Marling (Südtirol)

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Marling
(ital.: Marlengo)
Wappen
Wappen von Marling
Karte
Marling in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
2.535/2.814
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
86,41 % deutsch
13,41 % italienisch
0,17 % ladinisch
Koordinaten 46° 39′ N, 11° 8′ OKoordinaten: 46° 39′ N, 11° 8′ O
Meereshöhe: 270–1779 m s.l.m. (Zentrum: 363 m s.l.m.)
Fläche: 12,8 km²
Dauersiedlungsraum: 5,3 km²
Nachbargemeinden: Algund, Lana, Meran, Partschins, Tscherms
Partnerschaft mit: Gelnhausen (DE), Kals am Großglockner (AT)
Postleitzahl: 39020
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021048
Steuernummer: 00232380212
Bürgermeister (2020): Felix Lanpacher (SVP)

Marling ([ˈmarlɪŋ]; italienisch Marlengo) ist eine italienische Gemeinde in Südtirol südwestlich der Stadt Meran. Marling hat 2814 Einwohner (Stand 31. Dezember 2019).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Marling befindet sich im Burggrafenamt am Westrand des Meraner Talkessels. Marling grenzt im Norden an Algund, im Nordosten an Meran und im Süden an Tscherms.

Das Dorfzentrum liegt auf der orographisch rechten Seite des Etschtals auf einer Höhe von 363 m in einer von Obstkulturen und Weinbergen geprägten Hanglage. Ostseitig erreicht das Gemeindegebiet im Talboden die Etsch. Im Westen steigt es über die Hänge des Marlinger Bergs auf rund 1800 m am Höhenrücken des Vigiljochs empor, der als Teil des Zufrittkamms den nordöstlichsten Ausläufer der Ortler-Alpen bildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das früheste Schriftzeugnis ist von 1102 und lautet „Marnea“. Etymologie und Ausgangssprache des Wortes liegen im Dunkeln. Der Name geht womöglich über ein frühlateinisches *marneus auf vorlateinisch Marra (Erdrutsch, steiniges Flurstück) zurück.[1]

Die weitere Genese des Toponyms (in Auszügen): 1141 „Merningen“ (siehe -ing), 1163 „Marnica“, 1164 „Merniga“, 1220 „Merning“, ab dem 15. Jh. fast nur mehr „Marling“.

Marling gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Meran und war Teil des Bezirks Meran.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inneres der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
Ehemalige Villa Inderst (2010)

Der viel begangene Marlinger Waalweg führt oberhalb des Zentrums am Steilhang entlang und ermöglicht einen guten Einblick in den Marlinger Siedlungsraum. Der nahezu waagerechte Weg entlang des 12 km langen, künstlichen Wasserlaufs ist der längste dieser Art in Südtirol. Angelegt wurde der Waal von 1737 bis 1756 auf Anregung des Kartäuserklosters Allerengelberg, das ein Weingut in Marling besaß.

Die 1901 geweihte Marlinger Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist ein neugotischer Bau des 19. Jahrhunderts. Der Turm und die Seitenkapelle stammen noch aus der Erbauungszeit im 13. Jahrhundert. Die erste Erwähnung einer Pfarrei in Marling datiert auf das Jahr 1166. Franz Liszt schrieb ein Lied über die „Glocken von Marling“ nach einem Text von Emil Kuh (1828–1876). Die markante Silhouette der Marlinger Pfarrkirche war außerdem Vorbild für den Bau der Selsley Church in Gloucestershire. Ihr Bauherr, Samuel Marling, hatte Marling bei seinem Kuraufenthalt im Burggrafenamt in den 1860er Jahren besucht.[2]

Das Schloss Lebenberg oberhalb Marlings gehört zu den größten und schönsten Schlössern Südtirols. Es befindet sich in Privatbesitz und kann teilweise besichtigt werden.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist vor allem durch den Anbau von Tafeläpfeln und den Tourismus geprägt. Der im Ort ansässigen, 1937 gegründeten Obstgenossenschaft COFRUM gehören 260 Mitglieder aus Marling und dem benachbarten Tscherms an. Im Jahr 2008 wurde auf 600 Hektar ein Ertrag von 48.000 Tonnen erwirtschaftet. Die am häufigsten angebauten Apfelsorten sind Golden Delicious und Gala.

Marling und der Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die enge Verbindung zwischen Marling und dem Wein besteht seit Jahrhunderten. Allerorts finden sich historische Zeugnisse dafür, so bereits ab dem 12. Jahrhundert Aufzeichnungen über Weinzinse im Kelleramt. Oder der Bewässerungskanal mit dem Waalweg von der Töll nach Marling aus dem Jahr 1756, der von den Kartäusermönchen von Allerengelberg im Schnalstal für ihren Weinhof in Marling angelegt wurde. 2016 wurde der rund vier Kilometer lange WeinKulturWeg Marling (mit historischen Erläuterungen) angelegt. Er beginnt im Dorfzentrum und führt in einem Rundweg entlang wenig befahrener Dorfstraßen, vorbei an der Kellereigenossenschaft und zahlreichen Weinhöfen und zurück nach Marling.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude in Marling

Marling ist von den Nachbargemeinden Meran, Tscherms und Algund über Landstraßen zu erreichen. Auch die Schnellstraße Meran-Bozen (MeBo genannt) hat eine Marlinger Ausfahrt. Die Vinschgaubahn hält nach dem Start in Meran auch am Bahnhof von Marling, bevor sie weiter in Richtung Vinschgau fährt.

Bis 1950 gab es die Möglichkeit, mit der Lokalbahn Lana–Meran nach Meran zu fahren. Heute wird dieser Dienst von Autobussen ausgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[3]

  • Johann Schwienbacher: 1952–1956
  • Adolf Theiner: 1956–1969
  • Josef Gamper: 1969–1980
  • Karl Gögele: 1980–2005
  • Walter Mairhofer: 2005–2020
  • Felix Lanpacher: seit 2020

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Leiner, Heini Gögele: Marling – Gelnhausen: 30 Jahre Partnerschaft 1977–2007. Meran, Medus 2007.
  • Raiffeisenkasse Marling (Hrsg.): Dorfbuch Marling. Marling 1989 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andere setzen einen Namen für ein Besitzverhältnis mit dem typisch lateinischen Adjektivsuffix -anum an (ungefähr *Marianum oder *Marcanum ‚Landgut des Marius/Markus‘).
  2. Gunther Langes: Burggrafenamt und Meran, Athesia, Bozen 1990, ISBN 88-7014-021-0, S. 199.
  3. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.