Jos Verstappen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jos Verstappen
Jos Verstappen 2005
Automobil-/Formel-1-Weltmeisterschaft
Nation: NiederlandeNiederlande Niederlande
Erster Start: Großer Preis von Brasilien 1994
Letzter Start: Großer Preis von Japan 2003
Konstrukteure
1994 Benetton • 1995 Simtek • 1996 Arrows • 1997 Tyrrell • 1998 Stewart • 2000−2001 Arrows • 2003 Minardi
Statistik
WM-Bilanz: WM-Zehnter (1994)
Starts Siege Poles SR
107
WM-Punkte: 17
Podestplätze: 2
Führungsrunden: — über 0 km
Vorlage:Infobox Formel-1-Fahrer/Wartung/Alte Parameter

Johannes Franciscus „Jos“ Verstappen (* 4. März 1972 in Montfort) ist ein niederländischer Automobilrennfahrer. Er stieg 1994 in die höchste automobile Rennklasse Formel 1 auf und nahm bis 2003 an 107 Grand-Prix-Rennen teil. Damit ist Verstappen nicht nur der Niederländer mit den meisten F1-Einsätzen, er ist zudem mit insgesamt 17 Weltmeisterschaftspunkten und zwei Podesträngen der erfolgreichste unter ihnen.

Karriere[Bearbeiten]

Kartsport[Bearbeiten]

1982 begann Verstappen mit dem Kartsport und trat in nationalen Meisterschaften an. 1984 und 1986 gewann er die niederländische Meisterschaft der Junioren. Die erfolgreichste Saison hatte „Jos, the Boss“, wie er später genannt wurde, im Jahr 1989, als er internationale Rennen fuhr und zwei europäische Titel gewann.

Formelsport[Bearbeiten]

1991 wechselte Verstappen in den Formelsport und lernte Huub Rothengatter, seinen späteren Manager kennen. Jos testete verschiedene Formelautos und ließ sein Talent erkennen.

Mit Hilfe der Sponsoren Philips und Marlboro – sowie dank Huub Rothengatter – erhielt Verstappen 1992 einen Platz in der Formel Opel Lotus. Er erzielte zwei Siege und beendete die Saison als Siebter. Zusammen mit Martijn Koene gewann Verstappen zudem den Nationencup und die Benelux-Meisterschaft.

1993 trat Verstappen erneut in mehreren Rennserien an. In der Formel-Atlantic-Meisterschaft in Neuseeland belegte er den vierten Platz, gewann die Meisterschaft der deutschen Formel 3 und siegte darin bei seinem Heimrennen in Zandvoort.

Durch seine guten Ergebnisse in den Formelserien bestritt Verstappen Tests für die Formel-1-Teams McLaren und Arrows. Jordan bot an Verstappen für die Saison 1994 unter Vertrag zu nehmen.

Formel 1[Bearbeiten]

Verstappen im Benetton B194, Silverstone 1994

Trotz Vertragsverhandlungen mit anderen Teams unterschrieb Verstappen als Testfahrer bei Benetton. Nachdem JJ Lehto bei Testfahrten vor Saisonbeginn verletzt wurde, übernahm Verstappen seinen Fahrerplatz, bis Lehto zum Großen Preis von San Marino wieder genesen war. Lehto sammelte in den folgenden vier Rennen nur einen Meisterschaftspunkt, während Teamkollege Michael Schumacher auf Titelkurs lag. Verstappen übernahm daher erneut das Cockpit von Lehto und bestritt bis zum Saisonende insgesamt 10 der 16 Meisterschaftsläufe, von denen er zwei Rennen auf dem Podium beendete. Beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim, fing sein Fahrzeug beim Nachtanken Feuer. Sein Mechaniker hatte beim Aufsetzen den Tankschlauch verkantet, so dass Benzin austrat und sich entzünden konnte. Dank der feuerfesten Overalls wurden weder die Mechaniker noch Verstappen ernsthaft verletzt, er erlitt einige leichte Verbrennungen. Trotz seiner zwischenzeitlichen Rennpause und dem Feuerunfall beendete Verstappen die Saison als Zehnter im WM-Klassement.

Im Folgejahr startete er zunächst für Simtek. Nach dem GP von Monaco musste Teamchef Nick Wirth Insolvenz anmelden, so dass Verstappen erneut als Testfahrer zu Benetton zurückkehrte. Zudem bestritt er während der Saison Tests für das französische Team Ligier.

1996 wechselte Verstappen zu Arrows und erzielte in 16 Rennen einen WM-Punkt. Außerdem war Verstappen offizieller Entwicklungsfahrer für Bridgestone, die als Reifenhersteller ein Jahr später in die Formel 1 einsteigen sollten. Da das Arrows-Team für 1997 auf die Dienste von Weltmeister Damon Hill und Bezahlfahrer Pedro Diniz setzte, wechselte Verstappen zu Tyrrell. Obwohl er in 7 von 17 Meisterschaftsläufen mit technischen Defekten ausfiel, wollte Verstappen auch 1998 für Teamchef Ken Tyrrell starten. Doch der neue Eigentümer British American Tobacco formte sein eigenes Team und setzte Verstappen vor die Tür.

