Kelsterbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kelsterbach
Kelsterbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kelsterbach hervorgehoben
50.0688194444448.5301388888889104Koordinaten: 50° 4′ N, 8° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Groß-Gerau
Höhe: 104 m ü. NHN
Fläche: 15,38 km²
Einwohner: 13.810 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 898 Einwohner je km²
Postleitzahl: 65451
Vorwahl: 06107
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 007
Adresse der
Stadtverwaltung:
Mörfelder Straße 33
65451 Kelsterbach
Webpräsenz: www.kelsterbach.de
Bürgermeister: Manfred Ockel (SPD)
Lage der Stadt Kelsterbach im Kreis Groß-Gerau
Ginsheim-Gustavsburg Bischofsheim (Mainspitze) Rüsselsheim Raunheim Kelsterbach Trebur Nauheim Mörfelden-Walldorf Riedstadt Groß-Gerau Büttelborn Stockstadt am Rhein Biebesheim am Rhein Gernsheim Wiesbaden Main-Taunus-Kreis Frankfurt am Main Rheinland-Pfalz Kreis Bergstraße Landkreis Offenbach Darmstadt Landkreis Darmstadt-DieburgKarte
Über dieses Bild
Kelsterbach vom Sindlinger Mainufer aus

Kelsterbach ist eine kreisangehörige Stadt im hessischen Kreis Groß-Gerau mit über 13.000 Einwohnern. Sie liegt am südwestlichen Stadtrand von Frankfurt am Main in einem Flussbogen am linken Mainufer unmittelbar an der Mündung des gleichnamigen Bachlaufs.

Das ursprünglich weitgehend landwirtschaftlich geprägte Dorf wandelte sich nach dem Bau der Bahnlinie Frankfurt–Mainz ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts stark. Die Ansiedlung großer Fabriken und die Nachbarschaft zu den Chemiewerken in Höchst am Main und Griesheim zog einen großen Bevölkerungszuwachs nach sich. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Unternehmen hinzu, die mit dem nahe gelegenen Frankfurter Flughafen in Beziehung stehen. Die Stadt ist bedeutender Standort für Logistikdienstleister und chemische Produktion.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am linken beziehungsweise östlichen und südöstlichen Ufer des Flusses Main und westlich des Frankfurter Stadtwalds. Der allgemein als Unterdorf bezeichnete ursprüngliche Ortskern im Norden des Stadtgebiets grenzt sich scharf von dem wesentlich größeren, allgemein Oberdorf genannten Siedlungsbereich ab, der erst mit dem Bau der Bahnlinie und der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts oberhalb der etwa 17 Meter hohen Kelsterbacher Terrasse entstand, die sich vom Frankfurter Stadtwald acht Kilometer nach Westen zieht. Kelsterbach ist Teil der Stadtregion Frankfurt sowie der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Kelsterbach grenzt im Westen an Okriftel, einen Stadtteil von Hattersheim am Main (Main-Taunus-Kreis), im Norden an die Stadtteile Sindlingen, Höchst und Schwanheim der kreisfreien Stadt Frankfurt am Main, im Osten und Süden an das Areal des Flughafens Frankfurt am Main sowie im Südwesten an die Stadt Raunheim.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zwar ist im Volksmund für den alten Ort am Main vom Unterdorf die Rede, während die Lage oberhalb der Kelsterbacher Terrasse Oberdorf genannt wird, offiziell gibt es jedoch keine Ortsteile.

Geschichte[Bearbeiten]

Steinzeit[Bearbeiten]

Bis vor kurzer Zeit wurde Kelsterbach als der Ort geführt, bei dem der älteste anatomisch moderne Mensch Europas gefunden wurde. Der als Dame von Kelsterbach bekannt gewordene und auf ein Alter von 32.000 Jahren datierte angebliche Schädel eines Cro-Magnon-Menschen verschwand jedoch spurlos im Jahre 2004 im Zusammenhang mit dem Skandal um den Anthropologen Reiner Protsch und war wohl eine Fälschung. Aus der Mittelsteinzeit wurden im Bereich der Kelsterbacher Terrasse Mikrolithen gefunden. Ob es sich dabei um Siedlungsspuren handelt, muss dahingestellt bleiben. Auch aus zahlreichen in alle Epochen der Jungsteinzeit datierten Keramikfunden kann nicht unbedingt auf eine dauerhafte Besiedelung geschlossen werden.

