Julian Reichelt

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Julian Reichelt (* 15. Juni 1980 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist. Er fungiert seit Februar 2017 als Vorsitzender der Chefredaktionen und Chefredakteur Digital der Bild. Seit dem Ausscheiden von Tanit Koch zum 1. März 2018 ist er außerdem Chefredakteur der Printausgabe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichelts Eltern arbeiten nach Auskunft der Bildzeitung als Journalisten.[1] Seine Mutter beschäftigt sich nach eigener Auskunft als freie Journalistin mit medizinischen Themen und betreibt eine Webseite zur Homöopathie.[2] Sein Vater Hans-Heinrich Reichelt arbeitete nach eigener Auskunft unter anderem als freier Journalist für die Verlage Gruner + Jahr, Bauer und Burda sowie im Axel-Springer-Verlag. Er war außerdem für eine unbekannte Dauer stellvertretender Redaktionsleiter der Berliner Ausgabe der Bild.[3]

Reichelt war von 2002 bis 2003 Volontär bei der Bild und durchlief die Journalistenausbildung der Axel-Springer-Akademie.[4] Er berichtete u. a. aus Afghanistan, Georgien, Thailand, dem Irak, Sudan und Libanon, teilweise als Kriegsberichterstatter.[5] 2007 wurde er Chefreporter. 2008 wurde er für seinen Bericht „Sie können uns töten, aber niemals besiegen“ aus Afghanistan, erschienen in zwei Teilen am 12. und 13. Oktober 2007 in der Bild, mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten in der Kategorie Überregionale/Nationale Beiträge ausgezeichnet.[6]

Seit Februar 2014 ist er Chefredakteur des Internet-Ablegers der Bild als Nachfolger von Manfred Hart.[7] Im Februar 2017 gab der Springer-Verlag bekannt, dass Reichelt zukünftig als Nachfolger von Kai Diekmann Vorsitzender der Chefredaktionen wird und damit die redaktionelle Gesamtverantwortung für die Bild-Zeitung trägt.[8]

Positionen und journalistischer Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichelt bezieht regelmäßig zu Themen Position. Neben Kommentaren in der Bild-Zeitung und auf Bild.de nutzt er dazu auch Talkshow-Auftritte u. a. bei Günther Jauch, Beckmann, Anne Will, hart aber fair und im WDR-Presseclub. Darüber hinaus publizierte er zwei Bücher.

Im August 2015 widersetzte sich Reichelt in seiner Position als Chefredakteur einer Akkreditierungsabsprache, angeklagte mutmaßliche IS-Kämpfer in einem Prozess vor dem Oberlandesgericht Celle nur verpixelt zu zeigen, da deren Schuld noch nicht bewiesen wurde. In Folge dessen wurde Reichelt als Berichterstatter ausgeschlossen.[9]

Reichelt äußerte im nachfolgend beschriebenen Fall, der Deutsche Presserat würde sich zum „Handlanger der Kreml-Propaganda [...] machen“.[10] Der Presserat monierte die Falschdarstellung russischer Militäroperationen in Syrien durch Bild.de unter dem Titel Putin und Assad bomben weiter im Februar 2016. Der Bezug war eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand binnen einer Woche. Der Beitrag erwecke wahrheitswidrig den Eindruck, dass der gerade beschlossene Waffenstillstand durch Russland gebrochen wurde. Der Ausschuss bewertete presseethisch den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 der Beschwerdeordnung eine Missbilligung aussprach.[11]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichelt wurde wiederholt öffentlich kritisiert, er gilt aber auch selbst als „außergewöhnlich streitlustig in den sozialen Medien“.[12] So lieferte er sich 2015 ein öffentliches Streitgespräch auf Twitter mit dem als „Snowden-Enthüller“ bekannt gewordenen Journalisten Glenn Greenwald.[13]

Die Tageszeitung veröffentlichte 2015 unter der Überschrift What a Man einen sogenannten Liebesbrief, in dem Reichelt in ironisch überspitzter Weise als „wahrer Verteidiger der Pressefreiheit“ und „der hartnäckigste Hund von uns allen“ bezeichnet wird, dem „jede Ideologie fremd“ sei und der „dabei noch hammer-geil“ aussehe.[14]

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. April 2017 setzt sich Frank Lübberding mit einem Auftritt Reichelts in der Sendung hart aber fair zum Krieg in Syrien auseinander. Lübberding schreibt über Reichelt, dass dieser „den leisesten Zweifel an der eigenen Sichtweise schon für Verrat“ halte und ein „Kriegspropagandist“ sei, „den das strategische Dilemma des Westens nicht interessiere“. Reichelt arbeite mit „der Methode eines Revolver-Journalismus“, der „Emotionen hochpeitscht, und in erster Linie nach Feinden sucht“. Lübberding schreibt, dass Reichelts Logik zufolge der Westen in Syrien intervenieren müsse, „wofür sogar das Risiko eines Krieges mit Russland einzukalkulieren wäre.“ Reichelt agiere so nicht als Journalist, sondern als „Propagandist einer Kriegspartei“. Lübberding zufolge verbinde Reichelt „in beispielhafter Weise Arroganz mit Ignoranz“. So erlebe man Beschimpfung von Andersdenkenden durch Reichelt in der Sendung wie „sonst wohl nur im russischen Staatsfernsehen.“ Reichelt gehe es vor allem darum, die Bild-Zeitung wieder als politische Macht zu profilieren, da diese in der Vergangenheit einen „rapiden politischen Bedeutungsverlust“ zu verkraften gehabt habe.[15]

