Frank Rizzo

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Frank Rizzo

Frank Rizzo (* 23. Oktober 1920 in Philadelphia, Pennsylvania; † 16. Juli 1991 ebenda) war ein US-amerikanischer Politiker und von 1972 bis 1980 Bürgermeister von Philadelphia.

Werdegang[Bearbeiten]

Sein Vater Ralph war aus dem italienischen Chiaravalle Centrale, Kalabrien in die Vereinigten Staaten emigriert und als Polizist tätig. Rizzo wuchs in South Philadelphia auf.

Im Polizeidienst[Bearbeiten]

Nach kurzem Dienst in der US Navy noch in der Vorkriegszeit und drei Jahren Arbeit in einem Stahlwerk startete Rizzo seine Berufslaufbahn 1943 im Polizeidienst. Dort erwarb er sich für seinen Wagemut und mit seiner Vorliebe für brutale Kampfhandlungen den Spitznamen Cisco Kid nach dem gleichnamigen Westernhelden. Mehrfach wurde ihm vorgeworfen, Verdächtige in Gewahrsam geschlagen zu haben.[1]

1967 wurde Rizzo von Bürgermeister James Hugh Joseph Tate zum Polizeipräsidenten von Philadelphia ernannt und leitete den Dienst dort mit strenger Hand. Die von seinem liberalen Vorgänger Howard Leary 1964 gegründete Civil Defense Squad (CD), deren Hauptauftrag in der Begleitung von Demonstrationen und Kommunikation mit Aktivisten zur Konfliktberuhigung bestand,[2] wandelte Rizzo in ein aggressives Instrument zur Unterdrückung der schwarzen Bürgerrechts- und studentischen Protestbewegung um, so dass es in der Folge immer häufiger zu Polizeigewalt gegen Demonstranten kam.[3] Die CD überwachte zudem Angehörige der New Left, wie zum Beispiel die Personen der Free Press, einer Zeitung, die zum Sprachrohr dieser Bewegung in Philadelphia wurde und Rizzo scharf kritisierte. Dabei bezogen sie demonstrativ Quartier in der unmittelbaren Nachbarschaft, brachen in deren Wohnungen und Autos ein, beschlagnahmten „subversive Bücher“, bedrohten sie mit Schusswaffen oder versuchten, sie mit gewaltsamen Übergriffen und vorläufigen Festnahmen einzuschüchtern.[4]

Rizzo begann schon als stellvertretender Polizeipräsident im Gegensatz zu seinen Vorgängern[5] gemischte Polizeipatrouillen einzuführen, um die erheblichen Spannungen zwischen der schwarzen Bevölkerungsgruppe und der Polizei abzubauen.[6] Rizzo erreichte 1968 zudem mit knapp 20 % einen der höchsten Anteile von afroamerikanischen Polizisten im Vergleich zu vielen anderen US-Großstädten, die damals kaum oder keine schwarze Polizisten im Dienst hatten.[7]

Als Polizeipräsident führte er persönlich mehrere Razzien gegen Homosexuelle und Bars an, in denen er Drogenhandel vermutete. Dies brachte ihm auch den Namen Rizzo the Raider ein.[8] Besonders bekannt wurde seine Auseinandersetzung mit dem Electric Factory Coffee House, das im Februar 1968 eröffnet hatte und zu einem Treffpunkt von Hippies, Rockern und Studenten wurde.[9]

Als im November 1967 während eines Treffens zwischen einer Schülerdelegation und Schuldirektoren 3500 Menschen friedlich für die Einführung von Black studies an Highschools demonstrierten, befahl der sich vor Ort befindliche Rizzo, die Menge einzukreisen und mit Schlagstöcken gegen sie vorzugehen.[9] Die Schulbehörde begann ab dem darauffolgenden Monat, mehrere Konferenzen von Schülern, Direktoren und Sozialwissenschaftlern zu initiieren, um die rassischen Spannungen zu befrieden. Rizzo ließ den abgelegenen Konferenzort in Chestnut Hill überwachen, die Teilnehmer identifizieren und Dossiers über sie anfertigen. Als er 1972 Bürgermeister wurde, entließ er den landesweit bekannten Schulinspektor Mark Shedd, weil er ihn als einen nachgiebigen Progressiven verachtete.[10]

