Tschammerpokal 1936

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Tschammerpokal 1936 war die zweite Auflage eines nationalen Pokalwettbewerbs in Deutschland. Insgesamt nahmen 5291 Mannschaften, darunter 4112 Kreisligisten, am Wettbewerb teil. Der Wettbewerb war wie im Vorjahr in vier Phasen unterteilt und wurde nach dem gleichen Modus wie 1935 ausgetragen. In zwei Abschnitten spielten zunächst die Kreisliga- und Bezirksligamannschaften um die Qualifikation für die Hauptrunde, in der auch die Gauligisten in den Wettbewerb eingriffen. Erneut qualifizierten sich 64 Teams für die Schlussrunde.

Im Finale, das erst am 3. Januar 1937 ausgetragen wurde, standen sich der VfB Leipzig und der FC Schalke 04 gegenüber. Dabei unterlag der haushohe Favorit Schalke 04 vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dem Außenseiter aus Leipzig mit 1:2.

Teilnehmende Mannschaften[Bearbeiten]

Für die 1. Schlussrunde waren folgende Mannschaften qualifiziert

  • a die 16 Gauligen-Meister der Saison 1935/36
Gauliga Verein Gauliga Verein
Ostpreußen SV Hindenburg Allenstein Pommern Viktoria Stolp
Nordmark Eimsbütteler TV Berlin-Brandenburg Berliner SV 92
Niedersachsen Werder Bremen Mitte 1. SV Jena
Westfalen FC Schalke 04 Niederrhein Fortuna Düsseldorf
Mittelrhein Kölner CfR Hessen FC Hanau 93
Schlesien Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Sachsen Polizei SV Chemnitz
Südwest Wormatia Worms Baden SV Waldhof Mannheim
Württemberg Stuttgarter Kickers Bayern 1. FC Nürnberg
  • b: die 48 aus den Pokalspielen auf regionaler Ebene qualifizierte Vereine
Gaugruppe Verein Gaugruppe Verein
Ostpreußen /
Berlin-Brandenburg /
Schlesien /
Pommern

Preußen Danzig
Militär SV von der Goltz Tilsit
Hertha BSC
Minerva 93 Berlin
Viktoria 89 Berlin
SC Wacker 04 Tegel
Beuthen 09
Militär SV Cherusker Görlitz
Preußen Langenbielau

Mitte /
Nordmark /
Niedersachsen

SV Dessau 05
Wacker Halle
Altonaer FC 93 VfL
SC Victoria Hamburg
Holstein Kiel
SV Polizei Lübeck
SV Algermissen
Hannover 96
VfB Peine

Westfalen /
Niederrhein /
Mittelrhein

SV ASA Atsch
VfL Benrath
Arminia Bielefeld
SpVgg 08 Klafeld-Geisweid
Rot-Weiß Oberhausen
Rheydter Spielverein
SpVgg Röhlinghausen
VfvB Ruhrort
SSV Vingst 05
Westmark 05 Trier

Sachsen /
Hessen /
Bayern

BC Hartha
VfB Leipzig
Wacker Leipzig
Planitzer SC
VfB Friedberg
CSC 03 Kassel
Wacker Marktredwitz
FC Bayern München
TSV 1860 München
1. FC Schweinfurt 05

Südwest /
Baden /
Württemberg

SV Flörsheim
Freiburger FC
Kickers Offenbach
FK Pirmasens
FV Saarbrücken
Karlsruher FC Phönix
1. FC Pforzheim
SV 1898 Feuerbach
VfB Stuttgart
1. SSV Ulm 1928

1. Schlussrunde[Bearbeiten]

(7. Juni bis 16. August 1936)

