Sylvester Stallone

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Sylvester Stallone bei der Premiere von The Expendables 3 im August 2014

Sylvester „Sly“ Gardenzio Stallone (* 6. Juli 1946 in New York City, New York) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Unternehmer.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Sylvester Gardenzio Stallone wurde 1946 in New York City als Sohn einer italoamerikanischen Familie geboren und wuchs in einem Vorort von Philadelphia auf. Sein Bruder Frank Stallone ist ebenfalls Schauspieler, Sänger und Songwriter. Sein Vater Frank Stallone senior (* 1919 in Gioia del Colle, Bari, Italien; † 11. Juli 2011 in Wellington, Florida, Vereinigte Staaten) anglisierte den ursprünglich italienischen Familiennamen Staglione, um nicht mit verschiedenen Mitgliedern der New Yorker Unterwelt verwechselt zu werden. Seine Mutter heißt Jacqueline Stallone (* 29. November 1921). Durch eine Zangengeburt hat Stallone seit frühester Kindheit eine Muskellähmung im Gesicht, die ihm besonders während seiner Kindheit zu schaffen machte. Aufgrund dieser Lähmung rieten ihm seine Lehrer anfangs von einer Schauspielkarriere ab.

In der Grundschule machte er erste Schritte als Amateurschauspieler und feierte als Football-Spieler in der Landesliga Erfolge. Zwei Jahre lang wurde Stallone auch am American College of Switzerland, Leysin, ausgebildet. Hier hatte er seinen ersten Bühnenauftritt in Tod eines Handlungsreisenden. Zurück in den USA schrieb er sich an der Universität von Miami ein und begann, sich als Autor zu versuchen. Stallone verließ die Universität allerdings vor seinem Abschluss, um eine Karriere als Schauspieler in Angriff zu nehmen. Zunächst wenig erfolgreich, trat er mit 24 Jahren aus Geldnot für 200 US-Dollar als Hauptdarsteller Stud (englisch Deckhengst) in dem Erotikfilm The Party at Kitty and Stud’s auf. Daneben übernahm Stallone aber auch kleine Rollen in Filmen von Woody Allen (Bananas) und Dick Richards (Fahr zur Hölle, Liebling).

Der Durchbruch für Stallone war das Boxer-Drama um Rocky Balboa, einem Boxer und Niemand aus Philadelphia. Durch einen Kampf des Boxers Chuck Wepner gegen den damaligen Weltmeister Muhammad Ali inspiriert, schrieb Stallone innerhalb weniger Tage ein Drehbuch und bot es einigen Filmproduzenten an, mit der Bedingung, die Hauptrolle zu spielen. Er setzte sich schließlich durch. Rocky wurde mit einem Budget von knapp 1,1 Mio. Dollar gedreht und im Jahr 1976 zum großen Überraschungserfolg an den Kinokassen. Der Film machte Stallone über Nacht zum Star, wurde 1977 in zehn Kategorien für den Oscar nominiert und gewann den Preis für den besten Film, die beste Regie und den besten Schnitt. Stallone selbst erhielt Nominierungen als bester Hauptdarsteller und für das beste Originaldrehbuch. Gleichzeitig in diesen Kategorien waren zuvor für einen Film nur Charlie Chaplin und Orson Welles nominiert worden.

Sylvester Stallone mit Brigitte Nielsen und dem US-Präsidentenpaar Nancy und Ronald Reagan am 8. Oktober 1985

Die mehrfachen Fortsetzungen von Rocky, die er mit Ausnahme des fünften Teils selbst als Regisseur inszenierte, waren weniger anspruchsvoll als das Original und setzten mehr auf Action, entsprachen aber dem Zeitgeist der 1980er Jahre. Insgesamt gilt die Reihe als eine der bekanntesten filmischen Rezeptionen des American Dream. Der kommerzielle Erfolg hielt an. Stallone wurde weltweit zu einem der populärsten Schauspieler dieses Jahrzehnts.

Im Jahr 1978 gab Stallone mit dem Film Vorhof zum Paradies sein Debüt als Regisseur. Unterdessen versuchte er sich auch an Projekten wie Norman Jewisons Gewerkschaftsfilm F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg – einem typischen Film des New Hollywood. Hierbei spielte Stallone die Hauptrolle und arbeitete am Drehbuch mit.

Einen weiteren kommerziellen Erfolg landete Stallone mit Rambo, basierend auf dem Bestseller-Roman First Blood von David Morrell (erschienen 1972). Hier setzte sich Stallone kritisch mit dem Vietnamkrieg und der damaligen Stimmung der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem US-Militär auseinander. Der Film wurde von den Kritikern kontrovers diskutiert. Stallone drehte auch hier Fortsetzungen. Diese setzten wiederum mehr auf Action, noch mehr Patriotismus sowie den damit verbundenen Zeitgeist der Reagan-Ära und des Kalten Krieges.

Stallone (1983)

1983 arbeitete Sylvester Stallone als Regisseur mit John Travolta an der Fortsetzung von Saturday Night Fever. Der Film Staying Alive konnte jedoch nicht an den Erfolg des Originals aus den 1970ern anknüpfen. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte Stallone im Jahr 1985: Mit Rambo II und Rocky IV zeichnete er für gleich zwei der drei kommerziell erfolgreichsten Filme des Jahres verantwortlich.[1]

Im Jahr 1986 erschien der Film Die City-Cobra. Der Titel landete in den US-Jahrescharts von 1986 auf Rang 15.[2] Die nachfolgenden Filme Over The Top und Lock Up floppten an den nordamerikanischen Kinokassen, obgleich sie in Deutschland jeweils über eine Million Zuschauer in die Kinos lockten.[3] Als auch die Fortsetzungen zu seinen Paraderollen Rocky und Rambo enttäuschten – das Einspielergebnis von Rambo III in den USA entsprach nur einem Drittel des erfolgreichen Vorgängers,[4] und Rocky V geriet zu einem seiner größten Flops[5] – geriet Stallones Karriere ins Stocken.

Versuche, sein martialisches Image in den 1990er Jahren durch humorvolle Einlagen in Filmen wie Oscar – Vom Regen in die Traufe und Stop! Oder meine Mami schießt! aufzulockern, scheiterten.[6][7] Stallone sah ein, dass ihn die breite Masse nur als Actiondarsteller akzeptierte. Mit Filmen wie Cliffhanger – Nur die Starken überleben, Demolition Man und The Specialist knüpfte er an seine Erfolge aus den 80er Jahren an. Später aber floppten auch typische Action-Reißer wie Judge Dredd, Assassins – Die Killer und Daylight an den US-Kinokassen.

Im Jahr 1997 überzeugte Stallone das Publikum und die Kritiker mit seiner darstellerischen Leistung in Cop Land. Für seine Rolle als übergewichtiger Sheriff einer überwiegend von Polizisten bewohnten Kleinstadt hatte er extra 15 kg zugenommen und konnte neben Kollegen wie Robert De Niro, Harvey Keitel und Ray Liotta bestehen.

Die nun folgenden Filme Get Carter – Die Wahrheit tut weh und Driven erwiesen sich erneut als große Flops.[8][9] Daraufhin entstanden eine Reihe von Filmen mit Geld aus deutschen Filmfonds, die nur kurz in den Kinos waren oder wie Avenging Angelo oder Shade gar nicht in den deutschen Kinos starteten.

Für sein Comeback begann Stallone mit der Arbeit an Fortsetzungen zu seinen erfolgreichsten Rollen Rocky und Rambo, die zu drehen er sich lange geweigert hatte. Im Dezember 2005 wurde mit den Dreharbeiten zu Rocky Balboa begonnen, welcher im Februar 2007 in den deutschen Kinos anlief und den ersehnten Erfolg an den Kinokassen brachte. Mit dem im Folgejahr veröffentlichten, ebenfalls erfolgreichen vierten Rambo-Film gelang es Stallone endgültig, wieder Fuß in Hollywood zu fassen.