Bronze- und Eisenzeit[Bearbeiten]

Eine Besiedelung ist dagegen für die Bronzezeit wahrscheinlich. Erste wertvolle Funde aus der Frühzeit dieser Epoche wurden bereits im Jahr 1937 gemacht. 1972 wurden dann beim Bau der Kelsterbacher Spange an der Kante der Kelsterbacher Terrasse zwischen Römerschneise und Schwedenschanze mehrere bronzezeitliche Fundkomplexe angeschnitten. Aus dem Gesamtbild der archäologischen Auswertungen ergibt sich die Annahme einer mittel- bis spätbronzezeitlichen Ansiedlung etwa 10–15 Meter oberhalb des Mains. Aus der älteren Eisenzeit (700–450 v. Chr.) liegen ebenfalls verschiedene Siedlungsspuren vor.

Die Römer[Bearbeiten]

Frühere Funde gaben bereits Veranlassung, eine römische Ansiedlung des 3. Jahrhunderts in der Kelsterbacher Mainniederung zu vermuten. 1973 in der Flur Auf dem Weilsee gefundene Ziegelteile und Münzen in römischen Brandgräbern waren Anlass zu geophysikalischen Untersuchungen in den Jahren 2001 und 2003. Dabei fanden sich deutliche Gebäudestrukturen. Das Institut für archäologische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main führte 2004 und 2005 umfangreiche Grabungen aus. Dabei kam mit zahlreichen Nebenfunden ein Gebäude mit Brunnen zu Tage, das als Kleinvilla angesprochen wird. Die Datierung konnte auf 200–220 n. Chr. vorgenommen werden. Nach dem Fall des Limes um 260 wurde sie aufgegeben.[2]

Mittelalter[Bearbeiten]

Wegen des Ortsnamens wird eine fränkische Gründung Gelsterbach vermutet (gelster = laut rauschend). Als Grundlage dieser Bezeichnung kann der namensgebende, als spärliches Rinnsal dahin ziehende Bach, der in den Schwanheimer Wiesen [3] entspringt, aber kaum gelten, selbst wenn er früher deutlich mehr Wasser geführt hätte. Die erste urkundliche Erwähnung fand Gelsterbach, wie eine große Zahl weiterer Orte, im Lorscher Kodex (ca. 850 n. Chr.). Über viele Jahrhunderte gehörte Kelsterbach dann zum Wildbann Dreieich, dessen zentrale Verwaltung auf der Burg Hayn ansässig war. Auch nach dem Übergang der Territorialherrschaft an Ysenburg im Jahr 1433 bestand das königliche Jagdrecht weiter, Kelsterbach gehörte nun jedoch zum Amt Langen. Graf Anton I. von Ysenburg-Ronneburg trat 1533 zum Luthertum über, band aber erst nach dem Augsburger Religionsfrieden die Bevölkerung an den herrschaftlichen Glauben. Bei der Erbteilung 1565 übernahm Graf Wolfgang von Ysenburg-Ronneburg die Regentschaft. 1566 begann er mit dem 21 Jahre dauernden Bau des Kelsterbacher Schlosses, dessen Aussehen vor allem durch einen Stich von Matthäus Merian überliefert ist. Der Sitz des Amtes Langen wurde nach Kelsterbach verlegt. Durch den Glaubensübertritt des Landesherrn wurde Kelsterbach im Jahr 1583 calvinistisch. In diesem Jahr gründete der Graf auch die erste Schule. Nach seinem Tod im Dezember 1597 wurde er in der Kelsterbacher Schlosskapelle beigesetzt. Sein Nachfolger wurde sein Bruder Heinrich, der Wolfgang um 4 Jahre überlebte. In dieser Zeit führte er die ererbten Gebiete wieder dem Luthertum zu. Dies führte zu erheblichen Spannungen im Ysenburger Grafenhaus. Angesichts des nahen Todes handelte Heinrich daher einen Vertrag mit Landgraf Ludwig aus, wonach das Amt Kelsterbach nach seinem Tod an Hessen-Darmstadt fallen sollte, um eine Rückkehr zum reformierten Glauben zu verhindern.

