RT (Fernsehsender)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Russia Today)
Wechseln zu: Navigation, Suche
RT
Senderlogo
Logo von RT
Allgemeine Informationen
Empfang: Kabel, Satellit, IPTV
Eigentümer: RIA Novosti
Intendant: Margarita Simonjan
Sendebeginn: 15. September 2005
Rechtsform: Privatrechtlich
Programmtyp: Spartenprogramm (Information)
Website: rt.com
Liste von Fernsehsendern
Übertragungsfahrzeug von RT in Moskau

RT, ehemals Russia Today, ist ein seit dem Jahre 2005 existierender, auf internationales Publikum ausgerichteter, staatlich finanzierter Fernsehsender der Russischen Föderation mit Sitz in Moskau. Gesendet wird auf Englisch, Arabisch, Spanisch, Russisch und seit dem 6. November 2014 in deutscher Sprache. Das Programm und die Themen- und Nachrichtensetzung ist in den jeweiligen Sprachen jedoch nicht identisch.

Der Sender selbst gibt an, dem Publikum die russische Sichtweise auf das internationale Geschehen vorzustellen und ein Gegengewicht zu westlichen Medien darstellen zu wollen.[1]

Nachrichten aus internationaler und russischer Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport sowie Dokumentarfilme, Politmagazine (IMHO, In Context) und die täglich ausgestrahlte politische Talkshow „Spotlight with Al Gurnov“ machen das Programm des Senders aus. RT hat etwa 2.000 Mitarbeiter weltweit,[2] von denen ein Großteil nicht-russische Journalisten sind. Zahlreiche bekannte westliche Journalisten und Persönlichkeiten arbeiteten oder arbeiten für RT, darunter Max Keiser, Thom Hartmann, Larry King oder Julian Assange. Der Sender betreibt Korrespondenten­büros auf der ganzen Welt.

Laut Pew Research war RT 2012 der weltweit populärste Nachrichtenkanal auf YouTube[3] und verzeichnete dort bislang über 1,01 Milliarden Videoaufrufe.[4]

Geschichte

Am 15. September 2005 ging der erst kurz zuvor gegründete Fernsehsender zum ersten Mal auf Sendung. Seitdem sendet RT rund um die Uhr in englischer Sprache und kann über Satellit (in Europa über Hotbird-6, Astra 1KR und Eurobird 1) und abhängig vom lokalen Kabelnetzbetreiber auch im digitalen Kabel empfangen werden. RT bemüht sich entsprechend auch um eine Einspeisung in Kabelnetze; in Deutschland kann RT z. B. im Netz von Unitymedia, Kabel BW und im Raum Köln-Bonn-Aachen im Netz von NetCologne empfangen werden.

Im Jahr 2007 kamen eine arabische und 2009 eine spanische Programmversion hinzu.[5] Diese Kanäle senden ein paralleles Programm zur englischsprachigen Version. Für fremde Sender in anderen Sprachräumen stellt RT Filmmaterial zur Verfügung,[6] aus dem für den deutschsprachigen Raum von Russland.ru auch Beiträge auf Deutsch hergestellt und veröffentlicht werden.[7] Insgesamt wird RT auf über 20 Satelliten weltweit verbreitet. Während RT Englisch z.B. auf Hotbird 13° Ost, Astra 19,2° Ost und Astra/Eutelsat 28,2° Ost jeweils in SD und HD ausgestrahlt wird, ist RT Arabisch in Deutschland am einfachsten über Hotbird 13,0° Ost und RT Spanisch über 19,2° Ost zu empfangen, jeweils nur in SD. RT kann auch im Internet über Live-Streaming empfangen werden. Das Programm ist über den Peer-to-peer-Dienst Livestation verfügbar. Außerdem werden einzelne Beiträge in einem eigenen Kanal auf YouTube verbreitet und haben dort bereits über 1 Milliarde (Juni 2013) Zugriffe erzeugt.

Neben den genannten RT-Sendern in verschiedenen Sprachen, gibt es zusätzlich die Sender RT USA und RT UK, die die Geschehnisse des amerikanischen bzw. britischen Raums behandeln. In Deutschland ist RT USA nur mit Aufwand im C-Band über NSS-806 auf 40,5° West zu empfangen (HD und SD).

Seit dem 23. Juni 2011 gibt es auch den Dokumentationskanal RT Д (das kyrillische Д entspricht dem lateinischen D), der Dokumentationen zum Thema Russland in russischer und englischer Sprache zeigt.[8] RT Д in englischer Sprache ist in Deutschland nur über Hotbird 13,0° Ost zu empfangen, und zwar sowohl in HD als auch in SD.

Liz Wahl – ehemalige Moderatorin

Im März 2014 sorgte die Moderatorin Liz Wahl für Aufmerksamkeit in den internationalen Medien, weil sie vor laufender Kamera ihren Job kündigte. Sie begründete diesen Schritt in nachfolgenden Interviews mit der, in ihren Augen, zu einseitigen Berichterstattung des Senders im Zuge der Krise in der Ukraine. In einer Reaktion wertete RT den Auftritt als „Selbstvermarktung“.[9]

Am 6.November 2014 startete ein deutschsprachiges Netzangebot des Senders.[10]. Die erste deutschsprachige Sendung von RT Deutsch ist das politische Magazin Der fehlende Part.[11] Moderiert wird die Sendung von Jasmin Kosubek. Als Außenreporter sind Nicolaj Gericke und Lea Frings im Einsatz. Gericke hatte zuvor bei Ruptly als Journalist gearbeitet und u.A. aus der Ukraine berichtet.[12][13]

Programm des Senders

Das Programm des englischsprachigen Nachrichtensenders RT besteht aus Segmenten, die zwischenzeitlich durch Programmankündigungen unterbrochen werden. Dokumentationen und Talk-Formate werden meist mehrfach ausgestrahlt, häufig auch mehrere Male an einem Tag. Zu jeder vollen Stunde werden halbstündige Nachrichten gesendet.[14]

Bekannte Moderatoren

Bereits mehrfach wechselten bekannte Persönlichkeiten des Journalismus zu RT. Zuletzt 2013 kündigte RT an, dass Larry King, eine Ikone des US-Journalismus, bald mit einer Show auf RT beginne.[15]

Laufende Programme

Seit dem Ausstrahlungsbeginn 2005 wechselten die Programme mehrfach.[16]

Programm Präsentator Sendebeginn Sendezeit
Breaking The Set Abby Martin 04.09.2012 30 Minuten
CrossTalk Peter Lavelle 30.09.2009 30 Minuten
Documentary 15.06.2006 60 Minuten
Interview with Sophie Shevardnadze Sofija Schewardnadse 25.02.2009 15 Minuten
Keiser Report Max Keiser und Stacy Herbert 20.11.2009 30 Minuten
On The Money 29.01.2011 15 Minuten
Prime Interest 01.05.2013 30 Minuten
Technology Update 12.06.2007 30 Minuten
The Big Picture Thom Hartmann 13.10.2010 60 Minuten
The Truth Seeker Daniel Bushell 02.11.2012 10 Minuten
Why You Should Care Tim Kirby 10.04.2012 3 Minuten
Worlds Apart Oksana Boyko 03.06.2013 30 Minuten

Ehemals gelaufene Sendungen

Deutsche Gesprächs- und Kooperationspartner

Wiederkehrende deutsche Interview- und Kooperationspartner sind unter anderem:

Ausrichtung und Bewertung

Dmitri Medwedew zu Gast bei RT mit der Chefredakteurin Margarita Simonjan

RT lässt häufig Analysten mit kontroversen Standpunkten zu Wort kommen und stellt wiederholt die Sichtweise der westlichen Nachrichtensender in Frage.[30] Sergei Frolow, der Geschäftsführer von ANO TV Nowosti, der Muttergesellschaft von RT, erklärte, dass genau hierin die Popularität des Senders begründet sei.[31] RT war 2010 und 2012 für den Emmy-Award nominiert, den bedeutendsten amerikanischen Fernsehpreis.[32]

RT wird von verschiedenen Seiten vorgeworfen, eine Kreml-treue Linie in der Berichterstattung zu verfolgen,[33][34] zumal es ohnehin Bedenken über die Pressefreiheit in Russland gebe.[35] Zweifel an der Parlamentswahl in Russland 2011 konterte RT mit Hinweisen auf die umstrittene Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000; auch berichtete RT ausführlich über amerikanische Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Occupy Wall Street-Aktionen und stellte ihnen eine vom Kreml genehmigte Großdemonstration gegenüber, was einen für Russland vorteilhafter Vergleich darstellen sollte, so der Russland-Wissenschaftler Stephen F. Cohen.[36] RT wird zudem beschuldigt, in einigen Situationen Verschwörungstheoretikern unterschiedlicher Art eine Plattform zu geben.[37] Auch Julian Assange bot RT eine mediale Plattform.[38] Einige amerikanische Journalisten bezeichneten RT als anti-amerikanisch[39] und anti-westlich,[40] während andere den Sender lediglich eine Plattform für scharfe Kritik an der amerikanischen Politik nannten.[41] Während des Kaukasuskriegs 2008 bezeichnete RT Georgien von Anbeginn als Aggressor,[42] noch bevor das von einer unabhängigen EU-Kommission bestätigt wurde.[43] Julia Ioffe vom Columbia Journalism Review bezeichnete RT als Werkzeug der russischen Regierung, um angebliche Voreingenommenheiten gegenüber Russland in westlichen Medien zu bekämpfen.[44]

Zum 60. Geburtstag des amerikanischen Senders Radio Free Europe im Oktober 2010 bezeichnete Walter Isaacson, Präsident des Aspen-Instituts und des Broadcasting Board of Governors, Medienanstalten wie Press TV, RT, China Central Television und teleSUR (Venezuela, Südamerika) als „Feinde“. Isaacson korrigierte sich später er habe „Feinde“ in Bezug auf Afghanistan gemeint und nicht auf die Länder und Fernsehanstalten, die er in seiner Rede erwähnt hatte.[45][46]

Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte bei einer Anhörung vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats Anfang März 2011, dass den Vereinigten Staaten aufgrund des verstärkten Erfolges von Fernsehsendern wie Russia Today eine Niederlage im „weltweiten Informationskrieg“ drohe.[47]

RT hat auf YouTube bereits nahezu 1,4 Milliarden Aufrufe und 1,4 Millionen Abonnenten, während CNN kaum 550 Millionen Aufrufe und 635000 Abonnenten erreicht. (Stand 19. November 2014).

Die Website des Senders, rt.com, ist in Syrien die meistbesuchte Nachrichtenwebsite.[48]

Zum Start des deutschsprachigen Programms erklärte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, RT nutze die aktuelle „Medienverdrossenheit als publizistische Marktlücke“[49].

Zeit-Redakteur Carsten Luther analysierte die RT-Methode: „Nicht alles ist gelogen und verbogen, manch kritischer Beitrag hat seine Berechtigung, das sei vorweg gesagt. Echte Nachrichten und Analysen neben irrelevant Buntem und purem Unsinn – das macht diese Art der Propaganda aus.“[50]

Im Handelsblatt folgerte Andreas Macho nach einer Untersuchung des Programms des deutschen Ablegers von RT im November 2014: „Unterm Strich verbreitet RT Deutschland mehr Unwahrheiten, Verkürzungen und Verfälschungen, als es diese – wie die Moderatoren ständig versprechen - aufklären würde.“[51]

Ruptly

In Berlin hat Russia Today 2013 eine weltweit agierende Tochter, die TV-Nachrichtenagentur Ruptly eröffnet, die von 25 Büros auf der ganzen Welt (u.a. in Washington, Damaskus, London, Madrid, Gaza und Kairo) beliefert wird.[52][53][54]

