Gemünden am Main

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gemünden am Main
Gemünden am Main
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gemünden am Main hervorgehoben
50.0497222222229.7055555555556160Koordinaten: 50° 3′ N, 9° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Höhe: 160 m ü. NHN
Fläche: 75,09 km²
Einwohner: 10.333 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97737
Vorwahlen: 09351
09354 (Schaippach)
09357 (Aschenroth)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 131
Stadtgliederung: 16 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Scherenbergstr. 5
97737 Gemünden am Main
Webpräsenz: www.stadt-gemuenden.de
Bürgermeister: Jürgen Lippert (BfB)
Lage der Stadt Gemünden am Main im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild

Gemünden am Main (amtlich: Gemünden a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gemünden liegt etwa 40 Kilometer mainabwärts von Würzburg.

In der Stadt mündet die Sinn in die Fränkische Saale und diese dann in den Main. Der Main ändert in Gemünden seine Richtung von Nordwest auf West, um vom Maindreieck, das bei Gemünden endet, ins Mainviereck bei Lohr am Main überzugehen. Aus diesem Grund wird Gemünden a.Main auch als Dreiflüssestadt oder fränkische Dreiflüssestadt bezeichnet. Im Stadtteil Wernfeld mündet zudem das Flüsschen Wern in den Main. Im Osten ist das Fränkische Weinland, im Westen der Spessart und im Norden die Rhön.

Gemünden liegt an der Birkenhainer Straße, einem uralten Handelsweg von Unterfranken ins heutige Rhein-Main-Gebiet.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Gemünden am Main gehören 15 Stadtteile (in Klammern Einwohnerzahlen (Hauptwohnsitz; Gesamt), Stand 31. Dezember 2013[2]):

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Gemünden stammt dem althochdeutschen Wort gimundi ab, das Flussmündung bedeutet. Dies bezieht sich auf die Mündungen der Sinn in die Fränkische Saale und deren Mündung in den Main.[4] Der Zusatz am Main unterscheidet die Stadt von weiteren gleichnamigen Orten. Ab 1339 wurde zeitweise zwischen Stadt- und Weniggemünden oder Groß- und Kleingemünden unterschieden.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]

  • 1243 Gemunde
  • 1289 Gemunden
  • 1342 Gemuend
  • 1354 Gemünden an der Synne und an der Sal
  • 1391 Gemunde an dem Meyne
  • 1395 Gemunden an dem Meun
  • 1567 Gemünden am Mayn
  • 1656 Gemuend an dem Maeyn
  • 1831 Gemünden
  • 1973 Gemünden am Main

Geschichte[Bearbeiten]

Ruine Scherenburg
50 Pfennig Gemündener Notgeld
Alte und neue Brücke in Gemünden

Der Ort wurde 1243 erstmals urkundlich in einem Vertrag zwischen dem Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg und Gräfin Adelheid von Rieneck erwähnt. Es wird aber vermutet, dass Gemünden bereits vor 1243 von den Grafen von Rieneck zur Stadt erhoben worden war. Die örtliche Überlieferung geht von einer Fischersiedlung aus, die Ursprung der späteren Stadt war. Gemünden gehörte ab dem Jahr 1469 endgültig zum Hochstift Würzburg. Ab 1500 war das Würzburger Hochstift ein Teil des Fränkischen Reichskreises. Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg baute es zur Bastion gegen die angrenzenden Territorien Kurmainz und Hochstift Fulda. Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1802 wurde das Fürstbistum Würzburg von Bayern annektiert. Gemünden wurde eine bayerische Kreisstadt, der Bahnanschluss erfolgte 1854 mit der Ludwigs-West-Bahn, heute Main-Spessart-Bahn. Gemünden wurde zum Eisenbahnknotenpunkt; 1872 erfolgte die Eröffnung von Gemünden – Elm, 1879 von Gemünden – Schweinfurt und 1884 der Saaletalbahn Gemünden – Hammelburg.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde während des Novemberpogroms die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Plattnersgasse von SA-Männern zerstört. Während des Zweiten Weltkrieges mussten zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene Zwangsarbeit in kriegswichtigen Anlagen verrichten.

Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage wurde die Stadt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bei alliierten Bombenangriffen zu zwei Dritteln zerstört.

