Eleanor Rigby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eleanor Rigby
The Beatles
Veröffentlichung 5. August 1966
Länge 2:06 Min.
Genre(s) Popsong
Autor(en) Lennon/McCartney
Album Revolver

Eleanor Rigby ist ein Lied der Beatles, das in der Originalversion 1966 für das Album Revolver entstand. Das Lied wurde von Paul McCartney komponiert, auch wenn es wie die meisten Beatles-Kompositionen dem Duo Lennon/McCartney zugeschrieben wird.

Hintergrund[Bearbeiten]

Paul McCartney schrieb das Stück am Klavier im Musikzimmer des Hauses der Eltern seiner damaligen Freundin Jane Asher.

„Ich komponierte das am Klavier, indem ich einfach über einen e-Moll-Akkord improvisierte; dann ließ ich es als Improvisation stehen und legte eine Melodie darüber, tanzte einfach oben darüber. Es hat fast indische Rhythmen.“

Paul McCartney zitiert aus: Barry Miles: Paul McCartney. Many years from now, S. 324

Donovan erinnerte sich, dass McCartney als vorläufigen Platzhaltertext die Zeilen “Ola Na Tungee blowing his mind in the dark, with a pipe full of clay. Noone can say.” benutzte.[1] Worum es im Stück gehen sollte, wusste McCartney nicht, bis er die Zeile “Picks up the rice in a church where a wedding has been” dichtete. Er stellte sich die Frage, wieso jemand Reis in der Kirche aufsammeln sollte. Seine Gedankengänge führten zum Entschluss, ein Lied über einsame Menschen zu schreiben.

Eleanor-Rigby-Skulptur in Liverpool

McCartney war bemüht, einen echt klingenden Namen für die Hauptfigur des Liedes zu finden. Er kombinierte schließlich den Namen eines Ladens, den er im Januar 1966 in Bristol gesehen hatte, mit dem Vornamen der Schauspielerin Eleanor Bron, die eine Hauptrolle im Beatles-Spielfilm Hi-Hi-Hilfe! gespielt hatte.

“I got the name Rigby from a shop in Bristol. I was wandering round Bristol one day and saw a shop called Rigby. And I think Eleanor was from Eleanor Bron, the actress we worked with in the film Help! But I just liked the name. I was looking for a name that sounded natural. Eleanor Rigby sounded natural.”

„Den Namen Rigby habe ich von einem Laden in Bristol. Ich lief eines Tages in Bristol herum und sah einen Laden namens Rigby. Ich glaube, Eleanor geht auf die Schauspielerin Eleanor Bron zurück, mit der wir im Spielfilm Help! zusammen gearbeitet hatten. Ich suchte einen Namen, der natürlich klang. Eleanor Rigby klang natürlich.“

Paul McCartney, Playboy, 1984

Mit dieser Grundidee und der Melodie fuhr McCartney zu John Lennons Haus in Weybridge, um dort den Text fertigzustellen. Anwesend waren ebenfalls George Harrison und Ringo Starr sowie Pete Shotton, ein Freund aus Kindertagen und ehemaliges Mitglied der Quarrymen. Gemeinsam trug man Ideen zusammen, wie beispielsweise den Priester, der seine Socken stopft. Der Priester trug ursprünglich den Namen „Father McCartney“, weil es von der Anzahl der Silben gut passte. Man entschied sich allerdings dafür, einen unverfänglicheren Namen zu finden und suchte im Telefonbuch nach einem passenden Ersatz. Die Wahl fiel auf den Nachnamen „McKenzie“.

John Lennon behauptete in zwei Interviews – eines im Jahr 1972 für das Musikmagazin Hit Parader, eines 1980 mit David Sheff für den Playboy –, er habe einen weitaus größeren Anteil am Text von Eleanor Rigby als McCartney. McCartney war anderer Meinung und bezifferte Lennons Anteil auf etwa 20 Prozent. Pete Shotton, der bei Ausarbeitung der fehlenden Textteile in Lennons Haus anwesend war, stützte McCartneys Darstellung und schrieb in seinem Buch John Lennon in My Life, dass Lennon zu diesem Lennon-McCartney-Klassiker „praktisch nichts beigetragen hat“.[2]

Musikalischer Hintergrund[Bearbeiten]

Am 28. April 1966 wurden im Studio 2 der Londoner Abbey Road Studios unter der Leitung von George Martin die Streichinstrumente aufgenommen. In der Aufnahme wurden vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncelli verwendet. Das Arrangement stammte von George Martin. Tony Gilbert und Sidney Sax, John Sharpe und Jürgen Hess spielten die Violinen. Stephen Shingles und John Underwood spielten die Bratschen und Derek Simpson und Norman Jones waren die Cellisten. Um einen ganz besonderen Klang zu erzielen, platzierte der Tontechniker Geoff Emerick die Mikrofone bei den Aufnahmen sehr nahe an den Instrumenten.

Paul McCartneys Gesangsstimme wurde am 29. April 1966 aufgenommen. John Lennon und George Harrison sangen die Harmonien. Am 6. Juni 1966 ersetzte McCartney seinen Gesang durch eine neue Aufnahme.[3]

Single[Bearbeiten]

Das 2:06 Minuten lange Lied wurde in Großbritannien am 5. August 1966 zusammen mit Yellow Submarine als Single ausgekoppelt. Es war das erste Mal, dass die Beatles eine Single zeitgleich mit dem Album veröffentlichten, aus dem sie ausgekoppelt wurde. Die beiden Lieder wurden als A-Seite deklariert und stiegen am 10. August 1966 auf Platz 2 in die britische Hitparade ein. In der Folgewoche erreichte die Single den ersten Platz und hielt sich dort für vier Wochen. Für die Single hatten 250.000 Vorbestellungen vorgelegen. Am Ende des Jahres 1966 waren in Großbritannien 455.000 Singles verkauft worden. In den USA wurde die Single am 8. August 1966 veröffentlicht. Die Single verkaufte sich in den ersten vier Wochen 1,2 Millionen Mal. In der US-amerikanischen Hitparade, in der auch die Radioeinsätze für die Chartplatzierung dazugezählt werden, war Yellow Submarine der beliebtere Titel und erreichte Platz 2, während Eleanor Rigby als beste Platzierung auf Platz 11 kam.[4]

Bei der Grammy-Verleihung 1967 bekam Paul McCartney die Auszeichnung für die „beste zeitgenössische (Rock & Roll) Solo-Gesangsdarbietung“ in dem Lied.

Coverversionen[Bearbeiten]

Verschiedene Künstler haben das Lied gecovert:

(Auswahl)

Weitere herausragende Interpreten, die das Stück in ihr Repertoire aufnahmen, waren die Four Tops, Rare Earth, Aretha Franklin und Kim Weston.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der 2004 veröffentlichte Roman Eleanor Rigby des kanadischen Autors Douglas Coupland ist nach dem Lied der Beatles benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian Roylance (Red.): The Beatles anthology. Deutschsprachige Erstausgabe, Ullstein Verlag, München 2000, ISBN 3-550-07132-9. (dt. Übers.; engl. Originaltitel: The Beatles anthology)
  • Mark Lewisohn (Autor), Paul McCartney (Einleitung): The Complete Beatles Recording Sessions: The Official Story of the Abbey Road Years 1962–1970. Reprint, EMI Records, London 2006, ISBN 0-600-61207-4. (engl.)
  • Barry Miles: Paul McCartney : many years from now. Rowohlt-Taschenbuch-Verl., Reinbek 1999, ISBN 3-499-60892-8. (dt. Übers.; engl. Originaltitel: Paul McCartney : many years from now)
  • Steve Turner: A Hard Day’s Write. The Beatles. Die Geschichte zu jedem Song. Neue, erw. Ausg., Rockbuch-Verl., Schlüchtern 2002, ISBN 3-927638-10-2. (dt. Übers.; engl. Originaltitel: A hard day’s write)
  • Brandon Toropov: Who Was Eleanor Rigby: And 908 More Questions and Answers About the Beatles. Taschenbuchausg., HarperCollins, London 1996, ISBN 0-06-273442-3. (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Barry Miles: Paul McCartney. Many years from now. Rowohlt, Reinbek 1999, S. 324
  2. Barry Miles: Paul McCartney. Many years from now. Rowohlt, Reinbek 1999, S. 326f
  3. Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions, 1988
  4. Neville Stannard: The Long & Winding Road: A History of the Beatles on Record, 1982