Echo Pop

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Das Echo-Logo

Der Echo Pop, Eigenschreibung ECHO POP, war ein deutscher Musikpreis für Persönlichkeiten und Produktionen aus dem Bereich der populären Popmusik. Der Echo Pop war der älteste von drei Echopreisen und wurde von der Deutschen Phono-Akademie zwischen 1992 und 2018 jährlich vergeben. Neben dem Echo Pop gab es noch den Echo Klassik und Echo Jazz.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rangfolge der Sieger ergab sich in den meisten Kategorien aus den addierten Wochenergebnissen der Media-Control-Verkaufscharts vom Februar eines Jahres bis zum Januar des Folgejahres. Dies hatte zur Folge, dass nicht die absoluten Verkaufszahlen – über das Gesamtjahr verteilt – berücksichtigt wurden. Dadurch war leicht eine Verzerrung der Ergebnisse möglich. Gute Verkaufszahlen von Künstlern, die über längere Zeiträume (ohne wochenaktuelle Spitzenpositionen in den Charts) gute Verkaufsergebnisse erzielten, wurden benachteiligt.[1] In einigen Kategorien (Lebenswerk und Sonderpreise) wurden die Preisträger durch eine Jury ausgewählt. Preisträger für die Kategorien wie Live-Act und Musikvideo wurden via Online-Voting bestimmt.

Die Veranstalter des Echo gaben offiziell an, dass für jede Echo-Kategorie eine Jury existiert, diese besteht aus Mitgliedern des Bundesverbandes Musikindustrie e. V. und musikaffinen Partnern aus Rundfunk, Presse, TV sowie ehemaligen Preisträgern.[2] Mitbegründer und Executive Producer des Echo Gerd Gebhardt erklärte am 21. März 2012 auf einer Pressekonferenz dazu, dass in jenen Kategorien zu 50 Prozent die Jury und zu 50 Prozent die Verkaufszahlen über die Preisvergabe entscheiden.[3] Allerdings wird die Existenz von Jurys in diesen Kategorien auch angezweifelt.[4][5]

Um Kritiken wie bei der Echoverleihung 2013 wegen der Nominierung von angeblicher Musik mit rechtsradikalen Hintergrund von Frei.Wild aus dem Weg zu gehen, wurde für die Echoverleihung 2014 ein Beirat gegründet, der die Musik von Künstlern mit verdächtigen Hintergründen aus Aussagen prüfen soll. Das erste Album, das unter Beobachtung stand, war das Album Still von Frei.Wild, welches diese problemlos bestehen konnte.[6]

2017 reagierten die Veranstalter auf die Kritik an der kommerziellen Ausrichtung, aber auch an der ausufernden Preisverleihung. Die 31 Preiskategorien wurden auf 22 gekürzt und Jurys werden spezifischer ausgewählt und haben mehr Gewicht bei der Entscheidung.[7]

Am 25. April 2018 wurde bekannt, dass die Echoverleihung eingestellt und nicht weiter fortgesetzt wird.[8]

Kritik und Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbst bezeichnet sich der Echo als „wichtigsten deutschen Musikpreis“.[9] Kritiker sehen dagegen in dem Preis eine nicht mehr zeitgemäße Selbstinszenierung der deutschen Musikindustrie und der durch sie vermarkteten Musiker. Von einem „überholten Musik- bzw. Verkaufspreis“ sprach etwa Florian Schillat vor der Echoverleihung 2017 im Medienfachmagazin Meedia und fragte, ob der Preis nach der breiten Kritik an der Vergabepraxis noch ernst zu nehmen sei.[10]

Für die Echoverleihung 2006 war ursprünglich ein Auftritt von Oomph! und dem Titel Gott ist ein Popstar geplant. Die Band wurde kurzfristig ausgeladen. Die Absage erfolgte seitens des RTL mit folgenden Worten: „Im Kontext der aktuellen, internationalen religiösen Diskussionen (Mohammed-Karikaturen) und im Lichte einer allgemeinen Verantwortung sehen wir eine Aufführung des Liedes Gott ist ein Popstar sehr skeptisch, ja als nicht zu verantworten“.[11]

Zum Echo 2013 sagten die Bands MIA., Die Ärzte und Kraftklub aus Protest gegen die Nominierung der Südtiroler Rockband Frei.Wild, die aufgrund potenzieller politisch rechter Tendenzen in ihren Songs in der Kritik stehen, ihre Teilnahme ab. Die Berliner Band Die Ärzte kritisiert, dass die Vergabe der Echos sich ausschließlich nach den Verkaufszahlen der Media Control Charts richte und deswegen auch Bands wie Frei.Wild einschließe.[12] Drei Jahre später, 2016 wurde Frei.Wild als „Beste Gruppe Rock/Alternative (national)“ mit einem Echo ausgezeichnet.[13]

2016 wurde der Preis als die „Helene-Fischer-Festspiele“ kritisiert, weil die Schlager-Sängerin mit vier Preisen ausgezeichnet wurde, jedoch nur dreimal nominiert war. Für die Kategorie „Bester Live-Act“ waren vom Veranstalter keine Nominierungen bekannt gegeben worden und sie erhielt den Preis aus dem Stegreif.[10]

2018 verurteilte das Internationale Auschwitz Komitee die geplante Teilnahme des Rap-Duos Kollegah und Farid Bang: Sie sei „für alle Überlebenden des Holocaust ein Schlag ins Gesicht und ein für Deutschland beschämender Vorgang“.[14] Hierfür wurden insbesondere die Textzeilen aus dem Stück 0815 „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“ angeführt. Als Reaktion auf das ausgezeichnete Album sowie den Liveauftritt der beiden Rapper gaben zahlreiche Musiker ihre Echos zurück, darunter auch Marius Müller-Westernhagen, der gleich alle seine Echos zurückgab.[15]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltung Ort Moderatoren Fernsehübertragung
18. Mai 1992 Köln, Flora Kristiane Backer keine Fernsehübertragung
15. März 1993 Berlin, Wintergarten Susann Pingel
8. März 1994 Frankfurt am Main, Alte Oper Fritz Egner
14. Februar 1995 München, Bavaria Film- und Fernsehstudios Reinhold Beckmann
23. Februar 1996 Hamburg, Congress Center Hamburg Thomas Ohrner
6. März 1997 Hamburg, Congress Center Hamburg Axel Bulthaupt
5. März 1998 Hamburg, Congress Center Hamburg Axel Bulthaupt Das Erste
5. März 1999 Hamburg, Congress Center Hamburg Kim Fisher
9. März 2000 Hamburg, Congress Center Hamburg Kim Fisher
15. März 2001 Berlin, ICC Berlin Frauke Ludowig RTL
7. März 2002 Berlin, ICC Berlin Frauke Ludowig
15. März 2003 Berlin, ICC Berlin Frauke Ludowig und Oliver Geissen
6. März 2004 Berlin, ICC Berlin Oliver Geissen
2. April 2005 Berlin, Estrel Convention Center Yvonne Catterfeld und Oliver Geissen
12. März 2006 Berlin, Estrel Convention Center Michelle Hunziker und Oliver Geissen
25. März 2007 Berlin, Palais am Funkturm Yvonne Catterfeld und Oliver Geissen
15. Februar 2008 Berlin, ICC Berlin Nazan Eckes und Oliver Geissen
21. Februar 2009 Berlin, O2 World Barbara Schöneberger und Oliver Pocher Das Erste
4. März 2010 Berlin, Palais am Funkturm Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel
24. März 2011 Berlin, Palais am Funkturm Ina Müller und Joko Winterscheidt
22. März 2012 Berlin, Palais am Funkturm Ina Müller und Barbara Schöneberger
21. März 2013 Berlin, Palais am Funkturm Helene Fischer
27. März 2014 Berlin, Messe Berlin Helene Fischer
26. März 2015 Berlin, Messe Berlin Barbara Schöneberger
7. April 2016 Berlin, Messe Berlin Barbara Schöneberger
6. April 2017 Berlin, Messe Berlin Xavier Naidoo und Sasha VOX
12. April 2018 Berlin, Messe Berlin

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfachgewinner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

17 Echos
13 Echos
11 Echos
10 Echos
9 Echos
8 Echos
7 Echos
6 Echos
5 Echos
4 Echos
3 Echos
Platz Nation Echos
1 DeutschlandDeutschland Deutschland 479
2 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 70
3 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 60
4 ItalienItalien Italien 20
5 KanadaKanada Kanada 15
OsterreichÖsterreich Österreich
7 SchwedenSchweden Schweden 6
8 AustralienAustralien Australien 5
NiederlandeNiederlande Niederlande
10 FrankreichFrankreich Frankreich 4
IrlandIrland Irland
12 BelgienBelgien Belgien 3
FinnlandFinnland Finnland
SchweizSchweiz Schweiz
SudafrikaSüdafrika Südafrika
16 ArgentinienArgentinien Argentinien 2
DanemarkDänemark Dänemark
GeorgienGeorgien Georgien
GriechenlandGriechenland Griechenland
KubaKuba Kuba
SpanienSpanien Spanien
Trinidad und TobagoTrinidad und Tobago Trinidad und Tobago
23 AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan 1
KolumbienKolumbien Kolumbien
MexikoMexiko Mexiko
Moldau RepublikRepublik Moldau Moldau
NeuseelandNeuseeland Neuseeland
NigeriaNigeria Nigeria
PolenPolen Polen
Puerto RicoPuerto Rico Puerto Rico
TschechienTschechien Tschechien

Weitere Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Echos an einem Abend (4)
  • 2013: DeutschlandDeutschland Die Toten Hosen (in den Kategorien: Gruppe National Rock/Pop, Hit des Jahres, Album des Jahres, Produzent/in/-en-Team des Jahres)
  • 2015: DeutschlandDeutschland Helene Fischer (in den Kategorien: Schlager, Hit des Jahres, Album des Jahres, Musik-DVD/Blu-ray national)
  • 2016: DeutschlandDeutschland Helene Fischer (in den Kategorien: Album des Jahres, Crossover, Live-Act national, Musik-DVD/Blu-ray national)
Die meisten Preisträger in einer Kategorie (13)
  • ItalienItalien Kastelruther Spatzen, die volkstümliche Musikgruppe Kastelruther Spatzen konnte bislang 13-mal den Echo Pop in der Kategorie „Gruppe (Schlager/Volksmusik)“ gewinnen.
Die meisten Preisträger in einer Kategorie nacheinander (7)
ItalienItalien Kastelruther Spatzen, die volkstümliche Musikgruppe Kastelruther Spatzen konnten von 1996 bis 2003 siebenmal nacheinander den Echo Pop in der Kategorie „Gruppe (Schlager/Volksmusik)“ gewinnen.
Jüngste Preisträger/in
  • 2005: DeutschlandDeutschland Joy Gruttmann, gewann im Alter von neun Jahren einen Echo als Sängerin des Musikprojektes Schnappi in der Kategorie Download des Jahres.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: DeutschlandDeutschland Herbert Grönemeyer, er gewann mit seinem Videoalbum Stand der Dinge nach 2001 zum zweiten Mal einen Echo Pop in der Kategorie Musik Home Video DVD. Bis dato konnte noch keiner einen Echo Pop für dasselbe Werk in zwei unterschiedlichen Jahren gewinnen.
  • 2005: DeutschlandDeutschland Thomas D übergab seinen Echo, den er mit den Fantastischen Vier in der Kategorie „Künstler/-in oder Gruppe (Hip-Hop/R&B)“ gewonnen hatte, an Sido.
  • 2015: DeutschlandDeutschland Helene Fischer, sie gewann mit ihrem sechsten Studioalbum Farbenspiel nach 2014 zum zweiten Mal einen Echo Pop in der Kategorie Album des Jahres. Bis lang konnte nur Grönemeyer einen Echo für dasselbe Werk in zwei unterschiedlichen Jahren gewinnen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: ECHO (music award) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tim Renner: Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm: Über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Berlin 2008, ISBN 978-3-8077-1045-7
  2. ECHO-Kategorienfolder 2012@1@2Vorlage:Toter Link/www.echopop.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 1,1 MB) zuletzt abgerufen am 22. März 2012
  3. Statement von Gerd Gebhardt auf planet-interview.de, 21. März 2012
  4. Tim Renner über die Echo-Verleihung: 20 Jahre Bullshit Bingo
  5. Kommentar von Stefan Niggemeier
  6. Neuer ECHO-Beirat bei mittelbayerische.de zuletzt abgerufen am: 15. Februar 2014
  7. Echo 2017: weniger Kategorien, mehr Jury beim deutschen Musikpreis, Musikwoche, 26. Januar 2017
  8. Neuanfang für den deutschen Musikpreis. Bundesverband Deutsche Musikindustrie, 25. April 2018, abgerufen am 25. April 2018.
  9. http://www.verbaende.com/news.php/ECHO-2017-Verleihung-des-wichtigsten-deutschen-Musikpreises-wird-im-naechsten-Jahr-neu-gestaltet?m=113396
  10. a b http://meedia.de/2017/03/28/neustart-fuer-den-echo-2017-kann-man-die-verleihung-des-wichtigsten-deutschen-musikpreises-ueberhaupt-noch-ernst-nehmen/
  11. RTL lädt Oomph! aus. n-tv.de, abgerufen am 4. März 2018.
  12. „Frei.Wild“-Eklat bei Musikpreis: Jetzt kehren auch „die Ärzte“ dem Echo den Rücken. Focus, 7. März 2013, abgerufen am 22. September 2013.
  13. Musikpreis: Umstrittene Band Frei.Wild bekommt Echo. In: Spiegel Online. 8. April 2016, abgerufen am 9. Juni 2018.
  14. Elena Witzek: Auschwitz Komitee kritisiert Echo-Teilnahme von Kollegah und Farid Bang. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 11. April 2018, abgerufen im 17. April 2018.
  15. Marius Müller-Westernhagen gibt Preise zurück. In: morgenpost.de. 17. April 2018, abgerufen am 17. April 2018.