Muttertag

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Dieser Artikel erläutert den Feiertag. Zu anderen Bedeutungen dieses Begriffes siehe Muttertag (Begriffsklärung).

Der Muttertag ist ein Feiertag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den USA, in der westlichen Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum und vielen anderen Ländern findet er am zweiten Sonntag im Mai statt.

Geschichte[Bearbeiten]

Muttertagstorte

Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung. Die US-Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. An von ihr organisierten Mothers Day Meetings konnten Mütter sich zu aktuellen Fragen austauschen.[1] 1870 wurde von Julia Ward Howe eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort peace and motherhood gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.[2]

Ab den 1860er-Jahren entstanden auch in Europa diverse Frauenbewegungen und Frauenvereine, die sich neben Friedensprojekten und mehr Frauenrechten auch für bessere Bildungschancen für Mädchen einsetzten. In den 1890ern wurde der Frauenweltbund gegründet, der in internationalen Frauenkongressen auch für mehr Anerkennung der Mütter eintrat.

Ursprung in den USA[Bearbeiten]

Als Begründerin des heutigen Muttertags gilt jedoch die Methodistin Anna Marie Jarvis, die Tochter von Ann Maria Reeves Jarvis. Sie veranstaltete in Grafton am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, ein Memorial Mothers Day Meeting.[1] Im folgenden Jahr wurde auf ihr Drängen hin wiederum am zweiten Maisonntag in der Methodistenkirche in Grafton allen Müttern eine Andacht gewidmet. 500 weiße Nelken ließ sie zum Ausdruck ihrer Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter vor der örtlichen Kirche an andere Mütter austeilen.

Sie widmete sich nun hauptberuflich dem Ziel, einen offiziellen Muttertag zu schaffen, und startete eine Initiative für die Einführung eines offiziellen Feiertags zu Ehren der Mütter, indem sie Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und Frauenvereine schrieb. Die Bewegung wuchs sehr rasch an. Bereits 1909 wurde der Muttertag in 45 Staaten der USA gefeiert. 1912 führten ihn die Methodisten in West Virginia ein. Am 8. Mai 1914 erließ der US-Kongress die Joint Resolution Designating the Second Sunday in May as Mother’s Day: Als Zeichen der Liebe und Verehrung der Mütter solle der 2. Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert werden. Der Präsident der Vereinigten Staaten solle an diesem Tag die öffentlichen Gebäude beflaggen lassen; diesem Willen des Kongresses hat Woodrow Wilson noch im gleichen Jahr Folge geleistet.[3] So wurde der Muttertag 1914 zum ersten Mal als nationaler Feiertag begangen.

Mit steigender Verbreitung und Kommerzialisierung des Muttertags wandte sich die Begründerin des Feiertages von der Bewegung ab, bereute, diesen ins Leben gerufen zu haben, und kämpfte erfolglos für die Abschaffung des Feiertages.

Anfänge internationaler Verbreitung[Bearbeiten]

Die Bewegung blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Schon 1912 wurde eine Mother’s Day International Association gegründet mit dem Ziel, den Muttertag auch international zu verbreiten.[4] Nachdem England den mothering day übernommen hatte, verbreitete sich der Feiertag 1917 in der Schweiz, 1918 in Finnland und Norwegen, 1919 in Schweden, ab 1923 in Deutschland und 1924 in Österreich.

Schweiz[Bearbeiten]

Zwei Gruppierungen ergriffen die Initiative für die Einführung des Muttertages in der Schweiz: die Unions Chrétiennes de Jeunes Gens de la Suisse romande und die Heilsarmee. Erstere veröffentlichten ihren Aufruf bereits 1914 in ihrem Vereinsorgan, wobei sie sich ausdrücklich auf das angelsächsische Vorbild beriefen; sie stießen in der französischsprachigen Schweiz bei reformierten Pfarrern auf ein gewisses Echo, konnten aber in der Deutschschweiz mit ihrer Initiative nicht Fuß fassen.[5] Die Heilsarmee erließ erstmals im Sommer 1917 einen Aufruf zur Begehung eines Ehrentages für die Mutter, der die religiöse Berechtigung einer solchen Ehrung betonte.[5]

