Charleroi

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Charleroi
Héraldique Ville BE Charleroi.svg Drapeau ville be Charleroi.svg
Charleroi (Hennegau)
Charleroi
Charleroi
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Hennegau
Bezirk: Charleroi
Koordinaten: 50° 25′ N, 4° 27′ OKoordinaten: 50° 25′ N, 4° 27′ O
Fläche: 102,08 km²
Einwohner: 201.816 (1. Jan. 2018)
Bevölkerungsdichte: 1.977 Einwohner je km²
Postleitzahl: 6000, 6001, 6010, 6020, 6030–6032, 6040–6044, 6060, 6061
Vorwahl: 071
Bürgermeister: Paul Magnette (PS)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Hôtel de Ville
Place Charles II 14–15
6000 Charleroi
Website: www.charleroi.be
lblelslh

Charleroi ​[ʃaʁləʁwa] (wallonisch Tchålerwè)[1] ist eine Stadt in der Provinz Hennegau in der Wallonischen Region Belgiens und die Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements. Mit 201.816 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2018) ist Charleroi die drittgrößte Gemeinde Belgiens und die größte Gemeinde der Wallonie. Die Einwohner Charlerois werden Carolorégiens oder Carolos genannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charleroi: Stadtteile und Nachbargemeinden

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charleroi liegt zu beiden Seiten der Sambre und befindet sich etwa 50 km südlich von Brüssel. Die Stadt grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) an die Gemeinden Les Bons Villers (a), Fleurus (b), Châtelet (c), Gerpinnes (d), Ham-sur-Heure-Nalinnes (e), Montigny-le-Tilleul (f), Fontaine-l’Évêque (g), Courcelles (h) und Pont-à-Celles (i). Charleroi liegt in einem großen kohlehaltigen Becken. Zwar wird heute keine Kohle mehr gefördert, doch finden sich noch zahlreiche Bergehalden im Umkreis der Stadt.

Blick auf Charleroi
Rathaus mit Belfried an der Place Charles II (erbaut 1936)
Einkaufsstraße

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die belgische Gebietsreform im Jahre 1977 wurde die ursprüngliche Gemeinde Charleroi mit den umliegenden Gemeinden Couillet (VI), Dampremy (II), Gilly (IV), Gosselies (XIV), Goutroux (XI), Jumet (XIII), Lodelinsart (III), Marchienne-au-Pont (IX), Marcinelle (VII), Monceau-sur-Sambre (X), Montignies-sur-Sambre (V), Mont-sur-Marchienne (VIII), Ransart (XV) und Roux (XII) zur heutigen Großgemeinde zusammengelegt.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Charleroi herrscht gemäßigtes maritimes Klima. Im Durchschnitt werden in Charleroi 200 Regentage pro Jahr gezählt.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Charleroi
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 2 2 6 8 12 15 17 17 14 10 6 3 Ø 9,4
Niederschlag (mm) 67 53 52 52 62 70 76 75 70 72 71 73 Σ 793
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Quelle: www.meteo.be

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge von Charleroi gehen zurück auf das 863 in einem Dokument der Abtei Lobbes erstmals schriftlich erwähnte Dorf Carnotus, das in der Folge Karnoit (980) und Charnoy (1188) benannt wurde und der Grafschaft Namur angehörte.

Charleroi mit Festungsring (in etwa 1775)

1659 führte der Pyrenäenfriede zu einem neuen Grenzverlauf zwischen den Spanischen Niederlanden und Frankreich. Mehrere spanische Festungen fielen durch den Friedensvertrag an Frankreich, so dass nun aus spanischer Sicht zwischen Mons im Hennegau und Namur an der Maas eine unbefestigte Lücke klaffte und die Verteidigung in Richtung Brüssel unterbrochen war. Am 3. September 1666 erwarb der Gouverneur der Niederlande, Francisco de Moura, im Namen des damals erst fünfjährigen spanischen Königs Karl II. die Grundherrschaft über das Dorf Charnoy, um dort eine neue Festungsanlage zu errichten. Charnoy wurde hierbei zu Ehren des Königs in Charleroy umbenannt. Noch bevor die Festung fertiggestellt werden konnte, fiel diese 1667 im Devolutionskrieg kampflos an Frankreich. Am 2. Juni 1667 besichtigte Ludwig XIV. die von den Spaniern beim Abzug zum Teil zerstörte Anlage und ordnete deren Wiederaufbau an. Unter der Leitung von Thomas de Choisy und Charles Chamois wurde die Festung – nun als französischer Grenzposten – 1668 vollendet.

Von 1794 bis 1800 trug die Stadt den „Revolutionsnamen“ Libre-sur-Sambre. 1815 zog Napoleon auf dem Weg nach Norden durch Charleroi und manövrierte dadurch zeitweise die Alliierten aus, ehe er in der Schlacht bei Waterloo geschlagen wurde. Nach Kriegsende 1815 kam Charleroi zum Königreich der Vereinigten Niederlande und 1830 zum neugegründeten Königreich Belgien.

Um mehr Platz für den Ausbau der Stadt zu schaffen, wurde 1867 bis 1875 der alte Festungsring abgetragen.[2]

Im Verlauf der „Grenzschlachten“ des Ersten Weltkriegs erlitt bei Charleroi vom 22. bis 24. August 1914 die französische 5. Armee unter Charles Lanrezac in der Schlacht an der Sambre durch die deutsche 2. und 3. Armee unter Karl von Bülow und Max von Hausen eine Niederlage und war gezwungen, den Rückzug anzutreten.

1977 fusionierte die Stadt Charleroi mit den umliegenden Gemeinden, was die Bevölkerungszahl beinahe verzehnfachte.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits für das Mittelalter lässt sich der Abbau oberflächennaher Kohlevorkommen in der Region um Charleroi nachweisen. Im Zuge der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt zu einem Zentrum der wallonischen Kohle- und Stahlindustrie und einem frühen Zentrum der Arbeiterbewegung. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Charleroi zudem zu einem wichtigen Standort für die Produktion von Flachglas, das anfangs vor allem nach Holland und in die holländischen Kolonien exportiert wurde.[3] 1863 eröffnete Ernest Solvay zusammen mit seinem Bruder Alfred Solvay hier die erste Fabrik, die Soda, einen wichtigen Grundstoff unter anderem für die Glasindustrie, nach dem von ihm entwickelten Solvay-Verfahren herstellte.[4]

Bergbau und Schwerindustrie zogen auch zahlreiche ausländische Arbeitskräfte an, vor allem aus Italien. Am 8. August 1956 kamen beim schwersten Grubenunglück der belgischen Geschichte im Bergwerk Bois du Cazier im Stadtteil Marcinelle 262 in der Mehrzahl italienische Bergleute ums Leben.

Dem in den späten 1960er Jahren einsetzenden Niedergang der wallonischen Stahlindustrie konnte sich auch Charleroi nicht entziehen, und es setzte ein Strukturwandel ein, der zu einer bis heute anhaltend hohen Arbeitslosigkeit führte. Im März 2012 kündigte Duferco an, den letzten verbliebenen Hochofen in Charleroi schließen zu wollen.[5] In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Wirtschaft von Charleroi jedoch zunehmend diversifiziert, wozu auch die Ansiedlung von Einrichtungen der Université libre de Bruxelles und die Eröffnung eines Technologieparks in Gosselies beigetragen haben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charleroi ist mit Verbindungen nach Brüssel (- Antwerpen), Lüttich, Lille und Paris sowie Regionalstrecken nach Couvin und Ottignies-Louvain-la-Neuve einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Belgiens. Am Hauptbahnhof Charleroi-Sud fahren täglich rund 355 Züge, darunter jene der vier Linien der S-Bahn Charleroi. Der Rangierbahnhof Monceau-sur-Sambre wurde jedoch 2013 stillgelegt.

Map of the Charleroi premetro network.png
Métro Léger Charleroi - LRV 7504 in Parc station.jpg


Streckennetz: Métro Léger de Charleroi

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Charleroi ist über den Kanal Charleroi-Brüssel mit dem flämischen Wasserstraßennetz verbunden.

