Toblach

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Toblach
(Dobbiaco)
Wappen von Toblach
Toblach (Südtirol)
Toblach
Toblach
Lage von Toblach in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
3.316/3.399
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
84,10 % deutsch
15,58 % italienisch
0,32 % ladinisch
Koordinaten 46° 44′ N, 12° 13′ O46.73555555555612.2236111111111256Koordinaten: 46° 44′ N, 12° 13′ O
Meereshöhe: 1.220–3146 m s.l.m. (Zentrum: 1256 m s.l.m.)
Fläche: 126,33 km²
Dauersiedlungsraum: 11,5 km²
Fraktionen: Aufkirchen, Wahlen
Nachbargemeinden: Auronzo di Cadore, Cortina d’Ampezzo, Gsies, Innervillgraten, Innichen, Niederdorf, Prags, Sexten
Postleitzahl: 39034
Vorwahl: 0474
ISTAT-Nummer: 021028
Steuernummer: 81003690211
Politik
Bürgermeister (2010): Guido Bocher (Bürgerliste)

Toblach (italienisch Dobbiaco) ist eine Gemeinde mit 3399 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im Südtiroler Pustertal in Italien. Das Ortszentrum befindet sich auf dem Toblacher Feld, einer großen europäischen Wasserscheide. Berühmt ist die Gemeinde für seine Dolomiten-Gipfel, darunter die Drei Zinnen, und als Wintersportort.

Geografie[Bearbeiten]

Blick über das Toblacher Feld zum Eingang des Höhlensteintals hin: im Vordergrund Alt-Toblach, dahinter Neu-Toblach

Das Gemeindegebiet von Toblach im Osten Südtirols mit seinen 126,33 km² lässt sich in drei Teile gliedern: Das Toblacher Feld ist eine Weitung des in Ost-West-Richtung verlaufenden Pustertals, wo sich unter anderem das Dorfzentrum befindet; im Norden umfasst das Gemeindegebiet Teile der Villgratner Berge; im Süden dehnt sich Toblach weit in die Dolomiten hinein aus.

Das Toblacher Feld, der höchste Punkt des Hochpustertals, ist eine Talweitung, die durch die Einmündung des Höhlensteintals von Süden und des Silvestertals von Norden gebildet wird. Gleichzeitig ist sie eine Wasserscheide von europäischer Bedeutung: Die im Toblacher Feld mit dem Silvesterbach aufeinandertreffende Rienz fließt von hier Richtung Westen und entwässert schließlich über Eisack und Etsch ins Adriatische Meer; die in den Hängen über dem östlichen Rand des Toblacher Felds entspringende Drau hingegen wendet sich nach Osten, wo ihre Wasser über die Donau ins Schwarze Meer gelangen. Das Gemeindezentrum (Alt-)Toblach (1220–1260 m s.l.m.) ist auf einem Schuttkegel des von Norden kommenden Silvesterbachs entstanden. Auf der gegenüberliegenden südlichen Talseite am Eingang des Höhlensteintals liegt Neu-Toblach (1210–1220 m), das mit dem alten Ortskern allmählich zusammenwächst. An den Talhängen nordwestlich von Alt-Toblach befindet sich die Fraktion Aufkirchen (1280–1340 m). Im Westen grenzt der Toblacher Anteil am Pustertal an Niederdorf, im Osten an Innichen.

Nördlich vom Toblacher Feld erheben sich die Villgratner Berge, die von Toblach aus durch das Silvestertal erschlossen sind. Am Eingang des Silvestertals befindet sich die Fraktion Wahlen (1300–1340 m), weiter im Talinneren liegen noch kleinere Weiler. Im Nordosten erreicht der zu Toblach gehörende Teil der Villgratner Berge am Kamm, der die Staatsgrenze zu Österreich bildet, seine höchsten Punkte. Hier trennen unter anderem das Toblacher Pfannhorn (2663 m) und der Markinkele (2545 m) Toblach von Innervillgraten im Osttiroler Villgratental. Im Nordwesten senkt sich das Gebirge nach und nach zu einem bewaldeten Kamm ab, über den die Gemeindegrenze zu Gsies im Gsieser Tal verläuft.

Die Drei Zinnen von der nordöstlichen Dreizinnenhütte aus gesehen

Der größte Abschnitt des Toblacher Gemeindegebiets erstreckt sich in einem langen nach Süden in die Dolomiten ziehenden Gebietsstreifen. Diese Gegend wird vom Höhlensteintal, in dem die junge Rienz fließt, in Nord-Süd-Richtung durchquert. Im Talboden liegt im Norden – nahe dem Talausgang – der Toblacher See (2663 m), im Süden befinden sich der Weiler Höhlenstein (1400 m), der Dürrensee (1406 m) und Schluderbach (1440 m). Auf der Westseite des Tals erheben sich Berge der Pragser Dolomiten, die Toblach von Prags im Pragser Tal trennen und zur Gänze im Naturpark Fanes-Sennes-Prags unter Schutz gestellt sind, darunter der Dürrenstein (2839 m), die Helltaler Schlechten (2711 m) und die Geierwand (2088 m). Am Südende des Höhlensteintals stößt Toblach an zwei Gemeinden der Provinz Belluno (Venetien): Cortina d’Ampezzo im Südwesten, mit dem es durch den Gemärkpass (1530 m) verbunden ist, und Auronzo di Cadore im Südosten. Zum Cadore hin begrenzt wird Toblach unter anderem durch den Monte Piana (2324 m), den Passportenkopf (2719 m) und die berühmtesten Toblacher Gipfel: die Drei Zinnen (2999 m). Diese drei genannten Bergmassive sowie alle weiteren Erhebungen auf der Ostseite des Höhlensteintals werden zu den Sextener Dolomiten gezählt und sind Teil des Naturparks Drei Zinnen. Dazu zählen etwa im äußersten Südwesten des Toblacher Gemeindegebiets der Toblinger Knoten (2617 m) und der Paternkofel (2744 m), zwischen denen der Übergang ins Fischleintal in der Gemeinde Sexten möglich ist, oder etwas nördlich – umgeben vom Höhlensteintal, dem Pustertal und dem zu Innichen gehörenden Innerfeldtal – die Haunoldgruppe mit dem Haunold (2966 m) und dem Birkenkofel (2922 m).

