Tote Mädchen lügen nicht (Fernsehserie)

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Seriendaten
Deutscher TitelTote Mädchen lügen nicht
Originaltitel13 Reasons Why
13 Reasons Why.png
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Jahr(e)seit 2017
Produktions-
unternehmen
Anonymous Content,
Paramount Television,
July Moon Productions,
Kicked to the Curb Productions
Länge49–71 Minuten
Episoden39 in 3+ Staffeln (Liste)
GenreDrama, Jugendserie
IdeeBrian Yorkey
ProduktionJoseph Incaprera
MusikEskmo
KameraIvan Strasburg,
Andrij Parekh
Erstveröffentlichung31. März 2017 auf Netflix
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
31. März 2017 auf Netflix
Besetzung
Synchronisation

Tote Mädchen lügen nicht (Originaltitel: 13 Reasons Why, englisch für „13 Gründe, warum“) ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher basiert. Die erste Staffel wurde am 31. März 2017 auf Netflix veröffentlicht. Auf Netflix wurde ebenfalls ein Making-of namens Tote Mädchen lügen nicht: Die Geschichte dahinter veröffentlicht, in dem auch Psychologen zu Wort kommen. Am 18. Mai 2018 wurde die zweite Staffel (zusammen mit einem zweiten Making-of) und am 23. August 2019 die dritte Staffel auf Netflix veröffentlicht.

Noch vor der Veröffentlichung der dritten Staffel hat Netflix die Serie um eine vierte und letzte Staffel verlängert.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staffel 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen. In diesem findet er sieben Audiokassetten vor, auf denen Hannah 13 Gründe für ihren Selbstmord nennt und Personen aus ihrem Umfeld die Mitschuld dafür gibt. Jede Person ist daher für (mindestens) einen der Gründe mitverantwortlich. Clay ist einer von ihnen. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Die Handlung verläuft daher zweigleisig: In der Vergangenheit sieht man Hannahs Geschichten und die Situationen, die sie beeinflusst haben. In der Gegenwart ist Clay dabei, die anderen Personen auf den Kassetten zu konfrontieren. Diese haben die Kassetten teilweise schon gehört und versuchen, die entsprechenden Geschichten zu verarbeiten. Da Hannah auch Straftaten schildert, wollen die meisten verhindern, dass die Kassetten öffentlich bekannt werden.

Staffel 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Staffel stellt den Gerichtsprozess, den Hannahs Mutter gegen die Schule führt um diese zur Verantwortung von Hannahs Tod zu ziehen, in den Vordergrund. Dabei bekommt der Zuschauer Einblicke in die Wahrnehmung der Schüler und erfährt so teils einen Perspektivwechsel zu Hannahs Erzählungen. Viele der Beteiligten werden durch Drohungen dazu gedrängt die Wahrheit dem Gericht vorzuenthalten. Die Vergewaltigungen von Bryce Walker kommen ans Licht und werden auch zum Bestandteil des Gerichtsprozess, sowie von vielen Auseinandersetzungen der Schüler.

Eine Reihe weiterer Probleme bahnt sich zusammen, darunter Justins Drogenproblem, Tylers labile Gesundheitssituation, die schließlich in einen versuchten Amoklauf mündet und Unruhen im Sportteam.

Staffel 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung der dritten Staffel beginnt acht Monate nach den Ereignissen beim Spring Fling, wo die Liberty High School nur knapp einem Amoklauf entging. Clay, Tony, Jessica, Justin, Alex und Zach sind damit beschäftigt, Tyler dabei zu helfen, gesund zu werden und die Ereignisse vom Spring Fling zu vertuschen. Nach dem Homecoming-Spiel zwischen Liberty High und Hillcrest verschwindet der Vergewaltiger von Hannah Baker aus der ersten Staffel, Bryce Walker, spurlos und wird wenig später ermordet aufgefunden. Schnell steht Clay Jensen unter Verdacht, aber auch viele Geheimnisse der anderen Jugendlichen werden nach und nach aufgedeckt. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, dass jeder Einzelne Gründe für den Mord an Bryce Walker gehabt hat. Bis zuletzt bleibt ungewiss, wer der Mörder von Bryce Walker ist.

