Nunzio Gallo Corde della mia chitarra
(Mario Ruccione / Giuseppe Fiorelli)
Saiten meiner Gitarre 06 / 10 7
1958 Domenico Modugno Nel blu dipinto di blu (Volare)
(Domenico Modugno / Domenico Modugno, Franco Migliacci)
In blau gemaltes Blau (Fliegen) 03 / 10 13
1959 Domenico Modugno Piove (Ciao, ciao, bambina)
(Domenico Modugno / Dino Verde)
Es regnet (Ciao, ciao, Mädchen) 06 / 11 9
1960 Renato Rascel Romantica
(Dino Verde / Renato Rascel)
Romantisch 08 / 13 5
1961 Betty Curtis Al di là
(Carlo Donida / Mogol)
Jenseits 05 / 16 12
1962 Claudio Villa Addio, addio
(Domenico Modugno / Franco Migliacci)
Tschüss, tschüss 09 / 16 3
1963 Emilio Pericoli Uno per tutte
(Tony Renis / Mogol, Alberto Testa)
Einer für alle 03 / 16 37
1964 Gigliola Cinquetti Non ho l’età
(Nicola Salerno / Mario Panzeri)
Ich bin nicht alt genug 01 / 16 49
1965 Bobby Solo Se piangi, se ridi
(Gianni Marchetti, Roberto Satti / Mogol, Roberto Satti)
Wenn Du weinst, wenn Du lachst 05 / 18 15
1966 Domenico Modugno Dio, come ti amo
(Domenico Modugno)
Mein Gott, wie sehr ich dich liebe 17 / 18 0
1967 Claudio Villa Non andare più lontano
(Gino Mescoli / Vito Pallavicini)
Geh nicht weiter 11 / 17 4
1968 Sergio Endrigo Marianne
(Sergio Endrigo)
Marianne 10 / 17 7
1969 Iva Zanicchi Due grosse lacrime bianche
(Piero Soffici / Carlo Daiano)
Zwei große weiße Tränen 13 / 16 5
1970 Gianni Morandi Occhi di ragazza
(Lucio Dalla / Sergio Bardotti, Gianfranco Baldazzi)
Mädchenaugen 08 / 12 5
1971 Massimo Ranieri L’amore è un attimo
(Enrico Polito / Giancarlo Bigazzi, Gaetano Savio)
Die Liebe ist ein Augenblick 05 / 18 91
1972 Nicola di Bari I giorni dell’arcobaleno
(Piero Pintucci, Nicola di Bari / Dalmazio Masini)
Die Tage des Regenbogens 06 / 18 92
1973 Massimo Ranieri Chi sarà
(Enrico Polito, Gaetano Savio / Giancarlo Bigazzi)
Wer wird sein 13 / 17 74
1974 Gigliola Cinquetti
(Mario Panzeri, Daniele Pace, Lorenzo Pilat, Corrado Conti)
Ja 02 / 17 18
1975 Wess & Dori Ghezzi Era
(Shel Shapiro / Andrea Lo Vecchio)
Es war 03 / 19 115
1976 Al Bano & Romina Power We’ll Live It All Again
(Detto Mariano / Romina Power, Albano Carrisi)
Wir werden alles noch einmal erleben 07 / 18 69
1977 Mia Martini Libera
(Salvatore Fabrizio / Luigi Albertelli)
Frei 13 / 18 33
1978 Ricchi e Poveri Questo amore
(Dario Farina, Mauro Lusini / Sergio Bardotti)
Diese Liebe 12 / 20 53
1979 Matia Bazar Raggio di luna
(Antonella Ruggiero, Piero Cassano, Carlo Marrale / Salvatore Stellita, Giancarlo Golzi)
Mondstrahl 15 / 19 27
1980 Alan Sorrenti Non so che darei
(Alan Sorrenti)
Ich weiß nicht, was ich geben würde 06 / 19 87
1981
bis
1982
Auf Teilnahme verzichtet
1983 Riccardo Fogli Per Lucia
(Maurizio Fabrizio / Riccardo Fogli, Vincenzo Spampinato)
Für Lucia 11 / 20 41
1984 Alice & Franco Battiato I treni di Tozeur
(Franco Battiato / Rosario Consentino, Giusto Pio)
Die Züge Tozeurs 05 / 19 70
1985 Al Bano & Romina Power Magic, Oh Magic
(Dario Farina, Michael Hoffmann / Cristiano Minellono)
Magisch, oh wie magisch 07 / 19 78
1986 Auf Teilnahme verzichtet
1987 Umberto Tozzi & Raf Gente di mare
(Umberto Tozzi, Raf / Giancarlo Bigazzi)
Leute des Meeres 03 / 22 103
1988 Luca Barbarossa Vivo (ti scrivo)
(Luca Barbarossa)
Ich lebe (ich schreibe dir) 12 / 21 52
1989 Anna Oxa & Fausto Leali Avrei voluto
(Franco Fasano / Franco Ciani, Franco Berlincioni)
Ich hätte gewollt 09 / 22 56
1990 Toto Cutugno Insieme: 1992
(Salvatore 'Toto' Cutugno)
Zusammen: 1992 01 / 22 149
1991 Peppino di Capri Comme è ddoce ’o mare
(Marcello Marocchi / Giampiero Artegiani)
Wie süß das Meer ist 07 / 22 89
1992 Mia Martini Rapsodia
(Giuseppe Dati / Giancarlo Bigazzi)
Rhapsodie 04 / 23 111
1993 Enrico Ruggeri Sole d’Europa
(Enrico Ruggeri)
Sonne Europas 12 / 25 45
1994
bis
1996
Auf Teilnahme verzichtet
1997 Jalisse Fiumi di parole
(Fabio Ricci / Carmen Di Domenico, Alessandra Drusi)
Wortflüsse 04 / 25 114
1998
bis
2010
Auf Teilnahme verzichtet
2011 Raphael Gualazzi Madness Of Love
(Raphael Gualazzi / Raphael Gualazzi, Ferdinando Arnò)
Liebeswahn 02 / 25 189
2012 Nina Zilli L’amore è femmina
(Nina Zilli, Christian Rabb, Kristoffer Sjokvist, Frida Molander, Charlie Mason)
Die Liebe ist weiblich 09 / 26 101
2013 Marco Mengoni L'essenziale
(Marco Mengoni, Roberto Casalino, Francesco de Benedittis)
Das Wesentliche 07 / 26 126
2014 Emma Marrone La mia città
(Emma Marrone)
Meine Stadt 21 / 26 33

Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten]

Al Bano & Romina Power, 1976 in Den Haag
Marco Mengoni, 2013 in Malmö
Emma Marrone, 2014 in Kopenhagen

Italien konnte im Wettbewerb zweimal den ersten Platz erreichen, 1964 mit Gigliola Cinquetti und Non ho l'età und 1990 mit Toto Cutugno und Insieme: 1992. Auch in anderen Jahren war das Land sehr erfolgreich und erreichte zudem zweimal den zweiten und viermal den dritten Platz. Insgesamt landeten 23 der 38 Beiträge, deren Platzierung bekannt ist in der vorderen Hälfte der Wertungstafel. Zudem kam Italien nur einmal - dafür aber mit null Punkten - auf den letzten Platz (1966). Gleich bei der Rückkehr zum ESC 2011 schaffte es Italien völlig überraschend auf Platz 2 und bis 2013 jedes Jahr in die Top Ten.

Nationale Vorausscheidungen[Bearbeiten]

Bis einschließlich 1966 und 1972 waren die Siegertitel des Sanremo-Festivals automatisch die italienischen Beiträge beim Eurovision Song Contest, auch die Interpreten stimmten in der Regel überein, auch wenn einige Lieder beim nationalen Festival als Duette, international aber solo vorgestellt wurden. 1956 war, da zwei Beiträge eingereicht wurden, auch der zweitplatzierte Titel vertreten. In den Jahren 1967 bis 1969 wurde das Sanremo-Festival jeweils von Gesangsduos gewonnen, von denen je einer als Vertreter für den Eurovision Song Contest ausgewählt wurde, allerdings mit einem neuen Titel. Bis 1988 wurden die italienischen Vertreter intern ausgewählt, in den Jahren 1978 und 1985 waren es - mehr zufällig - die Vorjahressieger von Sanremo. 1989 waren die Sieger des Festivals wieder die italienischen Vertreter beim Grand Prix, allerdings mit einem neuen Lied, ebenso 1993. 1997 gewannen Jalisse mit Fiumi di Parole und reisten mit diesem Lied auch nach Dublin. In den verbleibenden Jahren wurde ebenfalls intern gewählt.[4]

Nach der Rückkehr Italiens 2011 wurden bis einschließlich 2013 alle Künstler (bis auf 2012 auch der Titel) aus dem Teilnehmerfeld des Sanremo-Festivals ausgewählt. 2014 wurde Emma Marrone intern ausgewählt, das Land zu vertreten.

Unabhängig vom Eurovision Song Contest gewannen auch einige andere italienische Vertreter vor oder nach ihrer Teilnahme das Sanremo-Festival, allen voran Iva Zanicchi mit insgesamt zwei weiteren Siegen.

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten]

Unabhängig von ihrem Abschneiden waren viele italienische Beiträge auch international erfolgreich. Am bekanntesten darunter wohl Nel blu dipinto di blu (Volare), das europaweit und auch in den USA den ersten Platz in den Charts erreichte und im gleichen Jahr auch den Grammy als Best song gewann. Andere internationale Hits waren Piove (Ciao, ciao, bambina), das in der Originalversion kommerziell erfolgreich war und von Caterina Valente auf Deutsch eingesungen den zweiten Platz in den deutschen Charts erreichte,[5] der erste Siegertitel Non ho l'età sowie Non so che darei aus dem Jahr 1980.

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Toto Cutugno Insieme: 1992 ist der einzige Siegertitel im Wettbewerb mit einem zu seiner Zeit aktuellen politischen Bezug: Es ging um das Schengener Abkommen [6].
  • 1974 wurde der Contest von der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalt RAI nicht übertragen, da befürchtet wurde, der von Gigliola Cinquetti interpretierte Beitrag 'Si' ('Ja'), könne die Volksabstimmung zur Abschaffung des alten Scheidungsrechts, die etwa fünf Wochen später am 12. Mai stattfinden sollte, hin zu einem positiven Wahlergebnis beeinflussen [7].
  • Mit der Rückkehr Italiens zum Wettbewerb im Jahr 2011, wurden die "Großen Vier" Spanien, Deutschland, Großbritannien und Frankreich um Italien zu den "Großen Fünf" erweitert. Der italienische Beitrag ist somit immer für das Finale qualifiziert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Italy applied for 2011 Eurovision Song Contest auf eurovision.tv (abgerufen am 2. Dezember 2010)
  2. http://www.diggiloo.net/?1984it
  3. http://www.diggiloo.net/?1990it
  4. http://www.ecgermany.de/archiv/sanremo.htm
  5. http://www.charts-surfer.de/musiksuche.php
  6. Seite des Eurovision Club Germany e.V. zum Song Contest 1990 (abgerufen am 19. November 2010)
  7. Seite des Eurovision Club Germany e.V. zum Song Contest 1974 (abgerufen am 19. November 2010)