Neuzeit[Bearbeiten]

Kelsterbach – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
Neubarocke katholische Herz-Jesu-Kirche

Der heimliche Verkauf des Amtes Kelsterbach an Hessen-Darmstadt führte zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten vor dem Reichskammergericht, die sich von 1601 bis 1711 mit wechselnden Vorteilen hinzogen und letztlich mit einer vollständigen Niederlage des Hauses Ysenburg-Büdingen endeten. Zwischenzeitlich war das Kelsterbacher Schloss im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden zerstört worden. Landgraf Ernst Ludwig plante ob der verkehrsgünstigen Lage, Kelsterbach zu einer Handwerkerstadt auszubauen. Von 1699 bis 1712 wurde dazu die großzügig angelegte heute noch bestehende Neukelsterbacher Straße mit zweigeschossigen Wohn- und Arbeitshäusern errichtet, in der calvinistische Flüchtlinge angesiedelt werden sollten. Vielfältige Probleme führten zum Scheitern dieses Vorhabens.

Mitte des 18. Jh. übernahm Landgraf Ludwig VIII. eine zuvor private Fayence-Fabrik, um daraus eine Porzellanmanufaktur zu machen. Der in Meißen ausgebildete Porzellanmaler Christian Daniel Busch wurde mit deren Leitung beauftragt. Namhaftester in Kelsterbach arbeitender Porzellankünstler war Carl Vogelmann. Die Manufaktur (Kelsterbacher Porzellan) bestand nur zwischen den Jahren 1761 bis 1768, ihre Produkte sind in der Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung in Darmstadt ausgestellt und können in einem Online-Katalog eingesehen werden. 2011 wurden im Prinz-Georg-Palais in Darmstadt die Sammlungsteile mit Kelsterbacher Porzellan anlässlich der 250-Jahr-Feier der Manufaktur gezeigt.[4] 1756 wurde der Amtssitz nach Mörfelden verlegt, der Name Amt Kelsterbach blieb dennoch bestehen.

Evangelische St.-Martins-Kirche

Im 1821 gegründeten Darmstädtischen Verwaltungsbezirk Groß-Gerau, der schon 1832 als Kreis Groß-Gerau institutionalisiert wurde, wurden die Verwaltungsbezirke neu organisiert und das ehemalige Amt Kelsterbach aufgeteilt. Der Amtssitz befand sich nun in Langen. Fortan teilte Kelsterbach bis heute die Geschichte und territoriale Zuordnung des Kreises Groß-Gerau.

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Langen und ab 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Langen. Ab 1957 war für Kelsterbach das Amtsgericht Frankfurt am Main und seit 1971 ist das Amtsgericht Rüsselsheim zuständig.

1900 wurde die Arbeitersiedlung Helfmannstraße gebaut. Einen großen Entwicklungsschritt bedeutete 1904 die Umwandlung der im Jahr 1899 gegründeten Waggonfabrik in die Vereinigte Kunstseidenfabrik, später Vereinigte Glanzstoff AG. Dieses Werk bestimmte sodann für nahezu einhundert Jahre wesentlich die weitere Entwicklung des damals etwa 3.000 Einwohner zählenden Ortes, ehe es im Jahr 2000 der Globalisierung zum Opfer fiel. Großes Kopfzerbrechen bereitet derzeit die weitere Verwendung des riesigen, mitten im Ort gelegenen Areals.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich in Kelsterbach ein Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter, die meist aus Osteuropa stammten. Daher wurde es auch Russenlager genannt. Das Lager befand sich in der Nähe der Autobahn beim heutigen Umspannwerk.