Beide Initiativen waren in ihren jeweiligen Institutionen erfolgreich, blieben jedoch bis in die zwanziger Jahre hinein auf kleine Kreise beschränkt. Dann begannen die schweizerischen Verbände der Floristen (angeregt durch ihre deutschen Kollegen), der Gärtnermeister und der Konditormeister sich für den Muttertag zu engagieren.[6] Sie machten im Zentral- und in Ortskomitees, die den Muttertag propagierten, mit, blieben allerdings in der Öffentlichkeit eher im Hintergrund. Die öffentlichen Aufrufe wurden durch ethisch engagierte Personen des öffentlichen Lebens unterzeichnet.[7] Über die Presse, Flugblätter, das Radio, die Schaufenster der beteiligten Berufsleute wurde der Muttertag für den zweiten Maisonntag 1930 propagiert und gelangte so zum Durchbruch.[7]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet. Ab 1926 wurde die Propagierung des Muttertages an die Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung übertragen, um „Kirche und Schule zu gewinnen und die Regierung dahin zu bringen, den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai als offiziellen Feiertag festzulegen“.[8]

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Feier des Muttertags mit der Idee der „germanischen Herrenrasse“ verknüpft. Besonders kinderreiche Mütter wurden als Heldinnen des Volkes zelebriert, da sie den „arischen Nachwuchs“ fördern sollten. 1933 wurde der Muttertag zum öffentlichen Feiertag erklärt und erstmals am 3. Maisonntag 1934 als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ mit der Einführung des Reichsmütterdienstes in der Reichsfrauenführung begangen. Die religiös anmutenden Feierlichkeiten („Mütterweihen“) wurden in Konkurrenz zu christlichen Feiern auf sonntags um 10 Uhr angesetzt. 1938 wurde zusätzlich das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter eingeführt,[9] das am Muttertag am 21. Mai 1939 erstmals verliehen wurde.[10]

In der DDR wurde der Muttertag offiziell nicht begangen, stattdessen wurde der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert.

Der zweite Sonntag im Mai 1949 war der 8. Mai. Somit fand der Muttertag 1949 noch in der westalliierten Trizone statt. Die 15 Tage später am 23. Mai 1949 mit der Verkündigung des Grundgesetzes gegründete Bundesrepublik Deutschland beging ihren ersten Muttertag somit erst 1950. Der nicht-gesetzliche Feiertag hat hinsichtlich des Blumenverkaufs eine Sonderstellung. So dürfen Blumenläden an diesem Tag in aller Regel geöffnet bleiben.[11] In Baden-Württemberg gilt dies jedoch nicht, wenn der Muttertag auf einen gesetzlichen Feiertag fällt, wie z. B. im Jahr 2008 auf Pfingstsonntag.[12] Zum nächsten Mal fallen Pfingstsonntag und Muttertag im Jahr 2035[13] auf einen Tag.

Der Muttertag ist nicht gesetzlich verankert, vielmehr basiert dessen Datum auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden. Die Floristenverbände haben den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt, was dazu führt, dass Pfingstsonntag und Muttertag auf denselben Tag fallen, wenn Ostern spätestens am 26. März gefeiert wird. Zuletzt traf das für die Jahre 1978, 1989 und 2008 zu. Da einige Ländergesetze die Ladenöffnung am Pfingstsonntag untersagen, darf – so beschloss es der deutsche Einzelhandel 1949 – in solchen Fällen ein Ersatztermin gesucht werden.[14] Im Jahre 2007 entbrannte deswegen eine Diskussion zwischen deutschem Einzelhandel und Kalenderverlagen. Die Diskussion endete nach längerem Hin und Her damit, dass der Muttertag 2008 ganz regulär am zweiten Maisonntag, also dem Pfingstsonntag stattfand.[15] Die Entscheidung kam für einige Kalenderverlage jedoch zu spät, sodass viele Kalender für das Jahr 2008 den Muttertag fälschlicherweise am 4. Mai eingetragen hatten.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gilt die Begründerin der Frauenbewegung Marianne Hainisch als Initiatorin des Muttertages, der 1924 während der zweiten Amtszeit ihres Sohnes Michael Hainisch als Bundespräsident eingeführt wurde. Zusammen mit der Pfadfinderbewegung engagierte sich die Industriellengattin für die Feier eines Muttertags, der sich rasch durchsetzte. Im Großdeutschen Reich ab 1938 wurden die Feierlichkeiten durch den Staat forciert (→Deutschland).

Ökonomische Bedeutung[Bearbeiten]

In den USA werden die finanziellen Aufwendungen für den Muttertag nur durch Weihnachten übertroffen. Nach den Schätzungen der nationalen Einzelhandelsvereinigung werden im Durchschnitt 139 US-Dollar pro beschenkter Mutter ausgegeben.[16]

Nach Angaben des HDE gibt jeder Deutsche im Schnitt 25 Euro für Muttertagsgeschenke aus. Obwohl der Trend hin zu Sachgeschenken geht, werden immer noch größtenteils Blumen verschenkt. So werden in der Muttertagswoche nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle in Deutschland bis zu 130 Millionen Euro Umsatz mit Schnittblumen erzielt[17]

Für den Muttertag werden im Blumenhandel die größten Umsätze des Jahres (vor dem Valentinstag) erzielt.

Die Kommerzialisierung des Tages wurde unter anderem von seiner Begründerin Anna Marie Jarvis scharf kritisiert.

Daten in der Welt[Bearbeiten]

Datum Land
2. Sonntag im Februar Norwegen
Am Todestag Henrietta Szolds, dem 30. Tag des Monats Schevat (meist im Februar, siehe Jüdischer Kalender; 2011: 4. Februar, 2012: 23. Februar) Israel
3. März Georgien
8. März Feier des Internationalen Frauentags zusammen mit dem Muttertag: Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Laos, Moldawien, Montenegro, Rumänien, Serbien, Ukraine;
Feier des Internationalen Frauentags statt des Muttertags: Albanien, Kasachstan, Mazedonien, Russland, Vietnam, Weißrussland
21. März (Frühlingsanfang) Ägypten, Bahrain, Irak, Israel (nur Israelische Araber), Jemen, Jordanien, Kuwait, Libanon, Libyen, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Vereinigte Arabische Emirate
4. Fastensonntag (2010: 14. März; 2011: 3. April; 2012: 18. März; 2013: 10. März; 2014: 30. März) Vereinigtes Königreich, Republik Irland, Nigeria
25. März (Mariä Verkündigung) Slowenien
7. April Armenien
24. April +/- 5 Tage im Baisakh Amavasya (1. Monat Bengalischer Kalender) Nepal
1. Sonntag im Mai Angola, Kap Verde, Litauen, Mosambik, Portugal, Spanien, Ungarn
8. Mai Albanien (Elterntag), Südkorea (Elterntag)
10. Mai El Salvador, Guatemala, Mexiko
2. Sonntag im Mai Anguilla, Aruba, Äthiopien, Australien, Bahamas, Bangladesch, Barbados, Belgien (ohne Region Antwerpen), Belize, Bermuda, Bonaire, Brasilien, Brunei, Chile[18], China, Curaçao, Dänemark, Deutschland, Dominica, Ecuador, Estland, Fidschi, Finnland, Ghana, Griechenland, Grenada, Honduras, Indien, Island, Italien, Jamaika, Japan, Kanada, Kolumbien, Kroatien, Kuba, Lettland, Liechtenstein, Macau, Malaysia, Malta, Myanmar, Niederlande, Neuseeland, Österreich, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Puerto Rico, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Sambia, Samoa, Schweiz, Simbabwe, Singapur, Sint Maarten, Slowakei, Südafrika, Sri Lanka, Suriname, Taiwan, Tansania, Tonga, Trinidad und Tobago, Tschechien, Türkei, Uganda, Ukraine, Uruguay, USA, Venezuela, Zypern
15. Mai Paraguay
26. Mai Polen
27. Mai Bolivien
30. Mai Nicaragua[19]
letzter Sonntag im Mai Algerien, Dominikanische Republik, Haiti, Marokko, Mauritius, Schweden, Tunesien;
Frankreich und Französische Antillen (außer, wenn dieser auf Pfingsten fällt: dann 1. Sonntag im Juni)
1. Juni Mongolei (Mutter-Kind-Tag)
2. Sonntag im Juni Luxemburg
letzter Sonntag im Juni Kenia
12. August Thailand (Geburtstag von Königin Sirikit)
15. August (Mariä Himmelfahrt) Belgien (nur Region Antwerpen), Costa Rica
2. Montag im Oktober Malawi
3. Sonntag im Oktober Argentinien
Letzter Sonntag im November Russland (Der Tag ist aber in der Bevölkerung wenig bekannt. Die für die westliche Welt typischen Feierlichkeiten des Muttertages finden am Internationalen Frauentag statt, der offizieller Feiertag ist.)
8. Dezember Panama
22. Dezember Indonesien
20. Tag des Dschumada th-thaniyya (Islamischer Kalender) Iran (Muttertag ist zugleich der Geburtstag der Tochter des Propheten Mohammed, Fatima bint Mohammed)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karin Hausen: Mütter zwischen Geschäftsinteressen und kultischer Verehrung. Der „Deutsche Muttertag“ in der Weimarer Republik. In: Gerhard Huck (Hrsg.): Sozialgeschichte der Freizeit. Untersuchung zum Wandel der Alltagskultur in Deutschland. Hammer, Wuppertal 1980; S. 249–280, ISBN 3-87294-164-X.
  • Max Matter: Entpolitisierung durch Emotionalisierung. Deutscher Muttertag – Tag der Deutschen Mutter – Muttertag. In: Rüdiger Voigt (Hrsg.): Symbole der Politik, Politik der Symbole. Leske und Budrich, Opladen 1989. S. 123–135, ISBN 3-8100-0697-1.
  • Eduard Strübin: Muttertag in der Schweiz. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 52, 1956. S. 95–121.
  • Irmgard Weyrather: Mutterkreuz und Muttertag. Der Kult um die „deutsche Mutter“ im Nationalsozialismus. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11517-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Muttertag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Muttertag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Strübin, S. 96.
  2. Mother’s Day Proclamation
  3. Strübin, S. 97.
  4. Strübin, S. 99.
  5. a b Strübin, S. 102.
  6. Strübin, S. 103.
  7. a b Strübin, S. 104.
  8. Verbandszeitung Deutscher Blumenhändler 13/1926; zitiert nach Hausen (1980).
  9. Vgl. Weyrather (1993).
  10. Meyers Lexikon, 8. Aufl., Bd. 8, Sp. 14 Muttertag.
  11. Aufgrund §23 LadSchlG; vgl. auch Matter (1989)
  12. DDP: Kein Blumenverkauf am Muttertag, vom 5. Mai 2008, Abgerufen am 6. Mai 2008
  13. Zusammentreffen Pfingsten und Muttertag auf der Seite der Badischen Zeitung, abgerufen am 12. Mai 2014
  14. Donaukurier.de: Muttertag ist am 11. Mai – oder doch nicht?
  15. Welt Online: Muttertag wird nun doch nicht verschoben
  16. Handelsblatt: Ausdruck der Liebe, nicht des Konsums; Artikel vom 11. Mai 2007
  17. Süddeutsche.de: Einzelhandel will Muttertag vorziehen; Artikel vom 10. Mai 2007
  18. Días Nacionales en Chile
  19. El origen del Día de la Madre Autor: Lic. Pedro Rafael Díaz Figueroa, in El Nuevo Diario, 27. Mai 1999