Im August 2010 erschien der Actionfilm The Expendables. Für diesen übernahm Stallone neben der Hauptrolle abermals Drehbuch und Regie. Damit stand er 27 Jahre nach Staying Alive erstmals wieder für einen Film hinter der Kamera, der nicht Teil der Rocky- bzw. Rambo-Franchise war. Bereits am Startwochenende spielte der Film knapp 35 Millionen Dollar ein – ein Rekord in Stallones Karriere. Mitte September übersprang er in den USA die 100-Millionen-Dollar-Hürde. Dies war Stallone zuletzt 25 Jahre zuvor mit Rocky IV gelungen. Weltweit spielte der Film knapp 275 Millionen Dollar ein.[10] Der Erfolg des Films führte im Jahr 2012 zur Veröffentlichung einer Fortsetzung. In The Expendables 2 wirkte Stallone erneut als Drehbuchautor und Hauptdarsteller mit, die Regie überließ er jedoch Simon West. Das weltweite Einspielergebnis des Films übertraf mit über 300 Millionen Dollar das des Vorgängers.[11]

Im Jahr 2013 war Stallone zum ersten Mal in seiner Karriere in drei Kinofilmen zu sehen. Sowohl die beiden Actionfilme Shootout – Keine Gnade und Escape Plan als auch die Sportkomödie Zwei vom alten Schlag floppten jedoch in den USA mit einem Einspielergebnis von jeweils weniger als 30 Millionen Dollar.[12][13][14] Escape Plan war allerdings ein internationaler Erfolg und spielte allein im Ausland über 100 Millionen Dollar ein.[15]

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 21. Mai 2007 wurde Stallone in Australien wegen illegaler Einfuhr von Wachstumshormonen zu einer Geldstrafe in Höhe von 12.000 A$ (ca. 7.300 Euro) verurteilt. Stallone hatte am 16. Februar 2007 bei seiner Einreise 48 in seinem Gepäck befindliche Ampullen mit den Muskelaufbaupräparaten Jintropin sowie Testosteron verschwiegen. Als Beamte drei Tage später sein Hotelzimmer durchsuchen wollten, warf er vier Ampullen Testosteron aus dem Fenster.[16][17]

Im Zuge der US-Wahlen 2008 gehörte Stallone, neben anderen namhaften Darstellern wie „Terminator“ Arnold Schwarzenegger und „Superman“ Dean Cain zu den Befürwortern des Präsidentschaftskandidaten John McCain.[18]

Stallone ist zusammen mit Bruce Willis, Demi Moore, Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger Mitbegründer der Restaurantkette Planet Hollywood.

Im Jahr 2009 verletzte sich Stallone während der Dreharbeiten zum Film The Expendables bei einer Kampfszene mit Steve Austin und zog sich einen Haarriss im Halswirbel zu, dem vier Operationen folgten, in deren Verlauf ihm ein Metallplättchen in den Nacken eingesetzt wurde.[19] Als Resultat dieses Genickbruches darf Stallone künftig keine Stunts mehr ausführen, da die nächste Verletzung an seiner Wirbelsäule eine Querschnittlähmung oder sogar seinen Tod zur Folge haben könnte.[20]

Im Jahr 2011 wurde Stallone in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.[21]

In den deutschsprachigen Fassungen seiner Filme wird Stallone von Thomas Danneberg synchronisiert, der auch Arnold Schwarzeneggers deutsche „Stammstimme“ ist. In den „Expendables“-Filmen spricht Danneberg tatsächlich beide Rollen. In Stallones frühen Filmen, so z.B. in Rocky, lieh ihm mehrfach Jürgen Prochnow seine Stimme.

Privates[Bearbeiten]

Stallone erlitt bei seiner Geburt eine Verletzung des VII. Hirnnerven (Nervus facialis). Der linke untere Abschnitt seines Gesichts ist deswegen gelähmt, inklusive Teile seiner Lippen und seines Kinns, woraus der für ihn typische Gesichtsausdruck folgt. Als Kind wurde er dafür gehänselt, inzwischen sind der zähnefletschende Anblick und die leicht verwaschene Aussprache jedoch sein Markenzeichen.

Stallone heiratete dreimal. Aus seiner ersten Ehe mit Sasha Czack (1974–1985) stammen seine beiden Söhne Sage (* 5. Mai 1976; † Juli 2012), der in Rocky V als Rockys Sohn sowie in Daylight mitspielte, und Seargeoh (* 1979), als Rockys Baby in Rocky II zu sehen. Seine zweite Ehe mit Brigitte Nielsen (1985–1987) blieb kinderlos. Aus der dritten Ehe mit Jennifer Flavin gingen drei Töchter hervor: Sophia Rose (* 1996), Sistine Rose (* 1998) und Scarlett Rose (* 2002).

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Schauspieler[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

Drehbuch (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Im Laufe seiner Karriere hat Sylvester Stallone einige Auszeichnungen erhalten und wurde für viele weitere nominiert.[22]

Positive Auszeichnungen

  • 1977 Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Hauptdarsteller und Bestes Originaldrehbuch, jeweils für Rocky
  • 1977 Golden Globe Award-Nominierungen in den Kategorien Bester Hauptdarsteller – Drama und Bestes Filmdrehbuch, jeweils für Rocky
  • 1978 BAFTA Award-Nominierungen in den Kategorien bester Schauspieler und bestes Drehbuch für Rocky
  • 1983 Jupiter in der Kategorie bester Darsteller (für Rambo und Rocky III)
  • 1992 César Ehrenpreis (César d'honneur)
  • 1997 Preis als bester Schauspieler auf dem Stockholm International Film Festival (für Cop Land)
  • 2002 Action-Star des Jahrhunderts in Hollywood
  • 2008 Golden Icon Award für sein Lebenswerk, verliehen vom Zürich Film Festival am 26. September 2008
  • 2009 Jaeger-LeCoultre Glory to the Filmmaker Award, verliehen am 12. September 2009 bei den 66. Filmfestspielen von Venedig
  • 2010 The Arnold Schwarzenegger Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk, verliehen am 6. März 2010 von Arnold Schwarzenegger
  • 2010 IGN’s Inaugural Action Hero Hall of Fame Award, verliehen am 22. Juli 2010 in San Diego
  • 2010 Eintrag ins Guinness Book of World Records für den erfolgreichsten Sportfilm in der Filmgeschichte „Rocky“

Negative Auszeichnungen

  • dazu insgesamt 22 Nominierungen in den Kategorien Schlechtester Schauspieler (10), Schlechteste Regie (1), Schlechtester Film (1), Schlechtestes Drehbuch (7), Schlechtester Nebendarsteller (2) und Schlechtestes Leinwandpaar (1)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulli Weiss: Sylvester Stallone. Seine Filme – sein Leben. Heyne-Filmbibliothek, Nr. 126. Heyne, München 1993, ISBN 3-453-03008-7
  • Sylvester Stallone: Lebe Deinen Traum. Riva-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-936994-75-9
  • Tobias Hohmann: Stallone: Action Stars Band 1. MPW-Verlag, Hille 2010, ISBN 3-931608-12-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sylvester Stallone – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BoxOfficeMojo.com, Einspielergebnisse des Jahres 1985
  2. BoxOfficeMojo.com, Einspielergebnisse des Jahres 1986
  3. InsideKino.com, Zuschauerzahlen
  4. BoxOfficeMojo.com, US-Einspielergebnisse der Rambo-Filmreihe
  5. BoxOfficeMojo.com, Rocky V – Einspielergebnis
  6. BoxOfficeMojo.com, Oscar – Vom Regen in die Traufe – Einspielergebnis
  7. BoxOfficeMojo.com, Stop! Oder meine Mami schießt! - Einspielergebnis
  8. BoxOfficeMojo.com, Get Carter – Einspielergebnis
  9. BoxOfficeMojo.com, Driven – Einspielergebnis
  10. BoxOfficeMojo.com, The Expendables – Einspielergebnis
  11. BoxOfficeMojo.com, The Expendables 2 – Einspielergebnis
  12. BoxOfficeMojo.com, Bullet to the Head – Einspielergebnis
  13. BoxOfficeMojo.com, Grudge Match – Einspielergebnis
  14. Forbes.com, Why Schwarzenegger, Stallone Aren't Movie Stars Anymore
  15. BoxOfficeMojo.com, Escape Plan – Einspielergebnis
  16. www.heute.de, Sylvester Stallone zu Geldstrafe verurteilt, 21. Mai 2007
  17. Spiegel-Online, Stallone wegen Import von Wachstumshormonen angeklagt, 13. März 2007
  18. www.swr.de, US-Schauspieler und McCain, 5. November 2008
  19. Welt.de, Stallone stirbt fast bei Dreharbeiten, 6. Januar 2010
  20. Sylvester Stallone hat Stunt-Verbot. In: kino.de. 15. Juli 2010, abgerufen am 21. November 2011 (deutsch).
  21. sport1.de, Stallone mit Tyson in die Box-Ruhmeshalle, 8. Dezember 2010
  22. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAwards for Sylvester Stallone. imdb.com, abgerufen am 17. März 2012 (englisch).