Bazas

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Bazas
Wappen von Bazas
Bazas (Frankreich)
Bazas
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Gironde
Arrondissement Langon
Kanton Le Sud-Gironde
Gemeindeverband Bazadais
Koordinaten 44° 26′ N, 0° 13′ WKoordinaten: 44° 26′ N, 0° 13′ W
Höhe 34–123 m
Fläche 37,29 km2
Einwohner 4.772 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 128 Einw./km2
Postleitzahl 33430
INSEE-Code
Website http://www.ville-bazas.fr/

Rathaus

Bazas (Basats auf gascognisch) ist eine französische Stadt mit 4772 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Gironde in der Region Nouvelle-Aquitaine.

Der Name Bazas leitet sich von civitas basatica her, „Stadt der Vasaten“. Ihr antiker Name war Cossium, eine Latinisierung des aquitanischen *koiz, gascognisch Coç, Hügel.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht der Innenstadt von Norden

Bazas liegt 15 Kilometer südlich von Langon und 60 Kilometer südöstlich von Bordeaux in den sanften Hügeln am Fuße der Wälder der Landes de Gascogne. Der Ort wird vom Fluss Beuve durchquert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Existenz einer befestigten Siedlung an dieser Stelle ist seit Beginn der Eisenzeit nachgewiesen. Der Besitz einer Mauer mit monumentalen Toren verschaffte ihr schon bald eine militärische Bedeutung sowie eine gewisse Überlegenheit.

Bazas liegt am Jakobsweg nach Santiago de Compostela und war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bischofssitz. Als Sitz eines Präsidialgerichts hatte es zudem zentrale administrative und rechtliche Funktionen, so dass es sich sehr schnell als einflussreichster Ort der Region etablieren konnte. Seinem Ruf verdankte es den Besuch so illustrer Persönlichkeiten wie Richard Löwenherz und Kaiser Karl V.

Während des Hundertjährigen Krieges war Bazas zwischen Frankreich und England umkämpft. Seit 1441 gehörte es wieder zu Frankreich.

1562 während der Hugenottenkriege eroberte der protestantische Heerführer Durfort (von Duras) die Stadt. Er ließ den katholischen Geistlichen die Lippen abschneiden[1].

Ludwig XIV. übernachtete bei seiner Rückkehr aus Saint-Jean-de-Luz, wo er Maria Teresa von Spanien geheiratet hatte, in der Stadt.[2]

Bazas erhielt sich aus dieser goldenen Zeit herausragende Bauwerke. Unter ihnen ist die gotische ehemalige Kathedrale St. Jean-Baptiste de Bazas das wichtigste, die seit 1840 als geschütztes Monument historique eingestuft ist. Sie wurde zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert errichtet und in den Jahren 1583 bis 1655 wieder aufgebaut.

Bazas war bis 1923 auch der Name eines Arrondissements, als es zu Gunsten des Arrondissement Langon aufgelöst wurde, zu dem auch das Arrondissement La Reole hinzugeschlagen wurde.

Siehe auch: Liste der Bischöfe von Bazas

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 2017
Einwohner 4453 4567 4748 4704 4379 4357 4660 4772

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bazas wird eine Rinderrasse unter dem Namen Bazadaise gezüchtet, die Stadt unterhält einen Schlachthof. In der Region wird Landwirtschaft und Viehzucht betrieben; die Wälder im Südosten ermöglichen eine umfangreiche Holzwirtschaft. Bazas hat eine Reihe von Industriebetrieben in den Bereichen Metall, Holz, Lebensmittel, Keramik und Textil.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathedrale von Bazas

Am zentralen Platz steht die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste (Johannes der Täufer). Dieses 83 Meter lange Bauwerk unterliegt als Monument historique dem Denkmalschutz und ist seit 1998 Teil des Weltkulturerbes der UNESCOWege der Jakobspilger in Frankreich“.

Die Kathedrale wurde im 13. und 14. Jahrhundert nach dem Modell der großen nordfranzösischen Kathedralen errichtet. Ihren ursprünglichen Ruf erreichte sie durch eine dort aufbewahrte Reliquie mit dem Blut Johannes des Täufers. 1561 wurde sie von Hugenotten verwüstet, das dreifache Portal, eines der schönsten Beispiele der Bildhauerkunst der Gironde, konnte jedoch vor der Zerstörung gerettet werden. Mit Geld des französischen Parlamentes und unter großem persönlichen Einsatz des Bischofs Arnaud de Pontac konnte die Kirche zwischen 1583 und 1635 wieder aufgebaut werden.

In der Zeit der Französischen Revolution ging die Johannes-Reliquie verloren. Der Kreuzgang wurde zerstört, ebenso wie Mobiliar und Chorgitter. Die Letzteren konnten im 19. Jahrhundert durch Spenden ersetzt werden, darunter vor allem ein Altar aus der Zisterzienser-Abtei von Rivet.[3]

Westportal der Kathedrale von Bazas

Das zentrale Portal zeigt das letzte Gericht sowie die Geschichte von Johannes dem Täufer. Das Innere des Baus ist bemerkenswert durch sein langes und enges Kirchenschiff.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • bischöflicher Garten mit Überresten aus dem Zeitraum von der Eisenzeit bis ins 15. Jahrhundert
  • Brèche, eine Ausfallpforte
  • Sultansgarten mit Rosengarten
  • Gisquet-Tor
  • ehemaliges Präsidialgericht
  • Markthalle im Rathaus
  • Pferderennbahn aus dem 19. Jahrhundert
  • Justizpalast aus dem 19. Jahrhundert, bis 2007 Sitz eines Amtsgerichtes (Tribunal d'instance)
  • Ursulinenkloster aus dem 17. Jahrhundert
  • Maison de l'Astronome (Monument historique)

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Bazas

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ausonius (* um 310; † 393 oder 394), spätantiker hoher gallo-römischer Staatsbeamter und Dichter
  • Clemens V. (* zwischen 1250 und 1265; † 20. April 1314), Papst
  • Arnaud de Pontac (1572–1605), Bischof von Bazas
  • Edme Mongin (1668–1746), Bischof von Bazas und Mitglied der Académie française
  • Anatole de Monzie (1876–1947), Politiker
  • François Mauriac (1885–1970), Schriftsteller aus Bordeaux, hatte starke Bindungen an die südliche Gironde. In seinem Roman Die Tat der Thérèse Desqueyroux beschreibt er Bazas und sein Gericht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes de la Gironde. Flohic Éditions, Band 1, Paris 2001, ISBN 2-84234-125-2, S. 115–123.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bazas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pierre Miquel: Les Guerres de Religion. France loisirs, Paris 1980, ISBN 2-7242-0785-8, S. 234.
  2. Gedenkplakette an der Hauswand
  3. Zur Baugeschichte WHC Nomination Documentation (PDF, 88,9 MB!), Bewerbungsunterlagen für die Ernennung zum Welterbe, hier: Abschnitt „Bazas, Ancienne Cathedrale Saint-Jean-Baptiste“