Tote Mädchen lügen nicht (Fernsehserie)

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Seriendaten
Deutscher Titel Tote Mädchen lügen nicht
Originaltitel 13 Reasons Why
13 Reasons Why.png
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Jahr(e) seit 2017
Produktions-
unternehmen
Anonymous Content,
Paramount Television,
July Moon Productions,
Kicked to the Curb Productions
Länge 49–61 Minuten
Episoden 13 in 1+ Staffeln
Genre Drama
Produktion Joseph Incaprera
Idee Brian Yorkey
Musik Eskmo
Kamera Ivan Strasburg,
Andrij Parekh
Erstausstrahlung 31. März 2017 (USA) auf Netflix
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
31. März 2017 auf Netflix
Besetzung
Synchronisation

Tote Mädchen lügen nicht (Originaltitel: 13 Reasons Why) ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher basiert. Die erste Staffel wurde am 31. März 2017 auf Netflix veröffentlicht. Auf Netflix wurde ebenfalls ein Making-of veröffentlicht, in dem auch Psychologen zu Wort kommen, um gefährdete Menschen aufzufangen.

Anfang Mai 2017 wurde die Produktion einer 13-teiligen zweiten Staffel bestätigt, die 2018 erscheinen soll. Sie wird an das Ende der ersten Staffel anknüpfen und die Folgen von Hannah Bakers Tod sowie den komplizierten Heilungsprozess der anderen Figuren behandeln.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen. In diesem findet er sieben Audiokassetten vor, auf denen Hannah 13 Gründe für ihren Selbstmord nennt und Personen aus ihrem Umfeld die Schuld dafür gibt. Jede Person ist daher für (mindestens) einen der Gründe verantwortlich. Clay ist einer von ihnen. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Die Handlung verläuft daher zweigleisig: In der Vergangenheit sieht man Hannahs Geschichten und die Situationen, die sie beeinflusst haben. In der Gegenwart ist Clay dabei, die anderen Personen auf den Kassetten zu konfrontieren. Auch diese haben die Kassetten teilweise schon gehört und versuchen, die entsprechenden Geschichten zu verarbeiten. Da Hannah auch Straftaten schildert, wollen die meisten verhindern, dass die Kassetten öffentlich bekannt werden.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Universal Studios erwarb im Februar 2011 die Rechte an der Buchverfilmung zu Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher. Kurze Zeit später wurde die Hauptrolle der Hannah Baker zunächst mit Selena Gomez besetzt.[2] Ende Oktober 2015 gab Netflix bekannt, aus dem Stoff eine Miniserie zu machen, in der Gomez stattdessen als Produzentin mitwirkt.[3] Die Hauptrolle der Hannah Baker bekam nun Katherine Langford und Dylan Minnette die des Clay Jensen. Gedreht wurden die 13 Folgen im Sommer 2016 im Norden Kaliforniens.

Die erste Staffel ist seit dem 31. März 2017 weltweit auf Netflix verfügbar.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation wurde von TV+Synchron Berlin erstellt. Verantwortlich für die Dialogregie und das Dialogbuch war Jeffrey Wipprecht.

Rollenname Schauspieler/in Hauptrolle

(Episoden)

Nebenrolle

(Episoden)

Synchronsprecher/in[4]
Clay Jensen Dylan Minnette 1.01–1.13 Christian Zeiger
Hannah Baker Katherine Langford 1.01–1.13 Lydia Morgenstern
Tony Padila Christian Navarro 1.01–1.13 Ricardo Richter
Jessica Davis Alisha Boe 1.02–1.13 Josephine Schmidt
Justin Foley Brandon Flynn 1.01–1.13 Nicolás Artajo
Bryce Walker Justin Prentice 1.01–1.13 Amadeus Strobl
Alex Standall Miles Heizer 1.02–1.13 Jonas Frenz
Zach Dempsey Ross Butler 1.01–1.13 Sebastian Kluckert
Tyler Down Devin Druid 1.01–1.13 Patrick Keller
Lainie Jensen Amy Hargreaves 1.01–1.13 Sabine Arnhold
Kevin Porter Derek Luke 1.01–1.13 Sven Gerhardt
Olivia Baker Kate Walsh 1.01–1.13 Gundi Eberhard
Andy Baker Brian D’Arcy James 1.01–1.02, 1.04–1.06, 1.08–1.10, 1.12–1.13 Bernd Vollbrecht
Mr. Jensen Josh Hamilton 1.01–1.05, 1.07–1.09, 1.12–1.13 Rainer Doering
Mrs. Bradley Keiko Agena 1.01–1.03, 1.07, 1.09, 1.11 Silke Matthias
Sheri Ajiona Alexus 1.01–1.04, 1.06–1.07, 1.09–1.12 Jodie Blank
Kat Giorgia Whigham 1.01, 1.13
Pratters Uriah Shelton 1.01, 1.07
Courtney Crimsen Michelle Selene Ang 1.01, 1.03–1.10, 1.12–1.13 Marieke Oeffinger
Coach Patrick Dorian Lockett 1.01–1.03, 1.07 Sven Brieger
Direktor Gary Bolan Steven Weber 1.02–1.05, 1.11, 1.13 Peter Reinhardt
Marcus Cole Steven Silver 1.02–1.10, 1.12–1.13 Jeffrey Wipprecht
Skye Miller Sosie Bacon 1.03, 1.06–1.07, 1.09, 1.11–1.13
Jeff Atkins Brandon Larracuente 1.03, 1.05–1.06, 1.09–1.11 Dirk Petrick
Montgomery de la Cruz Timothy Granaderos 1.03, 1.05–1.06, 1.10–1.13
Ryan Shaver Tommy Dorfman 1.03–1.06, 1.08–1.10, 1.12
Sheriff’s Deputy Standall Mark Pellegrino 1.05–1.06, 1.11, 1.12
Brad Henry Zaga 1.06–1.07, 1.12–1.13 Oliver Bender
Mrs. Karen Dempsey Cindy Cheung 1.07–1.08, 1.11–1.12

