Tschammerpokal 1939

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Tschammerpokal 1939 war der fünfte Wettbewerb um den deutschen Fußballpokal.

Nach bewährtem Modus startete der Pokalkampf des Jahres 1939 mit den Mannschaften der Kreisklassen. Mit den anschließend eingreifenden Vereinen aus den Bezirksklassen und den Gauligen beteiligten sich insgesamt 4628 Mannschaften an dem Wettbewerb. Diesmal waren die Teams aus der Ostmark, dem früheren Österreich von Anfang an beteiligt, ebenso wie das 1938 annektierte Sudetenland. Dadurch erhöhten sich in der Gaugruppenphase die Zahl der Gruppen von bisher fünf auf sechs.

Durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges litt der Wettbewerb zunehmend unter Terminnot und Spielausfällen. Da das Achtelfinale erst im Dezember durchgeführt werden konnte, fand das Endspiel um den Tschammerpokal 1939 erst am 28. April 1940 statt. Pokalsieger wurde der 1. FC Nürnberg nach einem 2:0-Sieg über den SV Waldhof Mannheim.

Gaugruppen - Hauptrunden 1 bis 3[Bearbeiten]

(15. April bis 18. Juni 1939)

Gaugruppe Ostpreußen/Pommern/Brandenburg/Schlesien
Gaugruppe Sachsen/Schlesien/Sudetenland
Gaugruppe Mitte/Nordmark/Niedersachsen
Gaugruppe Westfalen/Niederrhein/Mittelrhein
Gaugruppe Hessen/Südwest/Baden
Gaugruppe Württemberg/Bayern/Ostmark

1. Schlussrunde[Bearbeiten]

(20. August bis 5. November 1939)

Spiele Tore Zuschauerdurchschnitt
31 Spiele 167 (⌀ 5,39) 5500
SC Union OberschöneweideBlau-Weiß 90 Berlin 1:2
PSV DanzigViktoria Stolp 2:3
NSTG WarnsdorfFC Sportfreunde Leipzig 2:3
1. SC Göttingen 051. SV Jena 4:3
BSG Neumeyer NürnbergCSC 03 Kassel 7:3
VfL Halle 1896Dresdner SC 0:3
FC Thüringen WeidaBerliner SV 92 1:2
SV KlettendorfMinerva 93 Berlin 3:0
VfL Köln 1899Wormatia Worms 9:0
Eimsbütteler TVBorussia Dortmund 2:3
1. FC Schweinfurt 05SC Wacker Wien 2:3 n.V.
SpVgg CannstattVfB Mühlburg 1:1 n.V.
Hamborn 07Hamburger SV 1:3
Blumenthaler SVSV Polizei Hamburg 3:4 n.V.
VfR MannheimWestende Hamborn 2:3 n.V.
SV Kurhessen KasselSpVgg Köln-Sülz 0:5
First Vienna FC 1894BC Hartha 2:3 n.V.
Borussia NeunkirchenVfL Benrath 4:1
FC Singen 041. FC Nürnberg 1:3
Phönix KarlsruheStuttgarter Kickers 3:5
SV 99 LeipzigVorwärts-Rasensport Gleiwitz 1:2
Hertha BSCPlanitzer SC 6:2
Vorwärts BillstedtFortuna Düsseldorf 1:3
FSV FrankfurtMülheimer SV 06 5:3
SV Dessau 05Tennis Borussia Berlin 1:2
Konkordia PlauenSC Victoria Hamburg 5:3
SK Admira WienSV Waldhof Mannheim 0:1
SV Beuel 06Eintracht Frankfurt 0:5
VfB 03 BielefeldVfL Osnabrück 1:3
VfB AlsumFC Schalke 04 0:13
VfB CoburgSK Rapid Wien 1:6
Sportvgg. Masovia LyckMSV Tilsit [1S 1]
Wiederholungsspiel
VfB Mühlburg – SpVgg Cannstatt 2:0
  1. Das Spiel Masovia Lyck - MSV Tilsit fiel kriegsbedingt aus, beide Mannschaften zogen zurück

2. Schlussrunde[Bearbeiten]

(19. November bis 3. Dezember 1939)

Spiele Tore Zuschauerdurchschnitt
15 Spiele 75 (⌀ 5,0) 3100
Viktoria Stolp – Blau-Weiß 90 Berlin 1:3
FC Sportfreunde Leipzig – 1. SC Göttingen 05 3:1
Dresdner SC – Neumeyer Nürnberg 1:2
Berliner SV 92 – SV Klettendorf 6:1
Borussia Dortmund – VfL 99 Köln 1:6
SC Wacker Wien – VfB Mühlburg 4:2
Hamburger SV – SV Polizei Hamburg 11:2
SpVgg Köln-Sülz – Westende Hamborn 1:2 n.V.
Borussia Neunkirchen – BC Hartha 1:2 n.V.
1. FC Nürnberg – Stuttgarter Kickers 2:1
Vorwärts-Rasensport Gleiwitz – Hertha BSC 5:2
Fortuna Düsseldorf – FSV Frankfurt 4:0
Tennis Borussia Berlin – Konkordia Plauen 4:1
Eintracht Frankfurt – SV Waldhof Mannheim 0:1 n.V.
VfL Osnabrück – FC Schalke 04 3:2
SK Rapid Wien [2S 1]
  1. Freilos Rapid Wien

Achtelfinale[Bearbeiten]

(10. Dezember 1939)

Blau-Weiß 90 Berlin – FC Sportfreunde Leipzig 9:2
Neumeyer Nürnberg – Berliner SV 92 2:1
VfL 99 Köln – SC Wacker Wien 1:3
Hamburger SV – Westende Hamborn 2:0
BC Hartha – 1. FC Nürnberg 0:1
SK Rapid Wien – Vorwärts-Rasensport Gleiwitz 6:1
Fortuna Düsseldorf – Tennis Borussia Berlin 8:1
SV Waldhof Mannheim – VfL Osnabrück 4:0

Viertelfinale[Bearbeiten]

(7. Januar 1940)

Blau-Weiß 90 Berlin – Rapid Wien 1:7
Waldhof Mannheim – Hamburger SV 6:2
1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 3:1
Wacker Wien – Neumayer Nürnberg 7:4

Halbfinale[Bearbeiten]

(31. März 1940)

Rapid Wien – 1. FC Nürnberg 0:1
Waldhof Mannheim – Wacker Wien 1:1 n.V.
Wiederholungsspiele
7. April: 0Wacker Wien – Waldhof Mannheim 2:2 n.V.
14. April: Waldhof Mannheim – Wacker Wien 0:0 n.V.[H 1]
  1. Losentscheid für Mannheim

Finale[Bearbeiten]

Paarung 1. FC Nürnberg 1. FC NürnbergSV Waldhof Mannheim SV Waldhof Mannheim
Ergebnis 2:0 (1:0)
Datum 28. April 1940
Stadion Olympiastadion, Berlin
Zuschauer 60.000
Schiedsrichter Carl Schütz (Düsseldorf)
Tore 1:0, 2:0 Max Eiberger (45.+1, 85.)
1. FC Nürnberg Georg KöhlWilli Billmann Mannschaftskapitän, Hans UebeleinGeorg Luber, Wilhelm Sold, Heinz CarolinKarl Gußner, Max Eiberger, Julius Uebelein, Alfred Pfänder, Willi Kund
Trainer: Alv Riemke
SV Waldhof Mannheim Hubert FischerHelmut Schneider, Georg SiegelHanns Mayer, Ernst Heermann Mannschaftskapitän, Karl RamgeHans Eberhard, Reinhold Fanz, Josef Erb, Willi Pennig, Ludwig Günderoth
Trainer: Otto Neumann


Spielbericht
Im Endspiel trafen zwei völlig unterschiedliche Mannschaften aufeinander. Mit dem 1. FC Nürnberg traf der sechsfache Deutsche Meister und Gewinner des ersten Pokalwettbewerbes 1935 auf die junge aufstrebende Elf des SV Waldhof Mannheim. In den Reihen der Mannheimer standen sieben Spieler, die das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, während Nürnberg mit vier aktuellen Nationalspielern antrat. In der abgelaufenen Meisterschaftssaison waren die Nürnberger Gauliga-Fünfter geworden, während der SV Waldhof Platz vier in der Gauliga Baden erreicht hatte. Die Mannheimer hatten für den Einzug in das Pokalfinale drei Halbfinalspiele absolvieren und nach drei Unentschieden das Losglück bemühen müssen. Im Endspiel hatten sie das Pech, dass ihr Stammtorhüter und dessen Vertreter nicht vom Kriegsdienst freigestellt worden waren, sodass mit Hubert Fischer Torwart Nr. 3 aufgeboten werden musste. Dagegen waren die Nürnberger im Vorteil, die zum einen mit Hans Uebelein einen ihrer wertvollsten Spieler von der Front zurückholen konnten und zum anderen den Saarbrücker Nationalspieler Wilhelm Sold aus Gastspieler einsetzen konnten. Unter diesen Umständen ging der SV Waldhof als Außenseiter in das Spiel. Trainer Neumann schickte seine Spieler mit der Anweisung auf das Feld, sich ohne Rücksicht auf große Namen von Anfang an durch die eigene Spielweise Respekt zu verschaffen. Dies wurde mit großem Einsatzwillen und Kampfkraft in der ersten Halbzeit umgesetzt, ohne jedoch zwingende Torgefahr erreichen zu können. Doch auch die Nürnberger blieben zunächst ungefährlich und fanden nicht das richtige Rezept gegen die gegnerische Spielweise, ihr eigenes Spiel wirkte zu behäbig. Nach deutlichen Worten ihres Trainers in der Halbzeitpause übernahmen die Spieler des 1. FC in den zweiten 45 Minuten energisch die Initiative. Hatte sie sich zuvor auf Konter verlassen, setzten sie nun voll auf die Offensive und hatten schon eine Minute nach Wiederanpfiff Erfolg, als ihr halbrechter Stürmer Max Eiberger die noch nicht richtig sortierte und unaufmerksame Waldhofer Deckung zum 1:0 überlisten konnte. Damit kehrte nun auch Ruhe in die Nürnberger Reihen ein, die fast ungehindert den Spielfluss bestimmen konnten. Auf der anderen Seite gelang es den Mannheimern nicht mehr, das Spielgeschehen in den Griff zu bekommen und Gefährlichkeit auszustrahlen. So fiel in der 85. Minute folgerichtig erneut durch Eiberger der 2:0-Endstand.

Erfolgreichste Torschützen[Bearbeiten]

(1. Schlussrunde bis Finale)

Spieler Verein Tore
Edmund Adamkiewicz Eintr.Frankfurt/Hamburger SV 11
Franz Binder Rapid Wien 11
Johann Walzhofer Wacker Wien 7
Josef Erb SV Waldhof 6
Ernst Reitermaier Wacker Wien 6

Literatur[Bearbeiten]

  • Hardy Grüne, Matthias Weinrich (2001): Deutsche Pokalgeschichte. Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 6, S. 50–58, Kassel: AGON Sportverlag, ISBN 3-89784-146-0