Burg (Dithmarschen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Burg (Dithmarschen)
Burg (Dithmarschen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Burg (Dithmarschen) hervorgehoben
549.266666666666715Koordinaten: 54° 0′ N, 9° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Burg-Sankt Michaelisdonn
Höhe: 15 m ü. NHN
Fläche: 11,23 km²
Einwohner: 4260 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 379 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25712
Vorwahl: 04825
Kfz-Kennzeichen: HEI
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 016
Adresse der Amtsverwaltung: Holzmarkt 7
25712 Burg
Webpräsenz: www.amt-burg-st-michaelisdonn.de
Bürgermeister: Hermann Puck (CDU)
Lage der Gemeinde Burg (Dithmarschen) im Kreis Dithmarschen
Karte

Burg (Dithmarschen) ist eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten]

Geest in Burg
Burg um 1895

Burg liegt an der Grenze der Dithmarscher Geest zur Wilstermarsch und wird durch zwei sehr unterschiedliche Naturräume geprägt.

Der Geestteil ist recht hügelig und mit Wald bewachsen. Höchste Erhebung ist der Wulffsboom mit 65 Metern, auch als Hamberg bezeichnet. Unterhalb des bis zu 35 Meter aufragenden Klevhangs, einer ursprünglichen Kliffkante, schließt sich die Wilstermarsch an. Sie ist flach, moorig und waldarm und liegt zum Teil unter dem Meeresspiegel. Durch diesen Naturraum führt auf dem Gemeindegebiet der Nord-Ostsee-Kanal. Nicht zuletzt wegen seiner besonderen Lage auf bewaldeter Geest und in der Marsch wird Burg gern als „Perle der Westküste Schleswig-Holsteins“ bezeichnet.

Der Wald um Burg herum wird teilweise vom Waldmuseum genutzt. Dort finden sich zwei waldgeschichtliche Pflanzungen und ein Steingarten mit Findlingen aus eiszeitlichen Geschieben. An der Straße Am Papenknüll befindet sich eine rekultivierte Heidefläche mit bronzezeitlichen Hügelgräbern. Sie wurde vom Umweltministerium Schleswig-Holstein als Naturerlebnisraum anerkannt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl 2013 kam folgende Zusammensetzung der Gemeindevertretung zustande:[2]

Partei / Liste Sitze
CDU 7
BurgAktiv 5
KWV 3
FDP 2
SPD 3

Wappen[Bearbeiten]

Die amtliche Blasonierung des 1952 verliehenen Wappens lautet: „In Silber auf goldenem, mit zwei blauen Wellenbalken belegtem Dreiberg eine zweitürmige rote Burg mit geschlossenem blauen Tor, darüber zwei ins Kreuz gestellte blaue Schlüssel.“[3]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist der Verwaltungssitz des Amtes Burg-Sankt Michaelisdonn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Allgemeine Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg ist als Luftkurort staatlich anerkannt.

Im Ortszentrum befindet sich der Baumgarten, der Park des Luftkurorts. Neben seltenen Baum- und Pflanzenarten ist in dem Park eine Freilichtbühne vorhanden. Dort werden in der Sommersaison regelmäßig Konzerte und Aufführungen dargeboten. In der nebenan befindlichen Bökelnburghalle werden auch bei schlechtem Wetter Veranstaltungen durchgeführt, insbesondere regionale Messen und Ausstellungen.

Burg besitzt ein beheiztes Waldschwimmbad. Das Freibad hat eine 80 m lange Rutsche, Sprungtürme und Kleinkinderbecken.

Bökelnburg, Sage und Petrikirche[Bearbeiten]

Der Ort leitet seinen Namen von der Bökelnburg (niederdt.: Buchenburg) ab. Diese hat sich wahrscheinlich innerhalb des noch bestehenden Bökelnburgwalls befunden, einem Ringwall aus dem 9. Jahrhundert mit einem Durchmesser von ca. 100 Metern. Er wurde unmittelbar auf dem Geestrand errichtet, von wo er einen weiten Blick über die Wilstermarsch ermöglicht. Die Burganlage diente den Dithmarschern bis ins 11. Jahrhundert zum Schutz gegen Franken, Abodriten und Wikinger. Auf dem Wall ist heute ein Wanderweg angelegt, in seinem Inneren befindet sich seit 1818 ein Friedhof.

Einer Sage nach residierte im 12. Jahrhundert Graf Rudolf II. von Stade auf der Bökelnburg. Er regierte die Dithmarscher mit harter Hand und forderte auch nach mehreren Dürrejahren den Kornzehnten. Den Dithmarscher Bauern sei es - nach Dahlmann[4] - im Jahr 1145 mit Hilfe einer List gelungen sein, sich des ungeliebten Regenten zu entledigen: In Kornsäcken versteckt ließen sich einige Bauern frühmorgens auf einem Wagen in die Burg bringen. Wie vereinbart öffneten sie die Säcke beim Ertönen des Schlachtrufs „Röhret de Hann, snidet de Sacksbann!“ (Rühret die Hände, zerschneidet die Sackbände). Sie setzten die Burg in Brand, töteten den Grafen samt seiner Gattin Walburga und gewannen so ihre Freiheit wieder.

Burger Petrikirche

Dieses Schauspiel wird im Fünf-Jahres-Rhythmus anlässlich des Holzmarktfestes von örtlichen Laienschauspielern in niederdeutscher Sprache aufgeführt.

Tatsächlich nachvollziehbar ist dieses Ereignis nicht, da weder Tathergang noch -ort in einer zeitgenössischen Quelle auftaucht, sondern erst etwa 300 Jahre nach dem Tod des Grafen im Chronicon Holtzatiae des Chronisten Presbyter Bremensis erwähnt wird. In den Stader- und Magdeburger Annalen heißt es lediglich, dass die Tat am 14. März 1144[5] im tedmarsgoi (Dithmarscher Gau) geschah. Rudolfs Gemahlin hieß auch nicht Walburga sondern Elisabeth von der Steiermark und kam auch nicht um, sondern heiratete später Herzog Heinrich V. von Kärnten.

Bereits Ende 1144 erklärte sich Heinrich der Löwe zum Erben Rudolfs II. Mit Adolf II. von Holstein besetzte er 1148 das Land und zwang die Dithmarscher zu hohen Tributzahlungen.

Der Legende nach wurde die Burger Petrikirche zur Sühne für den Mord am Regenten um das Jahr 1150 errichtet. Für die östliche Feldsteinmauer seien die Reste des Fundaments der Bökelnburg verwendet worden.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Burg (Dithmarschen)

Museen[Bearbeiten]

Waldmuseum Burg

Das Waldmuseum ist Teil des Naturerlebnisraumes Burg. Das Museum ist in einem 21 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Wulffsboom errichtet und damit einer der höchsten Punkte Dithmarschens. Von dort aus lässt sich die Elbmündung sehen. Das Museum widmet sich vor allem der heimischen Flora und Fauna.

Das Waldmuseum ging 1968 aus dem Naturkundeunterricht der örtlichen Realschule hervor und ist seit 1979 im Turm untergebracht. Heute ergänzt ein moderner Anbau das Museum.

Seit 2003 hat Burg außerdem ein eigenes Heimatmuseum, das Burger Museum. Es vermittelt einen Einblick in Handel, Handwerk und Schifffahrt der Gemeinde Burg in den letzten Jahrhunderten und verfügt über das Originalinventar mehrerer solcher Betriebe, u.a. einer ehemals königlich privilegierten Landapotheke.

Stolperstein für Gerhard Kratzat in der Gartenstraße in Burg
Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal

Stolpersteine[Bearbeiten]

In Burg gibt es zwei Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus: für Willi Max Beenke in der Kleinen Schulstr. 7 und für Gerhard Kratzat in der Gartenstr. 15.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Eine kleine Fährverbindung über den Nord-Ostsee-Kanal verbindet Burg mit dem Kreis Steinburg. Richtung Süden wird es über Wilster mit der Bundesstraße 5 an die Bundesautobahn 23 angebunden, im Norden mit der BAB-Ausfahrt Schafstedt.

Burg verfügt über eine Station an der Eisenbahn-Hauptstrecke Hamburg–Sylt (so genannte Marschbahn), die die Nord-Ostsee-Bahn stündlich bedient. Der Burger Bahnhof wurde im Zuge des Baus der Hochbrücke Hochdonn 1920 in Betrieb genommen und ist denkmalgeschützt.

Tourismus[Bearbeiten]

Burg liegt an der im Mai 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße, außerdem an der Grünen Küstenstraße.

Feuerwehrwesen[Bearbeiten]

Den Brandschutz stellt seit 2009 eine Pflichtfeuerwehr sicher. Nach einem Massenaustritt der Feuerwehrmänner aus der bis dahin bestehenden Freiwilligen Feuerwehr wurde es notwendig, eine solche einzurichten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Mit Burg verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zur Bökelnburg: Herbert Jankuhn: Die Bökelnburg bei Burg in Dithmarschen, in: ZSHG 79 (1955), S. 105 bis 126.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Die Dithmarscher und die Bökelenburg – von Bernhard Endrulat aus „Von einem verlorenen Posten. Ein Buch der Erinnerung an Schleswig-Holstein.“ Gustav Carl Würger, Hamburg 1857
 Commons: Burg (Dithmarschen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeindevertreter der Gemeinde Burg (Dithmarschen) (PDF; 38 kB)
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. Anhang zum ersten Bande des Neokorus, 1827, Reprint 1978, S. 577
  5. Annales Magdeburgensis zu 1144: Rothulfus comes de Staden interfectus est a Transalbianis Saxonibus, qui tedmarsgoi dicuntur, propterea quia oppressiones eius diutius ferre noluerunt. (Graf Rudolf von Stade ist von den transalbingischen Sachsen, die Dithmarscher genannt werden, erschlagen worden, weil sie nicht länger seine Unterdrückung ertragen wollten)
  6. http://www.stolpersteine-dithmarschen.tk/