Am 31. August 1970 ließ Rizzo zeitgleich drei Büros der Black Panther in West und North Philadelphia sowie in Germantown auf fragwürdiger Rechtsgrundlage räumen. Wie gewöhnlich sorgte er dafür, dass Pressevertreter die Polizeiaktion begleiteten. Die Black Panther wurden außen dazu gezwungen, sich nackt auszuziehen, damit die Polizisten ihre Kleidung durchsuchen konnten. Die Philadelphia Daily News veröffentlichten einige Tage später als Titelbild ein Foto, das diese Szene zeigte. Die vierzehn verhafteten Personen wurden wenige Tage später freigelassen. Am 4. September verfügte Bundesrichter John Fullam, dass die Panther in ihren Rechten nicht weiter einzuschränken sowie die Vorbereitungen zur New Left Convention nicht zu stören seien.[11]

Statue von Frank Rizzo vor dem Gebäude der Stadtverwaltung in Philadelphia

Von mehreren Rückschlägen vor Gericht, die elf seiner Razzien betrafen, zeigte sich Rizzo unbeeindruckt - ihm ging es um seine öffentliche Wirkung als „Retter“.[12] Er pflegte insgesamt einen geschickten Umgang mit der Öffentlichkeit, indem er nach seinen Razzien mit markigen Worten auf Pressekonferenzen prägnante Fotos präsentierte und die Reporter mit Gefälligkeiten und Aufmerksamkeiten für sich einnahm.[13] Bald hatte er in Philadelphia das Image eines Volkshelden und war landesweit als Vertreter von Law and Order bekannt.[1]

Amtierender Bürgermeister[Bearbeiten]

Zu Beginn des Jahres 1971 trat Rizzo als Polizeipräsident zurück, um für die Demokraten für das Bürgermeisteramt kandidieren zu können. In den Vorwahlen besiegte er mit William J. Green den Favoriten des liberalen Parteiflügels und von Gouverneur Milton Shapp. Bei der Wahl im November 1971, zu der er mit dem Slogan „Rizzo means business“ antrat und Auftritte hauptsächlich in Wohngebieten der weißen Arbeiterklasse durchführte, konnte er sich mit einem Vorsprung von annähernd 50.000 Stimmen gegen den gemäßigt liberalen Kandidaten der Republikaner, W. Thatcher Longstreth, durchsetzen. Dabei profitierte er vor allem von der hohen Zustimmung der weißen Wähler, die seine harte Politik gegen die schwarze Bevölkerungsgruppe befürworteten. Innerhalb der demokratischen Partei hatten sich profilierte Politiker wie unter anderem Ramsey Clark und Eugene McCarthy gegen ihn und für seinen Konkurrenten Longstreth ausgesprochen. Rizzo andererseits unterstützte im Präsidentschaftswahlkampf 1972 Richard Nixon. 1973 galt Rizzo als aussichtsreicher Kandidat für die Gouverneurswahlen von Pennsylvania, bei denen er eine Wiederwahl seines liberalen Parteikollegen Shapp unbedingt verhindern wollte. In einer bitteren persönlichen Auseinandersetzung mit seinem früheren Unterstützer und Führer der Demokraten von Philadelphia, Peter J. Camiel, bestand er im Sommer des gleichen Jahres auf die Durchführung eines Lügendetektortests. Als er hier scheiterte und Camiel den Test problemlos bestand, waren seine Wahlchancen als Gouverneur dahin.[14]

Während seiner erfolgreichen Wiederkandidatur für das Bürgermeisteramt im Jahr 1975 erreichte er mit folgender Aussage nationale Aufmerksamkeit:

“Just wait after November you'll have a front row seat because I'm going to make Attila the Hun look like a faggot.” (Rizzo, im Wahlkampf 1975, nach The Nation Thoughts of Chairman Rizzo.[15], deutsch: „Passt auf, besorgt Euch einen Platz in der ersten Reihe, weil nach November (der Wiederwahl) leg ich so los, daß Attila im Vergleich wie eine Schwuchtel ausschaut“)

Als Bürgermeister ließ Rizzo politische Gegner durch Spezialeinheiten der Polizei überwachen. Afroamerikanische Bürger beschwerten sich über Diskriminierung im öffentlichen Dienst der Stadt und gegen sie gerichtete polizeiliche Repressionsmaßnahmen, während zur gleichen Zeit die Cosa Nostra in South Philadelphia unbehelligt blieb.[16] Dies führte dazu, dass 1979 das Justizministerium der Vereinigten Staaten Anklage gegen die Polizei Philadelphias erhob, welche von einem Bundesgericht aus rechtlichen Gründen abgelehnt wurde.[17][1]

Bürgermeisterkandidaturen[Bearbeiten]

Rizzo konnte 1979 nicht für eine dritte Amtsperiode hintereinander kandidieren, da dies durch die kommunale Gesetzgebung untersagt war. Als er sich 1983 erneut für das Bürgermeisteramt bewarb, unterlag er in den der Demokraten Wilson Goode. Nachdem er im Dezember 1986 zu den Republikanern übergetreten und deren Bürgermeisterkandidat geworden war, verlor er die Wahl 1987 knapp, wiederum gegen Goode. Ein Jahr später war er für kurze Zeit Gastgeber einer Talk-Show im lokalen Radiosender WCAU-FM und erreichte zu dieser Sendezeit die höchste Hörerreichweite in Philadelphia.[1]

1991 bewarb er sich erneut für das Bürgermeisteramt. Bei den Vorwahlen der Republikaner am 21. Mai 1991 konnte er sich mit einem knappen Vorsprung von etwas mehr als 1000 Stimmen gegen die Konkurrenten Ron Castille und Sam Katz durchsetzen.[18] Am 16. Juli 1991, einige Monate vor der entscheidenden Bürgermeisterwahl im November, wurde Rizzo gegen Mittag in der Toilette seines Wahlhauptquartiers bewusstlos aufgefunden. Er starb ungefähr eine Stunde später an einem Kreislaufstillstand im nahegelegenen Thomas Jefferson Hospital.[19] Auf Wunsch der Witwe wurde sein Leichnam bei der Cathedral Basilica of Saints Peter and Paul am Benjamin Franklin Parkway aufgebahrt. Schon drei Stunden vor Start des öffentlichen Zugangs standen annähernd 14 000 Menschen in der Schlange, um Rizzo ein letztes Mal zu sehen.[20] Rizzo wurde auf dem Holy Sepulchre Cemetery in Cheltenham, Montgomery County, beigesetzt.

Rezeption[Bearbeiten]

Frank Donner, der frühere Direktor der American Civil Liberties Union, sieht in der Art und Weise, mit welcher Rizzo die Polizei als ein Mittel zur Durchsetzung seiner moralischen und rassistischen Überzeugungen und zur Bekämpfung politischer Gegner ausnutzte, einen urbanen Polizeistaat verwirklicht. Laut Donner ist das Philadelphia während der Ägide Rizzos ein besonders herausragendes Beispiel für die Ausbreitung von polizeistaatlichen Methoden in der Regierungsführung. Deshalb spricht er vom Philadelphia jener Zeit als einer police city.[21]

Zitat[Bearbeiten]

„The streets are safe in Philadelphia, it's only the people that make them unsafe.“[22]Frank Rizzo

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frank Rizzo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Dennis Hevesi: Frank Rizzo of Philadelphia Dies at 70. A 'Hero' and 'Villain'. In: Webpräsenz The New York Times www.nytimes.com. 17. Juli 1991, abgerufen am 31. Juli 2013 (englisch).
  2.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 200, 201.
  3.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 206, 207.
  4.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 217, 218.
  5. Black Cops James N. Reaves
  6. Doing No Good. In: Time, 4. September 1964. Abgerufen am 4. Mai 2010. 
  7. The Thin Blue Line. In: Time, 19. Juli 1968. Abgerufen am 3. Mai 2010. 
  8.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 198.
  9. a b  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 199.
  10.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 199, 200.
  11.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 214-216.
  12.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 217.
  13.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 200.
  14.  Philip S. Klein, Ari Arthur Hoogenboom: History of Pennsylvania. 2 Auflage. Penn State Press, University Park, Pennsylvania 2010, ISBN 978-0-271-03839-1, S. 530.
  15. The Nation: Thoughts of Chairman Rizzo. In: Time, 24. Oktober 1977. Abgerufen am 2. Mai 2010. 
  16.  J. Patrick O'Connor: The Framing of Mumia Abu-Jamal. Chicago Review Press, Chicago 2008, ISBN 1-56976-394-1, S. 25.
  17.  J. Patrick O'Connor: The Framing of Mumia Abu-Jamal. Chicago Review Press, Chicago 2008, ISBN 1-56976-394-1, S. 26.
  18.  Phyllis C. Kaniss: The Media and the Mayor's Race: The Failure of Urban Political Reporting. Indiana University Press, Bloomington, Indiana 1995, ISBN 0-253-20932-3, S. 255, 256.
  19.  Phyllis C. Kaniss: The Media and the Mayor's Race: The Failure of Urban Political Reporting. Indiana University Press, Bloomington, Indiana 1995, ISBN 0-253-20932-3, S. 265.
  20.  Phyllis C. Kaniss: The Media and the Mayor's Race: The Failure of Urban Political Reporting. Indiana University Press, Bloomington, Indiana 1995, ISBN 0-253-20932-3, S. 276.
  21.  Frank Donner: Protectors of Privilege: Red Squads and Police Repression in Urban America. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-08035-1, S. 197.
  22. Zitiert in „Frank Rizzo Sr.'s life honored“, South Philly Review, 21. Juli 2011