1. FC PforzheimFK Pirmasens 7:0
1. FC Schweinfurt 05FC Hanau 93 4:0
SV AlgermissenWerder Bremen 1:4
BC HarthaWacker Halle 8:0
Cherusker GörlitzBerliner SV 92 1:2
CSC 03 KasselPolizei Chemnitz 1:2
FC Altona 93Wacker 04 Berlin 3:5
FC Bayern München1. SSV Ulm 1928 3:4
Freiburger FCKickers Offenbach 2:0
Hertha BSCEimsbütteler TV 3:2
Holstein KielSV Polizei Lübeck 1:2 n.V.
CfR KölnSSV Vingst 0:0 n.V.
MSV von der Goltz TilsitSV Hindenburg Allenstein 0:2
Preußen LangenbielauVorwärts-Rasensport Gleiwitz 2:7
SpVgg RöhlinghausenArminia Bielefeld 2:1
Stuttgarter KickersTSV 1860 München 0:1
Beuthen 09Minerva 93 Berlin 3:2
SportVg FeuerbachKarlsruher FC Phönix 5:2
VfB Leipzig1. SV Jena 5:0
VfB PeineHannover 96 2:0
VfL BenrathRheydter SV 2:0
SpVgg 08 Klafeld-GeisweidFortuna Düsseldorf 2:1
VfvB RuhrortFC Schalke 04 2:5
SC Victoria HamburgSV Dessau 05 6:1
Viktoria StolpPreußen Danzig 6:0
Wacker MarktredwitzVfB Stuttgart 0:1
Wormatia WormsVfB Friedberg 3:2 n.V.
Rot-Weiß OberhausenSV ASA Atsch 7:0
1. FC NürnbergPlanitzer SC 7:0
SV FlörsheimSV Waldhof Mannheim 0:1
Viktoria 89 BerlinWacker Leipzig 1:0
Westmark 05 TrierFV Saarbrücken 3:1
Wiederholungsspiel:
SSV VingstCfR Köln 8:3

2. Schlussrunde[Bearbeiten]

(21. Juni bis 23. August 1936)

1. FC Schweinfurt 05 – SportVg Feuerbach 5:2
Berliner SV 92 – SuSV Beuthen 1909 4:1
FC Schalke 04 – SpVgg Röhlinghausen 2:0
Polizei Chemnitz – Viktoria 89 Berlin 5:2
1. SSV Ulm 1928 – Freiburger FC 3:0
SV Hindenburg Allenstein – Viktoria Stolp 2:1
SV Polizei Lübeck – Hertha BSC 1:3
SV Waldhof Mannheim – SpVgg 08 Klafeld-Geisweid 6:0
TSV 1860 München – 1. FC Pforzheim 3:3 n.V.
VfB Peine – BC Hartha 1:0
VfL Benrath – 1. FC Nürnberg 3:2
Vorwärts Rasensport Gleiwitz – VfB Leipzig 2:2 n.V.
Wacker 04 Berlin – Victoria Hamburg 5:4
Werder Bremen – Rot-Weiß Oberhausen 3:2 n.V.
Westmark 05 Trier – VfB Stuttgart 0:1
Wormatia Worms – SSV Vingst 11:1
Wiederholungsspiele:
1. FC Pforzheim – TSV 1860 München 2:0
VfB Leipzig – Vorwärts Rasensport Gleiwitz 3:0

Achtelfinale[Bearbeiten]

(5. bis 20. September 1936)

VfB Stuttgart – FC Schalke 04 0:0 n.V.
1. SSV Ulm 1928 – 1. FC Schweinfurt 05 2:4
1. FC Pforzheim – Wormatia Worms 1:2
SV Hindenburg Allenstein – VfB Peine 1:3
Wacker 04 Berlin – Werder Bremen 1:3
Polizei Chemnitz – SV Waldhof Mannheim 0:1
Hertha BSC – VfL Benrath 1:1 n.V.
VfB Leipzig – Berliner SV 92 2:0
Wiederholungsspiele:
FC Schalke 04 – VfB Stuttgart 6:0
VfL Benrath – Hertha BSC 8:2

Viertelfinale[Bearbeiten]

(25. Oktober 1936)

Werder Bremen – FC Schalke 04 2:5 n.V.
SV Waldhof Mannheim – 1. FC Schweinfurt 05 1:2
Wormatia Worms – VfL Benrath 3:3 n.V.
VfB Peine – VfB Leipzig 2:4
Wiederholungsspiel (8. November 1936):
Vfl Benrath – Wormatia Worms 2:3

