Deutsch-russische Beziehungen

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deutsch-russische Beziehungen
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Deutsch-russische Beziehungen (Russland)
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Standorte_Deutscher_Konsulate

In den deutsch-russischen Beziehungen wechselten sich Kooperation und Allianz und (offene) Feindseligkeit ab. Seit dem Ende des Kalten Krieges, der mit der deutschen Wiedervereinigung einherging, führen Deutschland und Russland eine strategische Partnerschaft.

Deutschland verfügt über die Deutsche Botschaft Moskau und Generalkonsulate in Jekaterinburg, Kaliningrad, Nowosibirsk und Sankt Petersburg sowie über Honorarkonsuln in Omsk und Saratow. Russland unterhält eine Botschaft in Berlin und Generalkonsulate in Bonn, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig und München, Honorarkonsuln sind in Düsseldorf, Nürnberg und Stuttgart tätig.

Geschichte der bilateralen politischen Beziehungen[Bearbeiten]

Römische Kaiser und Kiewer Rus[Bearbeiten]

Die Anfänge der deutsch-russischen Beziehungen reichen weit in die Geschichte der beiden Völker zurück. Die erste bekannte Berührung zwischen den Vorfahren der Deutschen und Russen fand zu einer Zeit statt, als es „Deutsche“ und „Russen“ noch gar nicht gab. Selbst die Begriffe „Deutsch“ und „Russisch“ waren noch weit von ihrer späteren fest umrissenen geographischen Begrenzung entfernt. Als ein politisches Gebilde formierte sich auf deutscher Seite seit 843 das Ostfränkische Reich, das sich unter den Ottonen im 10. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich, einem Vorläufer des Deutschen Staates, weiterentwickelte. Auf russischer Seite entstand seit 882 das Reich der Kiewer Rus, das seit 988 in der Herrschaftszeit Wladimirs des Heiligen den orthodoxen Glauben, anstatt den lateinischen Glauben führte.

Die deutsch-russischen Beziehungen waren zunächst gekennzeichnet durch:

  • zunächst einseitige erfolglose Missionierungsversuche von West nach Ost, als erste Brückenschlagsversuche
  • politisch-dynastische Kontakte durch Verbindungen zwischen den Herrscherhäusern und Bündnissabkommen und Beistandspakte.
  • Handelsbeziehungen, die sich als stabilisierendes Element in den Beziehungen auch in Krisen- und Umbruchszeiten erwiesen.

Über fünf Jahrzehnte versuchten zunächst westliche Missionare die bis zur Herrschaftszeit Wladimirs heidnischen Ostslawen zum Christentum zu bewegen. Der Anstoß dazu ging von Olga, der Witwe des 945 verstorbenen Kiewer Fürsten Igors aus. Diese rief westliche Missionare in das Land als möglichen Ausgleich gegen eine Dominanz der Byzantinischen Seite. Die Römischen Kaiser waren stark in die Auseinandersetzungen der Aufrechterhaltung der Reichsordnung, der Kirchenpolitik, Italien und anderen Problemen beschäftigt, als das sie die Entwicklungen an der Ostgrenze hätten vollständig erfassen können. Zudem lag das Land der Rus noch hinter denen der Westslawen, deren Elb- und Ostseeslawen erst 983 einen großen Aufstand gegen die Reichsherrschaft unternahmen und die Kräfte des Reiches voll banden.

Dennoch setzten die politischen Beziehungen früh ein. Für das Jahr 973 bezeugt Lampert von Hersfeld, dass eine Gesandtschaft von Russen auf dem letzten Reichstag Ottos I. in Quedlinburg anwesend war. Für das Reich wird die Kiewer Rus im 11. Jahrhundert zu einer Macht, mit der man zu rechnen beginnt. Ein erstes Bündnis zwischen Römischen Kaiser und der Kiewer Rus folgte 1017. Es richtete sich gegen Boleslaw, der den Lehnseid gegen Heinrich II. verweigerte und folglich seit 1004 Feindseligkeiten zwischen dem Reich und Polen geführt wurden. Das Senioratsprinzip in der Kiewer Rus führte regelmäßig zu Erbstreitigkeiten der nachfolgenden Brüder. Nach dem Tod Jarsolaws 1054, entstand zunächst ein Triumvirat, das jedoch nicht lange hielt. Einer der Brüder, Isjaslaw I. wurde von den anderen im Zuge der Machtkämpfe von beiden Brüdern in den Westen vertrieben. 1075 empfing ihn Heinrich IV. in Mainz, der ihn Hilfe gegen den inzwischen etablierten Großfürsten Swjatoslaw in Kiew zusicherte. Zu einem Eingreifen Heinrichs in den Machtkampf kommt es aber aufgrund gewandelter Mächtekonstellationen nicht mehr. 1076 wird der Kirchenbann über Heinrich IV. verhängt und der Großfürst Swjatoslaw stirbt im gleichen Jahr.[1]

Erst mehr als ein Jahrzehnt später findet eine Koalition zwischen den Herrscherhäusern statt. 1089 heiratet Heinrich IV. Eupraxia, die Tochter des Kiewer Großfürsten Wsewolod. Danach vergehen mehr als hundert Jahre, bevor nochmal ein Bündnis zwischen deutschen und einem russischen Fürsten geschlossen wird. In den Krieg zwischen Welfen und Staufern greift 1205 Roman Msitslawitsch auf Seiten Ottos von Braunschweig ein. Er wird aber auf einem Feldzug nach Westen von den Polen an der Weichsel getötet.[2]

