Sanremo-Festival

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingang des Teatro Ariston, Sanremo

Il Festival della canzone italiana heißt der große Musikwettbewerb in der ligurischen Stadt Sanremo.

Das Festival findet einmal jährlich statt, meistens Ende Februar oder Anfang März. Derzeit wird es an fünf Abenden von Dienstag bis Samstag ausgestrahlt.

Die Stimmabgabe erfolgt meistens durch eine Expertenjury und eine populäre Jury, die über das ganze Land verteilt ist und in der jeden Abend neue Leute verschiedenen Alters sitzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit 1951 wird das Festival ausgetragen (Festival di Sanremo 1951). Es ist somit das älteste Musikfestival Europas, älter als der Eurovision Song Contest (seit 1956).

Das staatliche Fernsehen RAI überträgt das Festival seit Jahren im Fernsehen. Die ersten Editionen wurden im Radio ausgestrahlt.

Das Festival war einer der Gründe für den weitgehenden Verzicht Italiens auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest seit Mitte der 1990er Jahre. Wegen der großen nationalen Bedeutung des Sanremo-Festivals war das Interesse an dem europäischen Wettbewerb relativ gering. Seit 2011 nimmt Italien wieder am Eurovision Song Contest teil; der Gewinner des Sanremo-Festivals 2011 in der Kategorie Newcomer, Raphael Gualazzi, wurde als Teilnehmer ausgewählt.

Es treten nicht nur bekannte Sänger auf, sondern auch neue Talente und internationale Stars, die zwar nicht am Wettbewerb teilnehmen, aber der Veranstaltung ein großes Ansehen verleihen.

Das Festival wurde selten von Rockkünstlern oder den Cantautori besucht. Der Liedermacher Luigi Tenco nahm sich 1967 das Leben, nachdem er im Halbfinale des Festivals ausgeschieden war. Musiker wie Fabrizio de André oder Francesco Guccini haben sich seitdem dem Mainstream der Veranstaltung verweigert.

International erfolgreiche Teilnehmer[Bearbeiten]

Heutzutage hat das Sanremo-Festival nur noch eine nationale Bedeutung in Italien. Früher – am deutlichsten in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts – gingen aus dem Festival zahlreiche Welthits hervor, deren Interpreten zu internationalen Stars wurden, so z. B.

Teilnahme internationaler Stars in den 1960er Jahren[Bearbeiten]

Während der 1960er Jahre waren auch ausländische Stars eingeladen, am Festival teilzunehmen. Damals war es üblich, dass jedes Lied von jeweils zwei Künstlern mit unterschiedlichen Orchesterarrangements vorgetragen wurde. Damit sollte die Bedeutung des Festivals als Komponisten- und nicht als Sängerwettstreit hervorgehoben werden. Diese Vorgehensweise machte es möglich, dass viele Beiträge sowohl von einem italienischen Star als auch von einem ausländischen Gastkünstler vorgetragen wurden.

Es nahmen zahlreiche ausländische Stars am Wettbewerb teil:

  • Frankie Laine - 1964 mit Una lacrima sul viso, Platz 2 im Finale (Teampartner von Bobby Solo)
  • Peter Kraus - 1964 mit Piccolo Piccolo nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartner von Emilio Pericoli)
  • Peggy March - 1964 mit Passo su passo nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartner von Claudio Villa)
  • Connie Francis - 1965 mit Ho bisogno di vederti, Platz 5 im Finale (Teampartnerin von Gigliola Cinquetti) und 1967 mit Canta ragazzina, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Bobby Solo)
  • Petula Clark - 1965 mit Invece no, Platz 6 im Finale (Teampartnerin von Betty Curtis)
  • Udo Jürgens - 1965 mit Abracciami forte, Platz 2 im Finale (Teampartner von Ornella Vanoni) und 1968 mit Per vivere, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartner von Iva Zanicchi)
  • Dusty Springfield - 1965 mit Tu che ne sai, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Fabrizio Ferretti) und mit Di fronte all' amore, ebenfalls nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Gianni Mascolo)
  • Gene Pitney - 1965 mit Amici miei, Platz 3 im Finale (Teampartner von Nicola di Bari); 1966 mit Nessuno mi può giudicare, Platz 2 im Finale (Teampartner von Caterina Caselli) und 1967 mit La rivoluzione, Platz 14 im Finale (Teampartner von Gianni Pettinati) sowie mit Guardati alle spalle, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartner von Nicola Di Bari)
  • Françoise Hardy - 1966 mit Parlami di te, Platz 14 im Finale (Teampartnerin von Edoardo Vianello)
  • Dalida - 1967 mit Ciao, amore ciao, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Luigi Tenco)
  • Cher - 1967 mit Ma piano (per non svegliarti), nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Nico Fidenco)
  • Dionne Warwick - 1967 mit Dedicato all' amore, nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartnerin von Peppino di Capri) und 1968 mit La voce del silenzio, Platz 14 im Finale (Teampartnerin von Tony Del Monaco). Warwicks Teilnahme war bereits mit den Titeln, die später von Dusty Springfield gesungen wurden, für 1965 vorgesehen, doch sagte Warwick ihre Teilnahme kurzfristig wieder ab.
  • Louis Armstrong - 1968 mit Mi va di cantare, Platz 13 im Finale (Teampartner von Lara Saint Paul)
  • Paul Anka - 1968 mit La farfalla impazzita, geschrieben von Mogol und Lucio Battisti nur Vorrunde, nicht für das Finale qualifiziert (Teampartner von Johnny Dorelli)
  • France Gall - 1969 mit La pioggia, Platz 6 im Finale (Teampartnerin von Gigliola Cinquetti)

Moderation[Bearbeiten]

Jedes Jahr werden verschiedene Namen für die Moderation des Festivals gehandelt, aber die Wahl fällt oft auf Moderatoren, die diese Aufgabe schon zuvor übernommen haben: Pippo Baudo führt die Statistik mit 13 Moderationen an, vor Mike Bongiorno mit 11 Einsätzen, weit dahinter abgeschlagen, Nunzio Filogamo mit 5 Moderationen. 2007 moderierte Pippo Baudo das von den Einschaltquoten her erfolgreichste Festival zusammen mit Michelle Hunziker.

Sieger[Bearbeiten]

Die meisten Siege, jeweils vier, errangen Claudio Villa und Domenico Modugno. Die Sängerin mit den meisten Siegen ist Iva Zanicchi (drei).

Povia, Gewinner 2006, auf dem Festival 2009

Sieger der Kategorie Newcomer[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]