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Charleroi befindet sich der Flughafen Brüssel-Charleroi, der ein beliebtes Ziel von Billigfliegern ist. Hauptfluglinie ist Ryanair.

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den öffentlichen Nahverkehr erbringen die Stadtbahn Charleroi sowie Busse. Betreiberin ist die Gesellschaft TEC Charleroi.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kohlebergwerk Bois du Cazier, das 2012 zusammen mit drei weiteren wallonischen Bergwerken zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.
  • Belfried von Charleroi, Teil des UNESCO-Welterbes „Belfriede in Belgien und Frankreich“.
  • Musée de la Photographie in Mont-sur-Marchienne, das als eines der bedeutendsten Fotografie-Museen Europas gilt.
  • Das im 17. Jahrhundert auf Festungsruinen aus dem 14. Jahrhundert errichtete Schloss von Monceau-sur-Sambre, inmitten eines englischen Gartens.
  • Glasmuseum, das Glasherstellung und Kunsthandwerk von der Antike bis zur Gegenwart zeigt.
  • Musée des Beaux Arts Charleroi

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporting Charleroi gehörte von 1985 bis 2011 der höchsten belgischen Fußballliga an. Die Heimspielstätte des Vereins, das Stade du Pays de Charleroi, war auch einer der Austragungsorte bei der Fußball-Europameisterschaft 2000. Mit ROC Charleroi, das heute ROC Charleroi-Marchienne heißt, war ein weiterer Fußballverein aus Charleroi in der obersten Spielklasse des Landes vertreten. Spirou BC Charleroi, dessen Heimspielstätte RTL Spiroudome zwischen 2004 und 2007 Austragungsort des Final Four im ULEB Cup sowie 2006 des Finals im Fed Cup war, gehört zu den erfolgreichsten Basketballvereinen Belgiens. Der Basketballclub ist nach der Comicfigur Spirou benannt. Weiters ist in der Stadt der international erfolgreiche Tischtennisverein Royal Villette Charleroi beheimatet.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charleroi pflegt Städtepartnerschaften mit folgenden Gemeinden:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charleroi ist ein Zentrum der belgischen Comic-Kultur. Der Sitz des traditionsreichen Dupuis-Verlags im Stadtteil Marcinelle ist namensgebend für die École Marcinelle.
  • Ein Basketballclub ist nach der belgischen Comicfigur Spirou benannt.
  • Der Sexualstraftäter und Mörder Marc Dutroux besaß in Marcinelle ein Haus, in dem er zahlreiche seiner Verbrechen beging.
  • seit 2012 wurden von dem Künstler Gunter Demnig in Kooperation mit der Association pour la Mémoire de la Shoah (Vereinigung zur Erinnerung an die Shoah, AMS) mehrere Stolpersteine in Charleroi verlegt, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Charleroi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Verwendung des Namens „Karolingen“ für diese Stadt in OpenStreetMap/Deutscher Stil ist durch keinen historischen Beleg legitimiert. Tatsächlich ist „Karolingen“ die niederländische Version der Dynastiebezeichnung Karolinger. Als Mitglied des Hauses Habsburg war der Namenspatron der Stadt, Karl II. von Spanien, der letzte spanische Habsburger (Casa de Austria), das natürlich auch die Karolinger zu seinen Vorfahren zählte.
  2. Les fortifications de Vauban: Charleroi (Memento vom 15. April 2013 im Webarchiv archive.is) (abgerufen am 30. September 2012)
  3. Eva Mendgen: Glas- und Kristallerzeugung im Hennegau (Memento vom 18. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) , GR-Atlas (abgerufen am 30. August 2012)
  4. Europäische Route der Industriekultur: Industriegeschichte Belgiens (abgerufen am 23. August 2012)
  5. RTBF, 28. März 2012: „Le haut fourneau de Carsid à Charleroi ne sera pas relancé“ (abgerufen am 31. August 2012)