Hanse, Deutscher Ordensstaat und Russische Fürstentümer[Bearbeiten]

Die 240 Jahre mongolischer Herrschaft von 1240 bis 1480 isolierten die russischen Gebiete von den westeuropäischen so gründlich, dass in dieser Zeit kaum Beziehungen aufrecht gehalten wurden. Es bestanden zwar zu dieser Zeit noch immer lebhafte Handelsbeziehungen zwischen den russischen Stadtrepubliken Nowgorod und der Republik Pskow einerseits und den Hansestädten sowie den Gebieten der Ordensritter andererseits. Auf der anderen Seite kam es auch zu kriegerischen Phasen zwischen dem expansiven Deutschen Ordensstaaten im Baltikum und Nowgorod, deren Höhepunkt die Schlacht auf dem Peipussee 1242 bildete, in der der Ostdrang der deutschen Ritter durch Alexander Newski gestoppt wurde.

Mit der Zeit entwickelte sich das Großfürstentum Moskau zum dominierenden russischen Zentrum. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts forcierte Moskau die Unterwerfung Nowgorods. Damit einher ging auch der Verlust der Beziehungen Nowgorods nach Westen. Symbolisch steht hierfür die Schließung des Hansekontors Peterhof 1494 durch Iwan III.[3]

Habsburg und Großfürstentum Moskau[Bearbeiten]

Durch die Entstehung des russischen Reiches um dessen Zentrum Moskau und die Abschüttelung des Tatarenjochs wuchs am Ende des 15. Jahrhunderts die Bedeutung der Großfürsten von Moskau und ließ das russische Reich etappenweise in die europäische Staatenwelt eintreten. Die Haltung, die Moskau gegen die Großmacht Polen-Litauen einnahm und die Stärke die man ihm zugestand, machte es für die etablierten west- und mitteleuropäischen Mächte als Bündnispartner interessant. So ließ der habsburgische Kaiser die Möglichkeiten eines Bündnisses mit Moskau sondieren. Im Laufe der Jahre empfing man in Moskau eine Reihe von kaiserlichen Gesandten, darunter Sigismund von Herberstein. Nach den Sondierungen eines Bündnisses gegen Polen-Litauen verschoben sich die gemeinsamen Themen zwischen dem Großfürstentum Moskau und dem habsburgischen Kaiser auf eine gemeinsame Abwehr der osmanischen Angriffe.[4]

In der Diplomatie ging es den Russischen Zaren in den Verhandlungen mit dem Römischen Kaiser auch darum, die Ranggleichheit des Titels Zar mit dem des Kaisers herzustellen. Diese wurde traditionell abgelehnt (vgl. Zweikaiserproblem).

Beziehungen zur Zeit des Absolutismus[Bearbeiten]

Inzwischen erholte sich das Russische Zarentum von der Zeit der Wirren (1606-1613) und eignete sich 1649 die Ost-Ukraine an. 1689 wurde Peter I. mit 18 Jahren Zar und begann Russland grundlegend zu verändern. Er suchte im Westen nach Mustern und Vorbildern für seine militärischen und wirtschaftlichen Vorhaben.

Der russische Zar Peter I. pflegte sich alljährlich für die kostbaren Geschenke, die ihm der preußische König gemacht hatte, mit einer Lieferung von "Riesen" zu revanchieren.
Abgebildet ist der Grenadier Schwerid Rediwanoff aus Moskau, einer der Männer, die Peter der Große im Geschenkaustausch gegen das Bernsteinzimmer nach Berlin schickte.

Dieser Kurs förderte eine stärkere diplomatische Einbindung Russlands in das westeuropäische Staatensystem. Seine Große Gesandtschaft von 1697, der er sich incognito anschloss, führte 1697 zu einem ersten Freundschaftsvertrag mit dem Kurfürstentum Brandenburg und auf der vorzeitigen Rückreise 1698 zu einem Pakt gegen Schweden mit August dem Starken. Dies war ein diplomatischer Auftakt für den Großen Nordischen Krieg (1700–1721). Peter hatte auch die Königswahl August I. für den polnischen Thron unterstützt. Russland war von 1700 bis 1706, 1709 bis 1719 mit dem Kurfürstentum Sachsen und ab 1715 mit dem Königreich Preußen gegen Schweden verbündet. Der Krieg endete mit einem Sieg der Allianz und schloss mit der Proklamation des Russisches Kaiserreiches im Jahre 1721. Mit der Gründung des Königreichs Preußen im Jahre 1701 und der finanziellen Überanstrengung Sachsens in Polen (vgl. Sachsen-Polen) und den Kriegen, wurde Preußen die protestantische Führungsmacht in Deutschland und löste damit das Kurfürstentum Sachsen ab, das trotz wirtschaftlicher Blüte nicht so starke zentralstaatliche Strukturen bilden konnte wie sein protestantischer Rivale im Norden und sukzessive im Zeitalter des Absolutismus an Macht einbüßte. Mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. traf sich Peter I. mehrmals im freundschaftlichen Rahmen und schenkte dem preußischen König, der einen Hang für alles Militärische besaß, eine Kompanie langgewachsener Kerle.[5]

Europa zur Zeit des Siebenjährigen Krieges

Der aufkommende preußisch-österreichische Dualismus gab Russland die Möglichkeit, in die Rolle des Schiedsrichters hineinzuwachsen. Die Politik Peters kalkulierte beide Mächte in die Überlegungen ein. Durch die erfolgte Verschärfung des Gegensatzes wurden die Herrscher nach Peter I. ein Stück weit pro-österreichischer, wenngleich auch pro-preußische Stimmen am Petersburger Hof (Burkhard Christoph von Münnich) vertreten waren.

Im Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738). Das Bündnis brach jedoch im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) und im Siebenjährigen Krieg (1756–1763). Die Koalition Österreichs mit Russland und Frankreich gegen die Expansion Preußens hatte Friedrich II. an den Rand der Niederlage gebracht. Nur der Tod der Kaiserin rettete Preußen vor der Kriegsniederlage. 1762 folgte Peter III., ein holsteinischer Prinz und Bewunderer Friedrichs, der Kaiserin Elisabeth auf dem Petersburger Thron. Er schloss mit dem preußischen König sofort einen bedienungslosen Separatfrieden und einen Freundschaftspakt. Friedrich II. hatte nun den Rücken frei, der Hubertusburger Frieden von 1763 bestätigte Preußen als europäische Großmacht. Die Verbindung mit Russland wurde für Friedrich den Großen von nun an ein Grundpfeiler seiner Außenpolitik.

Die negativen Folgen eines Zusammengehens zwischen Preußen und Russland entstanden für das innenpolitisch stark geschwächte Polen-Litauen, das von den beiden Mächten und Österreich in den Jahren 1772, 1793 und 1795 unter sich aufgeteilt wurde. Damit wurden Preußen und Russland nun unmittelbare Nachbarn.

Russisch-preußische Militärparade 1835 in Kalisch

Russland und Preußen reagierten gegen die Französische Revolution und waren der alliierte Teil der Koalitionen gegen das neue Regime in den Französischen Revolutionskriegen und später den napoleonischen Kriegen. Nachdem Napoleon in Russland gescheitert war, schloss der preußische General Yorck mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember 1812. Yorck war Kommandierender General eines preußischen Hilfskorps, das nach den Verpflichtungen des Pariser Bündnisses zwischen Preußen und Frankreich zur Grande Armée Napoleons gehörte. Das Yorcksche Korps erklärte sich in der Konvention als neutral. Diese Vereinbarung war der Auftakt einer deutsch-russischen Bündnispolitik, die fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dauerte. Zunächst bildete sich eine Koalition, zwischen Russland und Preußen, der sich später Österreich und andere Staaten anschlossen. Russland wurde in Deutschland als Befreier von Napoleonischer Fremdherrschaft gefeiert. Aus der Waffenbrüderschaft der folgenden Befreiungskriege entstand 1815 die Heilige Allianz, ein Bund der Monarchen Russlands, Österreichs und Preußens. Zweck des Paktes war, den vom Wiener Kongress beschlossenen Status zu sichern. Der Pakt wurde durch russisch-österreichische Interessengegensätze auf dem Balkan beendet.

Das deutsche und das russische Imperium[Bearbeiten]

Tschitscherin (2. von rechts, mit Aktentasche) in Rapallo 1922, u. a. mit Joseph Wirth (2. von links) und A. A. Joffe (ganz rechts)
Am 24. August 1939 unterzeichnet Molotow im Kreml den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt.
Im Hintergrund: Joachim von Ribbentrop und Josef Stalin

Aus der zentralen Lage Deutschlands entstand für Bismarck die Aufgabe, den Zwist in Europa auszugleichen. Auf dem Berliner Kongress 1878 gelang es ihm, den Konflikt zwischen Russland, Großbritannien und Österreich-Ungarn um die Vorherrschaft auf dem Balkan zu schlichten. Doch bezahlte er dies mit einer Verstimmung Russlands, das benachteiligt worden war.

Der Riss in der deutsch-russischen Freundschaft, der durch Bismarcks Gleichgewichtspolitik entstanden war, wurde durch das Dreikaiserbündnis von 1881 überdeckt, das 1884 erneuert wurde. Nachdem der russisch-österreichische Gegensatz 1887 erneut sichtbar wurde, konsolidierte Bismarck die deutsch-russische Partnerschaft durch den geheimen Rückversicherungsvertrag, der Russland von der Furcht vor einem gemeinsamen deutsch-österreichischen Angriff befreite. Der Vertrag galt für drei Jahre.

Während der Herrschaftszeit Wilhelms II. konnte nur noch der Schein einer deutsch-russischen Freundschaft aufrechterhalten werden. Der Rückversicherungsvertrag wurde von Bismarcks Nachfolger, Leo von Caprivi, 1890 nicht erneuert. Russland schloss daraufhin 1892 mit Frankreich eine Militärkonvention.