Erst im achten Rennen der Formel-1-Saison 1998 erhielt Verstappen einen neuen Fahrerplatz und ersetzte den Dänen Jan Magnussen bei Stewart. Am Ende des Jahres stand Verstappen wieder ohne Cockpit da. 1999 legte er ein Testjahr ein und war offizieller Testfahrer von Honda, die mit einem eigenen Team in die Formel 1 zurückkehren wollten. Nach dem Tod von Harvey Postlethwaite wurden die Pläne jedoch wieder verschoben.

So kehrte Verstappen 2000 zu Arrows zurück und fuhr zwei weitere Saisons für die Engländer, in denen er insgesamt sechs WM-Punkte holte. Sein bestes Ergebnis war ein vierter Platz beim Großen Preis von Italien. 2002 ließ Arrows Verstappen abermals außen vor und verpflichtete, trotz eines bestehenden Vertrages, Heinz-Harald Frentzen. Verstappen plante daraufhin, bei Sauber-Petronas als Testfahrer anzuheuern. Nach Sitzproben erkannte man dort jedoch, dass Verstappen wegen seiner Körpergröße nicht in den Sauber passte.

2003 kehrte er nochmals für eine Saison in die Formel 1 zurück und startete für Minardi. Dabei erzielte er beim GP von Frankreich eine Bestzeit in der 1. Qualifikation. Trotzdem trennten sich die Wege von Minardi und Verstappen am Ende der Saison. Ein Engagement bei Jordan zerschlug sich, so dass Verstappen seine Formel-1-Karriere beenden musste.

Weitere Motorsportkarriere[Bearbeiten]

Verstappen im Porsche RS Spyder, 1000-km-Rennen von Silverstone 2008

Nach einem Jahr Pause startete er 2005 für die Niederlande in der A1-Grand-Prix-Serie. Ein Höhepunkt in dieser Saison war Verstappens 1. Platz beim Grand Prix von Südafrika. Verstappen beendete die Saison auf dem 7. Rang der Meisterschaft. 2007 war Verstappen im Gespräch mit Teams aus der amerikanischen Champ Car World Series, aber eine Zusammenarbeit kam nicht zustande.

Im darauffolgenden Jahr fuhr Verstappen einen Porsche RS Spyder in der Le-Mans-Serie für das Team Van Merksteijn Motorsport by Equipe Verschuur. Zusammen mit Peter van Merksteijn, sowie Jeroen Bleekemolen konnte er in der LMP2-Kategorie vier Klassensiege und einen zweiten Platz einfahren. Da weder Merksteijn, noch Bleekemolen die gesamte Saison bestritten, ist Verstappen somit der alleinige LMP2-Meister der Le-Mans-Series 2008. Teameigner van Merksteijn äußerte sich Ende des Jahres über Verstappen:

“Without him I'd never reached this level: He taught me how to drive a ground effect car and helped me to progress throughout the season[1]

„Ohne ihn hätte ich nie dieses Niveau erreicht: Er hat mir gezeigt, wie man ein Auto mit Bodeneffekt fährt und hat mir geholfen mich über die Saison zu verbessern.“

Darüber hinaus nahm er am 15. Juni 2008 zum ersten Mal am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil und beendete das Rennen, zusammen mit Peter van Merksteijn und Jeroen Bleekemolen, auf dem 10. Gesamtrang und als Klassensieger der LMP2.

Anfang der Saison 2009 wurde bekannt, das Verstappen plane, zusammen mit Epsilon Euskadi erneut beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und in der Le Mans Series anzutreten.[2] Jedoch zerschlugen sich die Bestrebung, da sich das Team in kein Rennen einschrieb. Ende Mai testete Verstappen einen Lola-Aston Martin LMP1 für das Werksteam von Aston Martin auf dem Autodromo Nazionale Monza. Bei dem Test für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans beschädigte er sein Fahrzeug schwer und erlitt selbst Prellungen und ein Schleudertrauma.[3]

Persönliches[Bearbeiten]

Verstappen war von 1996 bis 2008 mit der Belgierin Sophie (geb. Kumpen) verheiratet und hat mit ihr einen Sohn (Max) und eine Tochter. Sie ist eine Nichte des belgischen Rallycross-Meisters von 1987, Paul Kumpen, und Cousine des FIA-GT-Rennfahrers Anthony Kumpen aus Hasselt, und war selbst für einige Jahre als Kart-Rennfahrerin aktiv. Sein Sohn Max wurde 2013 Kart-Weltmeister und zweifacher Kart-Europameister.

2000 wurde Verstappen in Belgien zu fünf Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt, weil er im Mai 1998 bei einer Prügelei im Rahmen eines Kartrennens in Lanaken einer Person einen Schädelbruch zugefügt hatte.

Statistik[Bearbeiten]

Statistik in der Formel 1[Bearbeiten]

Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.
Rennrunden
Punkte WM-Pos.
1994 Mild Seven Benetton Ford Benetton B194 Ford 3.5 V8 10 2 10 10.
1995 MTV Simtek Ford Simtek S951 Ford ED 3.0 V8 4 31.
1996 Footwork Hart Footwork FA17 Hart 3.0 V8 16 1 16.
1997 Tyrrell Tyrrell 025 Ford ED4 3.0 V8 17 21.
1998 Stewart Ford Stewart SF2 Ford Zetec-R 3.0 V10 9 23.
2000 Arrows F1 Team Arrows A21 Supertec 3.0 V10 17 5 12.
2001 Orange Arrows Asiatech Arrows A22 Asiatech 3.0 V10 17 1 18.
2003 Minardi F1 Team Minardi PS03 Cosworth 3.0 V10 16 22.
Gesamt 106 2 17

Einzelergebnisse[Bearbeiten]

Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1994 Flag of Brazil.svg Flag of the Pacific Community.svg Flag of San Marino.svg Flag of Monaco.svg Flag of Spain.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Portugal.svg Flag of Europe.svg Flag of Japan.svg Flag of Australia.svg  
DNF DNF DNF 8 DNF 3 3 DNF 5 DNF  
1995 Flag of Brazil.svg Flag of Argentina.svg Flag of San Marino.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Portugal.svg Flag of Europe.svg Flag of the Pacific Community.svg Flag of Japan.svg Flag of Australia.svg
DNF DNF DNF 12 DNS
1996 Flag of Australia.svg Flag of Brazil.svg Flag of Argentina.svg Flag of Europe.svg Flag of San Marino.svg Flag of Monaco.svg Flag of Spain.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Portugal.svg Flag of Japan.svg  
DNF DNF 6 DNF DNF DNF DNF DNF DNF 10 DNF DNF DNF 8 DNF 11  
1997 Flag of Australia.svg Flag of Brazil.svg Flag of Argentina.svg Flag of San Marino.svg Flag of Monaco.svg Flag of Spain.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Austria.svg Flag of Luxembourg.svg Flag of Japan.svg Flag of Europe.svg
DNF 15 DNF 10 8 11 DNF DNF DNF 10 DNF DNF DNF 12 DNF 13 16
1998 Flag of Australia.svg Flag of Brazil.svg Flag of Argentina.svg Flag of San Marino.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Austria.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Luxembourg.svg Flag of Japan.svg  
12 DNF DNF DNF 13 DNF DNF 13 DNF  
2000 Flag of Australia.svg Flag of Brazil.svg Flag of San Marino.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Spain.svg Flag of Europe.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of Austria.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of the United States.svg Flag of Japan.svg Flag of Malaysia.svg
DNF 7 14 DNF DNF DNF DNF 5 DNF DNF DNF 13 15 4 DNF DNF 10
2001 Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of Brazil.svg Flag of San Marino.svg Flag of Spain.svg Flag of Austria.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of Europe.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of the United States.svg Flag of Japan.svg
10 7 DNF DNF 12 6 8 10 DNF 13 10 9 12 10 DNF DNF 15
2003 Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of Brazil.svg Flag of San Marino.svg Flag of Spain.svg Flag of Austria.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of Europe.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Italy.svg Flag of the United States.svg Flag of Japan.svg  
11 13 DNF DNF 12 DNF DNF 9 14 16 15 DNF 12 DNF 10 15  
Legende
Farbe Abkürzung Bedeutung
Gold Sieg
Silber 2. Platz
Bronze 3. Platz
Grün Platzierung in den Punkten
Blau Klassifiziert außerhalb der Punkteränge
Violett DNF Rennen nicht beendet (did not finish)
NC nicht klassifiziert (not classified)
Rot DNQ nicht qualifiziert (did not qualify)
DNPQ in Vorqualifikation gescheitert (did not pre-qualify)
Schwarz DSQ disqualifiziert (disqualified)
Weiß DNS nicht am Start (did not start)
WD zurückgezogen (withdrawn)
Hellblau PO nur am Training teilgenommen (practiced only)
TD Freitags-Testfahrer (test driver)
ohne DNP nicht am Training teilgenommen (did not practice)
INJ verletzt oder krank (injured)
EX ausgeschlossen (excluded)
DNA nicht erschienen (did not arrive)
C Rennen abgesagt (cancelled)
  keine WM-Teilnahme
sonstige P/fett Pole-Position
SR/kursiv Schnellste Rennrunde
* nicht im Ziel, aufgrund der zurückgelegten Distanz aber gewertet
() Streichresultate
unterstrichen Führender in der Gesamtwertung


Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
2008 NiederlandeNiederlande van Merksteijn Motorsport Porsche RS Spyder Evo NiederlandeNiederlande Jeroen Bleekemolen NiederlandeNiederlande Peter van Merkstejin Rang 10 und Klassensieg
2009 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Aston Martin Racing Lola-Aston Martin LMP1 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Anthony Davidson Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Darren Turner Rang 13

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jos Verstappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2008 Le Mans Series Yearbook. 2008, S. 92
  2. Harald Gallinnis: http://www.gt-eins.at/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=3484&Itemid=2
  3. Harald Gallinnis: http://www.gt-eins.at/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=3934&Itemid=2