Halbfinale[Bearbeiten]

8. November 1936 FC Schalke 04 – FC Schweinfurt 05 3:2
22. November 1936 VfB Leipzig – Wormatia Worms 5:1

Finale[Bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten]

Paarung VfB Leipzig VfB LeipzigFC Schalke 04 FC Schalke 04
Ergebnis 2:1 (2:1)
Datum 3. Januar 1937
Stadion Olympiastadion, Berlin
Zuschauer 70.000
Schiedsrichter Egon Zacher (Berlin, Deutschland)
Tore 1:0 Jacob May (20.), 2:0 Herbert Gabriel (31.), 2:1 Ernst Kalwitzki (42.)
VfB Leipzig Bruno Wöllner, Erich Dobermann, Rudolf Große, Gerhard Richter, Erich Thiele, Walter Jähnig, Hans Breidenbach, Martin Schön, Jacob May, Georg Reichmann, Herbert Gabriel
Trainer: Heinrich Pfaff
FC Schalke 04 Hermann Mellage, Hans Bornemann, Otto Schweisfurth, Rudolf Gellesch, Hermann Nattkämper, Otto Tibulski, Ernst Kalwitzki, Fritz Szepan, Ernst Poertgen, Ernst Kuzorra Mannschaftskapitän, Ernst Sontow
Trainer: Hans Schmidt


Spielbericht[Bearbeiten]

Bei der Konstellation Fünfter der Gauliga Sachsen (VfB Leipzig) gegen den Dritten der deutschen Meisterschaft (Schalke 04) gingen die Knappen als klarer Favorit in das Spiel. Die Leipziger, mit großen Anhang nach Berlin gekommen, ließen sich jedoch davon nicht beeindrucken. Mit ihrem Dreimannsturm ergriffen sie sofort die Initiative und verunsicherten so die überraschte Schalke-Abwehr. Unerwartet machte auch der sonst so souveräne Schalker Torwart Mellage einen unsicheren Eindruck. Sein Fehler in der 20. Minute leitete die Niederlage für den Favoriten ein. Er konnte einen 16-m-Schuss nicht festhalten, sodass Leipzigs Mittelstürmer May seine Mannschaft in Führung schießen konnte. Damit gewann der VfB an Sicherheit, die Abwehr stand geschlossen und hatte mit Wöllner einen sicheren Torwart hinter sich. Der Sturm der Sachsen konnte ungehindert wirbeln, und folgerichtig fiel in der 31. Minute das 2:0 für Leipzig. Wieder war May an dem Treffer beteiligt, er hatte seinen nach vorn stürmenden Linksaußen Gabriel den Ball in den Lauf gespielt. Elf Minuten später konnten die Schalker noch einmal Hoffnung schöpfen, als Rechtsaußenstürmer Kalwitzki mit einem Direktschuss auf 1:2 verkürzen konnte. In der zweiten Halbzeit bestimmte Schalke 04 zunächst das Spiel, doch neben gut anzusehenden Mittelfeldaktionen fehlte der entscheidende Drang nach vorne. Der VfB verzichtete auf jede Effekthascherei und ließ nach englischer Art den Ball laufen. Nach einer Stunde bekamen die Leipziger wieder Oberwasser, da die Schalker Spieler zunehmend mit Konditionsschwächen zu kämpfen hatten. Völlig verdient konnte der VfB Leipzig so seinen Vorsprung bis zum Schlusspfiff sichern, der im tosenden Beifall der Zuschauer fast unterging.

Erfolgreichste Torschützen[Bearbeiten]

(1. Schlussrunde bis Finale)

Spieler Verein Tore
Hermann Budde VfL Benrath 7
Ernst Poertgen FC Schalke 04 7
Karl Hohmann VfL Benrath 6
Erwin Helmchen Polizei SV Chemnitz 6
Josef Fath Wormatia Worms 6

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hardy Grüne, Matthias Weinrich (2001): Deutsche Pokalgeschichte. Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 6, S. 20–27. Kassel: AGON Sportverlag, ISBN 3-89784-146-0