Geschichte[Bearbeiten]

Toblach um 1900

Die Besiedelung von Toblach dürfte während der Hallstattzeit begonnen haben. Die erstmalige urkundliche Erwähnung (Quartinusurkunde) erfolgte im Jahre 827. Grundlage für die Entwicklung war der alte Handelsweg Strada d’Alemagna, der hier vom Pustertal ins Höhlensteintal abbiegt und die damaligen Wirtschaftszentren Venedig und Augsburg verband. Herzog Tassilo I. besiegt auf dem Toblacher Feld die Slawen.

Im 19. Jahrhundert errichteten die Mönche von Innichen in Toblach die erste Kirche.

Im Ersten Weltkrieg ist Toblach am Frontbereich. Die Pfarrkirche und viele Gebäude wurden zerstört.

Aufgrund der Erschließung des Pustertales durch die Eisenbahn im Jahre 1871 gewann der Fremdenverkehr für die Gemeinde stark an Bedeutung. In der Folge entstand die Siedlung Neu-Toblach.

Bis 1963 war der Bahnhof Toblach Ausgangspunkt für die Dolomitenbahn.

Tourismus[Bearbeiten]

Toblach ist ein beliebter Urlaubsort. Im Sommer wie im Winter bietet er vielfältige Aktivitäten: Im Sommer allen voran Wandern und Klettern sowie Radfahren und Mountainbiken. Bei Familien besonders beliebt ist der grenzüberschreitende Radweg von Toblach nach Lienz im benachbarten Österreich. Toblach ist an das Loipennetz des Hochpustertales, das über 200 Loipen umfasst, angeschlossen. Unter anderem verfügt Toblach über ein Langlaufstadion und über homologierte FIS Loipen. Die Landschaft ist im Winter gut geeignet für Ausflüge mit den Schneeschuhen, für Skitouren und zum Winterwandern. Der Toblacher Sees gilt als beliebtes Naherholungsgebiet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten von Toblach sind:

  • die Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Täufer: eine Barockkirche auf den Fundamenten einer romanischen und später gotischen Kirche erbaut. Sie zählt zu den stattlichsten Barockkirchen des Pustertals.
  • der älteste Kreuzweg Tirols: 5 Passionskapellen entlang der Maximilianstraße
  • die gotische Wallfahrtskirche zu Aufkirchen, 1470-1475 errichtet. Bemerkenswert sind das gotische Mittelrelief und die Seitenfiguren
  • die 1512 erbaute Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus in Wahlen
  • das „Alte Kirchl“ von Frondeigen
  • das Grand Hotel Toblach, mit Naturparkhaus
    Grandhotel Toblach (Dobbiaco)
  • der im Jahre 1500 durch die Gebrüder Konrad und Christoph von Herbst erbaute Ansitz Herbstenburg
  • der „Rote Turm“, 1430 erbaut
  • das Gustav-Mahler-Haus mit Komponierhäuschen: Der Komponist verbrachte in Toblach von 1908 bis 1910 seinen Sommerurlaub. Zur Erinnerung finden die jährlichen Gustav-Mahler-Wochen statt.
Gustav-Mahler-Stube Altschluderbach (Toblach)
Das Komponierhäuschen Gustav Mahlers in Toblach (Ortsteil Altschluderbach)
  • der Toblacher See und der Dürrensee
  • St. Peter am Kofl oberhalb von Aufkirchen war eine Zufluchtsstätte von Priestern während der Zeit der Völkerwanderung und ist das älteste religiöse Heiligtum im Hochpustertal. Sie wurde erstmals 1329 erwähnt. Der Besinnungsweg führt zu dieser Stätte.
  • im Höhlensteintal sind der Kriegerfriedhof und das Freilichtmuseum Monte Piana sehenswert.

Toblacher Prosapreis[Bearbeiten]

Seit 2001 verleiht die Gemeinde Toblach in unregelmäßigen Abständen den Toblacher Prosapreis – Palazzo al Bosco für literarische Werke, die „Grenzüberschreitungen und Grenzerfahrungen“ thematisieren. Nach Barbara Honigmann, für ihr Werk Alles, alles Liebe, ist Martin Pollack 2006 der zweite Preisträger für seinen Roman Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater. Die Auszeichnung, getragen auch von der Südtiroler Landesregierung, ist mit 5.000 Euro dotiert. Mit der Ehrung verbunden ist die Zusage, das jeweilige Werk ins Italienische zu übersetzen.

Toblacher Gespräche[Bearbeiten]

Toblach ist Austragungsort der von Hans Glauber initiierten Toblacher Gespräche.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Toblach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien