Delve

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Delve
Delve
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Delve hervorgehoben
54.3005555555569.25083333333335Koordinaten: 54° 18′ N, 9° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Kirchspielslandgemeinden Eider
Höhe: 5 m ü. NHN
Fläche: 15,85 km²
Einwohner: 698 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25788
Vorwahlen: 04803 und 04836 (Ortsteile Delverort und Langenhorn)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HEI
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 020
Adresse der Amtsverwaltung: Kirchspielsschreiber-Schmidt-Straße 1
25779 Hennstedt
Webpräsenz: www.delve.de
Bürgermeister: Peter Maaß (WGD)
Lage der Gemeinde Delve im Kreis Dithmarschen
Karte

Delve ist eine Gemeinde im Norden des Kreises Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Delve liegt an der Westküste Schleswig-Holsteins im Norden Dithmarschens, an der Grenze zum Kreis Schleswig-Flensburg.

Delve liegt auf der Heide-Itzehoer Geest, die hier bis auf wenige Meter an die Eider heranreicht. Der Delver Koog ist ein Teil der Eider-Treene-Niederung.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus dem Ortskern, Schwienhusen 54° 16′ N, 9° 15′ O54.2611111111119.25194444444445, sowie Delverort 54° 20′ N, 9° 14′ O54.3369444444449.23333333333331 und Langenhorn 54° 20′ N, 9° 16′ O54.3361111111119.261.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Gemeinden Süderstapel und Erfde (beide im Kreis Schleswig-Flensburg) sowie Wallen, Glüsing und Hollingstedt (alle im Kreis Dithmarschen).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Delve ist abgeleitet vom niederdeutschen delf = Graben.[2] Schon früh siedelten sich hier Fischer an, die auf der Geest ihre Häuser vor Fluten geschützt, aber dennoch in unmittelbarer Eidernähe aufbauen konnten.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert vom 7. Mai 1281 aus einem Vertrag mit der Stadt Hamburg. Zwischen 1140 und 1281 war bereits die Marienkirche als fester Feldsteinbau errichtet und das Kirchspiel Delve begründet worden. 1329 ist das Jahr der ältesten urkundlichen Erwähnung Schwienhusens, Ortsteil von Delve. 1352 gingen die im Delver Koog gelegenen Marschsiedlungen Hemmerfeld, Langenhorn, Oesterwisch, Langendiekstedt und Wurthemme bei der „Ersten groten Manndränke“ in den Fluten der Eider unter. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Delver Kirche zu einer Festung ausgebaut. Mitte des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der Reformation, bildete die Eider die Grenze zwischen der Bauernrepublik Dithmarschen und dem Herzogtum Schleswig (zu Dänemark gehörend). Die Eider wurde im Unterlauf bereits stark als Schifffahrtsweg genutzt.

1559 schlug der Kirchspielvogt Hans Löbkens aus Schwienhusen mit weiteren zehn Männern etwa 200 Friesen, die den Nachbarort Wallen gebrandschatzt und Kurs auf sein Dorf genommen hatten, in die Flucht. Im Jahre 1617 ging in Delve der „Schwarze Tod“ um. Zahlreiche Einwohner werden von der Pest dahingerafft. Eine große Feuersbrunst äscherte Pfingsten 1676 35 Wohn- und Wirtschaftsgebäude ein. 1712 hinterließ die Pest wiederum in Delve ihre Spuren. Im Jahre 1717 wurde das Gebiet der Eider von einer schweren Sturmflut, der Weihnachtsflut, heimgesucht. Die Deiche bei Delve wurden größtenteils weggeschwemmt. Danach Neuerrichtung der Deiche (wie heute noch vorhanden).

1741 ist das Jahr der ältesten urkundlichen Erwähnung der Delver Schiffergilde. Vermutlich ist sie zu damaliger Zeit bereits über 100 Jahre alt gewesen. Mit Eröffnung des Eiderkanals, der ersten direkte Verbindung zwischen Nord- und Ostsee im Jahre 1784, seinerzeit der bedeutendste Seeschifffahrtskanal der Welt, gewann Delve an Bedeutung als Schifffahrtsort. Das Jahr 1825 verzeichnete einen großen Deichbruch bei Delve. Das Wasser reichte bis an die Kirche. Ein Schiff ankerte an dem damals noch bei der Kirche liegenden Friedhof. Von Oktober bis Dezember 1850 diente die Delver Kirche als Lazarett für schleswig-holsteinischen Kämpfer, die bei der Beschießung Friedrichstadts im Deutsch-Dänischen Krieg verwundet wurden. Am 7. Februar 1867 wurde der Männergesangverein Delve-Schwienhusen, der älteste noch bestehende Verein in Delve, gegründet. Am 1. Oktober 1886 gründeten einige Bauern eine Meiereigenossenschaft.

1889 waren in Delve 16 Seeschiffe und vier Binnenschiffe beheimatet. Neben den Eignern dieser Segelschiffe hatten weitere zwölf Delver das Kapitäns- und Steuermannspatent für Große Fahrt. Im Jahre 1905 erhielt Delve mit der Inbetriebnahme der Kreisbahn Norderdithmarschen Anschluss an das Schienennetz. Die Elektrizitätsgenossenschaft Delve versorgte seit 1926 den Ort mit elektrischem Strom. In den Jahren 1928 und 1929 wurde das Delver Höft, die Lösch- und Ladestelle an der Eider, von Grund auf erneuert. Die Anfang 1930 gegründete Freiwillige Feuerwehr Delve-Schwienhusen übernahm an Stelle der vorherigen „Zwangswehr“ den Brandschutz in der Gemeinde.

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Delve aufgelöst. Alle ihre Dorfschaften, Dorfgemeinden und Bauerschaften wurden zu selbständigen Gemeinden/Landgemeinden, so auch ihr Hauptort Delve.[3]

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges kamen viele Flüchtlinge auch nach Delve und Schwienhusen. Die Einwohnerzahl beider Orte stieg von 721 (Vorkriegsstand) auf 1525 (Höchststand im Jahre 1946). Bis 1956 ging die Zahl aufgrund von Umsiedlungen nach Süddeutschland auf 844 zurück.

Mit Beginn des Schuljahres 1965/66 wurde die neue Dörfergemeinschaftsschule ihrer Bestimmung übergeben. 1969 wurde der Campingplatz „Eidertal“ eingeweiht und in Betrieb genommen.

Mit Wirkung vom 1. August 1974 wurde die Hauptschule Delve in eine Grundschule umgewandelt und am 1. Januar 2008 mit der Grundschule Linden vereinigt sie tragen nun den Namen „Lütte Geestschool’n Delv un Lin“. Am 31. August 1974 wurde die Polizeistation Delve aufgelöst und Hennstedt zugeordnet. Im Juli 1981 ist die öffentliche Abwasseranlage der Gemeinde Delve betriebsfertig hergestellt. Die historische Fährverbindung über die Eider zwischen Schwienhusen und Bargen wurde am 26. Mai 2001 nach fast 40-jähriger Ruhenszeit durch eine neue „Bargener Fähre“ (für Fußgänger und Radfahrer) wieder aufgenommen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die am 1. April 1934 aus der Kirchspielslandgemeinde Delve entstandene selbstständige Gemeinde Schwienhusen wurde am 1. Januar 1982 wieder in die Gemeinde Delve eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Alle neun Gemeindevertreter gehören der Wählergemeinschaft WGD an.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün ein einmastiges goldenes Segelschiff mit Großsegel und Wimpel, darunter ein breites silbernes Wellenband, bestehend aus einem halben Wellenberg, einem Wellental und einem halben Wellenberg.“[5]

Kultur und Dorfbild[Bearbeiten]

Gehöft in Delve

Delve enthält noch vergleichsweise viele historische Gebäude. Angefangen von Fischerkaten in der Nähe des Eiderufers bis hin zu großen Gehöften am Rande des ehemaligen Ortskerns. Insgesamt finden sich noch etwa 40 ältere reetgedeckte Häuser im Ort.

Die Sankt-Marien-Kirche ist eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, die 1898 eine vorgemauerte Westfassade erhielt. In der Kirche weisen noch drei Votivschiffe auf die Bedeutung hin, die die Schifffahrt einst für den Ort spielte. Der Glockenstapel stammt von 1559 und ersetzte einen älteren Rundturm.

Die Gemeinde beherbergt mehrere Vereine, darunter den Turn- und Sportverein von 1911 (TSV Delve), den Männergesangverein Delve-Schwienhusen von 1867, den Frauenchor Delve, den Feuerwehrmusikzug Delve-Schwienhusen sowie die Delvtown Jazzmen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Sportboote auf der Eider, im Hintergrund das Delver Ufer

Die Gemeinde entwickelte sich und lebte lange von der Reetmahd im Delver Koog, der heute zum Teil Naturschutzgebiet ist, sowie der Seeschifffahrt aufgrund der Nähe zur Eider, die mit der Eröffnung des Eiderkanals (erste direkte Verbindung zwischen Nord- und Ostsee) im Jahre 1784 die Bedeutung Delves als Schifffahrtsort stärkte.

Von 1905 bis 1937 hatte der Ort einen Bahnanschluss mit der Kreisbahn Norderdithmarschen.

Heute ist die Gemeinde noch stark landwirtschaftlich geprägt, sie entwickelt sich aber zu einem so genannten Schlafdorf. Der Fremdenverkehr bekommt in Delve eine immer größere Bedeutung, für den die Gemeinde mit ihrer Lage direkt an der Eider eine Infrastruktur aus Campingplatz, Sportbootshafen, Kanuverleihstation und dem ausgedehnten Radwandernetz der Kleeblatttour zur Verfügung stellt. In den Sommermonaten verkehrt über die Eider eine Fußgänger- und Radfahrerfähre nach Erfde.

Bildung[Bearbeiten]

Bis ins Jahr 2011 gab es in der Delve eine Grundschule für die Kinder der Gemeinden Delve, Bergewöhrden und Hollingstedt. Weiterführende Schulen befinden sich in Hennstedt, mit einer Haupt- und Realschule und in Heide mit zwei Gymnasien.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Delve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 208.
  3.  Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.05.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 813.
  5. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein