Arnstein (Unterfranken)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Arnstein (Unterfranken)
Arnstein (Unterfranken)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Arnstein (Unterfranken) hervorgehoben
49.9666666666679.9833333333333228Koordinaten: 49° 58′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Höhe: 228 m ü. NHN
Fläche: 112,12 km²
Einwohner: 8107 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97450
Vorwahlen: 09363, 09360 (Binsfeld, Halsheim), 09728 (Altbessinge, Schwebenried)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 114
Stadtgliederung: 20 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktstraße 37
97450 Arnstein (Unterfranken)
Webpräsenz: www.arnstein-online.de
Bürgermeisterin: Anna Stolz (Überparteilich)
Lage der Stadt Arnstein (Unterfranken) im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild

Arnstein ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Wern und ist ungefähr 20 km von Schweinfurt und 25 km von Würzburg entfernt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Arnstein gehören 12 Stadtteile:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte im Jahr 1333 durch Kaiser Ludwig den Bayern.

Das ehemalige Oberamt des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, kam 1805 an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg, mit welchem es 1814 endgültig an das Königreich Bayern fiel.
siehe auch Schloss Büchold

Geschichte der Juden in Arnstein[Bearbeiten]

In Arnstein lebten bereits in früher Zeit Juden. Die Stadt wird 1298 Schauplatz eines Rintfleisch-Pogroms. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts gibt es danach wieder Juden in der Stadt.

Die neuzeitliche Gemeinde geht auf eine ursprüngliche Ansiedelung aus der Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges konnten sich offenbar wieder Juden niederlassen. Möglicherweise flohen diese aus Landgemeinden in die Stadt (ca. 1633/34). 1675 zählt man vier jüdische Familien in Arnstein. 1699 bestand die Gemeinde aus 35 Personen. Um 1740 gab es sieben jüdische Haushalte. Um 1800 gab es im damaligen Amt Arnstein nur in Arnstein selbst jüdische Einwohner. Die jüdischen Familien wohnten zunächst alle im Bereich der früheren „Judengasse“ (heute Goldgasse), die entlang der Stadtmauer vom Bettendorfer zum Siegersdorfer Tor verläuft.

Die jüdischen Familien lebten bis Anfang des 19. Jahrhunderts nahezu ausschließlich vom Handel. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten einige von ihnen Gewerbebetriebe in der Stadt.

Einrichtungen der Gemeinde waren in der damaligen „Judengasse“ die Synagoge, ein jüdisches Schulhaus mit einer Religionsschule und einem rituellen Bad. Tote der jüdischen Gemeinde wurden in Laudenbach, Euerbach und Schwanfeld beigesetzt.

1924 gab es 35 Einwohner mit jüdischem Glauben in Arnstein. Religionsunterricht erteilte den damals noch sechs schulpflichtigen jüdischen Kindern Hermann Holländer. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Schweinfurt. Vorsitzender der Repräsentanz war Salomon Bauer. An jüdischen Vereinen bestanden: Die Chewra Kadischa (Bestattungs- und Wohltätigkeitsverein, u.a. zur Unterstützung älterer durchreisender Leute, 1932 acht Mitglieder unter dem Vorsitz von Salomon Bauer) und der Wohltätigkeitsverein Chewroth (gleichfalls unter Leitung von Salomon Bauer; Zweck der des Vereins: Unterstützung, Lehrvorträge).

1932 gab es dann nur noch drei schulpflichtige jüdische Kinder.

1933 zählte man noch 29 jüdische Einwohner, 1935 durch Zuzug 32. Auf Grund der zunehmenden Repressalien verzogen bis Ende Juli 1938 25 der Einwohner in andere Orte oder emigrierten ins Ausland. 1935 wanderten 4 Personen nach Palästina, und weitere 4 in die USA aus. 1937 wurde der Arzt Dr. L. Veilchenblau verhaftet und 1939 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Seine Spur verliert sich ab diesem Datum. Anfang 1938 wurde die Gemeinde für aufgelöst erklärt. Unmittelbar nach den Ausschreitungen beim Novemberpogrom 1938 verzogen die letzten beiden jüdischen Einwohner, sodass ab dem November 1938 keine jüdische Person mehr in Arnstein lebte.

Während der NS-Zeit kamen folgende jüdische, in Arnstein lebende, Personen ums Leben:

Berta Aron Freudenberger (*1880), Paula Bermann (*1890), Rosalie Dominski (*1886), Julius Freudenberger (*1885), Karolina Heymann (*1875), Rita Holländer (*1913), Rosa Holländer (*1878), Selma Hutzler (*1886), Erna Neuberger (*1920), Isabella Regensteiner (*1881), Ida Schloss (*1913), Johanna Schloss (*1878), Martha Schulmann (*1893), Siegfried Siegel (*1883), Arthur Stein (geb. ?), Fanny Stein (*1876), Frieda Stein (geb. ?), Herbert S. Stein (*1935), Ruth Stein (*1933), Simon Stein (*1872), Werner L. Stein (*1932), Toni (Melanie) Strauss (*1891), Ludwig Veilchenblau (*1892).[2]

Geschichte der Arnsteiner Synagoge[Bearbeiten]

Die Synagoge wurde um 1800 erbaut. Sie wurde um 1870 und 1934 renoviert. Bei der letzten Renovierung 1934 wurde als Portalinschrift Genesis 28,17 angebracht (vermutlich hebräisch für "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus und hier ist die Pforte zum Himmel").

Nach der letztmaligen Renovierung (1934) wurden nur noch für kurze Zeit Gottesdienste abgehalten. Grund war die rasch zurückgehende Mitgliederzahl. Im April 1938 wurden das Synagogengebäude sowie das Schulhaus verkauft.

Nach 1945 kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Ab 1978 wurde das Gebäude als Lagerhaus verwendet. Trotz der Umbauten blieben die zugemauerten, aber sichtbaren Rundbogenfenster sowie die Malereien an der Decke (mit Landesfarben und -wappen) erhalten.

Mitte der 1990er Jahre wurde das Gebäude von der Stadt Arnstein erworben. Ziel war die Instandsetzung des Gebäudes. 2005 gründete sich der Förderkreis "Alte Synagoge Arnstein e.V.". Dieser setzte sich zum Ziel, die Synagoge zu restaurieren und zu einem Begegnungszentrum umzugestalten. Die mehrjährigen Sanierungsarbeiten wurden im Sommer 2012 mit einem Tag der offenen Tür abgeschlossen. Das Gebäude ist für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

(Adresse der Synagoge: Goldgasse 28)

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Binsbach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Büchold hinzu.[3] Altbessingen, Binsfeld, Halsheim, Heugrumbach, Müdesheim, Neubessingen und Reuchelheim folgten am 1. Juli 1974. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Mai 1978 durch die Eingliederung von Gänheim und Schwebenried abgeschlossen.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1961: 7.943 Einwohner[4]
  • 1970: 8.403 Einwohner[4]
  • 1987: 7.640 Einwohner
  • 2000: 8.332 Einwohner
  • 2011: 8.030 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Ab dem 1. Mai 2014 führt Anna Stolz (SPD/Freie Wähler/Freie Werntalliste/Grüne) als neue Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte in Arnstein. Sie löste mit 60,91% der Stimmen die bisherige Amtsinhaberin Linda Plappert Metz (CSU) ab, welche 39,09% der Stimmen erreichte.

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2002 und 2008 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

2002 2008 2014
CSU 8 9 7
SPD 3 2 3
Freie Werntalliste 3 4 3
Freie Wähler 3 2 3
Bürgerliste Großgemeinde Arnstein 2 1 -
Junge Bürger 1 2 2
Die Grünen - - 2
gesamt 20 20 20

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Arnstein unterhält Partnerschaften mit der französischen Gemeinde Cancale in der Bretagne (seit 7. September 1988) und mit der polnischen Gemeinde Łubniany in der Woiwodschaft Oppeln (seit 22. Mai 1993).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die spätgotische Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim stand als die Arnsteiner Pfarrkirche bereits zur Zeit der Stadtgründung in Sondheim. Während der Verpfändung Arnsteins an die Herren von Hutten diente sie dem Adelsgeschlecht als Familiengrablege.
Sanfte Hügellandschaft um Arnstein mit Blick auf die Wallfahrtskirche Maria Sondheim
  • Das Rathaus wurde um 1550 an der Stelle eines älteren gotischen Baus errichtet und im Jahr 1754 erneuert. 1945 brannte das Rathaus bis auf die Grundmauern nieder, wurde aber nach dem Krieg in der alten Form wieder errichtet.
  • Das Balleshaus wurde im Jahr 1725 von dem Tuchhändler Georg Roth errichtet und diente mehr als zwei Jahrhunderte als Wohnhaus. Die Stadt erwarb es vom letzten Besitzer, der Familie Balles, und renovierte es. Seitdem befinden sich in dem Gebäude die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Mai 2005 wurde in der Nähe von Arnstein (Erlasee) der weltweit größte Solarpark eröffnet. Siehe Solarfeld Erlasee

Größter Arbeitgeber vor Ort ist seit über 80 Jahren die Firma MIWE Michael Wenz GmbH. Im Arnsteiner Hauptwerk der MIWE stellen heute ca. 400 Mitarbeiter Industriebacköfen, Backöfen für Bäckereifilialen und Bäckerei- und Kältetechnik her.

Bildung[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 gibt es in Arnstein folgende Bildungseinrichtungen:

  • Grundschule
  • Max-Balles-Hauptschule
  • Michael-Ignaz-Schmidt-Realschule
  • Städtische Musikschule
  • Kindergärten

Wissenswertes[Bearbeiten]

Etwas außerhalb Arnsteins befindet sich an der B26a in Richtung Schwebenried das Schnittpunktdenkmal. Gekennzeichnet wird der Schnittpunkt des 50. nördlichen Breitengrades mit dem 10. östlichen Längengrad.

Im neuen Siedlungsgebiet der Stadt Arnstein gibt es seit Ende der 1990er Jahre eine Reihenhaussiedlung mit 20 Niedrigenergiehäusern, den so genannten Arnsteiner Sonnenhäusern. Ein Teil der Energieversorgung erfolgt über 210 m² Sonnenkollektorfläche, über die Brauchwasser und Heizung erwärmt werden. Weiterhin können über ein kontrolliertes Lüftungssystem bis zu 95 % der Raumwärme zurückgewonnen werden. Durch die Regenwassernutzung zur WC-Spülung, die Auswahl von ökologischen Baustoffen, den Verzicht auf eine Unterkellerung, eine konsequente Dämmung der Häuser sowie andere Maßnahmen konnten weitere Energiespar- und Umweltschutzziele realisiert werden. Die Sonnenhäuser wurden im Rahmen des Förderprogramms des experimentellen Wohnungsbaus von den 20 Bauherren gemeinschaftlich errichtet. Dadurch konnten die Anschaffungs- und Planungskosten minimiert werden.

Naherholung[Bearbeiten]

  • Der Naturbadesee Arnstein liegt in unmittelbarer Nähe des Ortes. Der Arnsteiner Badesee wurde im Zuge der Kleinen Landesgartenschau (Natur und Stadt) 1997 angelegt. Es gibt verschiedene Liegewiesen, ein Wasserfloß, ein Beachvolleyballfeld, sowie einen Kiosk mit Seeterrasse. Für Kinder gibt es eine Spielwiese mit Weidendorf und einen Naturspielplatz.
  • Der Walderlebnispfad Arnstein liegt zwischen Arnstein und Reuchelheim etwas oberhalb des Tales und ist etwa 2,5 km lang.
  • Der Gewässerlehrpfad Wern/Arnstein ist etwa 1,0 km lang.
  • Der Wernradweg ist ein 78 km langer Radweg von der Quelle der Wern über Arnstein bis zur Mündung in den Main bei Gemünden-Wernfeld.

Persönlichkeiten aus der Gemeinde Arnstein[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Müllerklein, Volker und Metz, Roland: Gesichter einer Stadt - Arnstein, Arnstein 2001.
  • Natur in Arnstein '97, Arnstein 1997.
  • Waldmann, Gabriele (Text) und Waldmann, Emil (Illustrationen): Der Korkenzieherfinger. Heiteres und Ernstes im Rückblick auf die fränkische Heimat eines Kindes, Augsburg 1995.
  • Herdrich, Walter: Das Moritz von Hutten'sche Spital in Arnstein, Festbeitr. zur Wiedereröffnung am 17. Okt. 1987, Arnstein 1987.
  • Götz, Gerhard: Wallfahrtsbuch Kreuzbruderschaft Arnstein, Arnstein 1987.
  • Müller-Seewald, Frieder; Metz, Ulrike; Haupt, Hermann: Malerisches Werntal um Arnstein, München 1979.
  • Muth, Hanswernfried: Wallfahrtskirche Maria Sondheim, München 1975.
  • Wenz, Ernst: Ein Gang durch Arnstein und seine Geschichte, Arnstein 1950.
  • Schwarz, Klaus: Arnstein/Ufr. und seine Stadtteile - Binsfeld 2012

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Arnstein
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 491.
  4. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 762 und 763.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arnstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien