Vahrn

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Vahrn
(ital.: Varna)
Wappen
Wappen von Vahrn
Karte
Vahrn in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
4.256/4.794
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
87,80 % deutsch
11,18 % italienisch
1,02 % ladinisch
Koordinaten 46° 45′ N, 11° 38′ OKoordinaten: 46° 45′ N, 11° 38′ O
Meereshöhe: 570–2741 m s.l.m. (Zentrum: 650 m s.l.m.)
Fläche: 70,1 km²
Dauersiedlungsraum: 7,0 km²
Fraktionen: Neustift, Schalders, Spiluck, Vahrn
Nachbargemeinden: Brixen, Feldthurns, Franzensfeste, Klausen, Natz-Schabs, Sarntal
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021111
Steuernummer: 81000030213
Bürgermeister (2020): Andreas Schatzer (SVP)
Vahrn von Südosten

Vahrn ([faˑrn]; italienisch Varna) ist eine Gemeinde mit 4794 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) in Südtirol nördlich von Brixen (Italien).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Vahrn umfasst Gebiete im Eisacktal und weiträumige Flächen in den Sarntaler Alpen.

Der zu Vahrn gehörende Bereich des Eisacktals befindet sich im Nordwesten des Brixner Talkessels am Ausgang des Wipptals. Der Hauptort Vahrn liegt auf 650 m Höhe auf der orographisch rechten, westlichen Seite des Eisack und nimmt dort den Schwemmkegel des Schalderer Bachs ein. Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich die Fraktion Neustift (600 m).

Im Westen des Gemeindegebiets erheben sich die Sarntaler Alpen, deren in Vahrn liegende Abschnitte durch das Schalderer Tal, das Spilucker Tal und das Flaggertal gegliedert werden. Das Schalderer Tal bietet der Fraktion Schalders (1150 m) Platz, das Spilucker Tal der kleinen Ortschaft Spiluck (1300 m); das Flaggertal, von dem nur der obere Abschnitt zu Vahrn gehört, ist hingegen unbewohnt. Überragt werden die drei Täler von zahlreichen Gipfeln, unter denen das Tagewaldhorn (2708 m), die Jakobsspitze (2741 m), die Karspitze (2517 m), das Schrotthorn (2590 m) und der Königsanger (2439 m) die bekanntesten sind.

Im Eisacktal grenzt die Gemeinde südlich an die Stadt Brixen, mit der Vahrn im Ortsteil Löwenviertel bereits zusammengewachsen ist. Im Osten verläuft die Grenze zu Natz-Schabs entlang der Hänge hinter Neustift und — weiter nördlich im oberen Bereich der Rigge — im Eisack. Hinter dem Vahrner See (712 m) im Norden des Gemeindegebiets stößt Vahrn an Franzensfeste, zu dem auch der untere Abschnitt des Flaggertals gehört. Weitere Nachbargemeinden in den Berggebieten der Sarntaler Alpen sind Sarntal, Klausen und Feldthurns.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der alten Brennerstraße. Er wurde schon vor etwa tausend Jahren in einer Urkunde erwähnt. Seit dem Mittelalter lebten Gastwirte und Handwerker vom regen Fuhrwerksverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Mehrere Edelsitze, erbaut von Adeligen und hohen Beamten der Brixner Fürstbischöfe, verschönern noch das Dorfbild.

Mit der Eröffnung der Brennerbahn im Jahr 1867 erhielt der Ort eine Haltestelle und bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges kamen von Mai bis Oktober vornehme Gäste aus Wien, München und anderen Städten, um sich im Schatten der Kastanienbäume zu erholen. Um das Jahr 1910 ließ ein Wiener Bankier das Hotel Salern errichten.

1929 wurde Vahrn um die bis dahin eigenständigen Gemeinden Neustift und Schalders vergrößert.

Der Vahrner See

Die Verbauung seit den siebziger Jahren hat das Dorfbild verändert. Neue Handwerker- und Gewerbezonen oberhalb von Brixen und auch in der Nähe der Autobahnausfahrt haben zum wirtschaftlichen Aufschwung des Dorfes beigetragen. Die Haltestelle der Bahn wurde inzwischen aufgelassen.

Der Schalderer Bach und der Vahrner See wurden als Erholungszonen unter Naturschutz gestellt. Die Mehrzahl der Bauern hat sich auf den intensiven Obst- und Weinbau spezialisiert.

Der lang gezogenen Ortschaft von der Pustertaler Kreuzung bis zum Eingang des Schalderer Tales fehlte ein Dorfzentrum. Diese Funktion erfüllt in etwa das in den 1980er Jahren erbaute Haus Voitsberg als Sitz der Gemeindeverwaltung und der im Jahre 2007 errichtete Dorfplatz.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühesten Schriftzeugnisse sind lateinisch: 1005 „in loco Uarna“, 1060 „in loco Varina“, 1140 „ortum Farne“. Eine mögliche Deutung führt ein keltisches *uarina als Ausgangswort an. Im Keltischen ist *uar- ein häufiges Basismorphem für Hydronyme und verweist auf wasserreiche Gegenden. Der Name könnte demnach ein Flurname für das Gebiet der Vahrner Seen gewesen sein, welcher dann auch für die Siedlung benutzt wurde.[1] Eine andere Theorie verweist auf den etruskischen Gentilnomen Varna, der in der Toskana mit zwei Orten namens Varna in Zusammenhang gebracht wird und über das nah verwandte Rätische auch in Vahrn als Ursprung angesetzt werden könnte.[2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gevierteilte Wappen mit dreifachem, weißblauem Wolkenfeh und roten Feldern war das Wappen der Ritter von Voitsberg, die um 1173 die Burg Voitsberg bei Vahrn erbauten. Diese wurde 1277 vom Brixner Bischof Bruno von Kirchberg geschleift.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[4]

  • Walter Volgger: 1952–1964
  • Anton Jöchler: 1964–1965
  • Willi Huber: 1965–1969
  • Emil Burger: 1969–1990
  • Wilhelm Überbacher: 1990–1995
  • Josef Sigmund: 1995–2010
  • Andreas Schatzer: seit 2010

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es öffentliche Bildungseinrichtungen für die deutsche Sprachgruppe. Drei Grundschulen befinden sich im Hauptort Vahrn, in Neustift und in Schalders. Im Kloster Neustift ist eine als Internat eingerichtete Außenstelle der Mittelschule „Oswald von Wolkenstein“ mit Hauptsitz in Brixen angesiedelt. Mit der Fachschule für Land- und Hauswirtschaft „Salern“ besteht in Vahrn auch ein weiterführendes Angebot.

Das Bildungshaus Kloster Neustift bietet zudem vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet wird von der A22 und der SS 12 durchquert, die zudem an der Ein- und Ausfahrt Brixen-Pustertal mit der SS 49 verknüpft sind. Weiters führen die Brennerbahn und die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ durch Vahrn.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Neustift

Überragt wird die Ortschaft von der Burgruine Salern, dem Rest einer im 13. Jahrhundert von Bischof Bruno erbauten Burg. Die sehenswerte Pfarrkirche mit dem spitzen gotischen Turm wird nachts von Scheinwerfern angestrahlt. In der Ortschaft Neustift befindet sich das berühmte Kloster Neustift der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren mit angeschlossenem Internat.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders in der Fraktion Neustift wird Weinbau betrieben, Leitrebe ist die Silvanerrebe.

Das Gewerbegebiet liegt im Süden der Gemeinde, an der Staatsstraße, vor der Brixner Gemeindegrenze. Größter Betrieb ist der Milchhof Brixen (Brimi).

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrgemeinde Vahrn (Hrsg.): Vahrn – Heimat zwischen den Welten. Lana 1992 (online)
  • Ignaz Mader: Die Ortsnamen des alten Gerichtes Salern, in: Veröffentlichungen des Museums Ferdinandeum, Heft 18, Innsbruck 1938. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vahrn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Vahrn – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. de Gruyter Mouton, Berlin 2014, ISBN 3-486-77554-5, S. 559.
  2. Diether Schürr: Aus welcher Sprache stammt der Ortsname Brixen?. In: Giampaolo Borghello, Vincenzo Orioles (Hrsg.), Per Roberto Gusmani 1. Linguaggi, culture, letterature 2. Linguistica storica e teorica. Studi in ricordo. Forum, Udine 2012, S. 435–450
  3. Zahlen und Fakten. Gemeinde Vahrn, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  4. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.