Als die russisch-österreichische Konkurrenz auf dem Balkan den Ersten Weltkrieg auslöste, wurde das Deutsche Reich in einen Zweifrontenkrieg verwickelt. Um den Zusammenbruch der russischen Armee zu beschleunigen und dadurch den Krieg im Osten zu beenden, ließ Erich Ludendorff den Führer der Kommunisten, Wladimir Lenin, aus dessen Schweizer Exil im verschlossenen D-Zug durch Deutschland reisen. Gleich nachdem Lenin die Macht in St. Petersburg übernommen hatte, begannen in Brest-Litowsk die Friedensverhandlungen der Mittelmächte mit den Bolschewiki. Sowjetrussland verzichtete im Vertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918 unter Protest auf große Gebiete.

Weimarer Republik und Sowjetunion[Bearbeiten]

Bei der Weltwirtschaftskonferenz von Genua im April 1922 fanden die sowjetischen Vertreter, ebenso wie die deutsche Delegation kaum Gehör. Der Westen hatte die Sowjetunion bis dahin de jure noch nicht anerkannt, zumal diese es ablehnte, die finanziellen Verpflichtungen des vormaligen Kaiserreichs anzuerkennen. Deutschland vermochte wiederum die Alliierten nicht zu bewegen, ihre Reparationsforderungen zu reduzieren. Diese Isolierung war der Grund dafür, dass der deutsche Außenminister Walter Rathenau und sein sowjetischer Kollege Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin im benachbarten Rapallo einen Vertrag aushandelten. Der Vertrag von Rapallo bedeutete die Wiederherstellung eines gutnachbarschaftlichen Verhältnisses: Wiederaufnahme diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen und Verzicht auf die Rechte aus den Verträgen von Brest-Litowsk und Versailles.

Der Chef der deutschen Heeresleitung, General von Seeckt, hatte schon vor Abschluss des Rapallo-Vertrages veranlasst, dass die Reichswehr mit der vom Kriegskommissar Trotzki aufgebauten Roten Armee zusammenarbeitete. Die deutsche Rüstungsindustrie entwickelte in der Sowjetunion Flugzeuge, Panzerwagen und Kampfstoffe. Deutschland stellte dafür Industrieausrüstung und Instrukteure zur Verfügung.

Nationalsozialistisches Deutschland und Sowjetunion[Bearbeiten]

Hitlers Machtübernahme bedeutete zunächst das Ende des deutsch-sowjetischen Gleichklangs. Der aufkommende Gegensatz zwischen Berlin und Moskau basierte auf der ideologischen Todfeindschaft zwischen Nationalsozialismus und Bolschewismus und fand seine Verschärfung durch völkerrechtliche Vereinbarungen, wie z. B. den Antikominternpakt zwischen Japan und Deutschland (1936), dem später unter anderem Italien, Ungarn, Spanien, Mandschukuo und Nanking-China beitraten.

Ungeachtet dessen unterzeichneten die Außenminister Ribbentrop und Molotow am 23. August 1939 in Moskau einen Nichtangriffspakt, der vier Wochen später, am 28. September, wiederum in Moskau durch den Abschluss des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages und des Geheimabkommens über die Aufteilung Polens komplettiert wurde.

Molotows Besuch in Berlin im November 1940 offenbarte den tiefen Interessengegensatz zwischen beiden Staaten. Acht Monate später marschierte die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Vier Jahre danach stand die Rote Armee in Berlin und an der Elbe.

Geteiltes Nachkriegsdeutschland und Sowjetunion[Bearbeiten]

Die Verbrechen der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg brachten großes Leid über die Menschen in der damaligen Sowjetunion. Die Nachkriegszeit war aufgrund dieser historischen Belastung und der Teilung Europas und der Teilung Deutschlands ebenfalls nicht einfach, und nur langsam kam es in den Jahren der Nachkriegszeit zur Versöhnung. Zunächst waren die vier Besatzungszonen absolut von den Siegermächten abhängig.

Bundesrepublik Deutschland – Sowjetunion[Bearbeiten]

Durch den sich verschärfenden Ost-West-Konflikt und eine immer klarere Bindung Westeuropas an die Vereinigten Staaten von Amerika fühlte sich die UdSSR Anfang der fünfziger Jahre durch die geplante Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unter Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland bedroht. Am 10. März 1952 bot Josef Stalin den Westmächten (Frankreich, Großbritannien, USA) in einer Note vom 10. März 1952 Verhandlungen über die Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands an; diese Vorschläge wurden als Stalin-Note bekannt. Die Westmächte und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer fassten die Initiative des sowjetischen Staatschefs als Störmanöver auf und lehnten sie ohne jede Verhandlungsbereitschaft ab.

Zehn Jahre nach Kriegsende lud die sowjetische Staats- und Parteiführung unter Nikita Chruschtschow und Nikolai Bulganin Bundeskanzler Adenauer offiziell nach Moskau ein, um über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu verhandeln. Am 8. September 1955 flog er mit einer großen Delegation aus 141 Personen nach Moskau. Neben einer ersten Normalisierung zwischen dem westdeutschen Teilstaat und der Sowjetunion brachte der Besuch auch die Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen und Zivilinternierten aus der UdSSR in die Bundesrepublik. Die erste Botschaft der Sowjetunion auf bundesdeutschem Staatsgebiet befand sich im ehemaligen Hotel Rolandseck-Groyen in Rolandswerth südlich von Bonn, bis die Botschaft ab 1976 ihren Sitz auf die Viktorshöhe im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg verlegte. Sie war der Sowjetunion im Gegenzug (sog. „Gegenseitigkeitsabkommen“) für ein Grundstück für die deutsche Botschaft auf den Leninbergen in Moskau verkauft worden. Die auf der Viktorshöhe in den 1980er-Jahren errichteten Botschaftsneubauten waren im Unterschied zu den restlichen Bonner Botschaften auf weitgehende Selbstversorgung ausgerichtet und bildeten einen eigenen „Stadtteil“. Im Juni 1989 führte Michail Gorbatschow von dort im Rahmen eines Staatsbesuchs für den Zeitraum einer Woche die Regierungsgeschäfte.[6]

DDR – Sowjetunion[Bearbeiten]

Die Sowjetunion übertrug der Deutschen Demokratischen Republik erst nach dem Scheitern der Außenministerkonferenz der vier Besatzungsmächte in Berlin (25. Januar – 18. Februar 1954) „erweiterte Souveränitätsrechte“. Sie sollte, mit Ausnahme von Sicherheits- und Vier-Mächte-Fragen, „nach eigenem Ermessen über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten“ einschließlich der Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland bestimmen. Formal war damit die absolute Abhängigkeit von der UdSSR beendet. In der Praxis blieb die DDR aus Sicht ihres ideologischen Gegners, Westdeutschlands,[7] ein sowjetischer Satellitenstaat.[8]

Unmittelbar nach Adenauers Besuch in Moskau reiste DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl ebenfalls nach Moskau und verhandelte über die volle Souveränität der DDR. Es wurde ein Vertrag über die gegenseitigen Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion unterzeichnet. Die UdSSR setzte sowohl die Befehle und Anordnungen der SMAD und der Sowjetischen Kontrollkommission als auch die Kontrollratsbeschlüsse von 1945 bis 1948 für das Territorium der DDR außer Kraft. Sowjetische Truppen blieben jedoch weiterhin dort stationiert. Am 17. Juli 1956 schlossen die Sowjetunion und die DDR eine Vereinbarung über die Herabsetzung der Unterhaltskosten für die sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet der DDR um 50 Prozent sowie über die Gewährung eines langfristigen Kredits an die DDR und die Erhöhung der gegenseitigen Warenlieferungen. Hinzu kam ein weiterer Vertrag über die zeitweilige Stationierung sowjetischer Streitkräfte in der DDR (Truppenstationierungsvertrag vom 12. März 1957).

Wiedervereinigtes Deutschland und Russische Föderation[Bearbeiten]

Das Logo des Petersburger Dialogs
Putin mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (rechts) 2005

Die rechtliche Grundlage der Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands und der Russischen Föderation bilden der Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 9. November 1990 und die Gemeinsame Erklärung des Präsidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21. November 1991. Weiterhin von grundlegender Bedeutung ist der Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12. September 1990. Seit 1990 entwickelten sich Beziehungen besonderer Art zwischen beiden Ländern. Zum einen war die deutsche Seite dankbar für die friedliche Wiedervereinigung und die problemlose Abwicklung der Folgeauswirkungen, zum anderen fühlte sich Deutschland als Impulsgeber und Motor für eine stärkere Integration Russlands in europäische Strukturen und warb für Kredite und Investitionen in Russland.[9] Seit der Kanzlerschaft Gerhard Schröders und dem Wirtschaftsaufschwung in Russland unter Wladimir Putin sind die deutsch-russischen Beziehungen insbesondere im Bereich der Wirtschaft, aber auch beim politischen Dialog so intensiv wie noch nie. Seit 1998 finden jährlich bilaterale Regierungskonsultationen auf höchster Ebene statt. Am 8. November 2011 eingeweiht wurde die Nord-Stream-Pipeline, welche russisches Erdgas vom Erdgasfeld Juschno-Russkoje durch die Ostsee ohne die Problematik von Transitländern direkt nach Deutschland transportiert.

Derzeitige bilaterale Austauschplattformen
  • Deutsch-Russische strategische Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Finanzen (SAG): Ziel der SAG ist eine verstärkte bilaterale Zusammenarbeit und die Verbesserung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen; gegründet 2000.
  • Petersburger Dialog: Das Diskussionsforum hatte sich zum Ziel gesetzt, die zivilgesellschaftliche Verständigung zu fördern; gegründet 2001, für das Jahr 2014 ausgesetzt.
  • Deutsch-Russische Regierungskonsultation: Diese feste Institution dient der Behandlung wichtiger bilateraler Themen im engen und intensiven Dialog zwischen den Ministerien beider Staaten. Die Regierungskonsultationen finden seit 1999 jährlich alternierend in beiden Ländern statt.

Als Wladimir Putin im September 2004 zu deutsch-russischen Konsultationen in Hamburg erwartet wurde, sollte ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen werden. Dutzende Professoren sprachen sich allerdings dagegen aus und eine deutschlandweite Diskussion wurde in Gang gesetzt. Gleichzeitig ereignete sich im nordkaukasischen Beslan ein Geiseldrama, das nun alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Konsultationen wurden daraufhin wegen der Ereignisse im Nordkaukasus abgesagt. Als Putin den Besuch in Hamburg am 20. Dezember 2004 nachholte, war von einer Würdigung nicht mehr die Rede.

Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges schrieb die Welt: "Mindestens ein Jahrhundert trennt die Weltsicht Berlins und Moskaus. Hier der eher pragmatische Ansatz, geprägt vom Glauben an das internationale Recht, an die europäische Integration und daran, dass militärische Mittel nur als letzte, wenn irgendwie möglich zu vermeidende Option in Betracht kommen. Dort in Russland hingegen nacktes Grossmachtdenken." [10]

Geschichte der kulturellen Beziehungen beider Länder[Bearbeiten]

Die Nemezkaja Sloboda, zeitgenössische Darstellung

Die kulturellen Beziehungen beider Länder reichen weit zurück. Nach der Befreiung von der Mongolenherrschaft um das Jahr 1480 begann die Öffnung nach Europa. Schon die Moskauer Großfürsten beziehungsweise Zaren Iwan III. und Iwan IV., ließen Handwerker, Militärs und andere Spezialisten wie Ärzte, Apotheker, Gelehrte, Techniker, aber auch Waffenschmiede, Kanonengießer, Ingenieure und militärische Instrukteure in Deutschland anwerben. In Moskau entstand so bereits im 16. Jahrhundert eine große Ausländersiedlung, die „Deutsche Vorstadt“. Als Lebensraum wurde den ausländischen Fachkräften diese besondere Örtlichkeit etwa zwei Kilometer nordöstlich vom Zentrum Moskaus entfernt zugewiesen. Auch in anderen Städten vor allem Nordwestrusslands lebten zahlreiche Deutsche als russische Untertanen. Unter den frühen Romanows waren im 17. Jahrhundert viele Deutsche nicht nur in Handel, Wirtschaft, Handwerk und Militär, sondern auch am Hof der Zaren in Moskau in wichtigen Funktionen tätig.

Nach einer Zeit der Wirren und einem Rückgang der Beziehungen setzte vor allem Peter der Große diese Tradition fort und öffnete um 1700 das Zarentum Russland westeuropäischen und damit auch deutschen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur, auch indem er viele deutsche Gelehrte und Fachexperten nach Russland holen ließ. Mit keinen anderen westeuropäischen Ausländern hatten Russen seit dem 18. Jahrhundert so zahlreiche und vielfältige Verbindungen wie mit Deutschen. Bedeutend geringer war die Zahl französischer und italienischer Künstler, Kaufleute, Handwerker und Pädagogen, die meist nur in Petersburg, Moskau und einigen größeren Gouvernementstädtchen lebten. Noch geringer war die Zahl der Engländer, Holländer, Griechen, Spanier usw. Dagegen traf man deutsche Gelehrte und Handwerker selbst in den kleinen Städten Russlands.[11] Bei der Verwirklichung seiner Reformabsichten – die ihn insbesondere bei seinen kürzeren Auslandsaufenthalten im Heiligen Römischen Reich 1711 und 1712/13 geprägt hatten – bediente sich der Zar vor allem der deutschen Frühaufklärung, die in Russland im 18. Jahrhundert zur vorherrschenden Denkrichtung werden sollte.[12] Insbesondere die ersten bedeutenden russischen Wissenschaftler Wassili Nikititsch Tatischtschew, Michail Wassiljewitsch Lomonossow und Wassili Kirillowitsch Trediakowski waren von deutschen Gelehrten wie Leibniz und Wolff beeinflusst.

Infolge der Großen Gesandtschaft Peters 1697/98 begann ab 1698 an der Universität Halle die geregelte Unterrichtung in Russisch. Halle bildete zu dieser Zeit ein Zentrum des Pietismus, einer Reformbewegung im deutschen Protestantismus, und preußisches Gegenstück zur sächsischen Universität Leipzig. Dieser erstmalige universitäre Russischunterricht in Deutschland war mit der Tätigkeit der hallensischen Pietisten um August Hermann Francke verbunden. Das Interesse der Pietisten für die Russen erwuchs zunächst aus religiösen Motiven. Im russisch-orthodoxen Glauben sahen der Theologe Francke und seine Anhänger eine Frömmigkeit, die dem Pietismus näher stand als dem Katholizismus. So setzte es sich der Theologieprofessor Francke zum Ziel, nicht nur pietistische Geistliche für deutsche evangelische Gemeinden in Russland, Ost- und Südeuropa auszubilden, sondern durch sie auch auf die russisch-orthodoxe Bevölkerung im Sinne des Pietismus Einfluss zu nehmen. Die Ausstrahlung des Halleschen Pietismus nach Russland war vielfältig und wirkte in unterschiedliche Bereiche der russischen Gesellschaft hinein. So leitete Laurentius Blumentrost ab 1716 den Aufbau der Russische Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Er wurde ihr Gründungspräsident. Francke baute vielfältige Beziehungen nach Russland auf. Seine Mitarbeiter gingen nach St. Petersburg, Moskau und nach Sibirien. Dort wirkten sie als Mediziner, Hauslehrer, Pastoren und Beamte. Hallesche Wissenschaftler, wie der Francke-Schüler Georg Wilhelm Steller, nahmen an Expeditionen (Daniel Gottlieb Messerschmidt) teil. In Narva, Astrachan sowie Tobolsk entstanden Waisenhäuser nach halleschem Vorbild.[13]

Der Einfluss von Deutschen auf die Geschichte Russlands nahm unter den Nachfolgern Peters des Großen noch weiter zu: Minister und Ratgeber kamen aus Deutschland und die Familie der Romanows vermischte sich als Teil einer dynastischen Politik mit anderen europäischen Häusern. Die aus Deutschland stammende russische Kaiserin Katharina II. (1729-1796, Kaiserin ab 1762), Vertreterin des aufgeklärten Absolutismus, wollte mit einer Peuplierungspolitik, ähnlich wie in Preußen die neuerworbenen Gebiete im Süden des Landes der Gesamtwirtschaft nutzbar zu machen und sie kultivieren. Deshalb erließ Katharina II. am 22. Juli 1763 ein Manifest, in dem alle Ausländer aufgefordert wurden, sich in Russland niederzulassen. Die große planmäßige Ansiedlung deutscher Bauern in Russland begann 1763 und dauerte bis Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts. In den Jahren 1804 bis 1842 fand die stärkste Auswanderung aus Süd- und Südwestdeutschland bis in die Gegend von Odessa, nach Bessarabien, in die Krim und in den Südkaukasus statt. Insgesamt wurden in diesen Gebieten 181 Dörfer (Mutterkolonien) gebildet (vgl. Geschichte der Russlanddeutschen).

„Die Entstehungsgeschichte deutscher und russischer Humanität, ist nicht auch sie dieselbe, eine Leidensgeschichte nämlich?
Welche Verwandtschaft in dem Verhältnis der beiden nationalen Seelen zu Europa, zum Westen, zur Zivilisation, zur Politik, zur Demokratie!“

von Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen (1917).[14]

Vor allem im 19. Jahrhundert wurde deutsche Literatur und Philosophie in Russland mit Begeisterung rezipiert; Puschkin orientierte sich an Vorbildern der deutschen Romantik, Dostojewskij rezipierte Schiller, Tolstoj bezog sich auf Hegel („Herr und Knecht“). Die Debatte zwischen Westlern und Slawophilen belebte das Interesse an der deutschen Kultur, weil diese seit der Romantik die negativen Nebenfolgen der Modernisierung explizit mitreflektierte. Zugleich blieb die klassische Musik des 19. Jahrhunderts ein Referenzpunkt. Ende des 19. Jahrhunderts begann man sich in Deutschland für die russische Literatur zu begeistern; Dostojewskij wirkte nachhaltig auf Nietzsche, und Tolstojs Erzählungen erschienen im 20. Jahrhundert an Schlüsselstellen in Martin Heideggers Schriften. Das Russlandbild der meisten Deutschen wurde von der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts nachhaltig geprägt.

Für die Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine intensive gegenseitige Beeinflussung in der Kunst (Blauer Reiter), Literatur und Architektur (Bauhaus / Avantgarde). Russisches Kulturleben blühte nach der Oktoberrevolution vor allem in Berlin und anderswo in Deutschland, und Charlottenburg wurde zu „Charlottengrad“.

Die Jahrzehnte nach 1945 waren noch von den Kriegserfahrungen geprägt. Doch das Interesse an der Kultur des anderen Landes blieb selbst in den dunkelsten Zeiten des 20. Jahrhunderts bestehen und konnte weder durch die nationalsozialistische Propaganda, welche anti-sowjetische mit anti-russischer Propaganda verschmolz, noch durch die Kriegsverbrechen der Deutschen nachhaltig zerstört werden.[15] Die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zum „Bruderland“ DDR galten als vorbildlich unter den Ländern des sozialistischen Lagers. Bereits im Juni 1947 gründete sich die „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“, die auf dem 2. Kongress im Juli 1949 in Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) umbenannt wurde. Diese Organisation sollte zunächst vor allem durch Kulturarbeit die antisowjetische Haltung in der Bevölkerung der SBZ beseitigen helfen. Zentren der politischen wie kulturellen Arbeit waren die Häuser der DSF, die im weitesten Sinne als Kulturhäuser eingerichtet und betrieben wurden.

Deutsche Filme, TV-Sendungen und literarische Werke waren in der Sowjetunion sehr verbreitet, die deutsche Sprache war nach der englischen Sprache an den Schulen und Universitäten die nächstverbreitete Fremdsprache. Weniger propagiert war die Kultur aus Westdeutschland. Doch durch die Nähe zur DDR entspannte sich auch das Verhältnis zwischen Sowjetunion und der Bundesrepublik im Laufe der 1980er Jahre. Auch Werke wie die von Heinrich Böll, Günter Grass and Wolfgang Koeppen erhielten beachtliche Auflagen.