Weblinks

 Commons: Russia Today – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWahlen in Russland – Wie westliche PR-Agenturen Putins Image aufpolieren. In: sueddeutsche.de. 4. März 2012, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  3. Pew: Russia Today, Fox News lead the pack on YouTube - thehill.com
  4. YouTube-Profil von RT
  5. About us: Management, Webseite von RT, abgerufen am 25. Mai 2014 (englisch)
  6. freevideo.rt.com
  7. siehe zahlreiche Beiträge auf www.russland.tv<
  8. doc.rt.com
  9. RT reacts to anchor Liz Wahl quitting on air, RT.com
  10. www.rtdeutsch.com<
  11. www.rtdeutsch.com
  12. www.linkedin.com
  13. theartofwar.me
  14. rt.com
  15. www.telegraph.co.uk
  16. rt.com
  17. rt.com
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Vitzthum: Linker Publizist von der NPD für "Volksfront" gelobt. In: welt.de. 16. Januar 2009, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  19. juergenelsaesser.wordpress.com
  20. www.compact-magazin.com
  21. www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
  22. www.netz-gegen-nazis.de
  23. rt.com
  24. www.beatrixvonstorch.de
  25. Ria Novosti: "Killing Russian Journalists in Ukraine is Organized Effort – Willy Wimmer" vom 8. Juli 2014, gesichtet am 8. Juli 2014
  26. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlke Wierth Und Gereon Asmuth: Moscheegegner im rechten Netz. In: taz.de. 4. September 2007, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  27. "Wie sich der deutsche Journalist Udo Ulfkotte vom russischen Staatsfernsehen vorführen lässt" Huffington Post vom 30. Oktober 2014, gesichtet am 30. Oktober 2014
  28. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBenjamin Bidder: Propaganda für den Kreml: Putins deutsche Gehilfen. In: Spiegel Online. 29. Oktober 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  29. http://www.rtdeutsch.com/7724/der-fehlende-teil/der-fehlende-part-ukraine-das-neue-kabinett-steht-fest-e17/
  30. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDer Krieg der Bilder. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  31. www.broadcasting.ru
  32. rt.com
  33.  Propaganda mit Stalin. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007 (online).
  34. www.kommersant.com
  35.  Putin räumt TV auf. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2009 (online).
  36. „...in striving to bring the West an alternate point of view, [RT] is forced to talk to marginal, offensive, and often irrelevant figures who can take positions bordering on the absurd.“ Jesse Zwick: Pravda Lite - The New Republic, 14. März 2012
  37. Julia Ioffe:What Is Russia Today?The Kremlin’s propaganda outlet has an identity crisis - Columbia Journalism Review, 28. September 2010
  38. Russia Today strahlt TV-Projekt von WikiLeaks-Gründer Assange aus - 2012
  39. www.newrepublic.com
  40. www.aljazeera.com
  41. "Working for a Kremlin channel does not seem like an obvious choice for Mr Assange, who has devoted his life to fighting governmental opacity, but Russia Today has made a name for itself as a strident critic of US policy." - Assange takes chat-show job with state-funded Russian TV, 2012
  42. Hm? Wo steht hier was von RT? Clarity in the Caucasus?
  43. IIFFMCG Report, Vol. 1 (PDF; 3,8 MB), S. 20.
  44. www.slate.com
  45. Rogin, Josh, 2010: New BBG chief wants more money to combat „enemies“ such as China and Russia in Foreign Policy vom 5. Oktober 2010, abgerufen am 8. Dezember 2010.
  46. Russia Today-TV Ausschnitt It’s official: RT is the enemy
  47. Hillary Clinton: ‘America Is Losing’ An Information War That ‘Al Jazeera Is Winning’
  48. Alexa.com: Länderinformationen für Syrien
  49. RT DEUTSCH: "Dahinter steht ja der Kreml" - Bernhard Pörksen im Gespräch mit Brigitte Baetz
  50. http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen
  51. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/russia-today-mitarbeiter-verleugnen-redaktionssitz/11016084-3.html
  52. Berliner Zeitung 14. Dezember 2012 Russia Today Putins Welt Von Christoph Lanz
  53. Zapp (Magazin) 11. September 2013 Ruptly – die russische TV-Agentur in Berlin
  54. ruptly.tv

55.771637.7144Koordinaten: 55° 46′ 17,8″ N, 37° 42′ 51,8″ O