Erzählt wird die dritte Staffel von Ani, einer neuen Schülerin an der Liberty High School, die die Geschehnisse bei der Polizei zu Protokoll gibt. Obwohl sie noch nicht lange an der Schule ist und die Ereignisse um Hannah nicht miterlebt hat, ist sie doch eng mit allem verflochten, da sie zum einen gut mit Clay und den anderen befreundet ist und zum anderen im Haus der Familie Walker wohnt, da ihre Mutter als Pflegerin für den kranken Großvater von Bryce Walker arbeitet.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Universal Studios erwarb im Februar 2011 die Rechte an der Buchverfilmung zu Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher. Kurze Zeit später wurde die Hauptrolle der Hannah Baker zunächst mit Selena Gomez besetzt.[2] Ende Oktober 2015 gab Netflix bekannt, aus dem Stoff eine Miniserie zu machen, in der Gomez stattdessen als Produzentin mitwirkt.[3] Die Hauptrolle der Hannah Baker bekam nun Katherine Langford und Dylan Minnette die des Clay Jensen. Gedreht wurden die 13 Folgen im Sommer 2016 im Norden Kaliforniens in der North Bay Area. Die Hauptdrehorte waren die Städte San Rafael, Vallejo und Sebastopol. Für die schulischen Szenen wurde die Analy High School in Sebastopol verwendet, welche für die Serie in „Liberty High School“ umbenannt wurde. Mehrere Klassenräume und die Bibliothek wurden als Drehorte verwendet. Die Szenen in der Turnhalle sowie des Schulballs wurden auf einer Bühne bei den Mare Island Studios in Vallejo gedreht. Ansonsten wurde ein Großteil der Aufnahmen in Nebenstraßen und Geschäften von San Rafael gedreht.

Die erste Staffel und das Making-of sind seit dem 31. März 2017 weltweit auf Netflix verfügbar.

Anfang Mai 2017 wurde die Produktion einer 13-teiligen zweiten Staffel bestätigt, die am 18. Mai 2018 veröffentlicht wurde. Sie knüpft an das Ende der ersten Staffel an und behandelt die Folgen von Hannah Bakers Tod sowie den komplizierten Heilungsprozess der anderen Figuren.[4][5]

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation wird von der Synchronfirma TV+Synchron Berlin erstellt. Verantwortlich für die Dialogregie ist Jeffrey Wipprecht, er verfasst neben Thomas Maria Lehmann, André Lemme, Katharina Seemann und Marco Rosenberg auch das Dialogbuch.[6]

Hauptbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollenname Schauspieler/in Hauptrolle
(Episoden)
Nebenrolle
(Episoden)
Synchronsprecher/in
Clay Jensen Dylan Minnette 1.01– Christian Zeiger
Hannah Baker Katherine Langford 1.01–2.13 3.10 Lydia Morgenstern
Tony Padilla Christian Navarro 1.01– Ricardo Richter
Justin Foley Brandon Flynn 1.01– Nicolás Artajo
Bryce Walker Justin Prentice 1.01–3.13 Amadeus Strobl (Staffel 1)
Konrad Bösherz (ab Staffel 2)
Zach Dempsey Ross Butler 1.01– Sebastian Kluckert
Tyler Down Devin Druid 1.01– Patrick Keller
Lainie Jensen Amy Hargreaves 1.01– Sabine Arnhold
Kevin Porter Derek Luke 1.01–2.13 3.08 Sven Gerhardt
Olivia Baker Kate Walsh 1.01–2.13 3.10 Gundi Eberhard
Jessica Davis Alisha Boe 1.02– Josephine Schmidt
Alex Standall Miles Heizer 1.02– Jonas Frenz
Andy Baker Brian d’Arcy James 2.04–2.13 1.01–1.13 Bernd Vollbrecht
Montgomery de la Cruz Timothy Granaderos 3.01–3.13 1.03–2.13 Julius Jellinek (Staffel 1)
Bastian Sierich (ab Staffel 2)
Nora Walker Brenda Strong 3.01– 2.03–2.13 Heide Domanowski
Ani Achola Grace Saif 3.01–

Nebenbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollenname Schauspieler/in Auftritte
(Episoden)
Synchronsprecher/in
Mr. Jensen Josh Hamilton 1.01– Rainer Doering
Sheri Holland Ajiona Alexus 1.01–2.13 Jodie Blank
Courtney Crimsen Michelle Selene Ang 1.01– Marieke Oeffinger
Mrs. Bradley Keiko Agena 1.01–1.11, 2.09 Silke Matthias
Coach Patrick Dorian Lockett 1.01–1.03, 1.07 Sven Brieger
Marcus Cole Steven Silver 1.02–2.08 Jeffrey Wipprecht
Direktor Gary Bolan Steven Weber 1.02– Peter Reinhardt
Ryan Shaver Tommy Dorfman 1.03–2.13 Dirk Stollberg
Skye Miller Sosie Bacon 1.03–2.08 Yvonne Greitzke (Staffel 1)
Alice Bauer (Staffel 2)
Jeff Atkins Brandon Larracuente 1.03–1.11, 2.07 Dirk Petrick
Mr. Down Tom Everett Scott 1.04– Peter Flechtner
Todd Crimsen Robert Gant 1.04– Armin Schlagwein
Sheriff’s Deputy Standall Mark Pellegrino 1.05– Thomas Schmuckert
Mr. Davis Joseph C. Phillips 1.06– Peter Sura
Brad Henry Zaga 1.06–1.13 Oliver Bender
Mrs. Karen Dempsey Cindy Cheung 1.07– Claudia Gáldy
Noelle Davis Andrea Roth 1.09– Manja Doering
Dennis Vasquez Wilson Cruz 1.10– Alexander Brem
Mrs. Down Maria Dizzia 1.13– Schaukje Könning
Rick Wlodimier Ben Lawson 2.01–2.12 Jaron Löwenberg
Nina Jones Samantha Logan 2.01–2.13 Tanja Schmitz
Sonya Struhl Allison Miller 2.01–2.12 Mareile Moeller
Carolyn Standall Meredith Monroe 2.01– Marie Bierstedt
Jackie Kelli O’Hara 2.01–2.10 Antje von der Ahe
Barry Walker Jake Weber 2.01–2.13, 3.06 Viktor Neumann
Chlöe Rice Anne Winters 2.01– Maria Hönig
Scott Reed Brandon Butler 2.01–2.12 Linus Drews
Caleb R.J. Brown 2.02– Robert Glatzeder
Richter Martin Campbell Richard Gross 2.01–2.13 Reinhard Scheunemann
Cyrus Bryce Cass 2.02– Marco Eßer
Mackenzie Chelsea Alden 2.03– Rieke Werner
Charlie St. George Tyler Barnhardt 3.01–
Casey Ford Bex Taylor-Klaus 3.03–

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staffel 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr.
(ges.)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Regie Drehbuch
1 1 Kassette 1, Seite A Tape 1, Side A Tom McCarthy Brian Yorkey
2 2 Kassette 1, Seite B Tape 1, Side B Tom McCarthy Brian Yorkey
3 3 Kassette 2, Seite A Tape 2, Side A Helen Shaver Diana Son
4 4 Kassette 2, Seite B Tape 2, Side B Helen Shaver Thomas Higgins
5 5 Kassette 3, Seite A Tape 3, Side A Kyle Patrick Alvarez Julia Bicknell
6 6 Kassette 3, Seite B Tape 3, Side B Kyle Patrick Alvarez Nic Sheff
7 7 Kassette 4, Seite A Tape 4, Side A Gregg Araki Elizabeth Benjamin
8 8 Kassette 4, Seite B Tape 4, Side B Gregg Araki Kirk Moore
9 9 Kassette 5, Seite A Tape 5, Side A Carl Franklin Hayley Tyler
10 10 Kassette 5, Seite B Tape 5, Side B Carl Franklin Nathan Louis Jackson
11 11 Kassette 6, Seite A Tape 6, Side A Jessica Yu Diana Son
12 12 Kassette 6, Seite B Tape 6, Side B Jessica Yu Elizabeth Benjamin
13 13 Kassette 7, Seite A Tape 7, Side A Kyle Patrick Alvarez Brian Yorkey
Am 31. März 2017 wurden alle Episoden der ersten Staffel weltweit bei Netflix, u. a. auch auf Deutsch, veröffentlicht.