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Gemünden am Main aufgelöst. Durch die Eingemeindung von 14 neuen Ortsteilen zwischen 1971 und 1978 stieg die Fläche der Stadt um das Siebenfache.

Das örtliche Kloster Schönau wurde 1189 durch Philipp von Thüngen gegründet. Seit 1699 ein Minoritenkloster, betreuen die Mönche vor allem die Kloster- und Wallfahrtskirche.
siehe auch Burgruine Alte Burg, Burg Adolphsbühl

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Adelsberg, Hofstetten und Massenbuch eingegliedert. Am 1. Juli 1971 folgten Schaippach und Seifriedsburg. Am 1. Januar 1972 kam Harrbach hinzu. Aschenroth wurde am 1. Juli 1972 eingegliedert.[5] Zudem wurden Wernfeld am 1. Januar 1976 und Langenprozelten am 1. Januar 1978 eingemeindet.[6]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die sich seit der Kommunalwahl am 13. März 2014 (Wahlbeteiligung: 63,88 %) folgendermaßen auf die einzelnen Listen verteilen:

Partei / Liste Sitze
CSU 5
Freie Wähler – Freie Bürger (FW–FB) 5
Freie Wählergemeinschaft (FWG) 4
SPD 4
Öko-Kreis 3
Bündnis für Bürgernähe 3

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister Jürgen Lippert wurde am 30. März 2014 gewählt. Er ist von Amts wegen ebenfalls Mitglied des Stadtrats.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Radler-Treffpunkt Marktplatz Gemünden

Gemünden am Main ist ein Treffpunkt für Radler und Wanderer, da in dieser „Drei-Flüsse-Stadt“ mehrere überregionale Radwege (Main-Radweg, Rhön-Sinntal-Radweg, der Wern-Radweg einige Kilometer südlich in Wernfeld) sowie Fernwanderwege (Maintalhöhenringweg, Birkenhainer Straße) zusammenlaufen. Zentrum der nach den Kriegszerstörungen wiederaufgebauten Altstadt ist der Marktplatz mit einer Reihe von Cafés und Restaurants, neuem Rathaus, erneuertem Marktbrunnen und wiederaufgebauter Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul; in der Obertorstraße gibt es noch vereinzelte Fachwerkhäuser.

Museen[Bearbeiten]

Im Huttenschloss Gemünden befindet sich das Film-Photo-Ton Museum, das von einem privaten Verein unterhalten wird. Es finden regelmäßig Filmvorführungen, Vorträge, Ausstellungen sowie Film- und Fotokurse statt.

Musik[Bearbeiten]

Von 2000 bis 2007 war Gemünden jährlich Schauplatz des Heavy-Metal-Festivals Up From The Ground.

Bauwerke[Bearbeiten]

Burgen und Stadtbefestigung[Bearbeiten]

Bergfried der Ruine Scherenburg
Scherenburg
Auf einem Felsen über dem Stadtkern von Gemünden ragt die Ruine der Scherenburg heraus, auch Schloss Scherenberg genannt, das spätestens seit 1243 – wahrscheinlich aber schon früher – den Grafen von Rieneck gehörte, 1469 jedoch mit dem endgültigen Übergang an Würzburg den Namen des Fürstbischofs annahm. Bis 1598 diente die Burg als Amtskeller. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie nicht mehr genutzt und verfiel. Als Ruine erhalten sind das Burgtor im Südosten, ein Teil der Schildmauer (einst verbunden mit der Stadtmauer zu einer zusammenhängenden Ringmauer), der runde Bergfried (Fledermausquartier und deshalb nicht mehr besteigbar), eine Giebelwand des unterkellerten Palas und davor ein kleiner Zwinger (Aussichtsterrasse über das Main- und Saaletal sowie in den Spessart). Seit den 1990er Jahren finden im Sommer im Innenhof der Burgruine die Scherenburgfestspiele (Freilichtschauspiel) statt.
Bodendenkmal Slorburg
Slorburg
Schwer zugänglich auf steilem Pfad im Wald oberhalb der Scherenburg befinden sich stark bemooste Grundmauern der älteren Slorburg (Bodendenkmal). Sie stammt aus der Zeit Hermann I. von Lobdeburg und wurde 1243 geschleift, als Würzburg und Rieneck sich vertraglich einigten und ihre Herrschaft teilten.
Hexenturm und überbaute Teile der Stadtmauer
Stadtbefestigung
Von der Stadtbefestigung sind eines von zwei Stadttoren (das Mühltor), zwei Wehrtürme (Eulenturm und Hexenturm) sowie einige von Wohnhäusern überbaute Mauerreste erhalten. Das Obertor existiert nicht mehr. Am Hexenturm bildet das so genannte „Amtsschreiber-Pförtchen“, überbaut durch Fachwerk, einen Zugang durch die Stadtmauer in die Altstadt.

