Stefan Effenberg

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Stefan Effenberg
Spielerinformationen
Geburtstag 2. August 1968
Geburtsort HamburgDeutschland
Größe 186 cm
Position Offensives Mittelfeld
Vereine in der Jugend
0000–1974
1974–1986
Bramfelder SV
SC Victoria Hamburg
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1987–1990
1990–1992
1992–1994
1994–1998
1998–2002
2002–2003
2003–2004
Borussia M'gladbach
FC Bayern München
AC Florenz
Borussia M'gladbach
FC Bayern München
VfL Wolfsburg
Al-Arabi Sports Club
73 (10)
65 (19)
56 (12)
118 (23)
95 (16)
19 0(3)
15 0(4)
Nationalmannschaft
1988–1990
1991–1998
Deutschland U-21
Deutschland
5 0(1)
35 0(5)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Stefan „Effe“ Effenberg (* 2. August 1968 in Hamburg-Niendorf) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Effenberg gilt als einer der begabtesten, aber auch umstrittensten Fußballer seiner Generation.

Karriere[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Effenberg begann seine Vereinslaufbahn als Kind beim SC Victoria Hamburg; anschließend ging er für zwei Jahre als Jugendspieler zum Bramfelder SV und spielte danach wieder beim SC Victoria Hamburg in der U21, bevor er seine Bundesligakarriere 1987 bei Borussia Mönchengladbach startete. 1990 wechselte Effenberg von Mönchengladbach zum FC Bayern München und 1992 von dort zum AC Florenz. 1994 kehrte er zurück zur Borussia. Nach einem erneuten Wechsel im Sommer 1998 zu den Bayern wurde Effenberg dort gleich zum Führungsspieler und ab 1999 Kapitän der Mannschaft. Mit den Bayern erreichte er 1999 das Finale der Champions-League, das Bayern in einer dramatischen Schlussphase noch gegen Manchester United verlor. Ein Jahr später scheiterte man erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Real Madrid. 2001 sollte der Höhepunkt von Effenbergs Karriere werden. Die Meisterschaft sicherte man in letzter Sekunde durch ein Unentschieden in Hamburg und wenige Tage später gewann Bayern die Champions League gegen Valencia mit Effenberg als Kapitän. Es war der erste Titelgewinn des FC Bayern München in diesem Wettbewerb seit der goldenen Ära in den Siebziger Jahren. Im selben Jahr gewann man noch den Weltpokal gegen die argentinischen Boca Juniors.

Seine Bundesliga-Karriere ließ er 2002 beim VfL Wolfsburg ausklingen und beendete diese am 2. April 2003. Abschließend spielte er noch ein Jahr für al-Arabi aus Katar. Sein Abschiedsspiel fand am 22. Juli 2005 im Borussia-Park in Mönchengladbach statt.

Mit insgesamt 114 Gelben Karten ist Effenberg Rekordhalter in der ewigen Tabelle der Gelbsünder. Effenberg ist damit der bislang einzige Spieler, der eine dreistellige Anzahl an Verwarnungen bekam. Dazu bekam er sieben Platzverweise (viermal Gelb-Rot, dreimal Rot). Außerdem war Effenberg der erste Spieler der Bundesliga-Historie, der die Gelb-Rote Karte sah, und zwar am 20. August 1991 im Spiel Bayern München gegen Schalke 04.[1]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

In der deutschen Nationalmannschaft war Effenberg von 1991 bis 1998 in 35 Spielen aktiv und erzielte dabei 5 Treffer. Als er bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den Vereinigten Staaten nach dem Gruppenspiel gegen Südkorea in Dallas einigen unzufriedenen deutschen Zuschauern den erhobenen Mittelfinger zeigte, wurde er vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts nach Rücksprache mit dem DFB-Präsidenten Egidius Braun aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. 1998 kam es nach der für die deutsche Mannschaft ziemlich erfolglosen WM in Frankreich noch unter dem nachhaltig in die Kritik geratenen Bundestrainer Vogts zu einem kurzen, jedoch letztlich missglückten Comebackversuch. Das Länderspiel am 5. September 1998 gegen Rumänien war sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft. Im Juli 2000 wollte der damals neue Bundestrainer Rudi Völler Effenberg zu einem erneuten Comeback überreden, was dieser jedoch ablehnte.

Erfolge[Bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Mit seinen Vereinen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Aktivitäten nach dem Fußball[Bearbeiten]

2009 nahm Effenberg an der ersten Ausgabe von Schlag den Star teil und besiegte seinen Kontrahenten Oliver.[4]

Im Mai 2011 führte Effenberg die sogenannte "Initiative Borussia" an, die sich für eine Satzungsänderung bei Borussia Mönchengladbach, die Ernennung Effenbergs zum Sportdirektor und die Einsetzung Horst Köppels zum neuen Klubchef einsetzte. Für Effenbergs Initiative stimmten 335 der 4769 anwesenden Mitglieder. Es wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen.[5]

Effenberg hat 2012 den zehnmonatigen Fußballlehrer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie erfolgreich abgeschlossen und die Trainer-Lizenz erworben.