Nach der Deutschen Einheit und dem Abzug der russischen Truppen aus Ostdeutschland konnte kulturpolitisch wieder an eine tiefe historisch bedingte Verbundenheit zwischen Deutschland und Russland angeknüpft werden. Dadurch konnte sich ein enger kultureller und bildungspolitischer Austausch entwickeln. 2003 wurde ein Regierungsabkommen zur Förderung des gegenseitigen Erlernens der Partnersprache abgeschlossen. Rund 12.000 junge russische Staatsbürger studieren inzwischen an deutschen Hochschulen. Im April 2005 wurde eine gemeinsame Erklärung für eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation unterzeichnet. Seit 2006 gibt es Koordinierungsbüros in Hamburg und Moskau für den bilateralen Schüler- und Jugendaustausch. Das Goethe-Institut ist an vielen Orten in Russland präsent, in Moskau, St. Petersburg und seit Frühjahr 2009 in Nowosibirsk. Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten (vgl. Deutsch-Russisches Haus).

Ein Träger der russischen Kultur in Deutschland ist das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur, eine ausländische Vertretung der Föderalen Agentur für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Die Tätigkeit des Hauses ist auf die Entwicklung vielseitiger russisch-deutscher Beziehungen auf den Gebieten der Kultur, Wissenschaft, Technik und der geschäftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland gerichtet.

Eines der bislang ungelösten Probleme in den Kulturbeziehungen beider Völker ist die Frage der Beutekunst, kriegsbedingt verlagerte Kunst- und Kulturgüter aus deutschen Sammlungen, die seit 1945 bis heute in Einrichtungen der Russischen Föderation verwahrt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Kamp, Peter Jahn, Philip Springer: Unsere Russen, unsere Deutschen: Bilder vom Anderen 1800 bis 2000, Ch. Links Verlag, 2007. ISBN 978-3-86153-460-0.
  • Mechthild Keller (Hrsg.): Russen und Rußland aus deutscher Sicht, 9.–17. Jahrhundert, Bd. 1, München. ISBN 978-3-77052-292-7.
    • Russen und Rußland aus deutscher Sicht, 18. Jahrhundert: Aufklärung, Bd. 2, München. ISBN 978-3-77052-438-9.
    • Russen und Rußland aus deutscher Sicht, 19. Jahrhundert: Von der Jahrhundertwende bis zur Reichsgründung (1800–1871), Bd. 3, München. ISBN 978-3-77052-611-6.
    • (Hrsg.): Russen und Rußland aus deutscher Sicht, 19./20. Jahrhundert: Von der Bismarckzeit bis zum Ersten Weltkrieg, Bd. 4, München. ISBN 978-3-77052-647-5.
  • Hermann Strutz: "Ein Volk mit Visionen lebt auf - Deutsch-Russisches Pilotprojekt für den Frieden" Luther-Verlag, 2011. ISBN 978-3-78580-603-6.
  • Hermann Strutz: "Ein Volk mit Visionen lebt auf" in: Panorama, Intercultural Annual of Interdisciplinary Ethical and Religious Studies for Responsible Research, Volume 25/2013, Verlag der Carl Friedrich von Weizsäcker-Stiftung, 2013.
  • Hermann Strutz: "Partnerschaftsinitiative Lippstadt-Krasnojarsk" in: Friedenspädagogische Blätter Ausgabe 5 - Herausgeber: Norddeutsches Netzwerk Friedenspädagogik, 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mechthild Keller: Russen und Rußland aus deutscher Sicht, Bd. 1, München, S. 73.
  2. Mechthild Keller: Russen und Rußland aus deutscher Sicht, Bd. 1, München, S. 75.
  3. Mechthild Keller: Russen und Rußland aus deutscher Sicht, Bd. 1, München, S. 49.
  4. Mechthild Keller: Russen und Rußland aus deutscher Sicht, Bd. 1, München, S. 52.
  5. Mechthild Keller: Russen und Rußland aus deutscher Sicht, Bd. 2, München, S. 12.
  6. Der Kremlchef muß am Rhein regieren, Der Spiegel, 12. Juni 1989
  7. Vgl. Georg Stötzel, Martin Wengeler: Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland, de Gruyter, 1995, S. 296.
  8. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Bundesrepublik und DDR 1949–1990, C.H. Beck, München 2008, S. 252; Torsten Diedrich, Walter Süß (Hg.): Militär und Staatssicherheit im Sicherheitskonzept der Warschauer-Pakt-Staaten, Ch. Links, Berlin 2010, S. 321; Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit, 1949–1989–1999, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York 1999, ISBN 3-593-36240-6, S. 227.
  9. M. Alexander, G. Stökl: Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 7. Aufl., Stuttgart 2009, S. 819.
  10. Ukraine - Der Weg in den Krieg, Axel-Springer Verlag ISBN 978-3-944166-54-4
  11. Dagmar Herrmann (Hrsg.): Deutsche und Deutschland aus russischer Sicht 19. Jahrhundert: Von der Jahrhundertwende bis zu den Reformen Alexanders II., Reihe B, Bd. 3, München 1998, S. 14.
  12. Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren. 1547–1917, S. 170.
  13. Scientia halensis. Wissenschaftsjournal der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1/98, S.30-31.
  14. Dagmar Herrmann (Hrsg.): Deutsche und Deutschland aus russischer Sicht 19. Jahrhundert: Von der Jahrhundertwende bis zu den Reformen Alexanders II., Reihe B, Bd. 3, München 1998.
  15. Maja Heidenreich: Perspektiven der deutsch-russischen Kulturbeziehungen, ifa-Edition Kultur und Außenpolitik Kultur der Partnerschaft, 2011, S. 13.