Oleh Blochin

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Oleh Blochin

Blochin 2012

Spielerinformationen
Geburtstag 5. November 1952
Geburtsort KiewSowjetunion
Größe 180 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1962–1969 Dynamo Kiew
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1969–1988
1988–1989
1989–1990
Dynamo Kiew
SK Vorwärts Steyr
Aris Limassol
433 (211)
41 00(9)
22 00(5)
Nationalmannschaft
1972–1988 Sowjetunion 101 0(35)
Stationen als Trainer
1990–1993
1993–1994
1994–1997
1997–1998
1998–1999
1999–2002
2003–2007
2007–2008
2011–2012
2012–2014
Olympiakos Piräus
PAOK Thessaloniki
Ionikos Nikea
PAOK Thessaloniki
AEK Athen
Ionikos Nikea
Ukraine
FK Moskau
Ukraine
Dynamo Kiew
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Oleh Wolodymyrowytsch Blochin (* 5. November 1952 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion; ukrainisch Олег Володимирович Блохін, wiss. Transliteration Oleh Volodymyrovyč Blochin, Spitzname Blocha (Floh); auch unter seiner russischen Namensform Олег Владимирович Блохин/Oleg Wladimirowitsch Blochin bekannt) ist ein ehemaliger ukrainischer Fußballspieler und derzeitiger Trainer von Dynamo Kiew.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Im Verein[Bearbeiten]

Blochin wuchs in einer reichen Familie auf. Sein Vater war ukrainischer Verbandstrainer der Fußballjunioren, seine Mutter Jekaterina Adamenko Landesmeisterin im 100-Meter-Lauf.[1] Angeblich soll sie ihren Sohn mit wenig zimperlichen Aktionen zu mehr Leistung angespornt haben. Entsprach Blochins Leistung nicht den hochgesetzten Erwartungen, bekam der Junge kein Essen auf den Tisch gestellt.

Das Fußballspielen erlernte der junge Oleg als Zehnjähriger bei Dynamo Kiew. Aber auch die Leichtathletikabteilung des Clubs interessierte sich für das Talent, das von seiner Mutter – ihren ukrainischen Meistertitel erlief sie in 11,9 Sekunden – die Sprintbegabung geerbt hatte. In seiner Glanzzeit lief Blochin die 100 Meter in 11,0 Sekunden; seine persönliche Bestzeit lag bei 10,8 Sekunden. 1971 trat Blochin bei einem UEFA-Jugendturnier in der Tschechoslowakei als torgefährlicher Stürmer in Erscheinung. Nach seinem Amtsantritt 1973 formte der neue Trainer Waleri Lobanowski Dynamo Kiew zu einer der besten Vereinsmannschaften der Welt. Das Team gewann 1974 die sowjetische Meisterschaft, für Blochin der erste von insgesamt sieben nationalen Titeln (bis 1986). An diesen Erfolgen wie am Gewinn des nationalen Pokals (1974, 1978, 1985) hatte „Blokha“ („Floh“), wie der pfeilschnelle Linksaußen genannt wurde, als mehrmaliger Torschützenkönig erheblichen Anteil. Das Spiel seiner Mannschaft war ganz auf ihren Star ausgerichtet. 1973, 1974 und 1975 wurde er jeweils zum sowjetischen Fußballer des Jahres gewählt, zwischen 1972 und 1981 wurde er zudem neunmal Ukrainischer Fußballer des Jahres.

1975 gelang Dynamo Kiew dann der erste Erfolg auf europäischer Ebene, das Team gewann den Europapokal der Pokalsieger. Beim 3:0 im Finale gegen Ferencvaros Budapest steuerte Blochin den Treffer zum Endstand bei. Im selben Jahr gewann Dynamo Kiew gegen den FC Bayern München auch den UEFA Super Cup. Als persönliche Auszeichnung wurde Blochin im Jahr 1975 auch zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Er galt als einer der besten Stürmer der 1970er Jahre und erhielt in der Folgezeit zahlreiche Angebote aus dem westlichen Ausland (u.a. vom Hamburger SV), der sowjetische Verband ließ seinen größten Star jedoch nicht ziehen. 1986 gewann Kiew erneut den Europapokal der Pokalsieger. Wie bereits 1975 erzielte Blochin auch diesmal im Endspiel ein Tor, als das favorisierte Team von Atlético Madrid mit 3:0 bezwungen wurde.

1988 machte Blochin sein letztes Spiel für Dynamo Kiew, für welchen er in 433 Ligaspielen 211 Tore erzielt hatte. Diese Leistung bedeutete einen Rekord für die sowjetische Liga. 1988 gelang dem damaligen Zweitdivisionär Vorwärts Steyr ein Sensationscoup, als die Oberösterreicher den 36-Jährigen UdSSR-Legionär verpflichten konnten.

Nach seinen Engagement bei Vorwärts Steyr bestritt er noch eine Saison beim zypriotischen Verein Aris Limassol.