Skandale und Kontroversen[Bearbeiten]

Von der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 (USA) blieb außer Brasiliens Titelgewinn auch Stefan Effenbergs „Stinkefinger“ unvergessen.[6] Er wurde in einem Spiel von deutschen Zuschauern provoziert und reagierte mit dem ausgestreckten Mittelfinger. Für diese Geste wurde er von Bundestrainer Vogts aus der Mannschaft ausgeschlossen.

Zu öffentlichem Aufsehen kam es 1996, als Effenberg und seine damalige Ehefrau Martina in der Nacht zum 1. Dezember eine alkoholisierte männliche Person in der Einfahrt zu ihrem damaligen Wohnsitz in Niederkrüchten-Heyen vorfanden. Diese soll Effenberg zufolge dort seine Notdurft verrichtet haben. Aufgrund einer Zeugenaussage, wonach Effenberg den Mann beleidigt und auf ihn eingetreten haben soll, kam es 1997 zu einem strafgerichtlichen Nachspiel wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Das Verfahren wurde jedoch nach kurzer Zeit eingestellt, nachdem sich der Verdacht gegen Effenberg nicht erhärtet hatte.

In einem Playboy-Interview vom April 2002 äußerte sich Effenberg über Erwerbslose. Er wird mit den Worten zitiert: "Viele Leute leben vom Arbeitslosengeld offensichtlich so gut, dass sie keine Lust haben, morgens früh aufzustehen und bis in die Abendstunden zu buckeln - nur, damit sie am Ende des Monats schlappe hundert Euro mehr auf dem Konto haben." Diese Äußerung griff die Gewerkschaft ver.di auf und unterstellte Effenberg eine Beleidigung von Arbeitslosen. [7]

Am 19. Februar 2003 soll Effenberg auf der A2 bei Braunschweig einen Polizisten als „Arschloch“ bezeichnet haben. Er selbst dagegen behauptet, „einen schönen Abend noch“ gesagt zu haben. Effenberg wurde zur Zahlung von 10.000 Euro verurteilt.[8]

Mit 111 gelben Karten ist Effenberg in dieser Kategorie Rekordhalter der Bundesliga.[9]

Memoiren[Bearbeiten]

Effenberg ist Autor des Buches „Ich hab's allen gezeigt“, einer Abrechnung mit seiner Zeit als Profifußballer. Das bewusst provozierende Werk bekam vernichtende Kritiken. Während einige davon ausgehen, dass sich dieses Buch (insbesondere durch die Werbung der Bild-Zeitung) gut verkauft hat,[10] werden die Effenberg-'Memoiren' in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung als Flop und als Versuch einer „programmatischen Selbstentleibung“ des Aufbau-Verlags gewertet.[11]

Privates[Bearbeiten]

Effenberg ist der Sohn eines Maurers. Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf der Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb.[12] Anfang 1990 heiratete er Martina Effenberg, deren Tochter Nastassja (*1986) er adoptierte.[13] Mit Martina hat er zwei Kinder (*1990 und *1996). 2002 gab er die Trennung von seiner Frau bekannt, die Ehe wurde im Oktober 2003 geschieden.

Effenberg lebte eine Zeit lang in den USA, zog 2008 aber zurück nach Deutschland. Er ist seit 31. Dezember 2004 in zweiter Ehe mit Claudia Effenberg, der früheren Frau von Thomas Strunz, verheiratet. 2014 trennte sich das Ehepaar. Seine Schwester ist Claudia Effenberg, die Softballspielerin und ehemalige Trainerin der Deutschen Softballnationalmannschaft der Frauen.

Am 13. April 2012 wurde bekannt, dass Effenberg mit 43 Jahren zum ersten Mal durch seine Adoptivtochter Großvater geworden ist.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hinweis auf den Jubiläumsseiten der Bundesliga, abgerufen am 14. Mai 2013
  2. Torschütze des Monats September 1996
  3. Seite des FC Bayern (engl.)
  4. WHO'S WHO Online
  5. [1] Effenbergs Initiative scheitert kläglich, Artikel in der WELT
  6. http://www.schwaebische-post.de/sonderthemen/pdf/2010-06-11_0000-00-00_Welttrainer%202010_sp_gt.pdf
  7. spiegel.de: [2]
  8. netzeitung.de: [3]
  9. Omar Gisler: Das große Buch der Fußball Rekorde. München 2012, S. 255
  10. B. Brandstetter: „Aufbau-Verlag macht mit Effes Memoiren ein Riesengeschäft“ - Bericht in der WELT vom 17. Mai 2003
  11. Hans Leyendecker: „Eine vermögenslose Hülle. Ein Lehrstück aus Vereinigungstagen: Wie die Treuhand den Berliner Aufbau-Verlag verkaufte, der gar nicht in ihrem Besitz hätte sein dürfen“. In: Süddeutsche Zeitung, 28. März 2008, S. 13
  12. WHO'S WHO Online
  13. "Ich bin nicht von Beruf Tochter": Stieftochter von Stefan Effenberg lebt von Hartz IV Focus, 11. März 2014
  14. [4]