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Deutscher Titel Original­titel Erst­veröffent­lichung USA Deutsch­sprachige Erst­veröffent­lichung (D/A/CH) Regie Drehbuch
1 Kassette 1, Seite A Tape 1, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Tom McCarthy Brian Yorkey
2 Kassette 1, Seite B Tape 1, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Tom McCarthy Brian Yorkey
3 Kassette 2, Seite A Tape 2, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Helen Shaver Diana Son
4 Kassette 2, Seite B Tape 2, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Helen Shaver Thomas Higgins
5 Kassette 3, Seite A Tape 3, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Kyle Patrick Alvarez Julia Bicknell
6 Kassette 3, Seite B Tape 3, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Kyle Patrick Alvarez Nic Sheff
7 Kassette 4, Seite A Tape 4, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Gregg Araki Elizabeth Benjamin
8 Kassette 4, Seite B Tape 4, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Gregg Araki Kirk Moore
9 Kassette 5, Seite A Tape 5, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Carl Franklin Hayley Tyler
10 Kassette 5, Seite B Tape 5, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Carl Franklin Nathan Louis Jackson
11 Kassette 6, Seite A Tape 6, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Jessica Yu Diana Son
12 Kassette 6, Seite B Tape 6, Side B 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Jessica Yu Elizabeth Benjamin
13 Kassette 7, Seite A Tape 7, Side A 31. Mär. 2017 31. Mär. 2017 Kyle Patrick Alvarez Brian Yorkey

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Kulturkritiker die Serie aufgrund ihrer aufgegriffenen Thematik um Mobbing, Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und letztlich Suizid äußerst positiv hervorhoben, erntete Tote Mädchen lügen nicht weltweit ernsthafte Kritik von Ärzten und Gesundheitsorganisationen.[5] Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme hervorrufen oder gar verstärken könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte.[6] Ebenso forderten sie Netflix dazu auf, die Ausstrahlung der Serie zu beenden.[7] Paris Jackson unterstützte die Kritik der Psychologen und vertritt die Meinung, dass die Serie bei psychisch vorbelasteten Menschen eine Verschlechterung des seelischen Gemütszustandes hervorrufen könne.[8] Tatsächlich gab es Meldungen, dass einige Schüler sich selbst verletzten und als Begründung die Fernsehserie angegeben haben.[9] Jamie Tworkowski, Gründer der Non-Profit-Organisation To Write Love on Her Arms, schrieb in einem Brief, dass psychisch vorbelastete Menschen die Serie meiden sollten.[10] An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen Minderjährige, nach einem Beschluss der nationalen Behörden, die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen.[11][12][13]

Die australische Gesundheitsorganisation Headspace kritisierte, dass die Serie gefährliche Inhalte mit dem Thema Suizid verbinde.[14] Managerin Kristen Douglas wies darauf hin, dass Anrufe und E-Mails bei Beratungsstellen, die direkt auf die Serie bezogen waren, zugenommen haben. In Deutschland ist ein derartiger Anstieg der Anrufe und E-Mails in Bezug auf die Serie bei der Nummer gegen Kummer derweil nicht zu verzeichnen.[14][5] Auch die Darstellung von Hannahs Suizid in der Serie wird als verantwortungslos kritisiert. Die Organisation Mindframe schloss sich der Kritik an, da derartige Szenen zu Nachahmungstaten führen könnten.[5][15] Tatsächlich wird zu Beginn der Serie vor möglichen Folgen gewarnt, das sei aus Sicht der US-amerikanischen Aktivisten von Save nur unzureichend. Headspace appelliert an Eltern, Schulen und Gesundheitsorganisationen, sich ernsthaft mit den Themen der Serie auseinanderzusetzen.[5]

Ute Lewitzka, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, hält die Kritik der Hilfsorganisationen und Arztkollegen für gerechtfertigt, auch wenn die Produzenten der Serie laut Lewitzka einen guten Ansatz verfolgten. Lewitzka sagte, dass versucht werde, auf das Thema Suizid aufmerksam zu machen und aufzuklären, jedoch kritisierte sie die Art und Weise, wie das versucht wird. Die Serie biete eine große Projektionsfläche für Jugendliche, die sich einer vergleichbaren Situation ausgesetzt sehen. Auch der Hinweis von Netflix, dass die Serie verstörend wirken könnte, wird als unzureichend kritisiert. Lewitzka vertritt die Meinung, dass die Serie für psychisch belastete Jugendliche und junge Erwachsene nicht geeignet sei.[16]

Nic Sheff, der zum Autorenteam der Serie gehört, argumentierte dagegen. So sagte er in einem Interview, dass die Serie den Zuschauer mit der Realität konfrontiere, und verdeutlichte, dass Selbstmord keine Erlösung, sondern qualvollen Horror darstelle.[14] Zudem, so Sheff, räume die Serie mit der Vorstellung auf, dass man bei einem Suizid ruhig in den Schlaf gleite. Schauspielerin Kate Walsh ging sogar einen Schritt weiter und forderte, dass Tote Mädchen lügen nicht als Pflichtprogramm in die Schulen aufgenommen werden müsse. Walsh begründet ihre Aussage damit, dass die Serie zeige, wie ein Suizid wirklich aussehe, und um dieses Thema ein viel zu großes Geheimnis gemacht werde. Außerdem fördere die Serie Gespräche über Probleme wie sexuelle Gewalt, Mobbing in der Schule sowie Verfolgung der Hautfarbe, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung wegen.[17] Auch Selena Gomez verteidigte Tote Mädchen lügen nicht gegen die Vorwürfe. Sie argumentierte, dass man sich an die Handlung des gleichnamigen Romans gehalten habe, und sagte, dass der Film lediglich das Werk von Jay Asher visualisiert darstelle. Sie sagte, dass die Serie früher oder später kontrovers diskutiert werden würde. Das Thema Suizid sei nicht einfach zu besprechen, deswegen sei sie froh, wie die Diskussion um das Thema derzeit vonstatten gehe.[18]

Siehe auch: Werther-Effekt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lesley Goldberg: ‘13 Reasons Why’ Officially Renewed for Season 2 at Netflix. 7. Mai 2017. Abgerufen am 7. Mai 2017.
  2. Selena Gomez To Star In ‘13 Reasons Why’.
  3. Netflix Gives Selena Gomez’s ‘13 Reasons Why’ Straight-To-Series Order.
  4. Tote Mädchen lügen nicht in der Deutschen Synchronkartei
  5. a b c d Babette Habenstein: Huffington Post: „Gefährliche Inhalte“: Experten warnen vor beliebter Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“
  6. Mary Bowerman, Garrett Mitchel, Sonja Haller: USA Today: Psychologists warn ‘13 Reasons Why’ could inspire copycat suicides
  7. A. Pawlowski: Today.com: Psychiatrist: Netflix should remove ‘13 Reasons Why’ immediately
  8. Melanie Ho.: Promiflash.de: „Schaut das nicht!“ Paris Jackson warnt vor „13 Reasons Why“
  9. Valerie Strauss: Washington Post: Schools superintendent: Students are harming themselves and citing ’13 Reasons Why’
  10. Lindy Smith: Alternative Press: TWLOHA’s founder pens blog in response to ‘13 Reasons Why’
  11. De Elizabeth: Teen Vogue: Some Canadian Schools Are Banning 13 Reasons Why
  12. Eleanor Ainge Roy: The Guardian: 13 Reasons Why: New Zealand bans under-18s from watching suicide drama without adult
  13. 20min.ch: Teens dürfen «13 Reasons Why» nicht allein schauen
  14. a b c Thomas Moßburger: Focus Online: Psychologen warnen: Animiert neue Netflix-Serie zum Suizid?
  15. Britta Sowa: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag: „TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT“: Experten warnen vor neuer Netflix-Serie
  16. Ilona Krisel: Stern: Ärztin warnt vor umstrittener Netflix-Serie: „Ich mache mir große Sorgen“
  17. Björn Becher: Filmstarts.de: „Tote Mädchen lügen nicht“-Star meint: Serie sollte Pflichtprogramm an Schulen werden
  18. Kaleigh Roberts: Elle: Selena Gomez Responds to the ‘13 Reasons Why’ Backlash