Sakralbauten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Peter und Paul
Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul
Sie wurde 1488 auf den Mauern der noch älteren Peterskirche im gotischen Baustil errichtet. Sie wurde 1945 bis auf die Grundmauern zerstört; übrig blieb nur das Turm-Untergeschoss. Das heutige Langhaus mit Uhr und Stadtwappen sowie der Turm mit achtseitigem Spitzhelm und vier Ecktürmchen ist eine 1948 vollendete Rekonstruktion. Dieser Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wurde betont schlicht gehalten. Im Inneren gibt es zwei Skulpturen der Heiligen Petrus und Paulus sowie einen monumentalen Epitaph von 1601 mit Hinweis auf Simon Hügel.
Evangelische Christuskirche
Sie 1909/1910 erbaut und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Der asymmetrische Jugendstilbau weist auf der Nordwest-Seite einen kleinen Frontturm auf, der im Widerpart zum zurückgesetzten, deutlich höheren und massiven Glockenturm steht. Das Gebäude erfuhr zwischen 1960 und 2008 mehrere Umbauten und Renovierungen innen und außen.
Dreifaltigkeitskirche
Im Osten der Stadt wurde 1954 die katholische Dreifaltigkeitskirche vom Würzburger Dombaumeister Hans Schädel in Form eines Trapezes mit zum Altarraum hin fallender Decke gebaut. Das moderne Altargemälde (Kreuz mit Korpus) und das Deckengemälde, das die göttliche Dreifaltigkeit in stilisierter Form darstellt, wurden von Georg Meistermann geschaffen.
Kloster der barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz
Weithin sichtbar ist das „Kloster der barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz“. Die aus Böhmen vertriebenen Provinzschwestern dieses Ordens erbauten hier 1947 ihr neues Provinzhaus Bayern, eine imposante Klosteranlage, die neben Kindertagesstätte und sozialpädagogischen Einrichtungen auch das Mädchenbildungswerk der Kreuzschwestern, eine weit über die Grenzen des Landkreises Main-Spessart bekannte Mädchenschule, beherbergt.
Kloster Schönau
Drei Kilometer nördlich der Stadt Gemünden liegt im Tal der fränkischen Saale das Franziskanerkloster Schönau. Es wurde ursprünglich als Zisterzienserinnen-Kloster gegründet.

Profanbauten[Bearbeiten]

Huttenschloss
Der einzige Schlossbau der Stadt ist das 300 Jahre alte Huttenschloss auf der rechten (Kleingemündener) Saaleseite. Dies ist nach lokalhistorischer Überlieferung möglicherweise der Teil von Gemünden, der im Teilungsvertrag von 1243 im Besitz der Grafen von Rieneck verblieb. 1711 (Datierung über dem Haupteingang) erbaute der Rieneck'sche Amtmann Christian Stern das dreigeschossige Gebäude mit Ecktürmen und Garten als Rentamt; seine Erben veräußerten es an Ludwig von Hutten zu Stolzenberg; 1726 wurde es Würzburger Besitz unter Fürstbischof Christoph Franz von Hutten. Im Torbogen ist das Wappen von Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach angebracht. Das Schloss erfuhr verschiedene Nutzungen (Rentamt, Lager für den Reichsarbeitsdienst und Unterfränkisches Verkehrsmuseum). Heute sind in diesem Bau das Film-Photo-Ton Museum und die Ausstellungsräume des Naturparkes Spessart untergebracht.
Historische Ansicht des Rathauses
Sonstige Profanbauten
Das in den Jahren 1585 bis 1596 im Stil der Renaissance auf dem seinerzeitigen Fischmarkt errichtete Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Der Neubau ist zwar ebenfalls ein Giebelbau mit Dachreiter, nicht rekonstruiert wurden jedoch die verlorenen architektonischen Formelemente wie Volutengiebel, Fialen, Halbsäulen und Portal. Vielmehr ist die Fassade mit großen Rechteckfenstern schlicht und schmucklos. In den 1980er Jahren wurde eine flächendeckende Altstadtsanierung durchgeführt; wenige Fachwerkbauten des 17. und 18. Jahrhunderts – beispielsweise Obertorstraße 2, 8 und 16, Mühltorstraße 4 und 10, Marktplatz 8, Plattnersgasse 8 – konnten wiederhergestellt werden.
Pumpspeicherkraftwerk
befindet sich in Langenprozelten.

Denkmale[Bearbeiten]

Gedenktafel
An die während des Novemberpogroms 1938 schwer beschädigte und 1945 abgerissene Synagoge erinnert eine Gedenktafel. Ein weiteres Mahnmal, welches an die umgekommenen sowjetischen Zwangsarbeiter erinnert, befindet sich Richtung Rieneck.[7]
Kriegsgräberstätte
Sie befindet sich auf dem Einmalberg Richtung Burgsinn/Jossa. Hier sind 1193 gefallene Soldaten mehrerer Nationen aus den beiden Weltkriegen beigesetzt. Die schlichten Gräber nennen den Namen des Gefallenen; die Gedenkstätte zeigt einen gefesselten Mann in kniender Haltung.
Ehrensäule für Elias Hügel
Dem kaiserlichen Hofsteinmetzmeister Elias Hügel wurde in seiner Geburtsstadt Gemünden am Main 1996 von Ferenc Gyurcsek nach den Plänen von Friedrich Opferkuh eine Ehrensäule errichtet, die dem weitgehend zerstörten Original von 1740 in Kaisersteinbruch nachgebildet wurde. Dies wurde als Zeichen einer guten Zusammenarbeit des „Historischen Vereines Gemünden am Main“ und des „Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch“ gewertet.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

  • WWC White Water Company Gemünden am Main e. V.: Kanusportverein mit Schwerpunkt Wildwasser/Breitensport.
  • Festspielverein der Stadt Gemünden e. V.
  • ESV Bavaria Gemünden (Triathlon, Schach, Volleyball, Faustball, Ringen, Turnen, Tischtennis)
  • FV Gemünden/Seifriedsburg: Fußballverein
  • TC Gemünden: Tennisverein

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Scherenburgfestspiele finden alljährlich im Juli und August im Innenhof der Ruine Scherenburg statt.

Familie Hügel[Bearbeiten]

Der große Hügel-Epitaph, 1601
wie ir seid warn wir auff erdn – wie wir sind werdet ir auch werden

Die aus Gemünden stammende und dort seit Ende des 16. Jahrhunderts nachgewiesene Familie Hügel brachte bis ins 19. Jahrhundert Steinmetzmeister, Bildhauer und Baumeister von überregionaler Bedeutung hervor. Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens war jedoch nicht ihre Heimatstadt, sondern bekannte Steinmetzzentren im Wiener Raum.

In den Gemündener Pfarrbüchern ist 1598 die Heirat des Jodocus Hügel eingetragen; der monumentale Epitaph von 1601 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul berichtet von Simon Hügel. Es war eine mutmaßlich wohlhabende Familie, denn eine so aufwändige Grabplatte in der Kirche, die von allen gesehen wurde, weist auf einen großzügigen Stifter hin. Johann Franz Hügel heiratete 1659 Margareta Feserin; drei ihrer Söhne – Johann Gallus, Johann Jacob und Elias – erlernten das Steinmetzhandwerk.

Nur der Zweig des Johann Jacob (* 1677) verblieb in Gemünden am Main. Johann Gallus emigrierte nach Eggenburg, Niederösterreich, Elias nach Kaisersteinbruch, damals Ungarn, heute im Burgenland. Denn nach dem endgültigen Sieg über die Türken in Wien (1683) brach dort eine noch nie da gewesene Bautätigkeit aus und wurde Wien eine Stadt der sie heute noch in weiten Teilen charakterisierenden barocken Architektur, die im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eine starke Sogwirkung auf Baufachleute – darunter auch die Steinmetze der Familie Hügel – ausübten.

Vogelschau auf das historische Gemünden des 17. Jahrhunderts von der Künstlerin Olga Knoblach-Wolff


Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Gemünden fehlen arbeitplatzstarke Industrieunternehmen, so dass viele Arbeitnehmer in die Nachbarstädte Lohr oder Würzburg auspendeln müssen. Vorwiegend kleinere Industriefirmen und eine Reihe von Einzelhandelsmärkten sowie zwei Pflegeheime sorgen für Arbeitsplätze.

Verkehr[Bearbeiten]

Maintalbrücke der Schnellfahrstrecke

Gemünden ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Die Nord-Süd-Strecke Fulda–Würzburg vereinigt sich hier mit der West-Ost-Strecke Aschaffenburg–Würzburg. Westlich der Stadt überquert die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg mit der Maintalbrücke Gemünden den Main. Außerdem zweigt in Gemünden die Bahnstrecke Gemünden–Ebenhausen zum Kurort Bad Kissingen ab. Gemünden ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Fracht- und Güterverkehr. Dazu verbinden vor allem Regionalbahnen der DB AG Gemünden mit den Städten Würzburg und Aschaffenburg.

Gemünden liegt an der Bundesstraße 26.

Soziales[Bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Hofgut „Hohenroth“ hat sich seit 1978 die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth niedergelassen, die zu SOS-Kinderdorf Deutschland gehört. Knapp 160 behinderte Menschen (Stand: 10/2007) leben dort in Familien, die sie betreuen, und arbeiten in eigenen Werkstätten (Molkerei, Bäckerei, Schreinerei, Schnitzerei und Metallwerkstatt), der Landwirtschaft sowie im Dorfladen. Die Zufahrt nach Hohenroth erfolgt über Rieneck.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Gallus Hügel (* 2. Dezember 1664; † 14. September 1719), Steinmetzmeister
  • Elias Hügel (* 17. Juni 1681; † 22. August 1755), kaiserlicher Hof-Steinmetz- und Kirchenbaumeister des Barock
  • Georg Adam Kreß (* 22. Juni 1744; † 26. Juli 1788), Schulmeister und Komponist
  • Caspar Haeusler (* 8. Februar 1854; † 21. März 1938), Offizier und Reichstagsabgeordneter
  • Euchar Albrecht Schmid (* 29. August 1884; † 15. Juli 1951 in Bad Liebenstein), deutscher Jurist, Schriftsteller und Verleger, der Mitbegründer und Geschäftsführer des Karl-May-Verlags.
  • Alfred Nickel († 9. Oktober 1993) förderte im Historischen Verein die Kontakte mit Österreich (Elias Hügel)
  • Olga Knoblach-Wolff (* 9. Juni 1923; † 11. Juli 2008); Malerin und Grafikerin
  • Anneliese Lussert (* 1. April 1929; † 7. Dezember 2006), Wirtin zum „Goldenen Engel“, Dichterin
  • Hans Michelbach (* 1949), CSU-Politiker, Bürgermeister von Gemünden
  • Nadine Angerer (* 1978), Fußballweltmeisterin, Weltfußballerin des Jahres 2013
  • Michael und Heiko Rauch; zweimalige Kunstradweltmeister
  • Nicolai Müller (* 1987), Fußballspieler beim 1. FSV Mainz 05
  • Ann-Katrin Egert (* 1989) und Stefan Rauch, zweimalige Kunstradweltmeister
  • Benedikt Hutzel (* 1988), unterfränkischer Meister im Kunstradfahren
  • Andreas Kümmert (* 20. Juli 1986), Singer and Songwriter, Gewinner der dritten Staffel der Gesangs-Castingshow The Voice of Germany

Literatur[Bearbeiten]

  • Anneliese Lussert und Olga Knoblach-Wolff: Dir sing ich Gemünden mein Lied. Hofmann, 1982.
  • Hans Michelbach: Main – Sinn – Saale, Fränkische Landschaft mit den schönsten Städten, Stadtgeschichte Gemünden a.Main, S. 70ff. Tykve, 1992, ISBN 3-925434-67-4.
  • Olga Knoblach-Wolff: Gemündener Türen und Tore. Impressionen und Erinnerungen in Bild und Wort. 1994.
  • Helmuth Furch: Die Familie Hügel aus Gemünden am Main. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 42, 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gemünden am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Einwohnerzahlen
  3. Denkmäler – Zollberg 1
  4. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 80.
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 470.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 762.
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 141 f.