Literaturjahr 1982

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

◄◄1978197919801981Literaturjahr 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 |  | ►►
Weitere Ereignisse

Ereignisse[Bearbeiten]

Ostfassade des Freiburger Theaters
  • Köln/Freiburg im Breisgau: Gleich zwei Theaterinszenierungen von Dramen William Shakespeare erzürnten das Publikum in Köln und in Freiburg Anfang 1982. Luc Bondy hatte es bei seiner Interpretation von Macbeth am Schauspiel Köln gewagt, drei nackte Hexen und ein ebenso hüllenfreies Königspaar zu präsentieren, Valentin Jeker missglückte bei seiner Wahl des Hamlets am Theater Freiburg mit einem faulen und adipösen Hauptdarsteller, Martin Sperr, den Die Zeit auch als „Selbstdarsteller“ bezeichnete. Dennoch seien beide Umsetzungen weit davon entfernt gewesen, regelrecht skandalös zu sein: „Seltsamerweise sind beide Aufführungen eher zarter als spektakulärer Natur, von den provokativen, „entlarvenden" Mitteln eines rabiaten Regie Theaters weit entfernt. Beide Aufführungen auch meinen es gut mit Shakespeares Figuren, dämonisieren sie nicht, stellen sie nicht hämisch bloß. Keine Titanen, keine Monster, keine Mordmaschinen werden vorgeführt, sondern schwache, schutzlose, oft klägliche Menschen.“[1]
Felix Mitterer
  • Hall in Tirol/Tirol: Die neben Karl Schönherrs Glaube und Heimat und Fritz von Herzmanovsky-Orlandos Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter geplante Uraufführung von Felix Mitterers Stigma im Rahmen der Tiroler Volksschauspiele in Hall wird nach der Lektüre des Stücks durch den dortigen Bürgermeister untersagt. Daraufhin wurde zunächst versucht, einen anderen Spielort in Innsbruck oder in Wien zu finden, bevor der eigentliche Theaterskandal anfing, indem das Stück zunächst in einem Leserbrief als „schmutziges porno-blasphemisch-anarchistisches Theater“ beschimpft wurde.[2] Im Juni forderten die Europäischen Bürgerinitiativen zum Schutze der Menschenwürde konkret die Streichung zweier Szenen. Das Medienecho im deutschsprachigen Raum war groß, die eigentliche Premiere im Fenster erfolgte jedoch ohne den erwarteten Eklat.[3]
  • Das erste Buch der rumäniendeutschen Schriftstellerin Herta Müller, Niederungen, wird in Rumänien lediglich zensiert veröffentlicht, nachdem es vier Jahre lang beim Verlag unbearbeitet lag. 1984 erscheint es in der Originalversion in Deutschland.[4][5]

Preise[Bearbeiten]

Gabriel García Márquez
  • Michael Bishop, No Enemy But Time, Nur die Zeit zum Feind, Kategorie: Bester Roman
  • John Kessel, Another Orphan, Eine andere Waise, Kategorie: Bester Kurzroman
  • Connie Willis, Fire Watch, Brandwache, Kategorie: Beste Erzählung
  • Connie Willis, A Letter from the Clearys, Ein Brief von den Clearys, Kategorie: Beste Kurzgeschichte
  • C. J. Cherryh, Downbelow Station, Pells Stern, Kategorie: Bester Roman
  • Poul Anderson, The Saturn Game, Das Saturnspiel, Kategorie: Bester Kurzroman
  • Roger Zelazny, Unicorn Variation, Die Einhorn-Variante auch: Einhorn-Varianten, Kategorie: Beste Erzählung
  • Clifford D. Simak, Grotto of the Dancing Deer, Grotte des tanzenden Wildes, Kategorie: Beste Kurzgeschichte
  • Julian May, The Many-Colored Land, Das vielfarbene Land, Kategorie: Bester SF-Roman
  • Gene Wolfe, The Claw of the Conciliator, Die Klaue des Schlichters, Kategorie: Bester Fantasy-Roman
  • Somtow Sucharitkul, Starship & Haiku, Das letzte Haiku verhallt, Kategorie: Bester Erstlingsroman
  • John Varley, Blue Champagne, Kategorie: Bester Kurzroman
  • George R. R. Martin, Guardians, Kategorie: Beste Erzählung
  • John Varley, The Pusher, Kategorie: Beste Kurzgeschichte
  • George R. R. Martin, Sandkings, Kategorie: Beste Sammlung
  • Robert Lynn Asprin, Shadows of Sanctuary, Kategorie: Beste Anthologie
  • Wolfgang Jeschke, Der letzte Tag der Schöpfung, Kategorie: Bester Roman
  • Wolfgang Jeschke, Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung, Kategorie: Beste Erzählung
  • Ronald M. Hahn, Ein paar kurze durch die Zensur geschmuggelte Szenen aus den Akten der Freiheit & Abenteuer GmbH, Kategorie: Beste Kurzgeschichte
  • Horst Pukallus, Kategorie: Bester Übersetzer
  • Wolfgang Jeschke als Förderer der deutschen SF und Herausgeber des Heyne Science Fiction Magazin, Sonderpreis

Neue Bücher[Bearbeiten]

Belletristik

Sachliteratur

Geboren[Bearbeiten]

Rabea Edel
Uzodinma Iweala bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse am 17. Oktober 2008

Gestorben[Bearbeiten]

Porträt Philip K. Dicks von Pete Welsch
Dramaturg Heinar Kipphardt (Mitte) bei der Besprechung eines Bühnenbild-Entwurfs für das Deutsche Theater

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Literatur – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Literatur

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Skandal Shakespeare. In: Die Zeit. 5. Februar 1982. Abgerufen am 18. März 2012.
  2. Gudrun Priester: Der Skandal um Felix Mitterers „Stigma“. Eine Analyse der Medienmechanismen. Universität Innsbruck, Diplom-Arbeit, 2006, S. 48.
  3. Linda Müller: Großes Theater ums Volkstheater. Überlegungen zu Felix Mitterers "Stigma" und zur Mitterer-Rezeption. In: www.literaturkritik.at. 19. Dezember 2011. Abgerufen am 18. März 2012.
  4. http://www.buecher.de/autor/herta-mueller/vnode/2/autor_id/953/
  5. Verena Auffermann in: Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur. C. Bertelsmann Verlag 2009, S. 378-382.
  6. http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1983/