Der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer attestierte Reichelt im Februar 2018, in Bezug auf angeblich zu große Milde der deutschen Justiz „kenntnisfreie Panikmache und rechtspolitische Scharfmacherei auf sehr niedrigem Niveau“ zu betreiben. Er verwies darauf, dass die von Reichelt bei hart aber fair erhobenen Forderungen (u. a. nach Abschaffung eines Strafrahmens bei Sexualdelikten) in Deutschland zuletzt von 1941 bis 1945 im Rahmen der „Polenstrafverordnung“ praktiziert wurden, und unterstellte ihm „eine ausdrückliche und überlegte Absage an die Europäische Menschenrechtskonvention, das Menschenrecht aus Art. 2 Grundgesetz, den verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts“.[16]

Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland bezeichnete Reichelt Wladimir Putin als „Mörder und zynischen Verächter des Sports“ und forderte in dem Zusammenhang von Lothar Matthäus, er „sollte keine blutigen Hände schütteln“.[17] Matthäus reagiert darauf auf Twitter kommentarlos mit einem Foto aus dem Jahr 2016, auf dem Putin zusammen mit Ex-Chefredakteur Kai Diekmann und dem Politik-Chef Nikolaus Blome zu sehen ist.[18]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kriegsreporter. Ich will von den Menschen erzählen. Bastei Lübbe, Köln 2010, ISBN 978-3-404-61669-5.
  • Mit Jan Meyer: Ruhet in Frieden, Soldaten! Wie Politik und Bundeswehr die Wahrheit über Afghanistan vertuschten. Fackelträger, Köln 2010, ISBN 978-3-7716-4466-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BILD-Chefreporter Julian Reichelt: Von Geschichten, die sein Leben veränderten.
  2. Über Katrin Reichelt.
  3. Über Hans-Heinrich Reichelt.
  4. Reichelt hat bei der "Bild"-Gruppe künftig das letzte Wort . Süddeutsche Zeitung vom 6. Februar 2017, abgerufen am 11. November 2017.
  5. Julian Reichelt, Reporter-Forum, abgerufen am 25. August 2014.
  6. Axel-Springer-Preis 2008: Preisträger Print. (Memento des Originals vom 16. Juli 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archiv.axel-springer-preis.de Website des Axel-Springer-Preis für junge Journalisten, abgerufen am 11. April 2017.
  7. Manfred Hart wird Chefredakteur für digitale Entwicklungsprojekte bei BILD/ Julian Reichelt übernimmt Chefredaktion von BILD.de. axelspringer.de, 19. November 2013.
  8. Julian Reichelt wird Vorsitzender der Chefredaktionen. In: Spiegel Online, 6. Februar 2017, abgerufen am 11. April 2017.
  9. kue/dpa: „Bild“-Reporter von IS-Prozess ausgeschlossen. faz.net, 4. August 2008.
  10. Presserat weist Vorwürfe von Bild.de-Chef Reichelt zurück: „Geht in eine gesinnungspolitische Richtung“ › Meedia.
  11. Entscheidung des Beschwerdeausschusses 1 in der Beschwerdesache 0160/16/1-BA. Deutscher Presserat, 7. Juni 2016, abgerufen am 11. April 2017 (PDF).
  12. „Wir haben mit Bild Plus die größte Abo-Zeitung Deutschlands geschaffen“ – Julian Reichelt im MEEDIA-Gespräch (1) › Meedia.
  13. „Pöbelnder Ideologe“, „sleazy tabloid editor“ – Bild.de-Chef Julian Reichelt und Glenn Greenwald zoffen sich bei Twitter › Meedia.
  14. Paul Wrusch: „Bild.de“-Chef Julian Reichelt: What a Man. 4. August 2015.
  15. Frank Lübberding: Kriegspropaganda – einmal nicht aus Moskau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. April 2017, abgerufen am 11. April 2017.
  16. Kenntnisfreie „Fakten-Checker“ bei „Hart aber fair“: Plasberg und Bild strapazieren das „gesunde Volksempfinden“ › Meedia.
  17. Kommentar von Julian Reichelt: Lothar Matthäus sollte keine blutigen Hände schütteln! In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 8. Juli 2018]).
  18. Kim Patrick von Harling: Umstrittenes Putin-Foto: Skurriler Twitter-Streit zwischen „Bild“-Chef und Lothar Matthäus | shz.de. In: shz. (shz.de [abgerufen am 9. Juli 2018]).