Erhebliche Gemarkungsflächen gingen bei Gründung der Gemeinde Zeppelinheim 1938 und schließlich 1977 im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch die zunehmende Ausdehnung des südlich angrenzenden Frankfurter Flughafens verloren.[5] Kelsterbach musste seinen gesamten, 733 Hektar großen Anteil am Flughafengelände an die Stadt Frankfurt abgeben.[6] Da eine wichtige finanzielle Grundlage verloren zu gehen drohte wurde eine „Vorteilsausgleichszahlung“ vereinbart.[7] Die Ausdehnung des Flughafengeländes dauert weiterhin an (Bau der Landebahn Nordwest 2011) und stellt die kommunale Selbständigkeit zunehmend in Frage, da Kelsterbach mehr und mehr vom übrigen Gebiet des Kreises Groß-Gerau abgeschnitten wird. Durch die Mitgliedschaft im 1975 gegründeten Umlandverband Frankfurt konnte die im Raum stehende Eingliederung in die Stadt Frankfurt seinerzeit abgewendet werden.

Kelsterbach erhielt die Stadtrechte 1952, gemeinsam mit Raunheim.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[8]:

  • 1606: 34 Personen und Hausgesessene
  • 1629: 20 Hausgesessene
  • 1694: 113 Einwohner
  • 1829: 930 Einwohner
  • 1939: 5.829 Einwohner
  • 1961: 11.228 Einwohner
  • 1970: 14.954 Einwohner
  • 2009: 13.363 Einwohner
  • 2012: 13.810 Einwohner
Kelsterbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.041
1840
  
1.031
1846
  
1.125
1852
  
1.256
1858
  
1.213
1864
  
1.301
1871
  
1.306
1875
  
1.419
1885
  
1.784
1895
  
1.914
1905
  
3.102
1910
  
4.012
1925
  
4.729
1939
  
5.829
1946
  
6.699
1950
  
8.373
1956
  
9.679
1961
  
11.228
1967
  
13.517
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Religionen[Bearbeiten]

In Kelsterbach gibt es drei Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: die Christuskirchengemeinde,[9] die Friedensgemeinde,[10] und die St. Martinsgemeinde. Zum Dekanat Rüsselsheim im Bistum Mainz der katholischen Kirche zählt die Kirchengemeinde Herz-Jesu, die Gottesdienste in der Herz-Jesu-Kirche und in der Sankt-Markus-Kirche feiert.[11]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
44,8 %
21,3 %
20,2 %
7,7 %
4,0 %
2,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-10,4 %p
+8,6 %p
-6,0 %p
+7,7 %p
+4,0 %p
-3,9 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 44,8 17 55,2 20
WIK Wählerinitiative Kelsterbach 21,3 8 12,7 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 20,2 7 26,2 10
Freie Wähler Freie Wähler 7,7 3
DIE LINKE Die Linke 4,0 1
E.U.K. Europäische Union Kelsterbach 2,0 1 5,9 2
gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 45,7 42,7

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister war bis 30. April 2008 Erhard Engisch (SPD). Er wurde 1997 als erster Bürgermeister der Stadt direkt gewählt. Bei der Wahl 2003 wurde er in seinem Amt bestätigt. Im Februar 2008 gab er jedoch seinen Rücktritt bekannt. Bis zur Neuwahl eines Bürgermeisters wurden die Amtsgeschäfte kommissarisch durch den Ersten Stadtrat Manfred Ockel (SPD) geführt, welcher am 1. Oktober 2008 mit 84,3 % der Stimmen zum Bürgermeister der Stadt Kelsterbach gewählt wurde, bei einer Wahlbeteiligung von 31,6 %.[12]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Kelsterbach hat eine Anschlussstelle an die A 3, über die B 40a und einen Autobahnzubringer gelangt man schnell auf die A 66. Die B 43 führt durch das Stadtgebiet von Kelsterbach. Seit Frühjahr 2010 ist die B 43 durch die Ortslage Kelsterbachs zu einer Ortsstraße abgestuft worden und ist nunmehr in die Verantwortung der Stadt übergegangen. Die Verantwortlichen der Stadt haben eine umfangreiche neue Verkehrsregelung erarbeitet, die sicherstellen soll, dass der gesamte Schwerlastverkehr (ab 3,5 Tonnen) über die B 40, den Airportring und die Okrifteler Straße umgeleitet werden. Somit wollen die Verantwortlichen sicherstellen, dass der rege Durchgangsverkehr auf der alten B 43 verhindert wird und der für die Kelsterbacher Gewerbegebiete bestimmte Zielverkehr über die Anschlussstelle Kelsterbach Süd der A3 Kelsterbach erreicht.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Bahnhof Kelsterbach

Durch Kelsterbach führt die Mainbahn, von ihr zweigt im Bahnhof Kelsterbach die Flughafenstrecke zum Flughafen Frankfurt am Main ab.