In der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Blochin spielte in der U-23-Mannschaft der UdSSR, die bei der Europameisterschaft 1972 in den Finalspielen den Altersgenossen aus der ČSSR mit 2:2 und 1:3 unterlag; dabei erzielte er jeweils einen Treffer.[2] Keine drei Wochen später gab er am 16. Juli 1972 beim 1:1 in Finnland sein Debüt in der sowjetischen A-Nationalmannschaft. Zwar hätte Blochin auch gerne bei der WM 1974 in Deutschland gespielt, doch kam es dazu aus politischen Gründen nicht. Nach dem Putsch in Chile weigerte sich die UdSSR, zum Qualifikationsspiel in Santiago de Chile anzutreten. Grund für diese Entscheidung: das Stadion der chilenischen Hauptstadt hatte als Internierungsort für politische Häftlinge gedient.

Für die WM 1978 in Argentinien und die Europameisterschaft 1980 konnten sich die Sowjets jeweils nicht qualifizieren. Erst 1982 in Spanien war die Sbornaja wieder dabei. Das Team um den 29-jährigen Blochin zählte zu den spielerisch stärksten Mannschaften des Turniers und verpasste den Einzug ins Halbfinale nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses.

Nach Verletzungen und Formtief zwischenzeitlich ausgemustert, kehrte Blochin zu den Qualifikationsspielen für die WM 1986 in Mexiko wieder in den Nationalkader zurück. Bei der Endrunde kam er aber nur zweimal zum Einsatz, er hatte seinen Zenit überschritten. Am 21. September 1988 (0:1-Niederlage in Düsseldorf gegen das Team des DFB) beendete er nach über 16 Jahren seine Karriere im Nationalteam. Für die Sbornaja bestritt er, die FIFA-Regelung zu Länderspielen berücksichtigend, 101 Spiele, in denen er 35 Treffer erzielte.

Trainerkarriere[Bearbeiten]

1990 beendete er die aktive Karriere und war seitdem als Trainer bei verschiedenen griechischen Vereinen tätig. Seit Beginn der Qualifikationsrunde zur WM in Deutschland 2006 trainierte Blochin mit großem Erfolg die Fußballnationalmannschaft der Ukraine, die sich als Tabellenführer der Gruppe 2 für die WM-Endrunde qualifizierte und nach Siegen über Saudi-Arabien (4:0), Tunesien (1:0) und die Schweiz (3:0 n.E.) ins Viertelfinale einzog, wo sie aber gegen den späteren Weltmeister Italien ausschied. Am 6. Dezember 2007 gab Blochin seinen Rücktritt vom Amt des Nationaltrainers bekannt. Am 14. Dezember 2007 trat er ein neues Traineramt beim russischen Erstligisten FK Moskau an. Am 27. November 2008 wurde bekannt gegeben, dass er seinen wenige Tage später auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. Er hatte mit dem Klub die Saison als Neunter beendet.[3] Im April 2011 wurde er erneut Trainer der ukrainischen Fußballnationalmannschaft.[4]

Am 25. September 2012 übernahm Blochin die Profimannschaft von Dynamo Kiew. Er unterschrieb einen Vertrag über vier Jahre.[5][6]

Am 17. April 2014 wurde Blochin bei Dynamo Kiew wegen anhaltender Erfolglosigkeit entlassen.[7]

Erfolge[Bearbeiten]

individuelle[Bearbeiten]

mit der Mannschaft[Bearbeiten]

bei allen Erfolgen spielte er bei Dynamo Kiew

Privates[Bearbeiten]

Blochin war mit der russischen Gymnastik-Weltmeisterin Irina Deriugina verheiratet.[8] Die gemeinsame Tochter ist die Sängerin Ireesha Blohina.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oleh Blochin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Simon, Horst Friedemann, Wolf Hempel, Klaus Schlegel: Europameisterschaft, Europacup 76; Sportverlag Berlin 1976, Lizenznummer 150 355/51/76, S. 85
  2. Günter Simon, Horst Friedemann, Wolf Hempel, Klaus Schlegel: Europameisterschaft, Europacup 76; Sportverlag Berlin 1976, Lizenznummer 150 355/51/76, S. 227
  3. Oleg Blochin verlässt Trainerposten bei FK Moskau; dpa-Meldung vom 27. November 2008 unter Berufung auf Komersant, Onlineversion bei sueddeutsche.de
  4. Football Federation of Ukraine: Blokhin back in charge of Ukraine vom 21. April 2011 (abgerufen am 3. Mai 2011)
  5. fcdynamo.kiev.ua: Олег Блохин – главный тренер киевского «Динамо»! vom 25. September 2012 (abgerufen am 25. September 2012)
  6. kicker online: Blokhin übernimmt bei Dynamo Kiew vom 25. September 2012 (abgerufen am 25. September 2012)
  7. Kiew entlässt Trainer Blochin; Meldung auf Sport1.de vom 17. April 2014.
  8. Blokhin bidding for Euro glory, abgerufen am 11. Juni 2012
  9. Ireesha, abgerufen am 11. Juni 2012