Staffel 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr.
(ges.)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Regie Drehbuch
14 1 Das erste Polaroid The First Polaroid Gregg Araki Brian Yorkey
15 2 Zwei küssende Mädchen Two Girls Kissing Gregg Araki Thomas Higgins
16 3 Die betrunkene Schlampe The Drunk Slut Karen Moncrieff Marissa Jo Cerar
17 4 Das zweite Polaroid The Second Polaroid Karen Moncrieff Hayley Tyler
18 5 Die Kalkmaschine The Chalk Machine Eliza Hittman Nic Sheff
19 6 Das Lächeln an den Docks The Smile at the End of the Dock Eliza Hittman Julia Bicknell
20 7 Das dritte Polaroid The Third Polaroid Michael Morris Brian Yorkey
21 8 Das kleine Mädchen The Little Girl Michael Morris Felischa Marye
22 9 Die fehlende Seite The Missing Page Kat Candler Rohit Kumar
23 10 Lächeln, Bitches! Smile, Bitches! Kat Candler Kirk Moore
24 11 Bryce und Chloe Bryce + Chloe Jessica Yu Marissa Jo Cerar & Thomas Higgins
25 12 Die Kiste Polaroids The Box of Polaroids Jessica Yu Hayley Tyler & Brian Yorkey
26 13 Bye Bye Kyle Patrick Alvarez Brian Yorkey
Am 18. Mai 2018 wurden alle Episoden der zweiten Staffel weltweit bei Netflix, u. a. auch auf Deutsch, veröffentlicht.

Staffel 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr.
(ges.)
Nr.
(St.)
Deutscher Titel Original­titel Regie Drehbuch
27 1 Ja, ich bin die Neue Yeah. I’m the New Girl Michael Morris Brian Yorkey
28 2 Wer atmet, ist ein Lügner If You’re Breathing, You’re a Liar Michael Morris Allen MacDonald
29 3 Gute Menschen sind nicht von schlechten zu unterscheiden The Good Person Is Indistinguishable from the Bad Jessica Yu Hayley Tyler
30 4 Wütend, jung und männlich Angry, Young and Man Jessica Yu Thomas Higgins
31 5 Niemand ist sauber Nobody’s Clean Bronwen Hughes Trevor Marti Smith
32 6 Man kann andere anhand ihrer Trauer beurteilen You Can Tell the Heart of a Man by How He Grieves Bronwen Hughes Mfoniso Udofia
33 7 Mit Clay Jensen gibt es eine Reihe von Problemen There Are a Number of Problems with Clay Jensen Kevin Dowling Julia Bicknell
34 8 Sogar an einem guten Tag lässt sich an der Highschool nur schwer sagen,
wer auf deiner Seite ist
In High School, Even on a Good Day, It’s Hard to Tell Who’s on Your Side Kevin Dowling Felischa Marye
35 9 Immer auf die nächsten schlechten Nachrichten vorbereitet sein Always Waiting for the Next Bad News Aurora Guerrero M.K. Malone
36 10 Der Kreis wird kleiner The World Closing In Aurora Guerrero Allen MacDonald, Thomas Higgins, Hayley Tyler & Brian Yorkey
Idee: Rohit Kumar, Allen MacDonald, Thomas Higgins & Hayley Tyler
37 11 Da gibt es etwas, was ich dir nicht erzählt habe There Are a Few Things I Haven’t Told You Kevin Dowling Helen Shang
38 12 Und dann kam das Unwetter And Then the Hurricane Hit Kevin Dowling Allen MacDonald, M.K. Malone & Helen Shang
Idee: Thomas Higgins, Hayley Tyler & Trevor Marti Smith
39 13 Lass die Toten die Toten begraben Let the Dead Bury the Dead John T. Kretchmer Brian Yorkey
Am 23. August 2019 wurden alle Episoden der dritten Staffel weltweit bei Netflix, u. a. auch auf Deutsch, veröffentlicht.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA fand die erste Staffel der Serie überwiegend positives Echo; während sich die The New York Times[7] und The Washington Post[8] kritisch äußerten. Während manche Kulturkritiker die Serie aufgrund ihrer aufgegriffenen Thematiken um Mobbing, Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Suizid positiv bewerteten, wurde Tote Mädchen lügen nicht weltweit von Ärzten und Gesundheitsorganisationen kritisiert.[9] Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme verstärken oder hervorrufen könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte.[10] Ebenso forderten sie Netflix dazu auf, die Ausstrahlung der Serie zu beenden.[11] Paris Jackson unterstützte die Kritik der Psychologen und vertritt die Meinung, dass die Serie bei psychisch vorbelasteten Menschen eine Verschlechterung des seelischen Gemütszustandes hervorrufen könne.[12] Tatsächlich gab es Meldungen, dass einige Schüler sich selbst verletzten und als Begründung die Fernsehserie angaben.[13] Jamie Tworkowski, Gründer der Non-Profit-Organisation To Write Love on Her Arms, schrieb in einem Brief, dass psychisch vorbelastete Menschen die Serie meiden sollten.[14] An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen nach einem Beschluss der nationalen Behörden Minderjährige die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen.[15][16][17]

Die australische Gesundheitsorganisation Headspace kritisierte, dass die Serie gefährliche Inhalte mit dem Thema Suizid verbinde.[18] Managerin Kristen Douglas wies darauf hin, dass Anrufe und E-Mails bei Beratungsstellen, die auf die Serie bezogen waren, zugenommen haben. In Deutschland ist ein derartiger Anstieg der Anrufe und E-Mails in Bezug auf die Serie bei der Nummer gegen Kummer nicht zu verzeichnen.[18][9] Auch die Darstellung von Hannahs Suizid in der Serie wird als verantwortungslos kritisiert. Die Organisation Mindframe schloss sich der Kritik an, da derartige Szenen zu Nachahmungstaten führen könnten.[9][19] Am Anfang der Serie wird vor möglichen Folgen gewarnt, das sei aus Sicht der US-amerikanischen Aktivisten von Save unzureichend. Headspace appelliert an Eltern, Schulen und Gesundheitsorganisationen, sich mit den Themen der Serie auseinanderzusetzen.[9] Netflix hat diese Szene deshalb entfernt.

Ute Lewitzka, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, hält die Kritik der Hilfsorganisationen und Arztkollegen für gerechtfertigt, auch wenn die Produzenten der Serie laut Lewitzka einen guten Ansatz verfolgten. Lewitzka sagte, dass versucht werde, auf das Thema Suizid aufmerksam zu machen und aufzuklären, jedoch kritisierte sie die Art und Weise, wie das versucht wird. Die Serie biete eine große Projektionsfläche für Jugendliche, die sich einer vergleichbaren Situation ausgesetzt sehen. Auch der Hinweis von Netflix, dass die Serie verstörend wirken könnte, wird als unzureichend kritisiert. Lewitzka vertritt die Meinung, dass die Serie für psychisch belastete Jugendliche und junge Erwachsene nicht geeignet sei.[20]

Nic Sheff, der zum Autorenteam der Serie gehört, widersprach dem. So sagte er in einem Interview, dass die Serie den Zuschauer mit der Realität konfrontiere und verdeutlichte, dass Selbstmord keine Erlösung, sondern qualvollen Horror darstelle.[18] Zudem, so Sheff, räume die Serie mit der Vorstellung auf, dass man bei einem Suizid ruhig in den Schlaf gleite. Schauspielerin Kate Walsh forderte, dass Tote Mädchen lügen nicht als Pflichtprogramm in die Schulen aufgenommen werden müsse. Walsh begründete ihre Aussage damit, dass die Serie zeige, wie ein Suizid aussehe, und dass um dieses Thema ein viel zu großes Geheimnis gemacht werde. Außerdem fördere die Serie Gespräche über Probleme wie sexuelle Gewalt, Mobbing in der Schule sowie Verfolgung aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung.[21] Auch Selena Gomez verteidigte Tote Mädchen lügen nicht gegen die Vorwürfe. Sie argumentierte, dass man sich an die Handlung des gleichnamigen Romans gehalten habe, und sagte, dass der Film das Werk von Jay Asher visualisiert darstelle. Sie sagte, dass die Serie früher oder später kontrovers diskutiert werden würde. Das Thema Suizid sei nicht einfach zu besprechen, deswegen sei sie froh, wie die Diskussion um das Thema derzeit vonstatten gehe.[22]

Studien zum Suizidrisiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Steigerung des Suizidrisikos und dem Konsum der Serie wurde erstmals von der Universität Michigan erforscht. Die Studie kam nicht zu dem Ergebnis, dass Zuschauer der Serie eher dazu neigen, sich das Leben zu nehmen oder darüber nachzudenken. Unter anderem wegen ihrer geringen Fallzahl war sie auch nicht repräsentativ. Die Studienmacher wiesen aber darauf hin, dass die Ergebnisse in Bezug auf bereits psychisch erkrankte Jugendliche besorgniserregend seien. Für die Untersuchung wurden 87 suizidgefährdete Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren befragt. Die Hälfte von ihnen hatte mindestens eine Folge der Serie gesehen. Wiederum die Hälfte jener Zuschauer, insgesamt also 21, gab darauf an, die Serie hätte ihr persönliches Suizidrisiko erhöht. Studienleiter Dr. Victor Hong von der Universität Michigan zog daraus die Schlussfolgerung: „Die Studie beweist, dass wir uns definitiv Sorgen darüber machen sollten, wie die Sendung sich auf leicht beeindruckbare und verletzliche Teenager auswirkt.“ Die Studie stellte ebenfalls ein erhöhtes Risiko fest bei jenen Studienteilnehmern, die sich mit der Hauptfigur der Serie, Hannah Baker, stark identifizierten. Gut zwei Drittel der an der Studie teilnehmenden Teenager waren weiblich.[23][24]

Anfang Mai 2019 wurde bekannt, dass es einer im „Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry“ veröffentlichten Studie zufolge in den neun Monaten nach Beginn der Serie einen z. T. „signifikanten“ Anstieg von Selbsttötungen in der Altersgruppe zwischen zehn und 17 Jahren in den USA, vor allem unter Jungen, gegeben habe, ohne dass die Studie ergeben habe, „ob die Serie den Anstieg tatsächlich verursacht hat oder weitere Faktoren eine Rolle spielten“.[25] Parallel dazu führten auch Suizidforscher der Medizinischen Universität Wien eine vergleichbare Studie durch. Sie berechneten, dass sich nach dem Start der Serie Ende März 2017 in den folgenden drei Monaten 13 Prozent mehr zehn- bis neunzehnjährige Teenager umbrachten als erwartet. Statistisch wären es 710 Suizide, tatsächlich waren es aber 94 mehr. Thomas Niederkrotenthaler, Leiter der Studie, forderte, die Filmemacher viel mehr in die Pflicht zu nehmen. Die Unterhaltungsindustrie könne eine wichtige Rolle bei der Prävention spielen, im Sinne des Papagenoeffekts: „Suizid zu thematisieren ist gut, aber man sollte Hilfsmöglichkeiten zeigen und wie jemand aus einer vermeintlich ausweglosen Situation herausgekommmen ist“, so Niederkrotenthaler. „Filme können ein Rettungsanker sein.“[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Netflix verkündet Ende von «Tote Mädchen lügen nicht», abgerufen am 1. August 2019
  2. Selena Gomez To Star In ‘13 Reasons Why’.
  3. Netflix Gives Selena Gomez’s ‘13 Reasons Why’ Straight-To-Series Order.
  4. Lesley Goldberg: ‘13 Reasons Why’ Officially Renewed for Season 2 at Netflix. 7. Mai 2017. Abgerufen am 7. Mai 2017.
  5. Todd Spangler: ‘13 Reasons Why’ Season 2 Premiere Date, Trailer Revealed. 30. April 2018, abgerufen am 4. Mai 2018 (englisch).
  6. Tote Mädchen lügen nicht. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 9. Mai 2018.
  7. https://www.nytimes.com/2017/03/30/arts/television/netflix-13-reasons-why-tv-review.html
  8. https://www.washingtonpost.com/gdpr-consent/?destination=%2fentertainment%2ftv%2fthirteen-reasons-why-shows-how-adults-can-really-mess-up-teen-angst%2f2017%2f03%2f30%2fc8db5f00-1346-11e7-9e4f-09aa75d3ec57_story.html%3futm_term%3d.c25a26bf49c6&utm_term=.b94a6ebd9db3
  9. a b c d Babette Habenstein: Huffington Post: „Gefährliche Inhalte“: Experten warnen vor beliebter Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“
  10. Mary Bowerman, Garrett Mitchel, Sonja Haller: USA Today: Psychologists warn ‘13 Reasons Why’ could inspire copycat suicides
  11. A. Pawlowski: Today.com: Psychiatrist: Netflix should remove ‘13 Reasons Why’ immediately
  12. Melanie Ho.: Promiflash.de: „Schaut das nicht!“ Paris Jackson warnt vor „13 Reasons Why“
  13. Valerie Strauss: Washington Post: Schools superintendent: Students are harming themselves and citing ’13 Reasons Why’
  14. Lindy Smith: Alternative Press: TWLOHA’s founder pens blog in response to ‘13 Reasons Why’
  15. De Elizabeth: Teen Vogue: Some Canadian Schools Are Banning 13 Reasons Why
  16. Eleanor Ainge Roy: The Guardian: 13 Reasons Why: New Zealand bans under-18s from watching suicide drama without adult
  17. 20min.ch: Teens dürfen «13 Reasons Why» nicht allein schauen
  18. a b c Thomas Moßburger: Focus Online: Psychologen warnen: Animiert neue Netflix-Serie zum Suizid?
  19. Britta Sowa: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag: „TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT“: Experten warnen vor neuer Netflix-Serie
  20. Ilona Krisel: Stern: Ärztin warnt vor umstrittener Netflix-Serie: „Ich mache mir große Sorgen“
  21. Björn Becher: Filmstarts.de: „Tote Mädchen lügen nicht“-Star meint: Serie sollte Pflichtprogramm an Schulen werden
  22. Kaleigh Roberts: Elle: Selena Gomez Responds to the ‘13 Reasons Why’ Backlash
  23. Studie untersucht Einfluss von „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Suizidrisiko. 22. November 2018, abgerufen am 4. Juli 2019.
  24. Florian Ulrich: WARNUNG: Staffel 3 von 'Tote Mädchen Lügen Nicht' könnte Menschen töten. Abgerufen am 4. Juli 2019 (deutsch).
  25. Laut Studie mehr Selbstmorde nach Netflix-Serie, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 1. Mai 2019.
  26. Felicitas Witte: Suizidgefahr bei Jugendlichen: Verzweiflung ist nicht alles. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 4. Juli 2019]).