Auf beiden Strecken fahren die S-Bahn-Linien S8 und S9. Diese führen binnen drei Minuten zum Frankfurter Flughafen, in fünfzehn Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof sowie in 30 Minuten in die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

In Kelsterbach verkehren vier Buslinien der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft des Kreises Groß-Gerau (LNVG GG) und eine Linie der traffiQ aus Frankfurt am Main. Die Linien wurden in Rahmen von Ausschreibungen an die Firmen Regionalverkehr Kurhessen (RKH) und Autobus Sippel vergeben.

Liniennummer bestellendes Unternehmen Auftragnehmer Linienführung
68 traffiQ Autobus Sippel Frankfurt-Schwanheim – Kelsterbach Gesamtschule
72 LNVG GG RKH (Ginsheim –) Bischofsheim – Rüsselsheim – Raunheim – Kelsterbach – Flughafen Frankfurt am Main
73 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach Friedhof – Rathaus – Flughafen Frankfurt am Main
74 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach Sportpark – Rathaus – Berliner Straße
75 LNVG GG RKH Stadtbus Kelsterbach (Friedhof –) Sportpark – Rathaus – Berliner Straße (– Niederhölle)
78 LNVG GG RKH Stadtbus Raunheim Raunheim Bahnhof -  Gewerbegebiet Mönchhof – Kelsterbach Bahnhof

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Feuerwache in Kelsterbach

Im Jahr 1926 entstand im Zuge des Baus der Nord-Süd-Leitung in der Nähe von Kelsterbach eine große Umspannanlage. Heute verfügt dieses Umspannwerk, welches der RWE AG gehört, über die Spannungsebenen 380, 220 und 110 kV. Wegen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens mussten die zu diesem Umspannwerk von südlicher Richtung kommenden Hochspannungsleitungen mehrfach neu verlegt werden. Sie werden heute auf Masten mit niederer Bauhöhe in Einebenenanordnung westlich des Frankfurter Flughafens vorbeigeführt. Wegen des geplanten Baus der Landebahn Nordwest wurde das Umspannwerk in den Jahren 2006 und 2007 verlegt und modernisiert.

Kelsterbach verfügte über ein großes kombiniertes Hallen- und Freizeitbad, das im März 2008 geschlossen wurde und mittlerweile durch ein neues und kleineres Sport- und Freizeitbad ersetzt wurde. Außerdem sind eine der größten und modernsten Stadtbüchereien im Kreis Groß-Gerau (Hessischer Bibliothekspreis 2008) sowie eine Integrierte Gesamtschule, mehrere Grundschulen und eine Sonderschule vorhanden. Als einzige kreisangehörige Kommune in Hessen (abgesehen von den Städten ab 50.000 Einwohnern mit Sonderstatus) hat Kelsterbach noch selbst die Schulträgerschaft. Die sieben Kindergärten unter kirchlicher Leitung werden von der Stadt koordiniert und finanziell unterstützt. Im ehemaligen Schloss ist ein Jugendzentrum untergebracht.

Ausgeprägte Einkaufsmöglichkeiten sind – abgesehen von Lebensmittelmärkten – derzeit vor Ort kaum vorhanden, jedoch ist ein Einkaufszentrum im Bau (Stand 2008).

Kelsterbach von Süden, im Vordergrund der Flughafen Frankfurt am Main, im rechten Hintergrund die Frankfurter Stadtteile Sindlingen und Höchst

Zur Naherholung stehen das schön angelegte Mainufer, der im Sommer stark frequentierte Südpark und ein ausgedehnter Stadtwald mit See und Wildgehege zur Verfügung. Abgesehen vom Mainufer werden diese Flächen aber weitgehend von der Fraport AG für die Ende 2007 von der Planfeststellungsbehörde genehmigte Erweiterung des Frankfurter Flughafens beansprucht. – Oberhalb des Kelstergrundes ist – unweit des Schwimmbads – noch der Standort der Schwedenschanze bekannt, von dem aus die Schweden im Dreißigjährigen Krieg das damalige Schloss zerschossen.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Am Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Kelsterbach profitiert von und leidet gleichzeitig an der Nähe zum Frankfurter Flughafen, das Gewerbegebiet Kelsterbach-Süd grenzt direkt an den Flughafen an. Zahlreiche Logistik-Dienstleister haben hier Niederlassungen, unter anderem

Auf dem 110 Hektar großen Mönchhof-Gelände, dem ehemaligen Raffinerie-Standort am Main, wird durch die Fraport AG ein neues Industrie- und Gewerbegebiet erschlossen, auf dem sich mittlerweile die ersten Unternehmen – überwiegend weniger personalintensive Logistikfirmen – angesiedelt haben. Insgesamt sollen hier bis zu 6.000 Arbeitsplätze entstehen.

Stadt der Vereine[Bearbeiten]

In den Sportstätten und den städtischen Räumlichkeiten findet ein reges Vereinsleben (ca. 90 Vereine und Organisationen) statt. Kelsterbach nennt sich daher auch Stadt der Vereine. Neben vielen kulturellen Veranstaltungen ist Kelsterbach weit über die Stadtgrenzen hinaus für seine traditionelle Kerb am ersten Sonntag im September bekannt, die auch heute noch von einer großen Zahl sogenannter Kerweborsch getragen wird. Auch das Altstadtfest eine Woche später wird wesentlich durch die Beteiligung der örtlichen Vereine mit gestaltet.

Die Kelsterbacher Vereine, Organisationen und Verbände organisieren außerdem eigene Veranstaltungen im Bereich des Sports, der Musik und des Gesangs, aber auch in der Aus- und Fortbildung, der Hobbykunst und diversen Feldern des öffentlichen und sozialen Lebens sind sie tätig. Dabei ist auch die DLRG Kelsterbach, die eine der erfolgreichsten Mannschaften im Rettungsschwimmen besitzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Kelsterbach stammen unter anderem:

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadt Kelsterbach. Wegweiser. 9. Auflage. Mering: WEKA, Informationsschriften- und Werbefachverlag, 2001, 32 S.
  • Heising, Alexander: Hirschkult in Kelsterbach. Das römische Gebäude „Auf der Steinmauer“ und die Interpretation möglicher Kultpraktiken in der Provinz Germania superior. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Kelsterbach 18, hrsg. Volksbildungswerk Kelsterbach e. V., 2008, ISBN 978-3-00-026425-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kelsterbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Institut für Archäologische Wissenschaften: Ein römisches Gebäude in Kelsterbach. Lehrgrabung 2004 und 2005; Literatur: Alexander Heising: Hirschkult in Kelsterbach. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte von Kelsterbach 18, Kelsterbach 2008 ISBN 978-3-00-026425-2.
  3. [_id_inhalt=42081 Stadtgewässer auf frankfurt.de], abgerufen am 22. Februar 2014
  4. FAZ vom 2. April 2011, Seite 63: Liebeserklärungen auf der Fürstentafel
  5. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach vom 26. Juni 1974 (GVBl. I S. 316), § 12 Stadt Frankfurt am Main
  6. Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsvertrag am 14. Oktober 1975 mit Frankfurt/M.
  7. , Kelsterbach … ist mein Leben – Friedrich Treutel (Biographie), Seite 34/35 (Abgerufen im Nov. 2012; PDF; 3,4 MB)
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKelsterbach, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 20. November 2012.
  9. Christuskirchengemeinde im Internet (Abgerufen im Nov. 2012)
  10. Friedensgemeinde im Internet (Abgerufen im Nov. 2012)
  11. Pfarrei Herz Jesu im Internet (Abgerufen im Nov. 2012)
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Kelsterbach